General MotorsDéjà-vu in Rüsselsheim

Die Allianz der Opel-Mutter General Motors mit Peugeot birgt neue Risiken für Jobs in Deutschland.

Mitarbeiter überprüfen im Opel-Werk in Bochum die Schweißnähte des Zafira-Tourer.

Mitarbeiter überprüfen im Opel-Werk in Bochum die Schweißnähte des Zafira-Tourer.

Ein amerikanischer Autoriese beteiligt sich an einem angeschlagenen europäischen Konkurrenten. Künftig soll der Einkauf von Teilen und Komponenten weltweit zusammengelegt werden, was Milliardeneinsparungen verspricht. Der europäischen Tochter des US-Konzerns geht es aber nicht gut. Das trifft auch auf den neuen Partner zu. Die Idee: Jeder bekommt vom anderen, was ihm fehlt. Der eine darf auf moderne Motoren hoffen, der andere auf die technische Blaupause (»Architektur«) für die Entwicklung neuer Modelle.

Diese Kernpunkte enthält die Vereinbarung zwischen der Opel-Mutter General Motors (GM) und dem französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën, die wenige Tage vor dem großen Branchentreffen beim Genfer Automobilsalon für großes Aufsehen sorgte. Immerhin ist GM weltweit mit gut 9 Millionen Fahrzeugen nach Stückzahlen die Nummer eins unter den Autobauern und PSA mit rund 3,5 Millionen die Nummer acht. In Europa kommen die neuen Verbündeten Peugeot/Citroën und Opel zusammen auf einen Schlag nahe an den führenden Volkswagen-Konzern heran.

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Doch was so neu scheint, kommt vielen Opelanern in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach oder Kaiserslautern ziemlich bekannt vor. »Das ist für mich ein totales Déjà-vu«, sagt ein altgedienter Opelaner aus Rüsselsheim – und bezieht sich auf das Jahr 2000. Damals beteiligte sich GM mit 20 Prozent an der Automobilsparte von Fiat. Die Einkaufsorganisation wurde fusioniert, die Motorenproduktion zusammengelegt, und Architekturen für neue Modelle wurden gemeinsam genutzt. Fünf Jahre später wurde die Allianz allerdings wieder beendet. GM musste eine gute Milliarde Euro an Fiat bezahlen, um sich aus dem Vertrag zu lösen. Opel/Vauxhall und Fiat, mit Lancia und Alfa Romeo, hat die Verbindung kaum vorangebracht. Im Europa verloren beide Hersteller sogar Marktanteile.

Die Allianz enthält Sprengstoff für etliche Werke bei Opel

Doch die leidigen Erfahrungen mit der Opel-Fiat-Verbindung scheinen die neuen Anführer bei GM nicht zu kümmern. »Die Partnerschaft bringt enorme Chancen für unsere beiden Unternehmen«, sagte GM-Boss Dan Akerson, als er zusammen mit PSA-Patron Philippe Varin von New York aus die Allianz verkündete. Mit sieben Prozent steigt der Konzern aus Detroit bei der Peugeot SA ein und hilft den klammen Franzosen damit, eine geplante Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro zu stemmen. Varin und Akerson sind beide Quereinsteiger in der Autobranche, ihr Blick wird weniger von Benzin im Blut als von Finanzzahlen beeinflusst.

Wenn man die Synergien aus dieser Allianz mit den eigenen Bemühungen um die Ergebnisverbesserung addiere, könne man auch in Europa – gemeint ist Opel – wieder nachhaltig profitabel werden, kündigte Akerson an. Das klingt erst mal plausibel, bedeutet aber mittelfristig auch Sprengstoff für etliche Werke und Tausende Jobs bei Opel. Da wirkt es noch sehr vorsichtig, wenn der neue Betriebsratschef von Opel, Wolfgang Schäfer-Klug, von »Chancen und Risiken« spricht, die die neue Allianz mit sich bringe.

