TUI-Chef Michael Frenzel"Ein quälender Prozess"

TUI-Chef Michael Frenzel über Sparprogramme, chinesische Reisegruppen und Kreuzfahrten

DIE ZEIT: Herr Frenzel, Sie sind ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Digital oder analog?

Michael Frenzel: Digital. Ich habe mittlerweile einige Hunderttausend Motive auf Lager. Das schönste ist eines von Venedig im Nebel.

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ZEIT: Vural Öger, Gründer von Öger Tours, prophezeit Ihrem Unternehmen TUI einen Niedergang wie dem Fotofilmhersteller Kodak.

Frenzel: Das macht er schon seit 30 Jahren.

Michael Frenzel

Der Manager wurde 1947 in Leipzig geboren. Noch in der Grundschulzeit floh seine Familie nach Duisburg. Nach dem Studium wurde der Jurist 1981 Büroleiter des legendären WestLB-Chefs Friedel Neuber. Die Bank war an dem Mischkonzern Preussag beteiligt, 1994 stieg Frenzel dort zum Vorstandsvorsitzenden auf und richtete das Unternehmen ganz auf das Tourismusgeschäft aus. 2002 wurde aus Preussag dann TUI.

ZEIT: Hat er nicht recht?

Frenzel: Nein, wir erfinden uns stetig neu.

ZEIT:Öger sagt, Kodak habe das digitale Zeitalter verschlafen, die großen Reiseveranstalter würden die Entwicklungen im Internet verschlafen.

Frenzel: Das ist völlig falsch. Wir verkaufen in Skandinavien weit mehr als 60 Prozent unserer Reisen online, in England gute 40 Prozent und in Deutschland 20 Prozent, mit rasch steigendem Anteil. In den nächsten zwei, drei Jahren wollen wir konzernweit mindestens 40 Prozent des Umsatzes über Internetbuchungen erwirtschaften.

ZEIT: Wäre das nicht leichter mit einem kleineren, beweglicheren Konzern als mit dem Tanker TUI?

Frenzel: Auch ein Tanker hat seine Vorteile. Wir sind in mehr als 100 Ländern mit Agenturen präsent, die unser Angebot in den Zielgebieten kontrollieren. Das kann weder Expedia noch ein anderer Internethändler.

ZEIT: Die neuen Anbieter sind oft billiger.

Frenzel: Diese Unternehmen funktionieren anders als TUI. Entstehen auf einem Markt Überkapazitäten, zum Beispiel überschüssige Hotelzimmer auf den Kanaren oder in Nordafrika, dann greifen die Internetanbieter diese ab. Dann versuchen sie, wie Trittbrettfahrer, diese Überkapazitäten günstig an die Kunden zu vermitteln. Die Preisvergleiche im Internet sorgen jedoch dafür, dass man mit einer aggressiven Preisstrategie heute nichts mehr gewinnen kann, schon gar nicht als großer Anbieter. Deshalb arbeiten wir völlig anders. Wir kontrollieren die Qualität unserer Hotels, Ausflugspartner und Sportangebote und kombinieren das mit einem starken Onlinevertrieb. Wir brauchen exklusive Hotels und müssen diese Qualität auch online dem Kunden liefern. Robinson Clubangebote und die neuen Sensimarhotels gibt es nur bei uns.

ZEIT: Ihre Antwort heißt also Exklusivität?

Frenzel: Ja. Unsere Kunden achten zunehmend auf die Qualität der Hotels und der Zielgebiete.

ZEIT: Buchen die Touristen anders als vor zehn Jahren?

Frenzel: Sie buchen unterschiedlicher. Die einen wollen das klassische Programm mit Sonne und Strand. Dann gibt es Spezialurlaube von Mountainbiking über Segeln, Klettern bis hin zu Kochkursen. Das klassische Geschäft hat heute 70 Prozent Marktanteil, das Spezialgeschäft 30 Prozent.

Leserkommentare
  1. Seit Jahren wirtschaftet Frenzel die TUI herunter, der Schaden ist enorm. Er hat ein unglaubliches Talent, grottenschlechte Entscheidungen zu treffen - daher auch die katastrophale Aktienkursentwicklung.
    Dass er trotzdem im Amt ist, ist beschämend.

    2 Leserempfehlungen
  2. hat bislang nur Werte vernichtet bzw. auf Kosten der Beschäftigten unsinnige Sparprogramme durchgesetzt.

    Strategisch kann er so weit denken, wie er ein Klavier werfen kann!!

    Eine Leserempfehlung
  3. " ... den Ausstoß von Stickoxiden, Kohlenstoffmonoxid und weiteren Emissionen ... "

    Das fehtl das Schlimmste.

    Schiffe fahren mit Schweröl oder Rohöl mit bis zu 5% Schwefel.

    Weil das an Land nicht verbrannt werden darf ist es für Schiffe am billigsten.

    Eine Leserempfehlung
  4. trotz aller Bemühungen hat doch die Tui noch immer kein eigenes gesicht...zumindestens bei Kreuzfahrten im internationalen Auftreten, Das Tui Logo klebt einfach auf zuvielen verschiedenen Produkten, und was macht Frenzel trennt sich von dem Umsatzträgern....

    Eine Leserempfehlung
  5. Ich empfehle Herrn Frenzel die Lektüre "Kostensenkung als Charakterfrage" der Senenca Vision. Vielleicht bringt ihn das ja weiter.

    http://seneca-vision.de/klaus-peters/blog-klaus-peters-seneca-vision/item/4-kosteneinsparungsprogramme-–-charakterfrage-oder-tagesgeschäft?.html

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