Pressefreiheit "Wir machen dich platt"

In Uelzen werden Journalisten bedroht, die über einen Prozess mit Migrationshintergrund berichten.

Ungewohnte Schlagzeilen bei der "Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide"

Ungewohnte Schlagzeilen bei der "Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide"

Mit aufgeklapptem Laptop sitzt Thomas Mitzlaff im Saal 121 des Landgerichts Lüneburg. Der Redakteur der Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide (AZ) wartet auf die Fortsetzung des Prozesses, über den er seit Wochen berichtet. Der Montag dieser Woche verspricht ein ruhiger Tag zu werden, Mitzlaff ist bisher weder bedroht noch beleidigt, noch verfolgt worden. Gelegentlich schaut er in den Zuschauerraum, wo diesmal keine Verwandten oder Freunde der beiden Angeklagten sitzen.

In den vergangenen Wochen, sagt Mitzlaff, hätten sie mehrmals versucht, Journalisten und Zeugen einzuschüchtern. Auch ihn. »Wir machen dich platt«, hätten sie zu ihm gesagt. »Pass auf, du weißt, was anderen passiert ist.« Mitte Februar sei er angerufen worden: Er habe genug über den Prozess berichtet. Er wolle doch weiter in der Region leben, er müsse aufhören – sofort.

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Vor zwei Wochen berichtete die Lokalzeitung auf der Titelseite In eigener Sache über diesen Angriff auf die Pressefreiheit, den man in einem Russland der Oligarchen erwartet hätte, aber nicht in Uelzen am Rande der Lüneburger Heide. »Die AZ- Redaktion bekommt seit Wochen massive Drohanrufe, AZ- Redakteure werden bei ihrer Arbeit im Umfeld des Gerichtes demonstrativ fotografiert und in übler Weise beschimpft«, hieß es in dem Artikel. Dennoch werde man weiterhin über das Verfahren gegen Ismael N. und Robert K. berichten.

Es geht um versuchten Totschlag. Die Angeklagten, beide 19 Jahre alt, sollen vor einem halben Jahr einen Türsteher mit einer Bierflasche zu Boden geschlagen und ihm gegen den Kopf getreten haben. Über die Angeklagten und ihre Familien, die aus dem Libanon und Osteuropa stammen, wird in Uelzen viel erzählt. Von illegalen Wetten, Menschenschmuggel, Raub ist die Rede. Was stimmt, und was ist Verleumdung? Wer als Journalist mit den Familien sprechen will, dringt nicht zu ihnen durch.

Die Polizei bestätigt, dass Ismael N. und Robert K. zur sogenannten Douglas-Bande gehören. Die zehn Männer zwischen 17 und 21 Jahren kamen zu ihrem Namen, weil sie sich oft vor einer Douglas-Filiale in der Innenstadt trafen. Mehr als 100 Straftaten sollen sie verübt haben: Beleidigung, Diebstahl, Erpressung, Körperverletzung. Die Hälfte der Bande sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Die fünf anderen, sagt Redakteur Mitzlaff, hätten gemeinsam mit dem Vater eines der Angeklagten Journalisten und Zeugen bedroht. Im Gerichtsgebäude habe ein junger Mann ein Messer gezogen und ihm, Mitzlaff, gesagt: »Wir sitzen hinter dir.«

An diesem Montagmorgen im Gericht geht es ebenfalls um Robert K.s Vater. Ein Polizist berichtet, »K. senior« habe einen Zeugen in einem Café getroffen und mit ihm über dessen Aussage vor Gericht gesprochen. Kurz zuvor seien zwei Reifen am Auto des Zeugen aufgeschlitzt worden.

Leser-Kommentare
  1. Fänden die in Uelzen bestimmt auch nicht witzig,
    müssten die denen jetzt auch noch nen Ehrensold zahlen.

    Antwort auf "[...]"
  2. ... eine Schublade gesteckt werden möchte.

    Deshalb ein Zitat aus "Rußlanddeutsche Vergewaltiger -- Diplomarbeit zur Untersuchung von Vergewaltigungsdelikten bei Aussiedlern aus der ehemaligen UdSSR" (http://psydok.sulb.uni-sa...) zu Einstellungen und Wertehaltungen inhaftierter Aussiedler (Zusammenfassung einer Arbeit von Otto und Pawlik-Mierzwa (2001), S.58):

    "Die Mythologisierung des Verbrechens bzw. des Verbrechers scheint ein nicht unwesentlicher Bestandteil ihrer Haltung zu sein: "Wer Erfolg hat, hat Recht. Richtiges Handeln ist erfolgreiches Handeln." Erfolg sei dabei immer definiert als materieller Erfolg. Ein Verständnis für das Wesen der Demokratie scheint nicht vorhanden zu sein. Der Staat wird als hohles Gebäude verstanden, in dem informelle, persönliche Kontakte wichtiger erscheinen als äußere "Spielregeln". Polizei und Justiz werden als korrupt betrachtet. So ist auch zu verstehen, daß die Autoren vermuten, daß selbst schwerwiegende kriminelle Handlungen innerhalb der Gruppe der Aussiedler seltener zur Anzeige gebracht werden, dafür oft gruppeninterne "Regelungen", vor allem Geldforderungen, die Konsequenz sind."

