RusslandWo alle Hoffnung endet

Zu Jörg Baberowskis verstörendem Buch über den Stalinismus: "Verbrannte Erde".

Josef Stalin im Jahr 1935

Josef Stalin im Jahr 1935

Dieses große Buch ist eine Zumutung – auch für jene, denen noch immer der Schock der Lektüre Solschenizyns und Schalamows in den Knochen steckt. Solche Bücher schreiben Leute, denen die Ungeheuerlichkeiten des 20. Jahrhunderts keine Ruhe lassen und die dahinterkommen möchten, wie und warum sich das Unvorstellbare hat ereignen können. Die Lektüre ist wie eine Fahrt in einen Tunnel, der immer tiefer hinabführt, nicht auf einer nostalgischen Geisterbahn, sondern in einem Express, der Fahrt aufnimmt, bei der sich die vorbeifliegenden Bilder überschneiden, in einen rasend schnellen Film übergehen, bis einem fast die Besinnung schwindet. Man sucht irgendwie Halt, man wartet auf eine Zwischenstation, um wieder zu Atem zu kommen und Kraft zu schöpfen für die nächste Wegstrecke. Aber es gibt keinen Halt. Die Beklemmung wächst. Irgendwann kommt man nach dieser Höllenfahrt wieder ans Tageslicht. Das ist am 5. März 1953, dem Tag, an dem Stalin stirbt und mit ihm das Regime, das nach ihm benannt ist.

Doch es geht hier nicht um einen Roman, sondern um eine Geschichtsschreibung, die auf der »Evidenz des Faktischen« basiert. Alles, was wir unterwegs gesehen haben, ist über viele Jahre zusammengetragen und sorgfältig recherchiert, alle Szenen, die wir passieren, sind verbürgt, alle Angaben zu Deportierten und Getöteten stammen aus Statistiken, die nachlesbar sind. Viele der Quellen, aus denen das Buch schöpft, sind der Öffentlichkeit erstmals aus den Moskauer Archiven zugänglich gemacht. Jörg Baberowski, Osteuropahistoriker an der Humboldt-Universität und Autor zweier grundlegender Werke zum StalinismusDer Feind ist überall und Der Rote Terror (beide 2003) –, hat jetzt ein neues, zutiefst beunruhigendes und verstörendes Buch vorgelegt. »Die stalinistische Ordnung wurde von der Allgegenwart des Terrors beherrscht. Aber wie ist dieser Terror zu verstehen? Woher kam die Gewalt, mit der die Machthaber die Gesellschaften des sowjetischen Vielvölkerimperiums überzogen? Und welche Verheerungen richtete sie an? Darauf möchte dieses Buch eine Antwort geben.«

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Baberowski konzentriert seine Darstellung auf den Kernzeitraum – Ende der zwanziger Jahre bis 1953 –, aber er holt weit aus: Er leuchtet in die »Gewalträume des Imperiums«, in denen sich inmitten tektonischer, von Krieg, Revolution und Bürgerkriegen ausgelöster Verwerfungen Verhaltensweisen und Praktiken der Verrohung ausbilden, die als Habitus der Führungsgruppen später Allgemeingut werden; er skizziert die kurzen zwanziger Jahre, die er nicht als liberale Zeit nach dem Bürgerkrieg, sondern als die Inkubationszeit für die Wiederaufnahme des Bürgerkrieges, genauer des Zusammenstoßes von Stadt und Dorf, des Krieges der Partei gegen die Bauern in der Kollektivierung deutet.

Die »UdSSR im Bau«, also die Welt des Aufbruchs, des Gedränges der Aufsteiger und Nachrücker, der Flucht aus der alten und der Flucht in die neue Welt – all das kommt in der Konzentration auf die »verbrannte Erde« fast nur unter der Rubrik Propaganda in den Blick.

Vor allem aber holt Baberowski den Hauptakteur, der alle weitaus profilierter erscheinenden Rivalen aus dem Feld schlagen wird, auf die Bühne und in die Geschichtsschreibung zurück. In der Totalitarismustheorie gab es Platz für Ideologie, Terror, Apparate, aber kaum für die Figur des Diktators selbst; die sie ablösende Sozialgeschichte des Stalinismus wandte sich vor allem dem Alltag und den sozialen Strukturen zu und hatte aus diesem Grund für die »Haupt- und Staatsaktionen« und deren Personal nur wenig Interesse.

