Ein Jahr nach dem GAUExperiment mit 60.000 Haushalten

Wann ist eine Rückkehr in die verstrahlten Gebiete möglich? von 

Reisfelder Japan Fukushima radioaktive Strahlung

Die Präfektur Fukushima galt als Kornkammer Japans, bevor austretende radioaktive Strahlung das Gebiet verseuchte. Diese Reisfelder – hier bei einer Begehung durch Agrarbeamte im Mai 2011 – sind nach dem Beben und dem Tsunami ausgetrocknet.  |  © Issei Kato/Reuters

Der Schrecken von Fukushima hat einen Namen: Cäsium. Die radioaktiven Partikel haften auf Straßen und Dächern, Bäumen und Böden. Sie kleben an Fensterscheiben und nisten in Mauerritzen. Und die meisten Flächen werden noch lange strahlen: Erst nach 30 Jahren ist die Aktivität von Cäsium-137 auf die Hälfte gesunken.

Aber schon in den nächsten zwei Jahren sollen die Menschen in ihre verstrahlte Heimat zurückkehren. So will es die japanische Regierung. Überall dort, wo eine Strahlenbelastung von weniger als 50 Millisievert pro Jahr gemessen wird, werden im Sommer Arbeiterkolonnen durchs Land ziehen. Sie sollen Straßen und Gebäude mit Hochdruckreinigern abspritzen und die Erde von Grünflächen abtragen. Das soll die jährliche Dosis auf 10 Millisievert senken – immer noch das Fünffache der natürlichen Strahlenbelastung.

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Eine Herkulesaufgabe: Eine 27.000 Hektar große Fläche mit 60.000 Häusern muss geputzt werden. "Das ist ein großes Experiment", sagt Rolf Michel, ehemaliger Leiter der bundesdeutschen Strahlenschutzkommission. Bisher gibt es nur rudimentäre Erfahrungen mit einem solchen Großputz. In Tschernobyl ist die Sperrzone bis heute weitgehend unbewohnt, die 50.000-Einwohner-Stadt Prypjat, die von der Kernkraft lebte, wurde vollständig aufgegeben . Es habe Geld gefehlt, heißt es in einem Bericht des Tschernobyl-Forums .

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

In Japan sind die nötigen Mittel vorhanden: Aufträge im Volumen von 13 Milliarden US-Dollar hat die Regierung laut Medienberichten kürzlich an drei der größten Baufirmen des Landes vergeben. Bisher wurde die Dekontamination nur im kleinen Maßstab erprobt, etwa auf Schulhöfen in Fukushima-Stadt. Dort ließ sich die Strahlenbelastung durch gründliches Putzen fast auf null zurückfahren. "Städtische Gebiete können gut dekontaminiert werden", sagt Michel.

Direkte Strahlenschäden

Die Strahlenschutzexperten unterscheiden zwischen deterministischen und stochastischen Strahlenschäden. Mit dem ersten sind Symptome gemeint, die unmittelbar nach einer Strahlenexposition auftreten, wie Übelkeit und verbrennungsartige Hautrötungen. Solche Schäden treten fast immer nur dann auf, wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten wurde, wenn zu viele Zellen eines Gewebes beschädigt worden sind. Experten sprechen von einer Schwellendosis, die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Indirekte

Durch die Nahrung kann eine solch lebensgefährliche Schwelle kaum überschritten werden. Essen wir radioaktiv belastetes Gemüse, wird das eher später nach Jahren oder Jahrzehnten negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben – wenn überhaupt.

Diese Strahlenschäden lassen sich nur in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken: Wie wahrscheinlich ist es nach einer Strahlenexposition X im Zeitraum Y an der Krankheit Z zu erkranken? Zu den möglichen Symptomen zählen etwa Unfruchtbarkeit, Trübungen der Augenlinsen oder Krebs, die auch erst Jahre nach einer erhöhten Belastung auftreten können. Auch Schäden an Neugeborgenen fallen darunter.

