Agrarsprit E10Ungeliebte Brühe

Die Angst ist verschwunden. Trotzdem greifen nur zehn Prozent der Verbraucher zum umstrittenen Super E10.

Geplant war so etwas wie eine grüne Revolution: Weg mit dem schmutzigen Super 95, und her mit dem Biosprit E10. Bis zu 3,6 Millionen Tonnen CO2 könnten so im Verkehr eingespart werden, errechnete der Bundesverband der Bioethanolwirtschaft (BDBe). Auf deutschen Straßen sollte ein neuer Standard gesetzt werden.

Genau ein Jahr ist es nun her, dass sich Politiker und Verbände in Berlin zum sogenannten Benzin-Gipfel trafen, um die Zukunft von E10 zu beraten. Doch noch immer will den Biosprit kaum jemand tanken: Nur etwa jeder zehnte Autofahrer, der einen Benziner fährt, entscheidet sich für E10. Sowohl die Mineralölindustrie als auch Politik und Autohersteller waren von 90 Prozent ausgegangen.

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Immerhin zeigte die Entwicklung zuletzt leicht nach oben: Von 10,8 Prozent im Oktober vergangenen Jahres stieg der Anteil von E10 auf 11,8 Prozent im Januar. Rund 1,18 Millionen Tonnen des E10-Treibstoffs wurden 2011 insgesamt umgesetzt. »Das sind zwar nicht die Werte, die man sich erhofft hat, aber es gibt einen Aufwärtstrend«, sagt Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband.

Der mangelnde Erfolg der neuen Treibstoffsorte hat mehrere Gründe, einer sticht jedoch hervor: E10 war von Anfang an keine Herzensangelegenheit der Ölindustrie, sondern ging letztlich auf die nationale Umsetzung einer EU-Richtlinie zurück. Seit vergangenem Jahr müssen in Deutschland 6,25 Prozent der im Verkehr verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen, ein halbes Prozent mehr als zuvor. Bis 2020 schreibt die EU sogar einen Anstieg auf zehn Prozent vor. Der Biosprit sollte dafür sorgen, dass diese Quote erreicht wird. Vor allem die Autobranche hoffte, schärfere CO2-Bestimmungen für ihre Fahrzeuge vermeiden zu können.

Ökologisch hergestellte Produkte kommen bei den umweltbewussten Deutschen normalerweise gut an, und auf den ersten Blick kam der neue Treibstoff diesem Trend entgegen. E10 enthält anteilig doppelt so viel Bioethanol wie Super 95. Doch alle verpatzten den Start – Mineralölbranche, Autoindustrie und Politik: Der Umweltminister und die Mineralölbranche versäumten es, die potenziellen Kunden einzustimmen, und die Autobauer klärten die Kfz-Besitzer nicht einmal auf, ob ihre Fahrzeuge den neuen Stoff überhaupt vertragen.

Doch alle Beteiligten hatten die Empfindlichkeit der Deutschen unterschätzt, wenn es um ihre Autos geht. Zudem taten Experten kund, dass bei Fehlbetankungen ein kapitaler Motorschaden drohe. Kfz-Händler und Tankstellenbetreiber erwiesen sich nicht gerade als Hilfe. Die meisten rieten – sicherheitshalber –, weiterhin Super 95 oder gar das teure Superplus zu tanken. Mit Begriffen wie »Öko-Plörre« heizten Boulevardmedien die Anti-Stimmung an. Schließlich mussten sogar Tankstellen, die Super 95 schon abgeschafft hatten, diese Zapfanlagen wieder aktivieren. Selbst die verspäteten Info-Flyer an den Tankstellen vermochten den Vertrauensverlust nicht mehr zu reparieren. Dabei können 90 Prozent aller Benziner den neuen Sprit problemlos verdauen.

Schließlich kam es noch zu logistischen Problemen. »In vielen Regionen konnten Verbraucher E10 erst Mitte vergangenen Jahres und nicht, wie geplant, im Februar kaufen«, sagt Carola Wunderlich vom BDBe. Sie verweist auf eine Umfrage des Verbandes im vergangenen Juli. Während in Süddeutschland bereits über ein Drittel der Befragten E10 getankt hatten, waren es im Norden gerade einmal elf Prozent, »auch weil gerade im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen die Tankstellen noch gar nicht umgerüstet waren«.

Leserkommentare
    • Laru
    • 10.03.2012 um 13:19 Uhr

    Selbst wenn es kein Super95 mehr gibt werde ich kein E10 tanken, stattdessen tanke ich Super Plus auch wenn es teurer ist und ich weiß das mein Fahrzeug davon keinen Mehrwert hat.

