Krieg in Syrien : Worauf warten wir?

Europa lädt Schande auf sich, wenn es das Morden in Syrien nicht stoppt, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy.
Bernard Henri-Lévy © PATRICK KOVARIK/AFP/Getty Images)

DIE ZEIT: Emir Suljagic, ein Überlebender des Massakers von Srebrenica , hat unlängst in der ZEIT vom Westen gefordert, die syrische Opposition mit Waffenlieferungen und Lufteinsätzen zu unterstützen. Sind Sie damit einverstanden?

Bernhard-Henri Lévy: Natürlich. Srebrenica ist eine klaffende Wunde im Herzen Europas . Unser aller Schande. Wer damals vor fast zwanzig Jahren geschworen hat "Nie wieder! Nie wieder Srebrenica", der kann nur wie Emir Suljagic reagieren. Wenn man denkt, wie er, wie ich, dass es eine Zeit vor Srebrenica und eine Zeit danach gibt, kann man diese Unredlichkeit nicht zulassen: das Nichteingreifen in Syrien .

ZEIT: Sie sind also für eine militärische Intervention .

Lévy: Ich bin dafür, konsistent zu sein. Wir feiern bald den ersten Jahrestag der Rettung Bengasis, der libyschen Rebellenstadt; heute gibt es ein neues Bengasi, und dieses Bengasi heißt Homs, mögen die Situationen auch unterschiedlich sein. Aber es würde sich ja auch nicht um eine gleichartige Intervention handeln.

ZEIT: Inwiefern liegt der syrische Fall anders als der libysche?

Lévy: Die Panzer liegen anders, zum Beispiel. In Bengasi standen sie in den Vororten, in Homs stehen sie mitten in der Stadt. Oder dass wir während der Intervention in Libyen über eine große befreite Zone verfügten, die Kyrenaika. So etwas gibt es in Syrien nicht. Doch im Prinzip handelt es sich um das Gleiche. Für das Nichteingreifen gibt es keine Entschuldigung.

ZEIT: Nur, dass es im syrischen Fall keine Legitimation durch die UN geben wird. Wäre eine Intervention nicht ein Bruch des Völkerrechts?

Lévy: Doch, gewiss. Aber ich erinnere daran, dass Nicolas Sarkozy im libyschen Fall durchaus einen solchen Verstoß erwogen hatte. Er hatte den Vertretern des nationalen Übergangsrats, die ich ins Élysée gebracht hatte, am 10. März gesagt: "Ich werde mich für ein Mandat der UN einsetzen und alles dafür tun; und wenn mir das, Gott behüte, nicht gelingen sollte, dann muss man auf eine andere Instanz ausweichen, die die Sache hinbekommt." Woran er dachte, war eine Art Ad-hoc-Gruppe um Frankreich und Großbritannien, bestehend aus der Arabischen Liga, einigen Staaten der Afrikanischen Union und der Nato. So ist es jetzt auch in Syrien: Am besten wäre es, über den UN-Sicherheitsrat zu gehen. Aber wenn man da die Geisel der Chinesen und der Russen bleibt, muss man sich eben über sie hinwegsetzen.

ZEIT: Es gibt die Sorge, eine Intervention in Syrien würde Israel das taktische Fenster für einen Angriff auf die iranische Atomrüstung öffnen. Teilen Sie diese Sorge?

Lévy: Ich glaube umgekehrt, dass der Sturz des Assad-Regimes die schiitische Achse schwächen würde, die von Teheran bis ins Hamasland und zu Hisbollah im Libanon reicht. Also das Gegenteil dessen, was Sie sagen! In Syrien zu intervenieren würde Israel nicht ermutigen, sondern einen Krieg gegen den Iran eher unnötig machen, weil Ahmadinedschad geschwächt würde. Moral und Realpolitik marschieren hier ausnahmsweise einmal im Gleichschritt.

ZEIT: Sie stehen in Kontakt mit François Hollande , der vielleicht Frankreichs nächster Präsident wird . Ist Syrien ein Gesprächsthema?

Lévy: Wir haben uns vor einem Monat einmal gesehen. Und an dem Tag haben wir tatsächlich über Syrien gesprochen. Er schien mir, sich der Realitäten bewusst zu sein, erschüttert von dem Horror und entschieden, dem Thema Priorität zu geben, sollte er gewählt werden.