Fakt ist, dass PSA und die GM-Tochter Opel zuletzt zu den Verlierern auf dem Markt gehörten. Beide verdienten 2011 im Autogeschäft kein Geld. Während der GM-Konzern (nach der Pleite vor zwei Jahren) insgesamt wieder mehr als 7 Milliarden Dollar Gewinn erzielte, wurden in Europa, also im Wesentlichen bei Opel, nach Konzernangaben 700 Millionen Dollar Verlust geschrieben.

Opel und Peugeot/Citroën agieren im Segment der sogenannten Massenmarken. Die sind in aller Regel nur dann profitabel, wenn hohe Stückzahlen abgesetzt werden können. Unterhalb dieses Segments rangieren ausgesprochene Billigmarken wie Dacia (Renault) und darüber Premiummarken wie Audi, BMW und Mercedes. Im ruinösen Preiskampf bei den Massenmarken stehen nicht nur Opel, Peugeot und Citroën als Konkurrenten gegeneinander, sondern auch Ford, Fiat, Renault, Toyota, Honda, dazu noch Škoda und Seat aus dem VW-Konzern sowie der koreanische Angreifer Hyundai.

Leserkommentare
  1. " ... technische Blaupause (»Architektur«) ... "

    Unter dem Begriff kann ich mir nicht viel vorstellen.

    Gemeint ist wohl die Plattformstrategie anderer Hersteller.

    So wie bei VW wo unter den meisten Modellen ein Golf daruntersteckt.

    • keibe
    • 11.03.2012 um 21:01 Uhr

    Besser: Einfach beim Wort nehmen:

    "Mitarbeiter
    Weltweit beschäftigt der Konzern 186.000 Mitarbeiter. Um die berufliche Laufbahn der Mitarbeiter/innen zu fördern, stützt der Konzern seine Personalpolitik auf eine permanente Dialogbereitschaft, Innovationen und umfassende Engagements im Bereich der sozialen Verantwortung."

    http://www.banque-psa-fin...

  2. Der deutsche Staat hat 2009 den Verbleib Opels im GM-Konzern mit Staatsbürgschaften, Abwrack-Prämie, Kurzarbeits-Zuschüsse und vermutlich noch einigen anderen versteckten Subventionen ermöglicht.

    Als Gegenleistung gab es befristete, recht unverbindliche Versprechungen, keine Arbeitsplätze abzubauen.

    Der damalige Wirtschaftsminister KTvuzG, wurde von der Presse dafür gefeiert, dass er erfolglos öffentlich ein wenig dagegen genörgelt hat. Der Verkauf an Magna, der absolut im deutschen Interesse lag wurde verhindert.

    Kann man sagen, dass da die Siegermacht USA auf Kosten Deutschlands ihre Interessen durchgesetzt hat? In welchem Licht erscheint in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass KTvuzG bis zu seiner Dr.-Affäre von der deutschen Presse auf eine geradezu unglaubliche Weise hochgejubelt wurde und zeitweise beliebtester Politiker der BRD und mutmaßlicher Kronprinz Angela Merkels war?

    Ist es erstaunlich, dass Verschwörungstheorien Konjunktur haben und die Mainstream-Medien von immer mehr Menschen als unglaubwürdig angesehen werden?

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    • Jörn
    • 12.04.2012 um 9:26 Uhr

    Opel hat zwar zum damaligen Zeitpunkt Staatsunterstützung erhalten (wie andere PKW Hersteller auch (indirekt über die Stützung der firmeneigenen Banken), dies waren aber keine Subventionen, sondern Kurzkredite. Diese sind nach dem Wiederaufleben von GM komplett zurückgezahlt worden. Es ist schon recht unfair, Opel immer in die Ecke von Subventionsjägern a la Nokia zu stellen. Über KTzG muss man ja wohl kein weiteres Wort verlieren, oder? Zur Kooperation mit Peugeot möchte ich anmerken, dass jede unternehmerische Entscheidung immer 2 Seiten einer Medaille hat. Jede Seite hat Vor- und Nachteile und am Ende weiss man erst sicher, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Einfach nörgeln und immer nur das Negative sehen, bringt kein Unternehmen nach vorn. Man muss auch ab und zu ein kalkuliertes Risiko eingehen. Ob eine solche kooperation letztendlich funktioniert, hängt auch von den jeweiligen Unternehmenskulturen ab. Kooperationen sind im Automobilbereich Gang und Gäbe, auch Mercedes holt sich Elektro Know How vom Kooperationspartner aus China. Da lästert dann merkwürdigerweise keiner. Ikonen werden eben geschont.