Baberowski geht es nicht um eine (weitere) Stalin-Biografie, sondern um die Analyse der inneren Dynamik, die »Logik des Terrors«. Der Arkanbereich der Macht, die Kommunikation des inneren Kerns, wird so genau wie nie zuvor ausgeleuchtet. Sitzungsberichte, Protokolle, Korrespondenzen, Gästelisten, Verhörprotokolle und ihre redaktionellen Bearbeitungen, Augenzeugenberichte und Erinnerungen von Tätern und Opfern, Statistiken – all dies erlaubt es, die Dramatis Personae zu identifizieren, Entscheidungsprozesse zu rekonstruieren und die Selbstinszenierung der Macht zu durchschauen. Eine Frage, über die man früher spekulieren musste – ob Stalin selbst den Terror initiiert hat –, kann nun als beantwortet gelten: »Ohne Stalins kriminelle Energie, seine Bösartigkeit und seine archaischen Vorstellungen von Freundschaft, Treue und Verrat wären die Mordexzesse der dreißiger Jahre kaum möglich gewesen.«

Der Exzess als Existenzbedingung, ja als Lebenselixier des Diktators – diese These erlaubt eine Deutung des Terrors als eine Art kontrollierter Instabilität, die ihre eigene Dynamik entfaltet, bis hin zur Selbstzerstörung von Partei und Staat in den Zeiten des Großen Terrors. Die Erfindung von immer neuen Feinden, Spionen, Fünften Kolonnen und Agenten erzeugte jenen Zustand der Hysterie, Panik, Angst und Verzweiflung, der dann umschlug in einen Krieg aller gegen alle, in dem alle Unterscheidungen von Freund und Feind sich auflösten und der Terror, weil scheinbar ziellos und beliebig, jeden treffen konnte.

Leserkommentare
  1. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich keinesfalls die durch Stalin begangenen Verbrechen relativieren möchte, dennoch fällt er meines Erachtens nach mit seinen Einstellungen als Massenmörder nicht aus dem Rahmen.

    Mao, Hitler, britische Könige, christliche Inquisitoren, amerikanische Präsidenten und etliche andere Führer besiegelten das Leben von Millionen durch Federstriche. Es ist grundsätzlich für diese Personen ein simpler Vorgang, der über den Tod von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen entscheidet und dennoch ohne Rücksicht auf den Wert menschlichen Lebens getätigt wird.

    Wenn Stalin also einen tausendfachen Schießbefehl unterschrieb, dann mit keinem anderen Gefühl der Gleichgültigkeit, als Truman den Einsatz der Atombomben gegen Japan absegnete.

    Was mich besonders wundert, ist die Art wie immer wieder über die Verbrechen der alten Feinde in einer Dramatik berichtet wird, die man keinem anderen, ähnlich großem menschlichen Leid, zugefügt durch "Freunde" zugestattet. Man versucht dies immer als absolute Ausnahme des Grausamen darzustellen, obwohl dem keineswegs so ist. Millionenfacher Mord zieht sich durch die Geschichte der Menschheit, begangen durch Führer jeglicher Couleur. Daher sollte man Verbrechen dieser Art nicht mehr als einzigartige Grausamkeit darstellen, sondern vielmehr darauf hinweisen wie leicht es dem Menschen schon immer fiel seinesgleichen zu vernichten und das sich nur die Methoden unterschieden, nie das Ergebnis; die Auslöschung Andersdenkender.

    2 Leserempfehlungen
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    • TDU
    • 10.03.2012 um 14:08 Uhr

    Es gibt schon Unterscheide, die man im Hinblick auf die Analyse wie kams und wie kann man zukünftig so etwas verhindern, heraus arbeiten sollte.

    Dschinghis Khan z. B. hatte mit unseren Menschlichkeitsbegriffen auch nicht viel am Hut. Aber seine Verwaltungsorganisation war überlegt, intelligent und ohne Blutzoll. Die Inquisition war auch wieder anders begründet. Hitler und Stalin unterschieden sich in der Eigenmächtigkeit von Entscheidungen. Hitler war viel mehr auf Loyalität angewiesen.