ZEIT: Die Zeitschrift Le Nouvel Observateur hat einen Appell "SOS Syrien" veröffentlicht, der den zukünftigen Präsidenten darauf verpflichten soll, sich für die Öffnung Syriens für Journalisten und NGOs einzusetzen. Hollande und andere Kandidaten haben unterschrieben, Nicolas Sarkozy nicht. Bedauern Sie das?

Lévy: Als Präsident, das glaube ich zu wissen, tut er, was er kann, und zwar mehr als die meisten seiner Amtskollegen. Das ist mindestens so gut, wie einen Appell zu unterschreiben.

ZEIT: Haben Sie auch mit ihm über Syrien gesprochen?

Lévy: Ja. Er scheint mir bestärkt davon zu sein, dass er in Libyen recht hatte. Der Zynismus Russlands und Chinas dürfte ihn ziemlich entsetzen. In den UN sind sie zwei große Schurkenstaaten. Sarkozy hat sie einmal umgangen, im libyschen Fall. Es wird schwerfallen, das im syrischen Fall noch einmal fertigzubringen. Das Thema des Augenblicks heißt safe haven an den Grenzen Jordaniens und des Libanons. Es heißt no kill zones, geschützt entweder von einer fremden Macht oder von der Freien Syrischen Armee, von uns bewaffnet. Es heißt aus der Luft einzugreifen, um die Bewegung der Truppen, Panzer und schweren Waffen zu verhindern, die im Begriff sind, in Syrien ein, zwei, drei neue Srebrenicas zu schaffen.

ZEIT: Eine fremde Macht, sagen Sie – an wen denken Sie?

Lévy: An die Türkei zum Beispiel. Sie hat verstanden, dass es auch um ihre Stellung in der Region geht, um ihren Einfluss und ihre Fähigkeit, den imperialistischen Absichten Teherans etwas entgegenzusetzen.

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Kommentare

227 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Beliebigkeiten

"Wer Dinge tut, um Andere daran zu hindern....
...einen Massenmord zu unterbinden, macht sich der Mittaeterschaft schuldig. Das ist eigentlich ganz einfach. Natuerlich sind Sie anders als die Demonstranten in Syrien geschuetzt und duerfen Ihre Mwunung sagen."

Dass die Begründungen für einen Waffengang so vielfältig sind wie Sandkörner in der Wüste - sollten Sie eigentlich wissen. Es käme auf die Überzeugungskraft einer Argumentation zur Ingangsetzung eines Angriffskrieges in einem Diskurs mit Andersdenkenden an - und da gilt eigentlich nicht nur der § 80 StGB, sondern auch die Erfahrung, dass Kriege niemals leichtfertig begonnen werden sollten. Was der Staat Syrien unter Assad macht, das würde jeder Staat der Welt so handhaben.

Ja, es ist umstritten, ob man bei Massenmord an einer ....

.... Bevoelkerung militaerisch versuchen darf oder sogar muss zu schuetzen. Es ist in diesem Fall sogar unklar, ob es noch eine Regierung gibt, oder die ehemalige Regierung nur eine Bande darstellt, die eine Miliz hat und mit Gewalt die Macht wieder an sich reissen will; es sich also um ein Gebiet ohne Regierung handelt; ein Einmarsch also kein Krieg waere. Das ist alles zu bedenken. Klar.

Sicher ist jedoch, das dort das einseitige morden nun mit militaerischen Mitteln wie Panzer durchgefuehrt wird und im Interview jemand fordert dem ein Ende zu setzen.

Und es ist mir nicht selbstverstaendlich, dass die Regierenden jedes Landes mit Panzer Demonstrationen niedermachen wuerden. Hier gibt es Viele, die das erwarten von ihren Regierenden, was es wahrscheinlicher macht, dass ihre Regierenden dies uU auch tun wuerden. Die nicht begreifen, was eine Demokratie ist und Wehrhaftigkeit damit verwechseln die Staatssicherheit damit zu beauftragen Andersdenkende zu ueberwachen und gaengeln. Das ist problematisch.