    • Jörn
    • 12.04.2012 um 9:26 Uhr

    Opel hat zwar zum damaligen Zeitpunkt Staatsunterstützung erhalten (wie andere PKW Hersteller auch (indirekt über die Stützung der firmeneigenen Banken), dies waren aber keine Subventionen, sondern Kurzkredite. Diese sind nach dem Wiederaufleben von GM komplett zurückgezahlt worden. Es ist schon recht unfair, Opel immer in die Ecke von Subventionsjägern a la Nokia zu stellen. Über KTzG muss man ja wohl kein weiteres Wort verlieren, oder? Zur Kooperation mit Peugeot möchte ich anmerken, dass jede unternehmerische Entscheidung immer 2 Seiten einer Medaille hat. Jede Seite hat Vor- und Nachteile und am Ende weiss man erst sicher, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Einfach nörgeln und immer nur das Negative sehen, bringt kein Unternehmen nach vorn. Man muss auch ab und zu ein kalkuliertes Risiko eingehen. Ob eine solche kooperation letztendlich funktioniert, hängt auch von den jeweiligen Unternehmenskulturen ab. Kooperationen sind im Automobilbereich Gang und Gäbe, auch Mercedes holt sich Elektro Know How vom Kooperationspartner aus China. Da lästert dann merkwürdigerweise keiner. Ikonen werden eben geschont.

  3. Opel wird über kurz oder lang Werke schliessen oder vom Markt verschwinden,PSA verkauft schon heute seine Autos unter Preis,immer Sonderangebote und kann wie so oft auf
    Staatshilfen hoffen,aber nächstes Jahr ist Bundestagswahl
    und GM/Opel werden dann mit Entlassungen drohen,schon gibts
    Geld von Mutti.Die gleiche Plattform macht die Autos billi-
    ger,aber es fehlt der Absatz,gerade weil Opel nur in Europa
    angeboten wird und nicht in den USA und China,da GM dort ihre Modelle anbietet.

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  4. Wir haben viele Beispiele von Kooperationen bis hin zu Kapitalverflechtungen, die hohe Erwartungen weckten und dann mehr oder weniger klaglos und kostspielig beendet wurden. Auch im sonst erfolgreichen VW-Konzern gibt es das. Erinnert sei an die derzeitige Beteiligung von VW an Suzuki. Aus den Wunschprojekten ist nichts geworden, die Japaner möchten die Deutschen so schnell wie möglich und billig wieder los werden.
    Selbst Mercedes hat da viel mit seinem Chryslerabenteuer an Geld und Reputation eingebüßt. Das GM-Desaster mit Saab ist noch frisch und da meinen die neuen Herren von GM, es jetzt besser zu können. Die Amis wissen nicht, wie Europa tickt und werden dafür erneut Lehrgeld zahlen. VW wird diese Nachricht nicht beunruhigen.

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  5. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc

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    • Bus-x
    • 11.03.2012 um 22:27 Uhr

    Man muss schon bewusst blind sein um das Spiel von GM nicht zu durchschauen. Überall GM Mobile im Billigseetor. GM ist überall. Ein bisschen Blech, ein bisschen Lack, fertig ist der Cadillac. Das war der Spruch. Und heute werden die Kisten kleiner. In einer modifizierten OPEL Karosserie. Aber ich habe mir heute noch gedacht das diese Kutschen nicht dem Geschmack entsprechen und viel hässlicher sind als viele neue Japaner und Chinesen. Bei GM kämpfen Manager um Pfründe und die kleinen Leute sollen zahlen. Die Manager sollen die Kisten selbst kaufen und fahren.

    • Bus-x
    • 11.03.2012 um 22:37 Uhr

    Und GM agiert in der Märkten der noch größeren Massen; diesen Managern gehören die Einkommen um 75 % gekürzt und die Kündigung überreicht. GM gehört genau so gekauft wie Eier von der Legefabrik oder Fleisch Halhal...

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