StilkolumneDem Winter die Stirn bieten

Tillmann Prüfer über Tücher und Bänder von 

Tuch von Marc Jacobs, 260 Euro

Tuch von Marc Jacobs, 260 Euro  |  © Peter Langer

Auf den Straßen der Republik ist gerade ein kleines Comeback zu erleben: Das Stirnband ist wieder da. Man sieht es an jungen Frauen, die einen Kaffee im Pappbecher durch die Stadt tragen. Ein Wollband, aus dem die Haare hervorquellen und das an der Stirn von einer kleinen Manschette gerafft ist, was ihm die Anmutung eines Hausfrauenknotens gibt.

Diesen Knoten hat man schon an der von Max und Moritz gepeinigten Witwe Bolte gesehen. Den Knoten des nach vorne gebundenen Kopftuches, das einzig dazu diente, die Haare von der schweißnassen Stirn fernzuhalten. Es ist die wohl bürgerlichste Form, ein Stirnband zu tragen. Man sieht damit nach wohlgeratenem Mädchen aus.

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Dabei waren Stirnbänder mal Symbol der Freiheit und Ungebundenheit. Die Hippies der sechziger Jahre bändigten ihre Mähnen damit. Stars wie Brigitte Bardot liebten Haarbänder. Die Schauspielerin trug gerne ein sogenanntes Bandeau – ein Haarband aus Jersey, das sie wie einen Haarreif über den Kopf zog. Später hatte man Winterstirnbänder. Man stattete sich damit zum Skifahren aus, als dieses noch als etwas Modisches angesehen wurde, bei dem man gut auszusehen hatte. Und nicht wie heute mit Helm und Protektoren, als sei man unterwegs zu einem Kampfeinsatz.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

In den achtziger Jahren wurde das Stirnband zum Symbol der Fitnesswelle. Wer sich so ein Teil aus Frottee über die Stirn zog, zeigte: Ich mache Aerobic. Leider markierte das auch den Beginn seines modischen Abstieges, denn fortan konnte man sich das Stirnband nur noch mit Schweiß vollgesogen vorstellen. Bald erging es dem Band wie dem Trainingsanzug: Es wurde zum Sinnbild für hoffnungsloses Proletentum.

Nun also ist es wieder da, das Stirnband. Man sieht es an Margherita Missoni und an den Olsen-Zwillingen. Und an vielen anderen, die es als Mützenersatz nutzen. Den komischen Witwe-Bolte-Knoten möge man den Trägerinnen verzeihen. Er sieht konventionell aus, kann aber auch das Gegenteil bedeuten. Immerhin schmücken sich auch die Frauen der Rockabilly-Szene mit Hausfrauenknoten-Haarbändern. Und würde man denen sagen, das sehe irgendwie angepasst aus, würden sie einem wahrscheinlich ein paar Zähne aushauen.

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Leserkommentare
  1. Zu einem derart belanglosen Artikel finden sich noch nicht mal die Kommentatoren ein, die normalerweise über belanglose Artikel Meckern ;-)

  2. von tilmann. über stil könnte man weiß gott genug interessantes schreiben. nur scheint es nicht das thema von hr. prüfer zu sein.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Aerobic | Brigitte Bardot | Kaffee | Kopftuch | Schauspieler | Band
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