ÖsterreichNicht schon wieder

Nach Medien und Juristen stürzen sich nun Politiker auf den Fall Kampusch. Wer profitiert davon?

Wie kommt es, dass die wilden Spekulationen in dem spektakulären Entführungsfall Kampusch sechs Jahre lang nicht zur Ruhe kommen dürfen? Alle Spuren wurden gesichert, Dutzende von Kriminalisten sowie drei unterschiedliche Staatsanwaltschaften haben wieder und wieder Zeugen verhört und alle Fakten durchgekaut. Immer mit dem nämlichen Ergebnis: Natascha Kampusch war das Opfer eines Einzeltäters, der das zehnjährige Mädchen auf dem Schulweg in seinen Wagen zerrte, acht Jahre lang in seinem Einfamilienhaus eingesperrt hielt und auf einem Bahngeleis Selbstmord beging, nachdem seine mittlerweile 18-jährige Gefangene entkommen konnte. Punkt. Nichts anderes erzählt das Entführungsopfer selbst, sooft man sie auch zu ihren Leidensjahren befragt. Die Akten müssten längst geschlossen sein, die Medien sich an neuen Jahrmarktschreiereien gütlich tun.

Dennoch wuchern weiterhin die Verschwörungstheorien ungehemmt. Profilierungssüchtige Politiker streuen kryptische Mutmaßungen und wollen nun sogar amerikanische Supercops vom FBI zu Hilfe rufen. Pensionierte Höchstrichter verbringen ihren Ruhestand damit, dass sie die vorliegenden Ermittlungsergebnisse publikumswirksam in Zweifel ziehen und akribische Dossiers anlegen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen füllt viele Programmstunden mit der Vermutungsdebatte, Zeitungen und Magazine quetschen neue Schlagzeilen aus der alten Geschichte. Kurz, der Kampusch-Zirkus kampiert neuerlich am Marktplatz der Sensationen.

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Das neue Gastspiel begann mit einer fetten Zeitungsente: In einer kurzen Meldung berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu Beginn der vergangenen Woche, in Wien habe ein »parlamentarischer Geheimausschuss« ungeheuerliche Ungereimtheiten in dem sechs Jahre alten Kriminalfall aufgedeckt, die alle geradewegs in Richtung weiterer Tatbeteiligter führen würden. Nicht einmal der Leichnam des Kampusch-Entführers sei einer »umfassenden Obduktion« zugeführt worden (was selbstverständlich nach allen Regeln der Pathologie stattgefunden hatte). Lauter alte Klamotten und nachweislicher Unsinn, der seit geraumer Zeit von einer kleinen Gruppe unverzagter Gerüchteköche vornehmlich auf der Schweizer Internet-Plattform 20 Minuten Online am Brodeln gehalten wird. Die Enthüllung in dem Leitmedium des investigativen Journalismus galt jedoch sofort als untrüglicher Beleg dafür, dass es noch viele Geheimnisse zu entdecken gäbe.

Das Hamburger Magazin, berühmt für seine Abteilung zur Faktenüberprüfung, war allerdings lediglich dem Vorsitzenden des angeblichen Geheimausschusses, dem ÖVP-Abgeordneten Werner Amon, auf den Leim gegangen, in der irrigen Annahme, ein Mandatar in dieser Position sei eine glaubwürdige Auskunftsperson. Der konservative Politiker auf dem Karriereweg zum Hinterbänkler hatte allerdings sowohl persönliche als auch parteipolitische Interessen, mit seiner Räuberpistole Aufmerksamkeit zu erregen. Einerseits bescherte sie ihm willkommene Auftritte im Scheinwerferlicht, anderseits lenkte sie erfolgreich davon ab, dass die ÖVP gerade mit Mann und Maus im Korruptionssumpf der Telekom-Affäre zu versinken drohte.

Die Verschwörungstheorien lenkten von den Korruptionsvorwürfen ab

Nachdem der bullige Parlamentarier auch vor einer eilig zusammengetrommelten Medienmeute verkündete, »eine Einzeltätertheorie« sei aus seiner Sicht »nur schwer aufrechtzuerhalten«, wurde es erstaunlich ruhig um die fragwürdige Wahlkampffinanzierung der Volkspartei. Nun überlagerten die aufgewärmten Spekulationen um einen mysteriösen Kinderpornoring, der in Wahrheit hinter der Entführung stecke, alle Bestechungsvorwürfe. Insgeheim vermuten viele der Verschwörungstheoretiker in ihren verschwitzten Männerfantasien, im Fall Kampusch schlummere das Potenzial eines Skandals vom Ausmaß des Falls von Marc Dutroux; das Behördenversagen rund um die Verfolgung des vielfachen Sexualmörders hatte in Belgien vor acht Jahren eine Empörungswelle ausgelöst, die hochrangige Amtsträger ihre Stellung kostete.