Wie schädlich eine Strahlung ist, lässt sich also nicht genau festlegen: Person A hat im März 2011 die Strahlendosis B abbekommen und wird im Jahr C an Krebs erkranken – solche Aussagen sind unmöglich! Es gibt keine Regel anhand der sich sagen lässt, ab welcher Dosis eine Person erkrankt und ob das überhaupt jemals der Fall sein wird.

Erbgut
Grafik Radioaktivität
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.  |  © Julika Altmann

Die Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgehen, können direkt bestimmte Zellbestandteile verändern oder indirekt freie Radikale aus dem Wasser in der Zelle bilden, die dann das Gewebe beschädigen können. Am empfindlichsten ist das Erbgut (DNA). Die Strahlung kann etwa die DNA-Kette brechen oder den Code verändern. Nicht nur Radioaktivität, sondern auch Hitze, mechanische Kräfte oder chemische Stoffe können solche Mutationen auslösen. Das körpereigene Reparatursystem des Menschen ist gut darauf trainiert: es behebt jeden Tag zig Billionen Erbgutschädigungen.

Gelingt eine Reparatur nicht, kann der Körper immer noch die Möglichkeit ergreifen, die betroffene Zelle abzutöten. Gelingt das nicht, kann das bei den folgenden Zellteilungen schwerwiegende Folgen haben, da sich die Mutation auf die Nachkommen dieser Zelle übertragen. Krebs ist eine mögliche Spätfolge davon.

Für die Mediziner ist es im Nachhinein aber kaum möglich, zu rekonstruieren, ob der Auslöser für eine Tumorerkrankung eine erhöhte Strahlenbelastung oder ein sonstiger Faktor gewesen ist.

Medizin

Radioaktivität wird nur selten mit Gesundheit in Verbindung gebracht. Und doch nutzt die Medizin sie vielfach. Die Strahlung von Radionukliden wird etwa eingesetzt, um das Wachstum von Tumoren zu hemmen oder um die Durchblutung von Gewebe sichtbar zu machen.

In der Geschichte finden sich auch einige Negativbeispiele zur medizinischen Anwendung von radioaktiven Stoffen, die es so heute sicher nicht mehr geben würde: So sollten etwa Hüftgürtel mit Radium gegen Rheuma helfen, eine Zahnpasta mit dem Element sollte für gesundes Zahnfleisch sorgen, radioaktive Einlegesohlen sollten die Füße pflegen und ein radiumhaltiges Haarwasser gegen Haarausfall vorbeugen.

Je ländlicher die Gegend ist, desto schwieriger wird es allerdings: Die Bäume und Pflanzen haben das Cäsium aus der Luft gesogen, als die radioaktiven Wolken durch die Präfektur zogen. Jetzt kann man sie nur noch fällen. Eine illusorische Vorstellung in einer Region, die überwiegend bewaldet ist. Aussichtslos dürfte auch der Versuch sein, in absehbarer Zeit jene Regionen zu dekontaminieren, in denen die Strahlendosis gegenwärtig 50 Millisievert im Jahr übertrifft. Über 8.000 Hektar Ackerland, fast ein Zehntel der Fläche Berlins, sind so stark belastet. Das japanische Umweltministerium gibt zu, sie seien "schwierig" zu dekontaminieren. Darum sind sie von den aktuell geplanten Säuberungsaktionen ausgenommen.

Leserkommentare
  1. und ihr Verhältnis zum Land (Gewinnung) kennen.

    Vergleichbar mit den Niederlanden in Europa!

    Eine Leserempfehlung
  2. 2. ......

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sinnvoll solche Aktionen sind, solange im Abklingbecken von Reaktor 4 unverbrauchte, neue MOX-Brennstäbe lagern.
    Wenn dort die Kühlung ausfällt, wird eine vollkommen unkontrollierte Kettenreaktion unter freiem Himmel geben, mit Ausmaßen, die wir uns gar nicht vorstellen können. Eine geplante Plastikplane wird zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich helfen.

