DIE ZEIT: Herr Uçar, Niedersachsen ist mit Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland, das islamischen Religionsunterricht an Schulen einführen wird . Nicht mehr nur als Modellversuch, sondern als reguläres Fach. Gibt es denn genügend Lehrer für die knapp 50.000 muslimischen Schüler im Niedersachsen?

Bülent Uçar: Bei deutschlandweit 900.000 muslimischen Schülern brauchen wir Tausende Lehrkräfte. Auch Niedersachsen wird es nicht schaffen, schon 2013 einen flächendeckenden Unterricht anzubieten. Aber es geht voran.

ZEIT: Was macht einen guten Lehrer für islamischen Religionsunterricht aus?

Uçar: Er sollte hervorragende pädagogische Qualifikationen und viel Liebe und Zuneigung zu Kindern mitbringen. Unverzichtbar ist auch eine fundierte theologische Grundausbildung. Sicherlich hat er auch eine gewisse Vorbildfunktion. Aber besonders gefragt wird sein diplomatisches Geschick im Umgang mit muslimischer Diversität sein.

ZEIT: Wer hat denn alles ein Mitspracherecht bezüglich der Lehrinhalte?

Uçar: Im Land Niedersachsen gibt es einen Beirat, der am Kultusministerium in Hannover verortet ist und aus Vertretern der Landesmoscheen besteht, also der Schura Niedersachsen, sowie Angehörigen der Ditib...

ZEIT: ...des deutschen Arms der Türkischen Religionsbehörde.

Uçar: Die Inhalte werden von einer Lehrplankommission erarbeitet und müssen von diesem Beirat akzeptiert werden. Im Grunde ist es dasselbe Verfahren wie bei den Kirchen.

ZEIT: Dieser Beirat entscheidet mit über die Lehrerlaubnis. Aus welchen Gründen könnte er sie verweigern?

Uçar: Diese Verweigerung sollte nur in eindeutigen Fällen zum Tragen kommen, wenn jemand elementare Grundsätze des Islams infrage stellt.

ZEIT: Etwa anzweifelt, dass der Prophet Mohammed gelebt hat, wie es der ehemalige Münsteraner Islamprofessor Sven Kalisch einmal getan hat?

Uçar: Dann wäre eine Grenze überschritten.

ZEIT: Sie haben selber als Religionslehrer gearbeitet. Welche Herausforderung brachte das mit sich?

Uçar: Es gab kein Schulbuch, keine Arbeitsblätter. Das hat die Sache sehr erschwert.

ZEIT: Jetzt sind Sie Herausgeber eines Islambuchs für die Grundschule...

Uçar: Als ich die Professur für Islamische Religionspädagogik bekam, habe ich mir gesagt: Ein Schulbuch wird eines der ersten Dinge sein, die ich mache. Das Interesse der Verlage war früher gering an so einem Projekt, der Markt sei zu klein dafür, hieß es.