Kriegstreiber

Kann Ihnen leider nur vollkommen zustimmen. Was sind das für Menschen, die mit intellektuellen Aufwand offen zu Krieg aufrufen, das aber natürlich geschickt und rethorisch aufgepeppt verpacken. In was für einer Welt leben wir eigentlich. Der reine Wahnsinn. Wenn nicht mal hochgelobte Intellektuelle die Hintergründe differenzieren können und nur einen Seite der Medaille beleuchten ... . Schlimm. Auch Intellektuelle sind nicht vor Fehlurteilen gefeit. Man erinner sich an Thomas Mann's ursprüngliche Einschätzung des Nationalsozialismus. Hat gedauert, trotz seiner Intelligenz, bis er seine Meinung revidiert hat. Kluge Leute sind leider kein Garant für Wahrheit, leider. Was im voriegenden Fall bewiesen wäre.

Wahrheit

Sehr richtig. Ich bin gespannt auf die Kriegsgründe (=Lügen) die zu einem Krieg gegen den Iran führen werden, die Vorbereitungen sind ja in vollem Gange (Flugzeugträger vor Ort etc.). Und auch für Syrien wird man sich was einfallen lassen. So eine "Flugverbotszone" sprich Bombenterror wird sich doch irgendwie trotz Widerstands von Russland und China irgendwie machen lassen, da bin ich gewiss. Letztendlich muss man sich immer nur die altbekannte aber unerlässliche Frage stellen: "Wem nützt es?" Da gehen einem nach kurzer Überlegung doch etliche Bogenlampen auf. Mit Sicherheit geht es dem Westen nicht um Demokratie und schon gar nicht um die Menschen dort. Das sind immer nur Vorwände, um eigenen Interessen durchzusetzen, und deren gibt es etliche.

Mal Ehrlich

Ist doch toll so ein Krieg, dann kommt mal wieder was gute im Fersehen.

-------------S A T I E R E -------------

Das PRoblem wird sein, das nun mal andere Staaten andere ansicht sind, und wenn eine Pro-Rebellen Staatengruppe die UN Umgeht und Militärisch aushilf, dann kann das auch eine Pro-Assad Staaten Gruppe machen.

Grade wenn Staaten die gegen ein Eingreifen sind, z.b. grad Wahlen hinter sich haben die Angezweifelt werden, wäre für sei so ein Abenteuer gut um von innenpolitischen Problemen Abzulenken.

Das nennt man dann Stellvertreterkrieg. UNd grade dabei kommt es meist zu massiven Schaden an der Zivilgesellschaft des Landes in dem er ausgetragen wird.

Also sollten die Kriegstreiber mal bitte erklären was wir denn tun wenn russland und china auf das eingreifen anderen Länder damit Reagiren Syrien mit Luftabwherraketen und Jagdflugzeugen zu versorgen.

Panisch wegrennen können wir dann nicht wenn wir uns nicht lächerlich machen wollen, aber da gleiben und kämpfen kommt auch nicht in Frage da die Meinung de Befölkerung hier eher gegen einen Krieg ist.

Was glaibt wäre eine Intervention die dafon abhänig ist das Russland und China stillscheingent sie ertragen und sich so als papirtieger darstellen lassen. Und sollten sie doch einen Gegenintervention Starten in ein massives Fiasko führen wird mit einen fast schon sicheren Politischen sieg für beide.

Was war zuerst: Die Keller oder der Nahrungsmangel?

Und welche Ursache hatte der Nahrungsmangel, bzw. die Preisexlosion dieser?

Richtig die Spekulation der Banken und die ungezügelte Gelddruckerei der Zentralbanken. Im Prinzip ist somit die Demokratie schuldig - und die Demokratie versucht dies damit geradezubiegen, indem sie den rechtmäßigen Staatschef rausmobbt und gegen einen Schweigenden austauscht...

@17 - Nicht " jeder Staat" würde so funktionieren

Sie schreiben: "Was der Staat Syrien unter Assad macht, das würde jeder Staat der Welt so handhaben."

Das sehe ich überhaupt nicht so und kann Ihnen nur widersprechen. Schon weil Sie nicht erkennen lassen wie Sie "Staat" definieren. In Deutschland jedenfalls ist der "Staat" das System der öffentlichen Institutionen zur Regelung der Angelegenheiten unseres Gemeinwesens, eben Legislative, Exekutive und Judikative und hat Legitimität. Nicht "jeder Staat" ist - im anarchistischem Sinne - ein Instrument zur Unterdrückung des einzelnen.