    Wenn eine solche Parallelwelt unsere gesellschaftlichen Normen gefährdet, müssen Bürger und Staat entscheiden, ob sie sich beugen, oder wehren. Dabei ist mir persönlich erst einmal egal, ob es eine Gruppe oder Ethnie ist, die ihre Regeln gegen die Mehrheit durchsetzen will.

    Kai Hamann

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    Antwort auf "Gruppendenken"
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    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Aha..."
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    auch wenn es Ihnen nicht passt. Und meinesgleichen, Menschen die nicht Rassistisch sind und die Menschen nicht aufgrund ihrer Andersartigkeit wie Objekte behandeln, die man herum schubsen kann, sind in der Mehrheit und regieren in vielen Fällen, wenn nicht in den meisten, dieses Land.

    [...] Kein Mensch muss sich der Mehrheitskultur unterwerfen und kein Mensch muss produktiv in einem Land sein. Die einzige Pflicht die Mensch innerhalb eines Landes haben, ist sich an Gesetze zu halten und wenn nicht, mit entsprechenden Strafen belegt zu werden.

    Beweisen Sie ersteinmal, dass von Einwanderern besondere Gefahr für vorhandene Kultur ausgeht und das dies mit ihrer angeblich fremden Kultur zusammenhängt. Sie behaupten das lediglich und geben einige Fälle an, aber die gibt es in gleicher Dimension von Deutschen. Es sind am Ende eben nur Menschen, die aus verschiedenen Gründen verschiedene Straftaten vollziehen!

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Diffamierungen. Danke, die Redaktion/mk

    auch wenn es Ihnen nicht passt. Und meinesgleichen, Menschen die nicht Rassistisch sind und die Menschen nicht aufgrund ihrer Andersartigkeit wie Objekte behandeln, die man herum schubsen kann, sind in der Mehrheit und regieren in vielen Fällen, wenn nicht in den meisten, dieses Land.

    [...] Kein Mensch muss sich der Mehrheitskultur unterwerfen und kein Mensch muss produktiv in einem Land sein. Die einzige Pflicht die Mensch innerhalb eines Landes haben, ist sich an Gesetze zu halten und wenn nicht, mit entsprechenden Strafen belegt zu werden.

    Beweisen Sie ersteinmal, dass von Einwanderern besondere Gefahr für vorhandene Kultur ausgeht und das dies mit ihrer angeblich fremden Kultur zusammenhängt. Sie behaupten das lediglich und geben einige Fälle an, aber die gibt es in gleicher Dimension von Deutschen. Es sind am Ende eben nur Menschen, die aus verschiedenen Gründen verschiedene Straftaten vollziehen!

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Diffamierungen. Danke, die Redaktion/mk

  4. Jetzt dürfen Sie wieder geifern und weiter alles so falsch interpretieren, dass es in Ihr tum.es (pseudo!)lin.es Weltbild passt.
    PS: Hoffentlich wachen wir in Europa nicht irgendwann im Mittelalter des Faustrechts und des Rechts des Stärkeren auf - wäre schade um "meine" ;-) Heimat.
    Nebenbei noch eins: Ich bin NICHT stolz Deutscher zu sein, jedoch bin ich über den "Zufall" sehr froh als Deutscher geboren zu sein und im heutigen Deutschland leben zu können - auch wenn ich es aktuell nicht tue.
    Noch eine Frage: Warum packen Sie nicht Ihre Koffer, wenn Ihnen die Idiosynkrasie der im Artikel beschriebenen Protagonisten so gut gefällt?
    Buenas noches!

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    Antwort auf "Aha..."
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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie hier das Artikelthema und verzichten Sie auf die Provokation anderer User. Danke, die Redaktion/mk

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  5. selbst allerlei Schindluder treibt, braucht sie nicht gleich aufzuheulen wenn sie selsbt mal Opfer sind.
    Ich will nur an ihre undurchsichtige Rolle im Falle Wulff oder bei Sibel Kekilli erinnern.

    Und natürlich kann es nicht angehen, dass Journalisten bei Ihrer Arbeit eingeschüchtert oder bedroht werden dürfen. Aber das gilt auch für Müllmänner oder Polizisten oder alle anderen. Und weil die Presse in all den anderen Fällen schweigt, darf sie hier keine Sonderbehandlung erwarten, nur (bzw. auch wenn) die Pressefreiheit lt. Grundgesetz garantiert ist.

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  6. Entfernt. Verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/mak

  7. 47. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • landab
    • 04.03.2012 um 9:03 Uhr

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