Finanzkrise : Ist die Krise vorbei?

Nein, aber sie tritt in eine neue Phase ein – mit einer kleinen Chance auf ein Happy End.

Entspannung in Europa : Italien und Spanien können sich wieder zu akzeptablen Zinsen Geld leihen, Krisenbanken vom Mittelmeer bis zum Nordmeer stabilisieren sich, selbst die skeptischen Investoren von der Wall Street kehren nach Europa zurück. Und die Griechen wackeln zwar und ließen zu Beginn der Woche die Börsen erzittern, aber sie fallen nicht. Der Frühling, er kann kommen.

Zum zweiten Mal nach Anfang des Jahres 2010 stellt sich daher die Frage: Ist die Krise vorbei? Damals währte die Freude über die Erholung der Weltwirtschaft ein knappes Vierteljahr, dann begann der Staatsschulden-Albtraum in Griechenland . Auch heute muss man sagen: Nein, vorüber ist die Krise nicht. Doch wiederum tritt sie in eine neue Phase ein.

Im boomenden Deutschland kann man es vielleicht nur schwer glauben, aber Südeuropa steckt mitten im Existenzkampf. 2012 ist schon das fünfte Problemjahr , es könnte das schwerste von allen werden. Die Volkswirtschaften der Krisenländer am Mittelmeer werden weiter schrumpfen, sagt die EU voraus. Und in diesem monströsen Abschwung droht eine ganze Generation zu versinken. In Spanien ist fast die Hälfte der jungen Menschen arbeitslos, in den anderen Krisenstaaten ist es im Schnitt jeder dritte. Die Folge: Am Mittelmeer werden die sozialen Konflikte zwischen Arm und Reich , zwischen Steuerzahlern und Steuerflüchtlingen fast unerträglich.

In den USA läuft die Wirtschaft wieder, in China läuft sie noch

Von Rom bis Madrid sind jetzt die Reformer, Sparer und Flexibilisierer am Werk. Allesamt verfolgen sie ihre Version von Hartz IV. Doch niemand weiß besser als die Deutschen, dass solche Reformen nur verzögert wirken. Hier bei uns vergingen von Gerhard Schröders Agenda-2010-Rede bis zur ökonomischen Wende drei Jahre. Und in Deutschland wurde die Politik von Gewerkschaften und Arbeitgebern unterstützt, die im vergangenen Jahrzehnt dafür sorgten, dass die an der Produktion gemessenen Lohnkosten kaum stiegen, während sie in Südeuropa um 30 Prozent und mehr in den Himmel schossen. Der dortige Sparbedarf ist also enorm.

Die Krise in ihrer neuen Phase: Es herrscht kein täglicher Untergangsschrecken mehr wie 2011, was übrigens von Politikern und auch von den Medien verlangt, dass sie andere Töne anschlagen. Ständig mit dem Absturz zu drohen verfängt nicht mehr. Aber wo steht Europa wirklich? Ein großer Teil der Alten Welt durchquert nun das Jammertal von Rezession und Reform. Schon kommt die Warnung aus Spanien, dass man noch mehr Schulden aufnehmen werde als geplant. Experten gehen davon aus, dass nach Griechenland auch Portugal ein weiteres Rettungspaket brauchen wird. Vor zehn Jahren war Deutschland der kranke Mann Europas, und der Rest des Kontinents war gesund, heute ist es andersherum. Selbst Brüsseler Konjunkturprogramme könnten daran kaum etwas ändern: Südeuropa muss in schwerster Zeit durchhalten, damit Angela Merkels große Wette aufgeht.

Die Bundeskanzlerin rettet die Griechen ein ums andere Mal, mehr Geld für den europäischen Rettungsfonds dürfte sie am Ende auch durchwinken, und selbst die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank den Banken eine Billion Euro billig überlässt , stößt in Berlin auf stille Zustimmung. Dafür verlangen die Deutschen von Europa, so zu werden wie sie, verankert im europäischen Sparpakt namens Fiskalunion und in Reformversprechen. Ob die Wette aufgeht oder ob Südeuropa zwar die Beträge mit den vielen Nullen nimmt, aber unter dem sozialen Druck am Ende schlappmacht – das genau ist der Test des Jahres 2012.