Der Staat Deutschland würde heute unter einem Assad deshalb nicht so funktionieren wie "der syrische Staat" mit seiner Geheimpolizei ohne Gewaltenteilung. Es gibt eben einen prinzipiellen Unterschied zwischen einem demokratischen Staatswesen und dieser nicht legitimierbaren Clan-Diktatur, die vor aller Welt schon vor 30 Jahren ein ähnliches Gemetzel veranstalten konnte. Wenn der allmächtige Staatschef und oberster Geiheimpolizeichef Assad von "Terroristen" (=Anarchisten?) redet sollte man hellhörig werden ...

@ preussex

es ist das selbe wie im libyen konflikt: von subjekten wie ihnen werden sämtliche greuel und verbrechen des diktators verleugnet und ignoriert, völlig egal, wieviele menschen dieser diktator auf dem gewissen hat. subjekte wie sie verleugnen, dass diktatoren menschen untrdrücken und verleugnen ebenfalls, dass diese diktatoren mit waffengewalt gegen das eigene volk vorgehen. dies ist für subjekte wie sie offensichtlich in ordnung, solange sie usa, nato, etc als "kriegstreiber" beschimpfen können. ein diktator fängt einen bürgerkrieg an, und subjekte wie sie verteidigen und unterstützen diesen diktator durch verbreitung von lügen und propaganda sowie beschimpfung des "westens". warum?

Wie ist das eigentlich

es haben sich anscheinend viele Rechtsnormen geändert - nur die Gesetze stehen noch gültig im StGB. Wenn ständig Bombardierungen gefordert werden - dann würde das den § 80 StGB, Vorbereitung eines Angriffskrieges, betreffen - isn't it. Muß dies jetzt ständig so interpretiert werden, dass bei Nichtbeteiligung eine eigene Bedrohung gegeben ist. Denn Kriegsgründe - mit Umschreibung als Friedensmission - existieren viele.

Die Lüge ist Teil des Krieges

Die propagandistische Lüge ist Teil jedes Krieges. Denn der Angreifer muss lügen, um seine Aggression in den Augen der Öffentlichkeit als Notwehr bzw. Nothilfe erscheinen zu lassen, die nur gerecht ist.

Kein Einwohner der kriegführenden Länder will in den Spiegel sehen, der zu ihm sagt: Da sterben Syrer, damit Du in 5 Jahren immer noch Deinen Cadillac fahren kannst, ohne Benzinrationierung, und damit Dein Arbeitgeber Aufträge erhält, und Du in Deinem schönen Häuschen wohnen kannst.

Da hören alle lieber Märchen vom gerechten Kampf gegen den "Schlächter".

der Pazifisten-Vorwurf

das ist nicht der Punkt... die Kritiker dieses Forum beschweren sich nicht in über die Tatbestände an sich, sondern vorrangig über die voreingenommene Berichterstattung darüber. Würde die Sachlage wirklich für einen Eingriff sprechen, und wären zugleich die Motive für ein Eingreifen nicht scheinheilig sondern rein moralischer Natur und über jeden Zweifel des Eigeninteresses erhaben, so kann ich mir durchaus gut vorstellen, dass ein großer Tel der Foren-Mitglieder sich auch für einen Eingriff aussprechen kann. Der Vorwurf wir seien passive Pazifisten ist wirklich absurd. Wir wünschen Aufklärung, das ist alles. der Großteil der Foren-Mitglieder sind zu Recht Skeptiker, wenn sie erkennen müssen, dass den Argumenten eines Kriegstreibers die Ausgewogenheit fehlt. Der Herr Levy scheint mir entweder nicht beide Seiten des Konfliktes verstanden zu haben, oder er hat die Sichtweise der anderen Seite bewusst verschwiegen. Beides nicht hinreichend, oder? Da darf man sich über Skeptiker und Pazifisten als Reaktion auf diesen Artikel nicht wundern.

Schein und Wahrheit

Ich sehe aber das Problem darin, dass es gerade auch die prinzipiellen Verweigerer gibt, die in meinem Beispiel tatenlos zusehen.

Zudem hege ich die Befürchtung, dass man immer irgendwo einen bösen Schein entdecken kann, wenn man will. Das ist als grundsätzliches Misstrauen gegen Macht nicht unbedingt schlecht. Wenn übertrieben, führt dies aber dazu, dass letztendlich nie eingegriffen wird, weil jedes Bedenken zur Verneinung der Eingriffsbefugnis führt, weil der Missbrauch ja nie ganz auszuschließen ist!

