Kamerun : Das schöne Geld!

Wie soll man einen Ausflug genießen, wenn man eigentlich einen Dieb stellen will? Im rauen Norden Kameruns gerät Merten Worthmann an windige Reiseveranstalter und einen halb nackten Polizisten.
Mandara-Berge, Kamerun, 1999 © Merten Worthmann

Ein komischer Urlaub. Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, nie richtig ins Land hineingefunden zu haben, immer nur auf den Hauptstraßen unterwegs gewesen zu sein. Dabei stimmte das gar nicht. Wir waren durchaus in Kamerun herumgekommen. Das Foto beweist es. Es zeigt ein Stück des Mandara-Gebirges in der Region Extrême-Nord. Dahin muss man es auch erst mal schaffen. Ich war da. Ich habe das Foto gemacht. Aber mit den Gedanken war ich woanders.

Meine damalige Freundin und ich waren nach Kamerun gekommen, um einen alten Studienfreund zu besuchen. Der war inzwischen stellvertretender Bildungsminister und hatte eigentlich nie Zeit. Also bereisten wir das Land mit zwei großen Rucksäcken allein. Aus der Hauptstadt Jaunde flogen wir in Kameruns nördlichste, von Wüste und Steppe umstellte Provinzhauptstadt Maroua. Als wir ankamen, war es heiß, gleißend hell und staubtrocken. Wir tranken leuchtend rote Limonade und trotteten über goldgelbe Sandwege einer bescheidenen Hotelanlage aus lauter kleinen Hütten entgegen, von der wir gelesen hatten, wahrscheinlich im Lonely Planet . Heute leben in Maroua mehr als 200.000 Menschen. Ende der neunziger Jahre können es nicht so viel weniger gewesen sein. Trotzdem kam uns der Ort damals höchstens wie eine Kleinstadt vor.

Unweit des Hotels entdeckten wir eine Art Reisebüro. Es hatte keine Fenster, nur offene Läden zur Straße hin, und war mit zwei alten Holzschreibtischen eher sparsam möbliert. Zwei Männer um die 30 boten uns individuelle Touren in den Waza-Nationalpark und ins Mandara-Gebirge an. Klang gut. Wir buchten ein Kombi-Paket und zahlten im Voraus, 120 Dollar für jeden von uns. Am nächsten Morgen um sieben Uhr sollten wir abgeholt werden.

Am nächsten Morgen um Viertel vor acht erschien einer der beiden Männer. Er trug besorgte Miene, rang mit den Händen und teilte uns mit, er sei untröstlich. Sein Kompagnon habe alles Geld genommen und sei damit durchgebrannt. Momentan fehle jede Spur. In Kürze werde er weitere Ermittlungen anstellen. Zuerst aber liege ihm unser Wohl am Herzen. Auf gar keinen Fall sollten wir auf unsere Tour verzichten! Es gehe gleich los, wir müssten nur vorerst schnell noch einmal bezahlen. Anderenfalls würde der Wagen ohne Sprit dastehen und der Driver-Guide keinen Finger rühren.

Ha! Ging’s noch dreister? Wir drohten mit dem sofortigen Gang zur Polizei. Unser Gegenüber sagte: »Polizei? Selbstverständlich!«, und führte uns hinüber zu einer anderen Hütte auf dem Hotelgelände. Ein älterer Mann mit Handtuch um die Hüfte öffnete, die beiden grüßten einander wie enge Bekannte. Der Handtuchträger, angeblich ein zuständiger Beamter, hörte sich den Fall stirnrunzelnd an, wollte von unserem Verdacht nichts wissen und sagte, er werde sich kümmern.

Wir kümmerten uns lieber selber: fanden heraus, wo die nächste ordentliche Polizeistation lag, und sprachen dort gleich noch einmal vor. Der Mann vom Reisebüro blieb an unserer Seite. Dem diensthabenden Polizisten (der diesmal Uniform statt Handtuch trug) präsentierte er sich als Hauptgeschädigter. Der Polizist bedauerte ihn sehr. Uns beachtete er kaum. Müde aufseufzend, stellte er ein paar Routinefragen und erklärte ebenfalls, sich kümmern zu wollen. Wir hatten da unsere Zweifel. Wartete er etwa auf Geld? Kamerun, hatten wir gelesen, gehörte zu den korruptesten Ländern der Welt. Leider waren wir völlig unerfahren in Schmiergeld-Diplomatie.

Großer Frust. Wir wollten unser Geld zurück. Wir wollten unser Recht. Und wir wollten nach Waza oder Mandara, statt hilflos auf der Straße herumzustehen. Da hielt ein Jeep neben uns. Ein Franzose, den wir am Abend zuvor kennengelernt hatten, fragte aus dem Fenster: »Wolltet ihr nicht auf Tour?« Ja, aber..., sagten wir. »Kommt mit«, sagte er, »ich fahre nach Mandara.« Wir zögerten. Durften wir unseren Fall so einfach im Stich lassen? Der Franzose und sein Guide meinten: Aber ja, der Tag sei jung, am Abend, mit weniger finsteren Mienen, würden wir vielleicht mehr erreichen.

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