Wie stark sich die Euro-Länder während der Krise miteinander verwoben haben, kann man heute auch aus so etwas Profanem wie der Bilanz der Zentralbank ablesen. Hundert Milliarden Euro sind dort vermerkt, die sich vor allem südeuropäische Banken gepumpt haben, um die heimischen Importe überhaupt noch finanzieren zu können. Kippt nun eines ihrer Länder um und muss den Euro abgeben, dann entstehen riesige Milliardenrechnungen, von denen Deutschland einen großen Teil begleichen müsste.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

65 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Die Krise ist vorbei?

Na - das sind ja gute Neuigkeiten! Da kann man doch tatsächlich da weiter machen, wo man im Herbst 2008 - also vor der Lehman-Pleite - aufgehört hat.

Bis zum nächsten Crash. Gelernt hat man nichts, geändert auch nichts - und schon bald werden die griechischen "staatstragenden Familien" wieder in Amt und Würden sein - und das Fakelaki zählen.

kriese vorbei??

was ist los? es geht doch erst los. als ob europa eine insel der ausgwählten sei. der lebensstandard gleicht sich rund um den globus an. globalisierung nennt man das. mit den aktionen der euro rettung kauft deutschland ländern wie griechenland, italien, spanien und portugal nur zeit damit sie weicher fallen. aber fallen werden sie alle. den wirtschaftlichen stand und lebensstandard von vor 2008 werden die in langer zukunft nicht wieder sehen. deutschland hat die kriese nur mäßig getroffen vor allem wegen der arbeitsmarktreformen.
deutschland wird genug damit zu tun haben selbst wettbewerbsfähig zu bleiben aber es wird keine 5 anderen volkswirtschaften mitdurchschleifen können. wer die kriese als ein schlagloch in der autobahn verkauft macht sich was vor. für griechenland bedeutet es i erster linie mal auf dem boden der tatsachen ankommen.

Nicht nur...

"für Griechenland bedeutet es in erster Linie mal auf dem Boden der Tatsachen ankommen."

Der "Boden der Tatsachen" ist, dass jede Volkswirtschaft auf diesem Planten, die sich in die Geiselhaft der Banken begeben hat, von einer Krise in die nächste schliddern muss, weil es die Banken so wollen.

Die Bankster wollen das Monopol auf die Geldschöpfung: A. Lincoln wurde erschossen, weil er die "Greensbacks" im Sezessionskrieg einführte - und jeder Präsident oder Politiker, der sich mit diesen "Hardcore-Kriminellen" angelegt hat, lebte selten lange.

Private Banken sind Vampire, und die Zinsen sind das Blut, das sie ihrem Wirtstier aussaugen. Parasiten, die den Lauf der Geschichte in Händen halten.

"Soli" lebenslang

Mein ganzes Berufsleben zahl ich schon den Solidarbeitrag für die Altlasten der DDR und den "Wiederaufbau der neuen Bundesländer.

So wie es aussieht, werde ich wohl bis ans Lebensende zu zwangssolidarischen Leistungen verpflichtet sein. Die Hoffnung vor Jahren, dass es bald gut sein werde, hat sich nicht erfüllt, in Gegenteil, es ist schlimmer geworden, als man es sich je hätte denken können.

Es ist so einfach, sich zu Lasten dritter zu verpflichten.

Dann fragen sie mal die Treuhand,wieso!

Die hat nach der Wende doch jede potenzielle Konkurrenz für West-Deutsche Betriebe gnadenlos abgewickelt.Riesige,profitfähige Produktionstätten für 'nen Appel und ein Ei an angebliche Investoren verkauft (1,-€).
Schuld ist die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer verbrecherischen Treuhandanstalt das die "Neuen Bundesländer" immer noch am Finanztropf hängen.

