US-ArbeitsmarktChee, der neue Chef
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Vormarsch der Chinesen beobachten Gewerkschaften mit gemischten Gefühlen

Für den neuen Greenfield-Chef Chee war die Expansion in den Westen ein großer Sprung ins Unbekannte. Vieles in Amerika fand Chee verbesserungswürdig. Er deutet auf die Fertigungsstraßen in den Werkshallen. »Das haben wir alles neu angeordnet, das machte vorher gar keinen Sinn für diese Prozesse. Jetzt ist es hier so, wie wir es in Dalian haben.« An die Arbeitszeiten hat sich der neue Firmenchef ebenfalls gewöhnen müssen – wenn es nötig ist, arbeiten seine chinesischen Angestellten auch samstags und sonntags, ohne Murren und ohne Zuschläge.

In seinem amerikanischen Betrieb hat Chee das Prämiensystem eingeführt, das er in Dalian entwickelt hat. Wer die Produktionsvorgaben übererfüllt, erhält einen Bonus. Wie gut die jeweiligen Teams dabei abschneiden, lässt sich für alle sichtbar auf großen Tafeln ablesen. Bei seinen regelmäßigen Stippvisiten packt der Chef schon mal selbst mit an.

Chee wuchs in der Inneren Mongolei auf, als Kind ritt er über die Steppe. Später studierte er an der University of Inner Mongolia. Dort lernte er auch Englisch, das er fast fließend spricht. Von den USA, dem Mutterland des Kapitalismus, ist er nicht sonderlich beeindruckt. »Wer heute schnell richtig reich werden will, muss nach China«, sagt er. Nicht allen habe der neue Managementstil gefallen, räumt Dale Erkkilä ein. Von den Chinesen lassen wir uns nichts sagen, sei die Haltung einiger US-Mitarbeiter gewesen. Erkkilä ist Chees rechte Hand. Der Amerikaner arbeitet schon seit zehn Jahren für ihn. Als er das erste Mal zu TDC nach Dalian flog, war er der einzige Ausländer an Bord. »Sehr direkt, sehr dynamisch – keine langen Entscheidungswege«, sagt er über seine Erfahrung mit einem chinesischen Boss. Als Chee etwa bemerkte, dass die Rohstoffpreise immer weiter ausschlugen, kaufte er kurzerhand eine Wolframmine und eine Molybdänerzförderung. Beides sind notwendige Rohmaterialien für die Herstellung der Bohrerrohlinge. »Damit sind wir sicher vor Preisanstiegen und können wiederum unsere Preise für die Kunden niedrig halten«, sagt Chee.

Dann erkannte Chee, dass er für seine Produkte im Ausland keine höheren Margen durchsetzen konnte. »Das Vorurteil lautet eben: China liefert nur mindere Qualität.« Jetzt lässt er die Rohlinge in Dalian fertigen und schickt sie nach Greenfield. Die fertigen Bohrer kann er als »made in USA« zu Premiumpreisen verkaufen. Über die Hindernisse im Westen wundert sich Chee immer wieder. Zum Beispiel darüber, dass es so lange dauerte, bis die neue Lagerhalle in Seneca fertig war. »All die Vorschriften«, sagt er und zuckt die Schultern.

Geht es nach dem Willen von Nikki Haley, dann soll es solche Hürden bald nicht mehr geben. Die Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina, die es mit Unterstützung der Tea Party 2010 ins Amt schaffte, versteht sich als oberste Vertriebschefin ihres Staates. Mit ihrer langen dunklen Mähne, ihrem hellen Designerkostüm und den High Heels sieht sie aus wie ein Vogue- Model. In ihrem Ausschnitt blitzt ein Brillantanhänger in der Form einer Palme und eines Halbmondes – South Carolinas Wappen.

Haley, Tochter wohlhabender indischer Einwanderer, hat für potenzielle chinesische Investoren eine klare Botschaft: »Wir sind der unternehmerfreundlichste Bundesstaat, unsere Standortkosten sind niedrig, und wir bieten gut ausgebildete Arbeitskräfte – alles ist bereit, damit die Unternehmen die Gewinnmargen erwirtschaften können, die sie brauchen.« Und, aus Haleys Sicht der bedeutendste Vorteil ihres Staates: »Wir sind so gut wie gewerkschaftsfrei.« Haley selbst hat China auf einer Delegationsreise kennengelernt, als sie noch Abgeordnete war. Sie war tief beeindruckt. »Diese Einsatzbereitschaft, diese Aggressivität, alles muss gestern schon fertig sein. Diese Leidenschaft hatte Amerika vor langer Zeit auch einmal.« Die Chinesen, sagt Haley, könnten den Amerikanern diesen Schwung wieder beibringen.