Leserkommentare
  1. Das ist verkannt. Ich will nicht Frau Natascha Kampusch nicht in Ruhe lassen, vielmehr lässt mich es nicht in Ruhe, wenn ich grüble, möglicherweise welche Mehlspeisen-HighSociety in ihrer gewohnten und weiterhin gesicherten Ruhe sich einer nächsten Kampusch bedient.

    Sie haben mich da nicht verstanden. Es gibt eine "Szene", in die ich einen kleinen Einblick habe. Das ist keine besonders besorgniserregende Szene, aber es gibt trotzdem dort Leute, die auf den "Fall" richtig gut passen. Es macht mich nervös, dass das außer mit einem lapidaren "na, do wor a gar nix" ungeklärt ist.

    Wenn ich Ihnen zu allem Überfluss jetzt noch beichte, dass ich Journalist bin, genauer, war, wird es Ihnen dann endgültig schlecht?

    Wenn ja, dann haben Sie mich tatsächlich immer noch nicht verstanden.

    2 Leserempfehlungen
  2. Es gab in den letzten Jahren einen weiteren spektakulären Fall in Österreich, in dem eine Frau mitsamt ihren dort geborenen Kindern eingekrerkert war.

    Der Unterschied zu Frau Kampusch ist allerdings, dass diese andere Frau medial nie in Erscheinung trat. Sie gab keine Interviews, machte keine Mediendeals, sie war nicht an Buchprojekten über ihr Leid beteiligt, wurde nicht fotografiert und hat sie nie für irgendetwas gerechtfertigt oder zur Verfügung gestellt.

    Das Problem dürfte darin liegen, dass es einmal begonnen kaum wieder einzuholen ist und ein wenig Ruhe genauso wenig geht wie ein wenig Bekanntheit. Entweder man verdient an der Prominenz aus dem Unglück des Verbrechens oder nicht. Dazwischen gibt es nichts.

  3. Ich habe z. B. nie geglaubt, dass Frau Kampusch so gebildet und vor allem eloquent ist, weil ihr Priklopil Zeitungen in den Keller gebracht hat, wie man uns glauben machen wollte. Da halte ich es eher für naheliegend, dass sie tatsächlich in bestimmten gehobenen Kreisen "herumgereicht" wurde und sich zuletzt auch relativ frei bewegen und sich dabei einiges aneignen konnte.

    Wenn sie selbst dazu nichts sagt, kann das gut daran liegen, dass der Tod Priklopils kein Selbstmord war (gegen Selbstmord spricht ja zuletzt echt einiges). Und auch nicht mehr als Notwehr oder Nothilfe durchgegangen wäre. Sie also ein Eigeninteresse daran hat, dass weitere Hintergründe nicht ans Licht kommen.

    Dass manche Verschwörungstheorien ein bisschen zu sehr ins Kraut schießen, heißt ja nicht, dass an dem Fall nicht mehr dran sein kann. Ein gesundes Misstrauen ist auf jeden Fall angebracht. Auch wenn keiner Bestreiten kann, dass sie ursprünglich unfreiwillig da hinein geraten ist.

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    • FranL.
    • 09.03.2012 um 19:39 Uhr

    "Auch wenn keiner Bestreiten kann, dass sie ursprünglich unfreiwillig da hinein geraten ist."

    Was meinen Sie mit "ursprünglich unfreiwillig?" Sie war noch ein hilfloses K i n d als sie entführt wurde. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit und die frühe Jugend in der Gewalt des Entführers. Möglicherweise wurde sie ja "in gewissen Kreisen herumgereicht" wie Sie sich ausdrücken, aber wenn es so gewesen ist, dann nicht freiwillig. Sie war jahrelang isoliert, wurde bedroht, war einem starken psychischen Druck ausgesetzt, so ist es kein Wunder, daß sie von ihrem Entführer emotional abhängig wurde. Selbst wenn sie Kontakt zu gewissen Pädophilenkreisen gehabt haben sollte, kann man, unter diesen Umständen nicht von Freiwilligkeit ausgehen. Wer aus dem Opfer nachträglich eine Täterin macht unterstützt sie indirekt auch die wahren Täter.