Wenn es die Treuhand nicht gegeben hätte, ...

... hätte man sie für die Hellenen erfinden müssen.
Die Treuhandanstalt war die absolut beste Idee zum richtigen Zeitpunkt. Auch war es ein wesentliches Positiv-Momentum, dass sie in der wichtigsten Zeit ihrer Existenz von der überzeugten Marktwirtschaftlerin Birgit Breuel geführt wurde.
Es wäre wünschenswert, wenn Griechenland und die anderen extrem verschuldeten Staaten nach dem deutschen Treuhandmodell auch ihren überbordenden Staatsbesitz an den Markt überstellen würden.

Mich erinnert's irgendwie...

...an die Jubelmeldungen der staatlichen Plankommission in der DDR. Laut denen war auch immer "alles Bestens" - sogar noch im Oktober 1989...

Vermutlich wird man sich später damit heraus reden, man habe lediglich die sehr emotional und irrational "thinkenden" Player an den Börsen "beruhigen" wollen. Wie hieß es noch auf der sinkenden 'Costa Concordia'?

""Wegen technischer Probleme haben wir gerade einen Blackout. Es besteht kein Grund zur Panik, bitte bleiben Sie ruhig. Unsere Techniker arbeiten schon daran, das Problem zu lösen."

Der Rest ist bekannt.

Na aber sicher!

Die Politik wählt immer den einfachsten Weg: Die Schulden werden einfach geräuschlos weggespült mit billigem Geld aus der EZB-Druckerpresse. Wo die monetäre Liquidität hinfließen wird, steht auch schon fest: in alle Güter, die knapp sind und hohe Gewinnmargen versprechen. Rohstoffwerte, Nahrungsmittelfonds, Edelmetalle, all das wird demnächst noch mehr boomen und die Preise in die Höhe jagen. Der Preis für US-Öl steht heute schon bei 106 Dollar. In welche Höhen schießt er erst, wenn die Konjunktur in den USA richtig ins Rollen kommt? Für die Inflation und das Platzen von neuen Spekulationsblasen will dann wieder keiner verantwortlich sein.

Gab es nicht in der DDR

auch so manchen "Testballon", um Volkes Meinung zu ermitteln? So kommt mir dieser Artikel fast vor.

Liest man ihn allerdings über seinen reißerischen Aufmacher hinaus bis zum Ende, so sagt er eigentlich nichts, zumindest nichts Neues: Wir sind in einer Krise, und die dauert an, und der Ausgang ist so ungewiss, dass nicht einmal gewiss ist, ob ihn einst die greise Altkanzlerin Merkel gesehen haben wird ...

"Im boomenden Deutschland kann man es vielleicht nur schwer glauben, aber Südeuropa steckt mitten im Existenzkampf" (s. o.) - da lebe ich wohl im falschen Film, mein Heimatbundesland steckt auch gerade mitten im Existenzkampf.

"Von Rom bis Madrid sind jetzt die Reformer, Sparer und Flexibilisierer am Werk. Allesamt verfolgen sie ihre Version von Hartz IV. Doch niemand weiß besser als die Deutschen, dass solche Reformen nur verzögert wirken." (s. o.) - Soll das wie ein Ruf von der Insel der Glückseligkeit klingen? Ich unterstelle ja, dass das Wirken der Reformen positiv gemein ist. ABER: In meinem von Hartz IV geprägten Problemstadtteil ist das Glück irgendwie nicht angekommen, Heerscharen von Menschen sind nach dem Niedergang vieler Industriebetriebe in ein sinnentleertes, perspektivloses Dasein in Armut gestürzt, das einzige, was sie vom "boomenden Deutschland" haben ist, dass die wachsende Zahl Millionäre noch die paar Kröten Hatz IV und einen Riesenfernseher für sie übrig hat, damit sie nicht wütend und in Massen auf die Straße gehen wie derzeit die Griechen ...