In den Augen von Donna Dewitt betreibt die Gouverneurin den Ausverkauf. Die lebhafte Mittsechzigerin ist so etwas wie die Gegenfigur zu Nikki Haley. Dewitt ist die Präsidentin von AFL-CIO in South Carolina, der Dachorganisation der amerikanischen Arbeitnehmervertreter. Im Süden der USA haben sich die Gewerkschaften immer schwergetan. In South Carolina sind nicht einmal fünf Prozent der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft organisiert. Doch Haleys offene Feindseligkeit gegenüber Gewerkschaften gehe weit über das Übliche hinaus, sagt Dewitt.

Den Vormarsch der Chinesen beobachtet die Gewerkschaftsveteranin mit gemischten Gefühlen. Gegen neue Jobs lässt sich nichts einwenden. Direkte Beschwerden von US-Arbeitnehmern über die chinesischen Chefs habe sie noch keine gehört. Vor ein paar Jahren gab es Berichte über Konflikte bei Haier. Amerikanische Mitarbeiter des Kühlschrankherstellers meuterten, als sie angeblich vor versammelter Belegschaft Rechenschaft über Fehler ablegen sollten – ein übliches Verfahren in China. Inzwischen hat Haier in Camden ein amerikanisches Management eingesetzt.

Andererseits hat Dewitt festgestellt, dass Kommunen in South Carolina in großem Stil ein chinesisches Bauunternehmen beauftragt haben – China Construction America, Teil des drittgrößten Baukonzerns der Welt. »Die gut bezahlten Jobs wie etwa für Ingenieure und Architekten werden aber in die Heimat vergeben«, sagt Dewitt. »Und nicht zuletzt liefern sie den Profit zu Hause ab.«

Für Darlene Rye, die beim Bohrerhersteller Greenfield alle Aufs und Abs mitgemacht hat, spielt das keine Rolle. Wie sie auf den neuen Boss aus China reagiert hat? »Honey«, sagt sie, »der Mann war die Antwort auf meine Gebete.«

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Leserkommentare
  1. Was für eine Meinung!

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  2. Seit Kaiser Wilhelm II. Europas Völker vor der "gelben Gefahr" warnte, hat sich wenig verändert. Ein Chinese gilt nach wie vor als Fremder und Außenseiter. Chinesische Studenten in Ostdeutschland werden tätlich angegriffen.

    Die Amerikaner waren schon immer weltoffener. In Obamas Kabinett sind vier Chinesen, hinzu kommt als Fünfter der Finanzminister Geithner, der in China aufwuchs und fließend Chinesisch spricht. Genau wie viele Chinesen sind in Merkels Kabinett?

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  3. [...] Und Gewerkschaften haben auch nichts zu sagen. Hört sich doch nach dem Paradies im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an. Zumindest für ein paar Bonzen, die sich gern auf Kosten anderer die Taschen vollstopfen. Wenn ich so darüber nachdenke frage ich mich warum Russland noch nicht zum Wirtschaftswunderland geworden ist. Sogar wir hier in Deutschland schaffen das sogar ganz ohne eingebildeten Zuckerguss oben drauf von wegen 'Wir sind die grössten!". [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen und achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Die Redaktion/vn

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  4. nämlich genau so viele, wie Deutsche, Finnen oder Japaner in der chinesichen Regierung. Das es noch so wenige sind, liegt Ihrer Argumentation nach wahrscheinlich an einer traditionellen Xenophobie der Han-Chinesen.

    "Die Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina, die es mit Unterstützung der Tea Party 2010 ins Amt schaffte, versteht sich als oberste Vertriebschefin ihres Staates."

    Das es der Inderin mit amerikansichen Pass nur um Profit oder die Bereicherung ihr nahestehender Klassen (oder Kasten, wie man in ihrer Heimat sagen würde), mag man verstehen.

    Aber man sollte auch verstehen, dass ein Staat mehr ist als eine Organisation zur Bereicherung seiner Eliten. Dass es auch um so etwas geht wie Tradition, jahrhundertealte Kultur, Geborgenheit, sich aufgehoben fühlen in Vertrautem.

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