    Auch wenn es melodramtisch klingt, Natascha Kampusch wurde ein großer Teil ihres Lebens "gestohlen". Sie hat nie die Erfahrungen machen können die andere Mädchen ihres Alters machen dürfen, stattdessen Erfahrungen, die man nicht einmal der Tochter seines ärgsten Feindes gönnen würde. So etwas vergißt man nicht mal so schnell, ich kann mir vorstellen, so selbstsicher Frau Kampusch auch wirken mag, es wird lange dauern bis sie einigermaßen darüber hinwegkommen kann. Durchaus möglich, daß bei ihr eine gewisse Verdrängung stattfindet.

    Ich finde es erbärmlich und ungehörig, so wie Sie sich äußern. Zum einen haben Sie keinerlei Detailwissen über die Angelegenheit (zB über die Beweissicherung), zum anderen kennen Sie keine der beteiligten Person näher und können diese überhaupt nicht einschätzen. Trotzdem glauben Sie sich ein objektives Bild über den Sachverhalt machen zu können und die Aussagen von Frau Kampusch infrage stellen zu können?

    Dieser ganze Verschwörungsquatsch gewährt uns eher Einblick in überdrehte Altherrenphantasien, als daß es uns den Ereignissen im Fall Kampusch näherbringt.

    • FranL.
    • 09.03.2012 um 19:39 Uhr

    "Auch wenn keiner Bestreiten kann, dass sie ursprünglich unfreiwillig da hinein geraten ist."

    Was meinen Sie mit "ursprünglich unfreiwillig?" Sie war noch ein hilfloses K i n d als sie entführt wurde. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit und die frühe Jugend in der Gewalt des Entführers. Möglicherweise wurde sie ja "in gewissen Kreisen herumgereicht" wie Sie sich ausdrücken, aber wenn es so gewesen ist, dann nicht freiwillig. Sie war jahrelang isoliert, wurde bedroht, war einem starken psychischen Druck ausgesetzt, so ist es kein Wunder, daß sie von ihrem Entführer emotional abhängig wurde. Selbst wenn sie Kontakt zu gewissen Pädophilenkreisen gehabt haben sollte, kann man, unter diesen Umständen nicht von Freiwilligkeit ausgehen. Wer aus dem Opfer nachträglich eine Täterin macht unterstützt sie indirekt auch die wahren Täter.

    Auch wenn es melodramtisch klingt, Natascha Kampusch wurde ein großer Teil ihres Lebens "gestohlen". Sie hat nie die Erfahrungen machen können die andere Mädchen ihres Alters machen dürfen, stattdessen Erfahrungen, die man nicht einmal der Tochter seines ärgsten Feindes gönnen würde. So etwas vergißt man nicht mal so schnell, ich kann mir vorstellen, so selbstsicher Frau Kampusch auch wirken mag, es wird lange dauern bis sie einigermaßen darüber hinwegkommen kann. Durchaus möglich, daß bei ihr eine gewisse Verdrängung stattfindet.

    Ich finde es erbärmlich und ungehörig, so wie Sie sich äußern. Zum einen haben Sie keinerlei Detailwissen über die Angelegenheit (zB über die Beweissicherung), zum anderen kennen Sie keine der beteiligten Person näher und können diese überhaupt nicht einschätzen. Trotzdem glauben Sie sich ein objektives Bild über den Sachverhalt machen zu können und die Aussagen von Frau Kampusch infrage stellen zu können?

    Dieser ganze Verschwörungsquatsch gewährt uns eher Einblick in überdrehte Altherrenphantasien, als daß es uns den Ereignissen im Fall Kampusch näherbringt.

  4. Mir fällt gerade ein, was am Anfang des Rummels aus Kreisen der Polizei kam.

    Danach habe das damals ja noch kleine Mädchen ihren Entführer mit "Gebieter" anzusprechen gehabt. Nach Erscheinen des von mir schon erwähnten Medienprofis ist dieses Detail aus sämtlicher Berichterstattung über den Fall verschwunden.

    Ich wiederhole: Ich will nicht Natascha Kampusch aus sicherer Entfernung weiter quälen. Wenn es aber doch heute, nach sechs Jahren, nicht aufgesammelte Splitter gibt, wenn es immer noch Unklarheiten gibt, dann kommt auch Kampusch - sorry! - nicht umhin, Fragen danach zuzulassen.

