Der Schrecken von Fukushima hat einen Namen: Cäsium. Die radioaktiven Partikel haften auf Straßen und Dächern, Bäumen und Böden. Sie kleben an Fensterscheiben und nisten in Mauerritzen. Und die meisten Flächen werden noch lange strahlen: Erst nach 30 Jahren ist die Aktivität von Cäsium-137 auf die Hälfte gesunken.

Aber schon in den nächsten zwei Jahren sollen die Menschen in ihre verstrahlte Heimat zurückkehren. So will es die japanische Regierung. Überall dort, wo eine Strahlenbelastung von weniger als 50 Millisievert pro Jahr gemessen wird, werden im Sommer Arbeiterkolonnen durchs Land ziehen. Sie sollen Straßen und Gebäude mit Hochdruckreinigern abspritzen und die Erde von Grünflächen abtragen. Das soll die jährliche Dosis auf 10 Millisievert senken – immer noch das Fünffache der natürlichen Strahlenbelastung.

Eine Herkulesaufgabe: Eine 27.000 Hektar große Fläche mit 60.000 Häusern muss geputzt werden. "Das ist ein großes Experiment", sagt Rolf Michel, ehemaliger Leiter der bundesdeutschen Strahlenschutzkommission. Bisher gibt es nur rudimentäre Erfahrungen mit einem solchen Großputz. In Tschernobyl ist die Sperrzone bis heute weitgehend unbewohnt, die 50.000-Einwohner-Stadt Prypjat, die von der Kernkraft lebte, wurde vollständig aufgegeben . Es habe Geld gefehlt, heißt es in einem Bericht des Tschernobyl-Forums .

In Japan sind die nötigen Mittel vorhanden: Aufträge im Volumen von 13 Milliarden US-Dollar hat die Regierung laut Medienberichten kürzlich an drei der größten Baufirmen des Landes vergeben. Bisher wurde die Dekontamination nur im kleinen Maßstab erprobt, etwa auf Schulhöfen in Fukushima-Stadt. Dort ließ sich die Strahlenbelastung durch gründliches Putzen fast auf null zurückfahren. "Städtische Gebiete können gut dekontaminiert werden", sagt Michel.

Je ländlicher die Gegend ist, desto schwieriger wird es allerdings: Die Bäume und Pflanzen haben das Cäsium aus der Luft gesogen, als die radioaktiven Wolken durch die Präfektur zogen. Jetzt kann man sie nur noch fällen. Eine illusorische Vorstellung in einer Region, die überwiegend bewaldet ist. Aussichtslos dürfte auch der Versuch sein, in absehbarer Zeit jene Regionen zu dekontaminieren, in denen die Strahlendosis gegenwärtig 50 Millisievert im Jahr übertrifft. Über 8.000 Hektar Ackerland, fast ein Zehntel der Fläche Berlins, sind so stark belastet. Das japanische Umweltministerium gibt zu, sie seien "schwierig" zu dekontaminieren. Darum sind sie von den aktuell geplanten Säuberungsaktionen ausgenommen.