    Warum?
    Es ist einfach ein Unding (mehr) Nahrungsmittel in den Tank zu kippen und die entsprechende Flächen von Nahrungsmittel auf Spritproduktion umzustellen. Anstatt an den jetzigen Energiekonzepten (Benzin/Diesel) umzubauen sollte man einen schnitt machen und über eine Änderung des Konzeptes Individualverkehr auf Öl-Basis nachdenken. (Wasserstoff, E-Auto, bla, was neues halt).

    Wenn Super dann 2€ kostet und E10 nur 1,50 fahr ich dann eben mit der Bahn!

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    Über Jahrtausende haben die Menschen ganz selbstverständlich akzeptiert, dass sie den Hafer entweder selbst essen oder im Dienste ihrer Mobilität an Pferde verfüttern. Und nun kommen Sie und wollen uns glauben machen, dass eine solche Entscheidung moralisch verwerflich sei?

    Jedes Steak in der Pfanne ist ökologisch bedenklicher, weil es im Übermaß nachwachsende Rohstoffe vernichtet und CO2 freisetzt!

    Und wenn dann die Spritkosten steigen (und damit auch die Energiekosten insgesamt weil auch mehr Leute von Ölheizung auf andere Arten umsteigen) wird auch die medizinische Versorgung teurer.

    Und dann stellt sich die Frage, ob wir in einem Land, das sowohl bei Getreide als auch Fleisch trotz Stilllegungsprogramm einen Selbstversorgungsgrad höher als 100% hat, nicht doch besser einen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Energieerzeugung verwenden, so wie es schon seit Jahrtausenden gemacht wurde und immer noch gemacht wird (siehe Waldbewirtschaftung für Holzöfen).

    Zum Lebensstandard der Bevölkerung gehört eben nicht nur Essen. Und das Argument mit dem Welthunger zieht nicht, denn Fakt ist, dass wir im Korngürtel der Erde leben und hier ausreichend produzieren, während das die Ländern zwischen den Wendekreisen nicht können. Das ist nicht zu ändern.

    Global gesehen sind wir in der Lage, ausreichend Lebensmittel für die Weltbevölkerung herzustellen. Problematisch bleibt die Verteilung, welche aber auch zu einem nicht unbedeutenden Teil vom Transport abhängig ist. Und hier stellt sich die Frage, ob es denn dann wirklich vernünftig ist, die steigenden (dank erschöpfenden Ölquellen) Spritkosten stur anzunehmen anstatt zu handeln?

    Ihre Meinung in Ehren, aber ist es denn moralisch wirklich besser die oben angesprochenen Probleme zu verdrängen nur weil vordergründig potentielle Lebensmittel vernichtet werden?

    Die Wirklichkeit ist vielschichtiger und komplexer.

    - Keine Ackerflächen für Treibstoff verplempern
    - keine Spritfresser mehr subventionieren (Firmenwagen)
    - ÖPNV und Fahrrad-Infrastruktur ausbauen (wird gerade gekürzt)
    - Die vielen unsinnigen Transporte in Deutschland und Europa (z.B. Schlachtvieh) nicht auch noch fördern.

    Das wären Schritte in eine bessere Zukunft.

    Man kann es auch systematisch sehen:

    Nicht blindwütiges Wachstum, sondern Effizienz und Nachhaltigkeit.

    Über Jahrtausende haben die Menschen ganz selbstverständlich akzeptiert, dass sie den Hafer entweder selbst essen oder im Dienste ihrer Mobilität an Pferde verfüttern. Und nun kommen Sie und wollen uns glauben machen, dass eine solche Entscheidung moralisch verwerflich sei?

    Jedes Steak in der Pfanne ist ökologisch bedenklicher, weil es im Übermaß nachwachsende Rohstoffe vernichtet und CO2 freisetzt!

    Und wenn dann die Spritkosten steigen (und damit auch die Energiekosten insgesamt weil auch mehr Leute von Ölheizung auf andere Arten umsteigen) wird auch die medizinische Versorgung teurer.

    Und dann stellt sich die Frage, ob wir in einem Land, das sowohl bei Getreide als auch Fleisch trotz Stilllegungsprogramm einen Selbstversorgungsgrad höher als 100% hat, nicht doch besser einen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Energieerzeugung verwenden, so wie es schon seit Jahrtausenden gemacht wurde und immer noch gemacht wird (siehe Waldbewirtschaftung für Holzöfen).