    Vielleicht sollten die Verantwortlichen erst einmal die wirklich dringlichen Probleme angehen.

    12 Leserempfehlungen
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    Das Abkling- bzw. Lagerbecken wird ja wohl keine kritische Anordnung sein, oder? Das wäre nämlich nicht zweckdienlich. Im Vergleich zum Kernreaktor selbst werden die Brennelemente mit großen Abständen zueinander in das Becken gehängt. Das führt dazu, dass der Neutronenfluß für eine Kritikalität nicht ausreicht.
    Problematisch ist der Nachzerfall der Tochternukleide bei benützten Brennelementen. Der führt zu stetig fallender am Anfang erheblicher Wärmefreisetzung, was eine mehrjährige Nachkühlung erforderlich macht, danach können sie prinzipiell trocken gehandhabt und gelagert werden. Wasser wird dann in der Hauptsache zur Abschirmung der Strahlung bei Umladevorgängen eingesetzt.
    Einfach mal ein Lehrbuch zur Kernreaktortechnik in die Hand nehmen und nachlesen.

    sehe ich ähnlich wie schwarze Drachenrose. prio 1: Stabilität der Ruinen und Abklingbecken herstellen, insb. auch im Hinblick auf ein erneutes starkes Erdbeben incl. Tsunami, Unterbindung weiterer Freisetzung von Radioaktivität.

    siehe auch Beitrag im ZDF http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    Man hat etwas Zweifel, ob die Japaner die Prioritäten wirklich vernünftig im Blick haben, wenn man hört, dass man sich erst im Mai(!) darüber im Klaren war, dass die Schmelze am Reaktorboden hängt.

    • Crest
    • 11. März 2012 14:22 Uhr

    "niegelnagelneue, vollkommen unverbrauchte Brennstäbe"

    brauchen nicht gekühlt zu werden und können auch nicht zu einer vollkommen unkontrollierten Kettenreaktion unter freiem Himmel führen.

    (Die real existierende Kultur in diesem unserem Lande ähnelt bei den immer wieder zutage tretenden fehlenden naturwissenschaftlichen basics doch sehr einer "Dame ohne Unterleib".) C.

    ... gibt es eine unkontrollierte Kettenreaktion. Im Abklingbecken!

    Ach so ist das. Darf ich einmal vorsichtig nachfragen, wo Sie diese originelle Variante der Kernphysik her haben? Von Greenpeace vielleicht? Von der Deutschlehrerin? Dem teufelszeugaustreibenden süddeutschen Kirchenmann (aus der "Ethik-Kommission")?

    Für alle, die sich getrieben fühlen, durch aufgeregte aber nicht blamable Leserkommentare heute noch die Welt zu retten, folgendes ins Stammbuch:

    1. Gerade die "frischen" Brennelemente sind es, die am wenigsten strahlen, weil Uran und Plutonium sehr lange Halbwertzeiten haben. Es sind die benutzten Brennelemente, die die kurzlebigen Spaltprodukte enthalten - sie wären bei falscher Handhabung extrem gefährlich.

    2. Ob es zu einer Kernspaltung kommt, hängt nicht von der Kühlung ab, sondern vom Vorhandensein und der Nachproduktion langsamer Neutronen. Neutronen, die bei einer Kernspaltujng entstehen, sind "schnell", damit sie einen anderen U- oder Pu-Kern spalten können, müssen sie abgebremst ("moderiert") werden. Moderiert werden sie in Wasser. Abklingbecken enthalten zwar Wasser, aber in diesem ist Borsäure gelöst, die die Neutronen wegfängt. Keine Neutronen - keine Spaltung. Ginge das Becken zu Bruch, wäre die Borsäure fort, aber das Wasser auch. Kein Wasser, keine Moderation, keine Spaltung.

    1. Seltsam, dass die Ingenieure vor Ort in Fukushima das ganz anders sehen, als die in Sessel sitzenden Herren hier vor Ort.

