Murdoch-ImperiumSonne am Sonntag

Rupert Murdoch startet eine neue Zeitung unter der Flagge der "Sun" – aber auch die gerät ins Visier der Ermittler. von 

Die erste Ausgabe der britischen Zeitung "The Sun on Sunday" am 26. Februar 2012 an einem Londoner Kiosk

Die erste Ausgabe der britischen Zeitung "The Sun on Sunday" am 26. Februar 2012 an einem Londoner Kiosk  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Nackte Brüste, na klar. Aber Kelly Rowland, das Nackedei der Seite drei, verdeckt sie schamhaft. Statt auf freches Luder macht sie auf keusche Verführung.

Am Wochenende beglückte Rupert Murdoch die Briten mit einer neuen Sonntagszeitung. Die Pose der amerikanischen R-’n’-B-Sängerin in der Sun on Sunday sagt alles über das neue Blatt und viel über die prekäre Situation des australischen Medienmoguls. Vor über vierzig Jahren erfand er den britischen Boulevardjournalismus neu und machte die Sun und die News of the World zu den schrillsten und erfolgreichsten Zeitungen des Landes. Doch vergangenen Sommer kam raus, dass die Journalisten der News of the World die moralische Bodenhaftung völlig verloren hatten . Jahrelang hatten sie die Handys von Promis, Politiker und die Opfer von Schwerverbrechen abhören lassen, um noch fettere Schlagzeilen drucken zu können. Rupert Murdoch stellte die Zeitung kurzerhand ein . Trotz dieser drastischen Schadensbekämpfung war und ist die Zukunft der Murdoch-Familie in ihrem Konzern News Corporation gefährdet.

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Die Sun on Sunday ist anders als die News of the World, sie ist eher boulevardesker Schoßhund als Terrier. Die Titelseite erzählt das Mutter-Kind-Drama der Schauspielerin Amanda Holden, die auch Jurymitglied einer Talentshow ist. »Weltexklusiv« berichtet sie in der ersten Ausgabe, wie sie bei der Geburt ihrer Tochter im Januar beinahe gestorben wäre. Eine Geschichte, die ans Herz geht. Dazu schreibt der Promi-Koch Heston Blumenthal eine Küchen-Kolumne. Das ehemalige Busenwunder Katie Price , heute eine tüchtige Selbstvermarkterin, sinniert über Kinder, Schulen und Whitney Houston . Und der Erzbischof von York, John Sentamu, fordert die Leser dazu auf, der Sun on Sunday- Mannschaft in einem himmlischen Akt die Machenschaften ihrer ehemaligen Kollegen der News of the World zu vergeben. Allerdings brauchte es dafür kein großes Theater: Der Supersonderpreis von nur 50 Pence half Rupert Murdoch, von der ersten Nummer mehr als zwei Millionen Exemplare zu verkaufen.

Nur die Gesetzeshüter lassen sich nicht so leicht von Murdochs Unschuld und Reue überzeugen. Vor zwei Wochen verhaftete Scotland Yard fünf leitende Redakteure der Sun . Die Fahnder folgten einer Spur, die vermuten lässt, dass auch dem Werktagsblatt illegale Mittel recht waren, um Schlagzeilen zu machen. Die Scotland-Yard-Beamtin Sue Akers sprach vor dem Untersuchungsausschuss zur Abhöraffäre von Hinweisen auf eine Unternehmenskultur bei der Sun, in der Zahlungen an Polizisten die Regel seien. »Jedes Jahr sollen dort mehrere Hunderttausend Pfund an Schmiergeldern gezahlt worden sein«, sagt der Medienexperte Clive Hollick. » James Murdoch will als Vorstandschef von News International davon nichts gewusst haben. Entweder stimmt das nicht, oder er war extrem fahrlässig.«

Der Skandal hat die Murdochs in ihrem eigenen Konzern in die Ecke gedrängt. Mächtige Anleger, allen voran ein Pensionsfond kalifornischer Lehrer und die British Telecom , übten massiven Druck auf den Vorstand aus, bei der englischen Tochter News International aufzuräumen. Seither durchstöbert ein Team von mehr als hundert News-Corp-Anwälten die E-Mails von News International aus den vergangenen zehn Jahren. Was sie finden, geben sie an die britischen Behörden weiter. Die Beteuerungen der Familie, von den üblen Machenschaften ihrer Londoner Journalisten nichts gewusst zu haben, werden immer unglaubwürdiger. »Die Sun on Sunday binnen einer Woche auf den Markt zu bringen war ein Geniestreich, wie nur Murdoch ihn hinkriegen konnte«, sagt ein Londoner Vertreter von News-Corp-Anlegern. »Aber je mehr Informationen ans Licht kommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass News Corp ins Visier der amerikanischen Justizbehörden gerät. Murdoch müsste dann seinen Sohn opfern. James als Thronfolger wäre nicht mehr zu halten.«

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Leserkommentare
  1. um seine antieuropäischen, erzkonservativen Botschaften zu verbreiten.
    Nachdem er News of the World einstellen mußte, die sich mit unsäglich menschenverachtenden Abhörskandalen (unter anderem gefakten Anrufen in einem Mordfall) diskreditiert und strafbar gemacht hat, fehlte ihm dieses.

    Die Sun on Sunday kommt jetzt entsprechend etwas biederer daher, um Vertrauen wiederzugewinnen.

    Mal sehen, wie lange sich der Wolf im Schafspelz verstecken kann.
    Die Macht der großen Pressemogule ist erschreckend und kaum jemand ist sich dessen bewußt.

    kassandra

    • Bus-x
    • 03. März 2012 23:33 Uhr

    Rupert Murdoch braucht Zeitungen um die Meinungen der Briten und auch vieler Anderer zu korrumpieren. Nur damit Rupert Murdoch noch mehr Geld der Briten in die Tasche bekommt. Nur was macht er am Ende damit wenn die Kiste kommt?

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  • Schlagworte Rupert Murdoch | James Murdoch | British Telecom | Whitney Houston
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