    Zum Lebensstandard der Bevölkerung gehört eben nicht nur Essen. Und das Argument mit dem Welthunger zieht nicht, denn Fakt ist, dass wir im Korngürtel der Erde leben und hier ausreichend produzieren, während das die Ländern zwischen den Wendekreisen nicht können. Das ist nicht zu ändern.

    Global gesehen sind wir in der Lage, ausreichend Lebensmittel für die Weltbevölkerung herzustellen. Problematisch bleibt die Verteilung, welche aber auch zu einem nicht unbedeutenden Teil vom Transport abhängig ist. Und hier stellt sich die Frage, ob es denn dann wirklich vernünftig ist, die steigenden (dank erschöpfenden Ölquellen) Spritkosten stur anzunehmen anstatt zu handeln?

    Ihre Meinung in Ehren, aber ist es denn moralisch wirklich besser die oben angesprochenen Probleme zu verdrängen nur weil vordergründig potentielle Lebensmittel vernichtet werden?

    Die Wirklichkeit ist vielschichtiger und komplexer.

    - Keine Ackerflächen für Treibstoff verplempern
    - keine Spritfresser mehr subventionieren (Firmenwagen)
    - ÖPNV und Fahrrad-Infrastruktur ausbauen (wird gerade gekürzt)
    - Die vielen unsinnigen Transporte in Deutschland und Europa (z.B. Schlachtvieh) nicht auch noch fördern.

    Das wären Schritte in eine bessere Zukunft.

    Man kann es auch systematisch sehen:

    Nicht blindwütiges Wachstum, sondern Effizienz und Nachhaltigkeit.

  1. Über Jahrtausende haben die Menschen ganz selbstverständlich akzeptiert, dass sie den Hafer entweder selbst essen oder im Dienste ihrer Mobilität an Pferde verfüttern. Und nun kommen Sie und wollen uns glauben machen, dass eine solche Entscheidung moralisch verwerflich sei?

    Jedes Steak in der Pfanne ist ökologisch bedenklicher, weil es im Übermaß nachwachsende Rohstoffe vernichtet und CO2 freisetzt!

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  2. > Der Umweltminister und die Mineralölbranche versäumten es, die potenziellen Kunden einzustimmen, und die Autobauer klärten die Kfz-Besitzer nicht einmal auf, ob ihre Fahrzeuge den neuen Stoff überhaupt vertragen. <

    Einzustimmen? Aufklären? Möglicherweise sind die Autofahrer gar nicht dumm, sondern sie wollen dieses Zeug nicht. Hallo Frau Scherer.

    > Doch auch da sieht der BUND Probleme. Regenwälder werden abgeholzt, Anbauflächen für Lebensmittel für Energiepflanzen genutzt, wertvolle Biotope zerstört. <

    Das nehme ich mal an ist der wahre Grund. Und dem schließe ich mich an. Ich werde das Zeug nicht tanken. Auf einer Fahrt im letzten Jahr von Frankfurt an die Ostseeküste habe ich noch nie so viele Weizenfelder gesehen. Die Landwirte sind ja auch nicht dumm …..

    3 Leserempfehlungen
  3. Es kann nicht angehen, dass wir mit Verkehrsmitteln nicht nur die Luft verschmutzen, sondern jetzt auch noch den Regenwald dafür opfern, weil gigantische Flächen für den Rapsanbau gerodet werden müssen. Unglaublich!

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  4. Und wenn dann die Spritkosten steigen (und damit auch die Energiekosten insgesamt weil auch mehr Leute von Ölheizung auf andere Arten umsteigen) wird auch die medizinische Versorgung teurer.

    Und dann stellt sich die Frage, ob wir in einem Land, das sowohl bei Getreide als auch Fleisch trotz Stilllegungsprogramm einen Selbstversorgungsgrad höher als 100% hat, nicht doch besser einen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Energieerzeugung verwenden, so wie es schon seit Jahrtausenden gemacht wurde und immer noch gemacht wird (siehe Waldbewirtschaftung für Holzöfen).

    Zum Lebensstandard der Bevölkerung gehört eben nicht nur Essen. Und das Argument mit dem Welthunger zieht nicht, denn Fakt ist, dass wir im Korngürtel der Erde leben und hier ausreichend produzieren, während das die Ländern zwischen den Wendekreisen nicht können. Das ist nicht zu ändern.

    Global gesehen sind wir in der Lage, ausreichend Lebensmittel für die Weltbevölkerung herzustellen. Problematisch bleibt die Verteilung, welche aber auch zu einem nicht unbedeutenden Teil vom Transport abhängig ist. Und hier stellt sich die Frage, ob es denn dann wirklich vernünftig ist, die steigenden (dank erschöpfenden Ölquellen) Spritkosten stur anzunehmen anstatt zu handeln?