    2. Interessanter Weise wird hier sofort die sexistische Karte gezogen und die sog. "Herren der Schöpfung" müssen auf mein weibliches Geschlecht verweisen. Komplexe?

    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    Ich persönlich halte die Ingenieure die vor Ort arbeiten insgesamt für weitaus kompetenter als irgendwelche im Sessel vorsichhin spekulierende Männer, die nichts besseres zu tun haben als ihre geschlechtsspezifische Meinung gegenüber Frauen kundtun zu müssen.

    Glücklicherweise hat dieses Land aber auch noch fähige Männer zu bieten - wenn auch nicht unbedingt hier im Forum :D

    Frau "Drachenrose", die Kritik an Ihnen bezieht sich darauf, daß Sie öffentlich weitreichende apodiktische Statements zu einem Themengebiet abgeben, zu dem Ihnen die notwendigen elementaren Kenntnisse erkennbar fehlen.

    Wenn Sie sehen wollen, was in Fukushima wirklich passiert ist, werfen Sie einen Blick in unseren Report zu dem Thema - bei dessen Erstellung haben uns eine ganze Reihe von Reaktorfachleuten und Physikern unterstützt: www.ke-research.de/downlo....

    Die Recherchen des ZDF, die Sie verlinkt haben, sind zunächst gut und konsistent mit unserer Aussage vom Oktober, daß "Fukushima" vor allem auf hausgemachten Problemen der Japaner zurückzuführen ist. Nur läßt das ZDF die technische Unfallsequenz im Dunklen. Dai-Ichi ist nicht havariert, weil da irgendwann einmal ein Dammpftrockner falsch eingebaut war, sondern weil das mögliche Problem des Druckabbaus bei Stromausfall nicht durchdacht worden war.

    Zum Schluß aber versucht das ZDF, die faktische Situation (vergleichsweise glimpfliche Folgen des Unfalls) in eine große Katastrophenerwartung umzudeuten. Die dramatischen Abschlußaussagen des Sprechers sind durch Interviewaussagen des japanischen Ingenieurs nicht gedeckt! Die Behauptung, die größte Katastrophe stünde Japan vielleicht noch bevor, ist nichts anderes als das Geschwätz unserer Öko-Gruppen, das dem Geschäftsmodell einer Angstindustrie folgt und sich von jeder naturwissenschaftlichen und technischen Basis längst verabschiedet hat.

    • LaoLu
    • 11. März 2012 12:38 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    11 Leserempfehlungen
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    • Crest
    • 11. März 2012 13:08 Uhr

    daß sich so'n büschen Cäsium nach neuesten Erkenntnissen recht positiv auf den allgemeinen Gesundheitszustand eines Menschen auswirkt.

    Das hätten Sie gerne?

    Meine These ist, dass das Leben, wenn es mit einem Naturphänomen (hier: der Radioaktivität) von Beginn an und ohne Unterbrechungen über die Jahrmilliarden ausgesetzt und konfrontiert war, es sich 1. damit arrangiert hat und 2. sogar seinen Nutzen daraus gezogen haben könnte. (Dieses Fass können wir vielleicht ein andermal genauer öffnen.)

    Und bevor Sie mich jetzt reflexhaft grillen und bei großer Flamme rösten, selbstverständlich ist dies wie auch anderswo eine Frage der Dosis. (Wie bei Ihrem Paracetamol, mit dem Sie sich bei Überdosierung auch die Leber ruinieren können.)

    Und damit wir auch darüber nicht unnötig disputieren müssen: 50 Millisievert pro Jahr, das ist nicht viel. Mit ein wenig Abgeklärtheit müsste man hier noch nicht notwendig dekontaminieren.

    Deshalb zu Ihrem letzten Abschnitt: ein klares ja. Allerdings würde ich darauf achten, dass sie sich genügend mit Sonnencreme schützen. Auch gegen die Strahlen. Aber gegen die Sonnenstrahlen. Das Risiko ist nämlich größer.

