Geschichte Berlins: Atomstadt Berlin
Energie ohne Ende: Deutschlands erstes Kernkraftwerk sollte vor fünfzig Jahren am Wannsee in West-Berlin entstehen.
Die strahlende Zukunft Berlins sollte in einer aufgelassenen Kiesgrube beginnen. Gleich beim Wannsee, im amerikanischen Sektor, unweit der Glienicker Brücke wäre Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre beinahe Deutschlands erstes Atomkraftwerk gebaut worden, eines der ersten Europas – nur die Russen und die Engländer waren schneller. Das Projekt beschäftigte damals zwei Jahre lang die Westberliner und die Bonner Politik, und seine Geschichte illustriert auf eindringliche Weise die ideologische Technikbegeisterung und naive Wissenschaftsgläubigkeit jener Zeit.
Atomstrom und Atomtechnik versprachen in den fünfziger Jahren das pure Schlaraffenland, galten als eine unerschöpfliche Quelle der Energie. Alles sollte mit nuklearer Kraft funktionieren: Autos und Flugzeuge, Heizungen und Kühlschränke. Im August 1955 führten die Pioniere USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion auf der Internationalen Genfer Atomkonferenz ihre neuesten Errungenschaften vor. So präsentierten die Vereinigten Staaten in einem Gebäude, das einem Schweizer Bergbauernhof nachempfunden war, einen kleinen Forschungsreaktor, der als »Swimmingpool-Reaktor« in einem strahlend blauen Wasserbecken schwamm und Zehntausende von Schaulustigen anzog.
Die große Atomillusion kannte keine Grenzen, weder auf der rechten noch auf der linken Seite des politischen Spektrums. Während der CSU-Chef Franz Josef Strauß, 1955 erster Atomminister der Bundesrepublik, nicht weniger als eine Revolution erwartete, eine vollständige »wissenschaftliche und wirtschaftliche Umwälzung«, die den Strom so billig mache, dass sich das Ablesen nicht mehr lohne, schwärmte der marxistische Philosoph Ernst Bloch 1954 in seinem Buch Das Prinzip Hoffnung auf seine utopoetische Weise von der neuen Wundertechnik: »Die Atomenergie schafft in der blauen Atmosphäre des Friedens aus Wüste Fruchtland, aus Eis Frühling.«
Katja Roeckner ist Historikerin und Ausstellungsmacherin, Jan Philipp Sternberg ist Journalist und Historiker. Beide leben in Potsdam. Mehr zum Thema in ihrem Buch Berlin atomar, das Anfang Mai im Vergangenheitsverlag, Berlin, erscheint (160 S., 14,90 €).
Von einer sorgenfreien Energiezukunft träumten auch die Politiker in West-Berlin. Bereits seit 1958 arbeitete im Hahn-Meitner-Institut am Wannsee ein Forschungsreaktor. Gleich daneben, in besagter Kiesgrube, sollte nun ein Druckwassermeiler der amerikanischen Firma Westinghouse errichtet werden – so plante es von 1959 an die Westberliner Elektrizitätsgesellschaft Bewag. Das für damalige Verhältnisse mit 150 Megawatt recht große Kraftwerk wäre nur wenige Hundert Meter von der Grenze zur DDR entfernt entstanden. Im Drei-Kilometer-Radius um die geplante Anlage lebten etwa 45.000 Menschen, größtenteils jenseits der Grenze in Potsdam. Im Umkreis von 15 Kilometern wären fast eine halbe Million Anwohner betroffen gewesen.
Die Idee, ausgerechnet in West-Berlin ein AKW zu bauen, kam nicht von ungefähr. Die Halbstadt musste all ihren Strom selbst erzeugen, Leitungen ins Bundesgebiet gab es nicht. Die Kohle für die Kraftwerke schaffte man aus dem fernen Westen, aus dem Ruhrgebiet, heran. Die Berlin-Blockade von 1948 hatte gezeigt, wie gefährdet dieser Transportweg war. Damals hatte die Sowjetunion sämtliche Lieferungen auf dem Land- und Wasserweg unterbunden. Nur durch die alliierte Luftbrücke war West-Berlin gerettet worden. Dabei brachten die Flugzeuge zum Großteil Kohle in die Inselstadt und nicht Nahrungsmittel, wie der volkstümliche Ausdruck »Rosinenbomber« bis heute irrtümlich suggeriert. Die Atomenergie nun versprach Autarkie und das Ende aller Energiesorgen.