Und der angegriffene Mensch auf der Straße? Der stirbt, während alle anderen über Schein und Wahrheit Wortgefechte in Onlineforen wie hier austragen. Letztendlich ist deshalb daraus folgende Tatenlosigkeit nicht per se moralisch überlegen.

Information

wenn durch Bilder und Texte über Massaker berichtet wird , wenn Panzer mit Artellerie in Wohnhäuser schießen , mit dem klaren Ziel , Zivilisten zu treffen , welche Beweise für eine standfeste Meinung braucht man noch ? Herr Levy macht es sich nicht zu einfach. Allerdings müssen Strategien her , die Herrn Assad und Co und andere Menschenverachter in einer Nacht- und Nebelaktion den Weg in das physische Nirwana bereiten. Das ergibt sich aus dem universellen Recht auf Schutz unschuldiger Menschen. Macht bedeutet nicht , Schutzlose ermorden zu dürfen und Verletzte in Krankenhäusern zu foltern und Ärzte an ihrer Hilfeleistung zu hindern . Wo leben wir eigentlich , wenn darüber abgewogen werden darf ?

Re: Nothilfe

Ein Mensch liegt auf der Straße, ein anderer schlägt auf ihn ein. Sie haben eine Eisenstange in der Hand. Ist es dann illegitim den Angreifer umzuhauen? Natürlich nicht!

Man hat hier den Eindruck, als würde hier so mancher die Eisenstange fallen lassen, weil er sich so gerne als Pazifist sieht.

Vielleicht übersteigt es Ihre Vorstellungskraft, sich in das Gemüt eines Pazifisten hineinzuversetzen, aber ich für meinen Teil würde die Eisenstange fallen lassen, und trotzdem nicht tatenlos herumstehen. Nothilfe heißt schließlich nicht, Rechtfertigung von Gewalt, sondern Abwendung dessen. Einen Angreifer kann man auch von der Ausübung von körperlicher Gewalt abhalten ohne ihn gleich physisch schwer zu verletzen. Derjenige, der mit der Eisenstange zuschlägt, trägt große Wut in sich und begeht Selbstjustiz. Ich bin nicht der Meinung, dass man mit Wut die Probleme dieser Welt lösen kann. Wut gibt es schon genug.

Eisenstange versus Kanone

leider können auch Pazifisten das Morden Unschuldiger in Syrien nicht eindämmen. Wenn ein Militär autorisiert,wird auf Wehrlose mit Kanonen zu schießen , dann ist die Frage der Diplomatie sehr relativ. Machthaber ,w.z.B. der Assad-Clan ist mit normalen Kategorien (wie aus Wut handeln) nicht zu charakterisieren. Dieses widerwärtige Morden geschieht geplant und nicht aus Affekt.Dann ist es legitim , Notwehrhilfe zu leisten , mit Wort und Tat. Eine Eisenstange würde eh nichts nützen.

Hat der Herr nicht schon zur Resolution 1973 un der folgenden

Libyen-Militärintervention seine demagogische Kriegspropaganda in der ZEIT ablassen dürfen? Meine mich dunkel erinnern zu können.
Rezipiert wurde er damals schon vom Großteil der Foristen überaus negativ. Was macht die Redaktion? Gräbt ihn noch einmal aus und führt ein Interview mit ihm, über das sich die meisten auch nur aufregen werden. Klasse.

Ist das ihr Job?

Zitat aus einem Aufruf der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) (http://www.ippnw.de/aktiv...):

"Wer meint, es sei legitim, durch Schürung der inner-syrischen Konflikte einen pro-westlichen "Regime Change" in Damaskus herbeizuführen, um einen Krieg gegen den Iran leichter führbar zu machen und zugleich Russland seiner Marinebasis am Mittelmeer zu berauben, muss sich den Vorwurf der Vorbereitung eines Stellvertreterkrieges und damit eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit gefallen lassen."

Ist es nicht Ihr Job, dem Leser die Wahrheit zu vermitteln?