    Ihre Meinung in Ehren, aber ist es denn moralisch wirklich besser die oben angesprochenen Probleme zu verdrängen nur weil vordergründig potentielle Lebensmittel vernichtet werden?

    Die Wirklichkeit ist vielschichtiger und komplexer.

  5. Noch eine Anmerkung:
    bitte hört auf, den Öko-Gedanken hervorzukehren, denn das erweckt den Anschein von Werbung.

    In den Verhandlungen zur EU-Richtlinie wurde klar gemacht, worum es bei E10 wirklich geht: es geht um die (längerfristige) Verringerung der Abhängigkeit von einem teurer werdenden Rohstoff.

    Das war und ist der Hintergrund von E10. Die EU ist noch nicht einmal von selbst auf diese Idee gekommen, sondern hat das Konzept von den USA übernommen, welche bereits 20 Jahre vor der EU ein Ethanol-Konzept aufgelegt und durchgezogen haben (das seinerseits vom Ethanol-Konzept aus Brasilien inspiriert worden war).

    Die Geschichte mit dem Ökosprit lässt sich natürlich schöner vermarkten und gibt plakativere Überschriften, aber sie entspricht nicht dem Hintergedanken zu E10.

    Also seid bitte ehrlich und sprecht die Wahrheit aus: E10 wurde eingeführt um schrittweise die Ölimporte durch heimische Spriterzeugnisse zu ersetzen.

    Das klingt langweiliger, ist aber in meinen Augen wesentlich wichtiger als der Öko-Gedanke um unseren Lebensstandard zu halten.

    Die nächste Stufe ist E15, welches in einem knappen Jahrzehnt eingeführt werden soll.

    6 Leserempfehlungen
  6. Energiepflanzen würden in vielen Fällen Nahrungs- und Futterpflanzen verdrängen und Regenwälder vernichten.

    Solange noch Menschen auf dieser Erde hungern müssen, damit wir unsere Autos durch die Gegend fahren können, werde ich kein E10 tanken. Dafür versuche ich immer häufiger das Auto stehen zu lassen, wenn es auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad geht. Wir müssen z.B. nicht am Samstag mit dem Auto zum Bäcker, es kann auch mal ganz gut tun dort zu Fuß hin zu gehen. Wenn unsere Urgroßeltern uns manchmal sehen würden, dann würde sie nur den Kopf schütteln, wie Faul wir doch geworden sind.

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    Dann werden die Leute um so stärker als heute prüfen müssen, ob sie es guten Gewissens verantworten können, den Lebensmittelmarkt zu "bekämpfen".
    An alle Kritisierer der Verweiger sei folgendes Interview mit einem Nestlé-Verantwortlichen zur Lesung empfohlen: http://www.zeit.de/2012/0....
    Zitat: "Der Energiemarkt und der Lebensmittelmarkt sind ein und derselbe Markt; beide werden in Kalorien gemessen. Der einzige Unterschied ist, dass der Energiemarkt zwanzig Mal größer ist als der Lebensmittelmarkt."

    Dann werden die Leute um so stärker als heute prüfen müssen, ob sie es guten Gewissens verantworten können, den Lebensmittelmarkt zu "bekämpfen".
    An alle Kritisierer der Verweiger sei folgendes Interview mit einem Nestlé-Verantwortlichen zur Lesung empfohlen: http://www.zeit.de/2012/0....
    Zitat: "Der Energiemarkt und der Lebensmittelmarkt sind ein und derselbe Markt; beide werden in Kalorien gemessen. Der einzige Unterschied ist, dass der Energiemarkt zwanzig Mal größer ist als der Lebensmittelmarkt."

  7. Ich tanke nur e10 und das seit einführung.
    das hysteriseche gebölke a la "das auto geht kaputt"
    habe ich schon damals als nonsens abgetan.
    so ist es nun ja auch offensichtlich bestätigt worden.

    aber die behauptung das menschen nur hungern würden weil
    "wir nahrungsmittel tanken" ist schlichtweg falsch und sorry, saudumm.

    die gründe dafür sind weitaus vielschichtiger.
    und bevor nun wieder jemand mit dem "hungernden schwarzen" kommt, in der wüste malis wird nichts angebaut was hier vertankt wird.
    dieser vergleich hinkt nicht, er hat nichtmal beine.

    essen sie mal das fleisch von mit sojakraftfutter gemäßteten tieren und denken dabei an den regenwald.
    mahlzeit!

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