Hinzu kam: West-Berlin war in den fünfziger und sechziger Jahren das »Symbol der freien Welt«, das »Schaufenster des Westens«, von der Bundesrepublik und den USA hoch subventioniert und durch massive alliierte Militärpräsenz gesichert. Dort eins der ersten Atomkraftwerke Europas zu errichten wäre eine beeindruckende Demonstration technischer Macht und Überlegenheit in der Blockkonfrontation gewesen.
Der große Bruder Amerika stand dabei hilfreich zur Seite. Präsident Dwight D. Eisenhower hatte 1953 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen das »Atoms for Peace«-Programm angestoßen: »Die Vereinigten Staaten wissen, dass es kein Zukunftstraum mehr ist, aus der Atomenergie Kräfte für friedliche Zwecke zu gewinnen. Die erwiesene Möglichkeit dazu besteht jetzt – hier – heute.« Die USA wollten bei ihren Verbündeten den Einstieg in die zivile Atomenergienutzung fördern. Zunächst stellten sie spaltbares Material für Forschungsreaktoren zur Verfügung, auch für den denjenigen des Hahn-Meitner-Instituts.
Von 1958 an unterstützten die USA dann auch den Bau von Kernkraftwerken mit finanzieller und technischer Hilfe über die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) in Brüssel. In Washington spendierte man 350 Millionen Dollar, davon 135 Millionen Dollar als langfristigen Kredit. Damit konnten die Europäer amerikanische Technik kaufen – schließlich wollte die US-Regierung die heimische Atomindustrie fördern. Denn das große Problem zu Beginn der kommerziellen Nutzung der Kernkraft war, dass sie sich einfach nicht rechnete. Gerade in einem Land wie den USA mit großen Kohle- und Ölvorkommen kam die Energiegewinnung aus diesen fossilen Brennstoffen sehr viel billiger. Um nun überhaupt Erfahrungen mit der neuen Technik zu sammeln, sollten amerikanische Firmen die Chance auf subventionierte Aufträge aus Europa erhalten.






wirklich schade für berlin, dass hätte über die jahre einen ordentlichen haufen steuergelder eingebracht...
ach dann wäre berlin heute zwar nicht ganz soo arm aber für physik feinde auch nicht mehr sexy...
Also ist jeder der - gerechtfertigte oder ungerechtfertigte - Bedenken gegen die Atomkraft anführt für sie gleich ein Physikfeind?
Also ist jeder der - gerechtfertigte oder ungerechtfertigte - Bedenken gegen die Atomkraft anführt für sie gleich ein Physikfeind?
Autos,Flugzeuge,Motorräder etc.abschaffen!
Messer,Äxte etc.verbieten!
Keine Steine rumliegen lassen!
Schnüre,Stricke,Plastiktüten verbieten!
ES GIBT viel weniger Verletzte und Tote!!
Atomkraftwerke stilllegen:kein Supergau mehr möglich!
VERHUNGERN und ERFRIEREN ist viel unspektakulärer!
Dies ist eine SATIRE - oder vielleicht doch nicht?
Chi lo sa' ?
Danke an die ZEIT-Redaktion für diesen interessanten Artikel!
Die Begeisterung der Menschen damals für die Atomkraft erinnert mich aber sehr stark an die heutigen Jubelstürme über die Erneuerbaren Energien. "Energie-autark", "das Ende von Kohle und Öl", "Strom schon bald billiger als aus Kohle und Gas" ... Scheinbar alles Argumente die schon mal da waren. Hoffentlich endet es nicht wie damals, die neue Wundertechnologie kann die Erwartungen nicht erfüllen und die Kohle bleibt für weitere 50 Jahre die dominante Energieerzeugungsform.
...und vielleicht scheitert auch der Hoffnungsträger "Erneuerbare Energie", oder nuklearthermische Kraftwerke erleben eine Renaissance, da man es geschafft hat sämtliche negativen Folgen der Kernkraft zu beseitigen. Vielleicht sitzen wir aber auch in 100 Jahren im Dunkeln.
Fakt ist aber, dass sowohl fossile Brennstoffe, als auch spaltbares Material endliche Ressourcen sind und wir besonders für radioaktiven Müll keine sichere und gescheite Lösung für dessen Entlagerung, bzw. Aufbereitung zur Unschädlichkeit haben. Und bei bisheriger Abschätzung der Risiken, stellen EE das geringste dar.
Wir haben, wenn wir auf Erneuerbare Energien setzen nicht's wichtiges zu verlieren; höchstens etwas Lehrzeit und Lehrgeld.