Wo erfährt man bei Ihnen solches:

- In einer von der Qatar Foundation finanzierten Meinungsumfrage spricht sich eine Mehrheit der Syrer für Assad aus, auch aus Angst vor einem Bürgerkrieg.
(http://www.freitag.de/pol...)
- Die Beobachtermission der Arabischen Liga berichtet, daß die Gewalt ganz und gar nicht allein von den Regierungstruppen ausgeht, sondern daß die "Rebellen" sowohl Polizisten und Regierungstruppen als auch Zivilisten angreifen.
"In Homs, Idlib and Hama, the Observer Mission witnessed acts of violence being committed against Government forces and civilians that resulted in several deaths and injuries. Examples of those acts include the bombing of a civilian bus, killing eight persons and injuring others, including women and children, and the bombing of a train carrying diesel oil." (http://www.ag-friedensfor...)
- Westliche Staaten haben bereits mit einer verdeckten MIlitärintervention begonnen:
"Kein Reporter ist dem Artikel des ehemaligen CIA-Offiziers Philip Giraldi nachgegangen, [...]. Giraldi berichtet davon, dass nicht gekennzeichnete NATO-Kriegsflugzeuge in Iskenderum, nahe der syrischen Grenze mit libyschen Freiwilligen und Waffen aus den Beständen Gaddafis eingetroffen seien. „Französische und britische Ausbilder von Spezialeinheiten befinden sich vor Ort“, schreibt er, „sie unterstützen die syrischen Rebellen..." (http://www.freitag.de/pol...)

Die Quellen lesen

"Die Beobachtermission der Arabischen Liga berichtet, daß die Gewalt ganz und gar nicht allein von den Regierungstruppen ausgeht, sondern daß die "Rebellen" sowohl Polizisten und Regierungstruppen als auch Zivilisten angreifen."

Das Zitat das Sie nachfolgend für dieses Argument verwenden, dient nicht dazu Ihr Argument zu untermauern.
Der AL Bericht listet in diesen Zitat Gewalttaten auf, aber schiebt diese Gewaltakte keiner Seite explizit zu.

Dies übrigens im Gegensatz zu den anderen Punkten dieses Abschnittes im AL Bericht, bei der es um die Gewalt beider Seiten geht.

Wahrscheinlich ist das die Opposition Gewalt gegen Regierungstruppen angewandt hat. Aber welche Seite Gewalt in den Fällen gegen Zivilisten angewandt hat, ist vollkommen unklar.

Leider scheint das von vielen falsch verstanden zu werden.

Doha Debates Umfrage

"In einer von der Qatar Foundation finanzierten Meinungsumfrage spricht sich eine Mehrheit der Syrer für Assad aus, auch aus Angst vor einem Bürgerkrieg.
(http://www.freitag.de/pol...)"

Leider eine Aussage, die über 97 Internetnutzer aus Syrien in der Umfrage getroffen wurde. Leider nicht wirklich sehr repräsentativ diese geringe Zahl

http://www.al-bab.com/blo...

Das sind also 53 von den befragten 97 die diese Aussage getroffen haben. Interessanterweise sagen von diesen 53 Leuten die Hälfte das Assad freie Wahlen vorbereiten und abhalten soll.

Ich will nicht leugnen das Assad einigen Rückhalt in der Bevölkerung hat, aber diese Umfrage ist dafür leider auch kein gutes Argument

Hintergrund benennen

Hallo Herr von Randow,

es wäre informativer, wenn Sie Levy nicht einfach als "französischen Philosophen" einführen, sondern darauf hinweisen, wie extrem umstritten er als Person und auch in seinem Schaffen in Frankreich selbst ist.

Denn davon wissen viele Leser in Deutschland vermutlich nichts, dieser Hintergrund gehört aber dazu um seine Beiträge besser einordnen zu können.

Z.B.: Der Eintrag zu seiner Person in der französichen Wikipedia enthält eine längere Auflistung von Kritik aus allen Bereichen und Richtungen, als die eigentlichen Lebensdaten dort einnehmen.

Übersetzt in loser Reihenfolge:
Er wird gesehen als "intellektueller Hochstapler",
"Es ist in vielen Kreisen in Mode, sich über Bernard-Henri Levy lustig zu machen oder in mit einer ironischen Gleichgültigkeit zu betrachten", er sei aber gefährlich,
er spiele Opfer während er andere Personen angreift,
er wird als "Intellektueller Fälscher" bezeichnet,
seine Arbeiten werden sogar als manchmal "verabscheuungswürdig" und als "literarische Vergewaltigung" bezeichnet,
und so weiter mehr...