    Herzlichst Crest

    Entfernt. Anmerkungen zur Moderation senden Sie gern an community@zeit.de, da der Kommentarbereich für die Artikeldiskussion gedacht ist. Danke, die Redaktion/mk

  3. man alles reparieren kann, in Japan immer noch existent - wird man aber nicht, wie im Artikel von diversen Strahlenschutzexperten auch erwähnt. Allein das Cäsium reicht aus, die ganze Gegend für die nächsten 30 Jahre unbewohnbar zu machen und noch länger wird es dauern (ich glaube, man schätzt so 10 Generationen), bis man dort unbedenklich wohnen und landwirtschaftliche Produkte von dort zu sich nehmen kann. (Dies alles sind nur die Folgen des Cäsiums, andere radioaktive Stoffe haben wesentlich längere Halbwertszeiten, z.T. Jahrmillionen). Wen es interessiert, der kann gern auf Wikipedia suchen.
    In bestimmten bayrischen Regionen, die durch Tschernobyl belastet wurden, dürfen heute noch keine Pilze gegessen werden und erlegte Wildschweine werden nur nach Tests auf Cäsium zum Verzehr freigegeben - sind sie zu hoch belastet, wird das Fleisch vernichtet; die bayrischen Jäger erhalten dann eine Ausgleichszahlung.
    Offensichtlich will man den Menschen weismachen, die Folgen des Gaus seien behebbar - und damit die atomare Verstrahlung ein bißchen risikoärmer darstellen. Oder soll hier ein großflächiges wissenschaftliches Experiment durchgeführt werden? Auch das würde ich nicht völlig ausschließen. Die japanische Regierung bzw. TEPCO haben ja schon letztes Jahr massiv gelogen - laut SPON wurden die Gefahren einer Kernschmelze schon ein paar Stunden nach dem Erdbeben und dem Tsunami diskutiert, der Öffentlichkeit aber wurde noch monatelang vorgelogen, alles sei nicht so schlimm.

    7 Leserempfehlungen
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    Leser(in) Schewietzek erinnert daran, daß Wildschweine in einigen Gebieten Bayerns hoch mit Cäsium belastet sind. Der Grund: Die Tiere lieben Hirschtrüffel, und diese unterirdisch wachsenden Pilze lieben Cäsium. Hirschtrüffel in Bayern wurden mit bis zu 27.000 Bequerel pro Kilogramm gemessen. Das ist grob fünzigmal mehr als der für Menschen geltende Grenzwert.

    Nun muß man wissen, daß es strahlungsbiologisch zwischen den Zellen eines Menschen und denen eines Schweins keinen Unterschied gibt. Glaubte man den aufgeregten Verlautbarungen aus dem grünen Lager zur Gefährdung der Menschen, dann wäre das Ende der Spezies Wildschwein vorgezeichnet. Die letzten Wildschweine Bayerns lägen röchelnd und von Tumoren zerfressen an der Infusionsleitung verzweifelter Tierschützer, bevor sie mit einem letzten Grunzen für immer von der Erde verschwänden.

    Dem sind wir nachgegangen. Ich habe mit den Umweltministerien in Berlin und München korrespondiert sowie den bayerischen Jagdverband und eine Tierärztin interviewt, die ihre Dissertation über die Cäsiumbelastung bayerischer Wildschweine geschrieben und dazu das Thema umfassend ausgeleuchtet hatte. Das Ergebnis: Es liegen keinerlei Erkenntnisse darüber vor, daß der bayerische Wildschweinbestand jemals gesundheitlich belastet gewesen wäre, und das, obwohl die Schwarzkittel mit einem Aktivitätspegel herumlaufen, der im Vergleich zu uns Menschen absolut skandalös ist!

    Näheres gibt es hier: www.ke-research.de/downlo...

