Steven Soderberghs Idee von Erholung besteht darin, eine Reihe von gut aussehenden Männern von einer attraktiven Frau verdreschen zu lassen. Um mehr geht es nicht in seinem neuen Film Haywire . Ganz nebenbei ist er aber auch ein Statement über den weiblichen Körper im Film: Da geht einiges mehr, als die Konvention erlaubt, und dies in einem der formelhaftesten Genres überhaupt. Soderbergh hat einen eigenen Typ der Rachegöttin geschaffen: Gina Carano gibt ihr Filmdebüt als Malorie Kane. Einer Agentin wird übel mitgespielt, sie wird darüber zur männerjagenden Erinnye. Mehr muss man sich nicht merken.

Dennoch ist dieser Film besonders: Hier geht es nicht darum, einer bereits etablierten Schauspielerin im Körperkunstkino des Actionfilms andere Facetten zu erschließen. Steven Soderbergh hat Gina Carano, eine Meisterin im Thaiboxen, im Fernsehen Gegnerinnen verhauen sehen und daraufhin beschlossen, einen Film um diese erstaunliche Frau herum zu bauen.

Gina Carano hat selbstverständlich alle Stunts ohne fremde Hilfe absolviert. Warum auch nicht? Ihr ganzes Leben war ein Stunt, bis Soderbergh sie anrief. Sie gewann den ersten Kampf ihrer Sportlerlaufbahn nach 38 Sekunden durch Knock-out. Man kann ihn auf YouTube ansehen, er ist nichts für schwache Nerven. Dass Carano sich in den sechs Jahren, die sie als Profi im Käfigkampf verbracht hat, ihr hübsches Gesicht hat erhalten können, spricht für ihren Punch. Nach einer schweren Niederlage war Carano in einer Krise, dann kam Soderberghs Anruf: Er werde ihr einen Film auf den Leib schreiben. Eine glaubwürdige Story. Ob sie Lust habe?

Glaubwürdig ist die Sache nicht, aber das macht nichts. Denn die erstaunliche Präsenz der springenden, tretenden und schlagenden Carano hält einen davon ab, allzu viele Fragen zu stellen. Eine Topagentin ist geleimt worden. Jemand will sie loswerden, sie geht der Sache auf den Grund und verdrischt einen nach dem anderen aus der illustren Nebendarstellerschar: Channing Tatum, Michael Fassbender , Ewan McGregor , Antonio Banderas . Michael Douglas schwirrt auch noch herum, bleibt aber leider verschont, obwohl er, weiß Gott, eine Abreibung verdient hätte. Der Film ist Gina Carano im wörtlichen Sinn auf den Leib geschrieben. Der Plot liefert Vorwände, ihre grazil-brutale Körperlichkeit zu feiern. Die Kampfszenen haben Leichtigkeit und Eleganz, ohne jeden Kung-Fu-Surrealismus. Dabei sieht sie stets umwerfend aus. So kommen in diesem Film erstaunlicherweise Mädchen- und Männerfantasien zur Deckung.