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt, wie gesagt, der Kritikbereich umfasst mehr als die Hälfte des französischen Wikipediaeintrags und das ist schon sehr bemerkenswert.
http://fr.wikipedia.org/w...évy

Als Resumee: wohl ein gefährlicher Blender, und wohl nur präsent wegen guter Vernetzung.

Das deutsche "umstritten" wäre wohl eher noch schmeichelhaft, aber auch mehr als angebracht zur Personenbeschreibung.

Danke

Ich war sehr überrascht,

als ich im Focus die Leserkommentare zum Interview mit
dem neuen israelischen Botschafter gelesen habe, in dem
er von der BRD eine Führungsrolle gegen den Iran einfordert.

Es wurde nicht zensiert, obgleich 90% der Beiträge schärfste
Ablehnung formulierten.
Es geht also auch anders.
Auch in einem Verlag, der Israel sehr wohlgesonnen ist.
Leser wissen das zu schätzen.

Unglaublich...

Es fällt mir schwer, irgendwelche globalmenschenrechtliche Schuldgefühle auf mich zu nehmen, wenn diejenigen, die uns das einbläuen mir gegenüber Arroganz zum Ausdruck bringen...

Herr Randow (ich vermute auf Ihr "von" legen Sie kein Wert): Auf Kommentatoren haben Rechte und recht.

Wie kann ein Medium, welches über staatliche Privilegien in bezug der Meinungsfreiheit besitzt, die Meinungsfreiheit der einfachen Bürger derart negieren? Das ist erbärmlich...

Provokationen, ...

verhindern oft auch http://de.wikipedia.org/w...

Vielleicht wäre eine Sammlung der Zielsetzungen der gegnerischen Seiten ein Anfang, um eine eigene Position entwickeln zu können. Dazu allerdings findet man wenig Information über die Entwicklungsziele der "Rebellen".

http://de.wikipedia.org/w...
Syrien ist grundsätzlich eine sozialistische Volksrepublik mit kombinierter Präsidenten/Regierungsführung, derzeit einer Baath Partei und dem Präsidenten Assad, faktisch zu sehen als Diktatur (ob die Bevölkerung das prinzipielle StaatsSystem ablehnt scheint mir ungeklärt?)
Sogesehen könnte die Vermutung eines Stellvertreterkrieges zwischen demokratischen, sozialistischen oder scharia motivierten Hardlinern durchaus wahrscheinlich?
Die Frage wäre, wie Herr Levy dabei die Zivilbevölkerung unbeteiligt lassen will?

Danke für diese Informationen, Anno Hector, an die komme ich,

der französischen Sprache nicht mächtig, ohne Menschen wie Sie nicht ran.

Und das wiederum bringt mich zurück zu der Frage, die mich mehr und mehr beschäftigt:

Warum versucht die deutsche Presse, und zwar alle Printmedien sowie das öffentlich rechtliche Fernsehen, uns davon zu überzeugen, daß für das Blutvergießen in Syrien "das Assad-Regime" verantwortlich ist?

Schon die Ausdrucksweise verdeutlicht, in welche Richtung hier gearbeitet wird.

Wenn man sich ein wenig informiert, stößt man in kürzester Zeit auf Informationen zu den verschiedensten dubiosen NGOs, die sich als Strippenzieher bei den verschiedensten "Revolutionen" der letzten Zeit hervortun.
Und nicht nur das, auch die Geldgeber, die hinter diesen Organisationen stehen, sind bekannt.

All diese Informationen sind frei zugängig, ohne das man dazu auf eine von diesen Verschwörer-Websites gehen muß.

Aber unsere Presse, darunter die Zeit, jetzt gerade der Herr von Randow, legen sich ungeheuer ins Zeug, uns zu verklickern, daß dort in Syrien lediglich junge Leute endlich Demokratie und Freiheit wollen.
So, wie vorher schon in einigen anderen Ländern der Region.

Und ich frage nochmal: warum tut unsere freie, unabhängige Presse das?

"Als Resumee: wohl ein gefährlicher Blender"

Die Lektüre des französischen Wikipedia-Eintrags ist höchst amüsant. Allerdings bleibt einem das Lachen dann doch im Hals stecken, wenn man sieht, mit welcher Nonchalance Bernard-Henri Lévy unfundierte Urteile über Gott und die Welt, Krieg und Frieden fällt.