...und vielleicht scheitert auch der Hoffnungsträger "Erneuerbare Energie", oder nuklearthermische Kraftwerke erleben eine Renaissance, da man es geschafft hat sämtliche negativen Folgen der Kernkraft zu beseitigen. Vielleicht sitzen wir aber auch in 100 Jahren im Dunkeln.
Fakt ist aber, dass sowohl fossile Brennstoffe, als auch spaltbares Material endliche Ressourcen sind und wir besonders für radioaktiven Müll keine sichere und gescheite Lösung für dessen Entlagerung, bzw. Aufbereitung zur Unschädlichkeit haben. Und bei bisheriger Abschätzung der Risiken, stellen EE das geringste dar.
Wir haben, wenn wir auf Erneuerbare Energien setzen nicht's wichtiges zu verlieren; höchstens etwas Lehrzeit und Lehrgeld.
Also ist jeder der - gerechtfertigte oder ungerechtfertigte - Bedenken gegen die Atomkraft anführt für sie gleich ein Physikfeind?
sind nicht zu verwechseln mit unsachlichen argumenten, totale ahnungslosigkeit im bereich der strahlenphysik (habe gymi gerade hinter mir, da wurde zu dem thema quasi nichts gemacht und das überflüssigste: deutschlehrer, die meinen, in ihrer totalen fachlichen kompetenz mir was über die pöse atomkraft zu erzählen...), usw...
und nichts gegen die geisteswissenschaften, aber was religionsvertreter und co in einem ethik rat zur atomkraftfrage zu suchen haben, ist natürlich auch so eine logische sache...
sind nicht zu verwechseln mit unsachlichen argumenten, totale ahnungslosigkeit im bereich der strahlenphysik (habe gymi gerade hinter mir, da wurde zu dem thema quasi nichts gemacht und das überflüssigste: deutschlehrer, die meinen, in ihrer totalen fachlichen kompetenz mir was über die pöse atomkraft zu erzählen...), usw...
und nichts gegen die geisteswissenschaften, aber was religionsvertreter und co in einem ethik rat zur atomkraftfrage zu suchen haben, ist natürlich auch so eine logische sache...
Der Ölpreis in den sechziger Jahren lag irgendwo zwischen 1-2 Dollar pro Barrel, die effizientesten Kraftwerksanlagen (also Turbinen, Generatoren etc, die für Nuklear- und konventionelle Kraftwerke gleich sind) produzierten zwischen 700-900 MWel., die Kosten zum Bau einer atomaren Energieanlage lagen bis zu fünf Mal so hoch wie diejenige einer konventionellen und die Bauzeit war etwa 50% länger.
Der einzige Vorteil so eines kleinen Kraftwerks hätte in der relativen Autonomie im Falle einer erneuten Berlinblockade gelegen, bei der die Ölzuführ unterbrochen worden wäre.
...und vielleicht scheitert auch der Hoffnungsträger "Erneuerbare Energie", oder nuklearthermische Kraftwerke erleben eine Renaissance, da man es geschafft hat sämtliche negativen Folgen der Kernkraft zu beseitigen. Vielleicht sitzen wir aber auch in 100 Jahren im Dunkeln.
Fakt ist aber, dass sowohl fossile Brennstoffe, als auch spaltbares Material endliche Ressourcen sind und wir besonders für radioaktiven Müll keine sichere und gescheite Lösung für dessen Entlagerung, bzw. Aufbereitung zur Unschädlichkeit haben. Und bei bisheriger Abschätzung der Risiken, stellen EE das geringste dar.
Wir haben, wenn wir auf Erneuerbare Energien setzen nicht's wichtiges zu verlieren; höchstens etwas Lehrzeit und Lehrgeld.
sind nicht zu verwechseln mit unsachlichen argumenten, totale ahnungslosigkeit im bereich der strahlenphysik (habe gymi gerade hinter mir, da wurde zu dem thema quasi nichts gemacht und das überflüssigste: deutschlehrer, die meinen, in ihrer totalen fachlichen kompetenz mir was über die pöse atomkraft zu erzählen...), usw...
und nichts gegen die geisteswissenschaften, aber was religionsvertreter und co in einem ethik rat zur atomkraftfrage zu suchen haben, ist natürlich auch so eine logische sache...
Das Wort Ethik im "Ethik Rat zur Atomkraftlage" sollte ihre Frage beantworten, warum in einem solchen Rat auch Geisteswissenschaftler sitzen. Ich wüsste nicht, dass die Physik (und andere Naturwissenschaften) Expertise in ethischen Belangen hätte. Denn hier geht es um mehr als eine rein physikalische Frage: Die durch die Naturwissenschaft gefundenen Ergebnisse müssen am Ende bewertet werden.