    Ich wiederhole mich zum wiederholten Mal: Natascha Kampusch wird eine Nachfolgerin haben, ich wette, die gibt es längst.

    Um aber die Diskussion zu entschärfen, die wir hier bequem vom weichen Sessel aus, abseits stickiger Kellerräume und verrückt gewordener SM-Praktiker führen, ein Vorschlag zum Sprachlichen:

    Wenn wir einfach den Namen eines Mädchens, also dieser Frau, konsequent zu gebrauchen vermeiden und nur noch von dem Kriminalfall reden, vielleicht ist das förderlich?

    Eine Leserempfehlung
  5. erst gehörte sie als Kind der schwächsten hilflosen Opfergruppe an,
    nun ist sie erwachsen, hat überlebt, äußert sich und man möchte ihr nicht glauben.

    4 Leserempfehlungen
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    Interessanter Einwurf, Sie bemühen die Viktimologie.

    Aber vertun Sie sich da nicht, mit Ihrer Äußerung?

    Aus viktimologischer Sicht mag sich der Versuch ergeben, das Geschehen irgendwie herzuleiten, und zwar unter Berücksichtigung des Verhaltens des Opfers.

    Aber Sie stellen nur in einem Satz den Ablauf nach, das ist was anderes.

    Trotzdem ist es interessant.

    Die Geschichte des damals kleinen Mädchens ist nicht frei von Belastungen. Es gab Probleme, sogar war die Mutter in das Interesse der Ermittler gerückt. Ich bin sehr geneigt, den Kriminalfall durchaus schwerpunktmäßig aus viktimologischer Sicht anzusehen,sogar bzw. erst recht in der Rückschau.

    Aber wenn doch der Eindruck nicht zu beseitigen ist, dass da von irgendwo gemauert wird, dann ist das ein schwieriges Unterfangen. Natascha müsste reden dürfen, ich glaube, sie darf das nicht.

    Ein abschließender Bericht, der keine, gar keine weiteren Fragen mehr aufwerfen kann sondern alles, vom bislang Ermittelten über das noch Offene bis hin zu den ganzen Theorien in einem großen Aufwasch und unwiderleglich aufräumt, das wäre keine schlechte Sache. Dann hätte Frau Kampusch ihre Ruhe auch offiziell.

    Schlecht für Lohnschreiber, na sicher.

    Interessanter Einwurf, Sie bemühen die Viktimologie.

    Aber vertun Sie sich da nicht, mit Ihrer Äußerung?

    Aus viktimologischer Sicht mag sich der Versuch ergeben, das Geschehen irgendwie herzuleiten, und zwar unter Berücksichtigung des Verhaltens des Opfers.

    Aber Sie stellen nur in einem Satz den Ablauf nach, das ist was anderes.

    Trotzdem ist es interessant.

    Die Geschichte des damals kleinen Mädchens ist nicht frei von Belastungen. Es gab Probleme, sogar war die Mutter in das Interesse der Ermittler gerückt. Ich bin sehr geneigt, den Kriminalfall durchaus schwerpunktmäßig aus viktimologischer Sicht anzusehen,sogar bzw. erst recht in der Rückschau.

    Aber wenn doch der Eindruck nicht zu beseitigen ist, dass da von irgendwo gemauert wird, dann ist das ein schwieriges Unterfangen. Natascha müsste reden dürfen, ich glaube, sie darf das nicht.

    Ein abschließender Bericht, der keine, gar keine weiteren Fragen mehr aufwerfen kann sondern alles, vom bislang Ermittelten über das noch Offene bis hin zu den ganzen Theorien in einem großen Aufwasch und unwiderleglich aufräumt, das wäre keine schlechte Sache. Dann hätte Frau Kampusch ihre Ruhe auch offiziell.

    Schlecht für Lohnschreiber, na sicher.

  6. Der Spiegel, das "Leitmedium des investigativen Journalismus"?

    Das gilt noch für das Printprodukt, für den Online-Ableger immer schon nur eingeschränkt, und in den letzten Jahren gar nicht mehr. Das ist teilweise üble Boulevardschreibe unter dem Etikett "Spiegel", den Klickzahlen hat es vermutlich gut getan, dem Niveau nicht.

    • FranL.
    • 09.03.2012 um 19:39 Uhr

    "Auch wenn keiner Bestreiten kann, dass sie ursprünglich unfreiwillig da hinein geraten ist."