Im entsprechenden deutschen Wikipedia-Eintrag fehlt übrigens die kritische Auseinandersetzung mit BHL fast vollkommen.

Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Sie schreiben:

"Warum versucht die deutsche Presse, und zwar alle Printmedien sowie das öffentlich rechtliche Fernsehen, uns davon zu überzeugen, daß für das Blutvergießen in Syrien "das Assad-Regime" verantwortlich ist?"

Antwort: In Syrien sind ganze Stadtvierteln von Regierungstruppen mit schweren Waffen dem Erdboden gleich gemacht worden.

Also noch einmal die Frage an Sie: Wer ist also für die Toten in diesem Stadtviertel verantwortlich, das von Regierungstruppen mit schweren Waffen zerstört wurde?

Logisches Denken muss man wohl üben.

"Logisches Denken muss man wohl üben"

Soll ich jetzt böse sein mit Ihnen?

Nee, weil Sie noch nicht begriffen haben, daß nicht alles, was Sie am Bildschirm zu lesen bekommen, der Realität entspricht.

Sie brauchen nur mal die Informationen in der richtigen Reihenfolge aneinanderzureihen:

- Die Freie Syrische Armee ist bis in die Vororte von Damaskus eingerückt

- Die reguläre Syrische Armee findet das nun nicht si prickelnd und möchte sie da wieder raushaben.

Und jetzt? Und wenn Sie jetzt argumentieren, die reguläre Armee solle die Aufständischen doch in Ruhe lassen, kann ich Ihnen nur empfehlen, das mal mit einem deutschen Polizisten Ihres Vertrauens durchzudiskutieren.

quellen lesen?

sie scheinen ja nicht einmal den einzelnen absatz gelesen zu haben, den ich aus dem bericht der beobachtermission zitiert habe. dort steht doch eindeutig:
"Observer Mission witnessed acts of violence being committed _against Government forces and civilians_".
wenn sie meinen, der bericht "schiebt diese Gewaltakte keiner Seite explizit zu", wer hat denn dann die gewalt ausgeübt?
ich möchte auch keineswegs unterschlagen, daß in anderen abschnitten des berichtes sehr wohl auch die gewaltakte der regierungstruppen gegen bewaffnete! gruppen beschrieben werden. "the observers witnessed acts of violence perpetrated by Government forces and an exchange of gunfire with armed elements in Homs and Hama. As a result of the Mission’s insistence on a complete end to violence and the withdrawal of Army vehicles and equipment, this problem has receded."
ich konnte aber bisher im bericht keine hinweise auf gezielte angriffe der regierungstruppen auf unbewaffnete, mithin zivilisten, finden.
ihre ansicht, daß unklar wäre, welche seite gewalt gegen zivilisten anwendet, teile ich nicht, ich denke, daß es auf beiden seiten geschieht und finde es unerträglich, wie einseitig unsere medien die situation darstellen und damit an der eskalation und der vorbereitung eines krieges mitarbeiten.

eine weitere quelle, die diese einseitige zuordnung der gewalt widerlegt, findet man z.b. hier:
http://jghd.twoday.net/st...

ihr job - bei der angesehenen bürgerlichen die zeit - ist....

....es doch sicher, die veröffentlichte leitlinie des mediums nach besten wissen und gewissen zu verfolgen?
und sind sie der ansicht, mit dem gebrodere eines lévy, welcher bereits beim thema libyen seinen unsäglichen "beitrag" leistete, sowie mit stimmen der wie auch immer gearteten opposition und statements des wieder einmal auf dem parkett des krieges tanzenden "der westen" würden sie den anspruch auf information und analyse erfüllen?
niemand ist so vermessen und versucht oder denkt daran, der redaktion ihre - unabhängigkeit? - zu nehmen und im detail auf die berichterstattung einfluss zu nehmen.
die erwartung, dass diese berichterstattung ausgewogen, informativ und der -möglichst ganzen - wahrheit ensprechend erfolgt, ist zum glück das recht des lesers, der leserin.
das im gegenständlichen fall ein lévy diesen anspruch auf analyse nicht einlösen kann (und wohl auch nicht will), werden sie doch kaum bestreiten.