  4. habe gestern und vorgestern mehrere kritische Beiträge zu Fukushima gesehen, was mich sehr deprimiert hat. Bisher ist keiner der Gewinnoptimierer von Tepco zur Rechenschaft gezogen wurden. Japan hat sich in Geiselhaft der Energiekonzerne (Atomdorf) begeben. Ein Vorgang der uns auch in Deutschland mehr als vertraut ist. Auch jetzt wird gelogen und verharmlost.Tepco wird mit Milliarden unterstützt, die Bauern und Fischer, die ihre Existenzgrundlage verloren haben, mit Almosen abgespeist. Bis jetzt hat Japan in der atomaren Katastrophe viel Glück gehabt. Der größte Teil der Strahlung wehte aufs Meer. Doch noch lauern Risiken ungeahnter Dimension, insbesondere wenn bei einem erneuten schweren Beben, die Abklingbecken bersten. Die japanische Regierung verschweigt nicht nur aktuelle Gefahren und riskiert mit der Heraufsetzung von Grenzwerten, die Gesundheit der in den verstrahlten Gebieten außerhalb des 20 Kilometerradius, lebenden Menschen, vor allem der Kinder. Das die Menschen, sich an jeden Fetzen Normalität klammern, verstehe ich. Japan war schon vor der Katastrophe hoch verschuldet. Ich habe die Kommentare noch im Ohr, wie schnell das Hochtechnologieland Japan die Schäden des Tsunamie beseitigen wird. Jetzt ein Jahr später wird klar, das es Jahrzehnte dauern wird.

    5 Leserempfehlungen
  5. Japan gilt als reiches Land, genau wie Deutschland. Doch der Reichtum kontzentriert sich in den Händen weniger, die nicht bereit sind in der Not zu teilen. Japan ist mit seinem Wachstumsglauben rücksichtslos mit globalen Resourcen umgegangen, seien es Regenwälder, Delfine und Wale. Ob die Konzernherren nach dieser Katastrophe umdenken werden?

    2 Leserempfehlungen
    • mahkay
    • 11. März 2012 12:51 Uhr

    Wie soll man das Land dekonterminieren?
    Man müsste die verseuchten Gebiete Endlagern!?
    Wie soll das gehen?
    Und man spricht hier von Cäsium. Was ist mit z.B. Plutonium, das auch ausgetreten ist?

    Nach 30 Jahren ist nur die Hälfte von Cäsium biologisch abgesunken.
    Die andere Hälfte Strahlt weitere 30 Jahre, bis hier dann wiederum nur die Hälfte absinkt usw..

    Beim Plutonium sieht es anders aus.
    Die Halbwertzeit da beträgt 24110 Jahre.

    Jetzt kommts: In EU hat man ein Stresstest der Atomanlagen durchgeführt, die keine echtes Stresstest war. Man hat es aber in Europa medial so verkauft.

    Die Atombetreiber sollten eine Reihe von Fragen beantworten, die von einer Fachgruppe erstellt war, um zu verifizieren, ob Ihre Anlagen sicher sind.

    Quasi prüft (beurteilt) ein Betreiber seine Anlage selber und vertritt natürlich das eigene Interesse, die Anlagen weiter betreiben zu können.

    Eine Farce!!!

    5 Leserempfehlungen
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    "Was ist mit z.B. Plutonium, das auch ausgetreten ist?"

    Ob Plutonium überhaupt ausgetreten ist, ist imho durchaus unklar, das gefundene im Umkreis des Kraftwerks lag in einer Konzentration vor, die überall auf der Erde (auch in Ihrem Garten) durch die Atombombenveruche der 60er Jahre noch vorhanden ist.

    Wenn überhaupt, ist also sehr wenig ausgetreten, und da Plutonium sehr schwer ist (und nicht durch eine Bombe in die obere Atmosphäre gleangte), hat es sich nicht großflächig verteilt, sondern blieb im Bereich des Kenrkraftwerkes.

    Nein, das praktisch einzige, das wegen der vorhandenen Menge, biologischen Aufnahmefähigkeit (ähnelt chemisch Kalium) und dem physischen Verteilungsmuster beim Austreten ein Problem darstellen könnte, ist Cäsium.

  6. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    8 Leserempfehlungen

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