    Was meinen Sie mit "ursprünglich unfreiwillig?" Sie war noch ein hilfloses K i n d als sie entführt wurde. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit und die frühe Jugend in der Gewalt des Entführers. Möglicherweise wurde sie ja "in gewissen Kreisen herumgereicht" wie Sie sich ausdrücken, aber wenn es so gewesen ist, dann nicht freiwillig. Sie war jahrelang isoliert, wurde bedroht, war einem starken psychischen Druck ausgesetzt, so ist es kein Wunder, daß sie von ihrem Entführer emotional abhängig wurde. Selbst wenn sie Kontakt zu gewissen Pädophilenkreisen gehabt haben sollte, kann man, unter diesen Umständen nicht von Freiwilligkeit ausgehen. Wer aus dem Opfer nachträglich eine Täterin macht unterstützt sie indirekt auch die wahren Täter.

    Auch wenn es melodramtisch klingt, Natascha Kampusch wurde ein großer Teil ihres Lebens "gestohlen". Sie hat nie die Erfahrungen machen können die andere Mädchen ihres Alters machen dürfen, stattdessen Erfahrungen, die man nicht einmal der Tochter seines ärgsten Feindes gönnen würde. So etwas vergißt man nicht mal so schnell, ich kann mir vorstellen, so selbstsicher Frau Kampusch auch wirken mag, es wird lange dauern bis sie einigermaßen darüber hinwegkommen kann. Durchaus möglich, daß bei ihr eine gewisse Verdrängung stattfindet.

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    Über weite Strecken Ihrer beiden Texte haben Sie meine herzliche Zustimmung.

    Aber bitte vergessen Sie eines nicht: Der Fall ist ein Kriminalfall, der bedarf einer Aufklärung, und die sehe ich eben noch nicht. Und in Österreich wollen sie die nicht, das quillt doch durch den Text des ZEIT-Artikels und sickerte auch lange vorher schon unter den Türritzen durch.

    Es gibt einen Punkt, den ich ganz und gar nicht teile, im zweiten Teil Ihres statements, aber dazu sage ich mal nichts, gerade mit Rücksicht auf die Hauptfigur in dem Kriminalfall.

    Über weite Strecken Ihrer beiden Texte haben Sie meine herzliche Zustimmung.

    Aber bitte vergessen Sie eines nicht: Der Fall ist ein Kriminalfall, der bedarf einer Aufklärung, und die sehe ich eben noch nicht. Und in Österreich wollen sie die nicht, das quillt doch durch den Text des ZEIT-Artikels und sickerte auch lange vorher schon unter den Türritzen durch.

    Es gibt einen Punkt, den ich ganz und gar nicht teile, im zweiten Teil Ihres statements, aber dazu sage ich mal nichts, gerade mit Rücksicht auf die Hauptfigur in dem Kriminalfall.

    • FranL.
    • 09.03.2012 um 19:51 Uhr

    Sicherlich würden sich die Ermittlungen wesentlich unkomplizierter gestalten, wenn sich die Sensationsjournalisten, die mehrheitlich weniger an der Aufdeckung der Wahrheit als vielmehr an dem Verkauf von Büchern und Zeitungen interessiert sind (und daher nur die große Sensation wollen)etwas zurückhielten.

    Im Nachhinein ist man immer schlauer. Für Frau Kampuschs Image wäre es besser gewesen, hätte sie sich zurückgehalten. Aus ihrer Sicht ist es durchaus verständlich, daß sie, aus einer Art Notwehr heraus, an die Öffentlichkeit ging. Kurz nachdem bekannt wurde, daß sie wieder "aufgetaucht" war, wetteiferten Reporter und Paparazzi um das erste Bild. Sie konnte Berichte über ihr Schicksal nicht verhindern und wollte wenigstens die Oberheit über ihre eigene Geschichte behalten.

    Es wäre den meisten wohl lieber, wenn Natascha Kampusch "verhuschter" erscheinen würde, wenn sie permanent versuchte sich das Leben zu nehmen, ihren Kummer mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen. Offenbar wirkt es auf manche provozierend, daß sie sich der demonstrativen Opferrolle verweigert.

    Ob sie tatsächlich so selbstbewußt und souverän ist wie sie in der Öffentlichkeit wirkt, kann man nicht "aus der Ferne" beurteilen. Wer will schon sagen, wie es in ihrem Inneren aussieht?

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