Die Naturwissenschaftler können höchstens Fakten liefern. Beispielsweise, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.01 % ein Super-GAU pro Jahr auftritt und einem Schaden des Ausmaßes X anrichtet (Achtung, das ist illustrativ, keine realen Werte!). Ebenso könnte man ähnliche Aussagen bei der Entsorgung treffen.
Die Entscheidung, ob ein solches Risiko in Kauf genommen werden kann oder nicht oder welche physikalischen Größen überhaupt einen Schaden für Mensch und Umwelt darstellen, darauf können die Physiker (und auch die restlichen Naturwissenschaftler) keine Antwort liefern. Denn, ob nun 0.01% akzeptabel sind oder nicht, das ist keine physikalische Fragestellung mehr, sondern eine ethische.
Das Wort Ethik im "Ethik Rat zur Atomkraftlage" sollte ihre Frage beantworten, warum in einem solchen Rat auch Geisteswissenschaftler sitzen. Ich wüsste nicht, dass die Physik (und andere Naturwissenschaften) Expertise in ethischen Belangen hätte. Denn hier geht es um mehr als eine rein physikalische Frage: Die durch die Naturwissenschaft gefundenen Ergebnisse müssen am Ende bewertet werden.
Die Naturwissenschaftler können höchstens Fakten liefern. Beispielsweise, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.01 % ein Super-GAU pro Jahr auftritt und einem Schaden des Ausmaßes X anrichtet (Achtung, das ist illustrativ, keine realen Werte!). Ebenso könnte man ähnliche Aussagen bei der Entsorgung treffen.
Die Entscheidung, ob ein solches Risiko in Kauf genommen werden kann oder nicht oder welche physikalischen Größen überhaupt einen Schaden für Mensch und Umwelt darstellen, darauf können die Physiker (und auch die restlichen Naturwissenschaftler) keine Antwort liefern. Denn, ob nun 0.01% akzeptabel sind oder nicht, das ist keine physikalische Fragestellung mehr, sondern eine ethische.
Das Wort Ethik im "Ethik Rat zur Atomkraftlage" sollte ihre Frage beantworten, warum in einem solchen Rat auch Geisteswissenschaftler sitzen. Ich wüsste nicht, dass die Physik (und andere Naturwissenschaften) Expertise in ethischen Belangen hätte. Denn hier geht es um mehr als eine rein physikalische Frage: Die durch die Naturwissenschaft gefundenen Ergebnisse müssen am Ende bewertet werden.
Die Naturwissenschaftler können höchstens Fakten liefern. Beispielsweise, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.01 % ein Super-GAU pro Jahr auftritt und einem Schaden des Ausmaßes X anrichtet (Achtung, das ist illustrativ, keine realen Werte!). Ebenso könnte man ähnliche Aussagen bei der Entsorgung treffen.
Die Entscheidung, ob ein solches Risiko in Kauf genommen werden kann oder nicht oder welche physikalischen Größen überhaupt einen Schaden für Mensch und Umwelt darstellen, darauf können die Physiker (und auch die restlichen Naturwissenschaftler) keine Antwort liefern. Denn, ob nun 0.01% akzeptabel sind oder nicht, das ist keine physikalische Fragestellung mehr, sondern eine ethische.
Naturwissenschaftler stellen einen Sachverhalt dar, das mag man erstmal hinnehmn, aber was soll nun ausgerechnet den "Geisteswissenschaftler" dazu befähigen aus der dargelegten Faktenlage ein ehtisch vertretbare Urteil abzugeben?
Zudem sowieso verschwendete Zeit, da schon auf naturwissenschaftlicher Ebene die Darstellung der Faktenlage weit weniger trivial ist; es gibt durchaus abweichende Meinungen zum "Stand von Forschung und Technik"!
MfG Karl Müller
Naturwissenschaftler stellen einen Sachverhalt dar, das mag man erstmal hinnehmn, aber was soll nun ausgerechnet den "Geisteswissenschaftler" dazu befähigen aus der dargelegten Faktenlage ein ehtisch vertretbare Urteil abzugeben?
Zudem sowieso verschwendete Zeit, da schon auf naturwissenschaftlicher Ebene die Darstellung der Faktenlage weit weniger trivial ist; es gibt durchaus abweichende Meinungen zum "Stand von Forschung und Technik"!
MfG Karl Müller
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