    Stalin hat Mneschen entfernt nicht wegen anderer Meinungen, sondern schon wegen möglicher Bedrohungen. Wieso hat er ausgerchnet die Heimkehrer umgebracht und verbannt. Er ging davon aus, sie seien umerzogen worden. Es ist tatsächlich: "Weg damit" war für Stalin ein Mittel der Problemlösung ohne Rücksicht auf die Frage nach Ausmass des Problems oder der Frage, ob es überhaupt eine Bedrohung gab.

    Es sind ja nicht alle Mentalitäten und Kulturen gleich auf der Welt, und je mehr das offensichtlich wird umso mehr Akzeptanz und auch Veränderung ist m. E. möglich.

    • TDU
    • 10.03.2012 um 14:08 Uhr

    Es gibt schon Unterscheide, die man im Hinblick auf die Analyse wie kams und wie kann man zukünftig so etwas verhindern, heraus arbeiten sollte.

    Dschinghis Khan z. B. hatte mit unseren Menschlichkeitsbegriffen auch nicht viel am Hut. Aber seine Verwaltungsorganisation war überlegt, intelligent und ohne Blutzoll. Die Inquisition war auch wieder anders begründet. Hitler und Stalin unterschieden sich in der Eigenmächtigkeit von Entscheidungen. Hitler war viel mehr auf Loyalität angewiesen.

    Stalin hat Mneschen entfernt nicht wegen anderer Meinungen, sondern schon wegen möglicher Bedrohungen. Wieso hat er ausgerchnet die Heimkehrer umgebracht und verbannt. Er ging davon aus, sie seien umerzogen worden. Es ist tatsächlich: "Weg damit" war für Stalin ein Mittel der Problemlösung ohne Rücksicht auf die Frage nach Ausmass des Problems oder der Frage, ob es überhaupt eine Bedrohung gab.

    Es sind ja nicht alle Mentalitäten und Kulturen gleich auf der Welt, und je mehr das offensichtlich wird umso mehr Akzeptanz und auch Veränderung ist m. E. möglich.

  2. "Daher sollte man Verbrechen dieser Art nicht mehr als einzigartige Grausamkeit darstellen, sondern vielmehr darauf hinweisen wie leicht es dem Menschen schon immer fiel seinesgleichen zu vernichten und das sich nur die Methoden unterschieden, nie das Ergebnis; die Auslöschung Andersdenkender."

    Wie wäre es mit folgender Erklärung:

    Nachdem der Mensch es geschafft hatte sich aller anderen Gegner auf der Welt zu entledigen, seine Agressionen aber dadurch nicht verschwanden, suchte er sich einen neuen Gegner: Seinen Nächsten.

    Der Mensch ein intelligentes, aber hochneurotisches Tier!

    • TDU
    • 10.03.2012 um 14:08 Uhr

    Es gibt schon Unterscheide, die man im Hinblick auf die Analyse wie kams und wie kann man zukünftig so etwas verhindern, heraus arbeiten sollte.

    Dschinghis Khan z. B. hatte mit unseren Menschlichkeitsbegriffen auch nicht viel am Hut. Aber seine Verwaltungsorganisation war überlegt, intelligent und ohne Blutzoll. Die Inquisition war auch wieder anders begründet. Hitler und Stalin unterschieden sich in der Eigenmächtigkeit von Entscheidungen. Hitler war viel mehr auf Loyalität angewiesen.

    Stalin hat Mneschen entfernt nicht wegen anderer Meinungen, sondern schon wegen möglicher Bedrohungen. Wieso hat er ausgerchnet die Heimkehrer umgebracht und verbannt. Er ging davon aus, sie seien umerzogen worden. Es ist tatsächlich: "Weg damit" war für Stalin ein Mittel der Problemlösung ohne Rücksicht auf die Frage nach Ausmass des Problems oder der Frage, ob es überhaupt eine Bedrohung gab.

    Es sind ja nicht alle Mentalitäten und Kulturen gleich auf der Welt, und je mehr das offensichtlich wird umso mehr Akzeptanz und auch Veränderung ist m. E. möglich.

    2 Leserempfehlungen
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    • 2b
    • 10.03.2012 um 14:59 Uhr

    als Mindestanspruch mitmenschlichen Umgangs um sich zu begegnen (dazu kann man sich fragen, wer diesen Standard als Leitlinie verbreitet und wer davon Einschränkungen erreichen will?)
    http://de.wikipedia.org/w...

    ohne Zusammenhang:
    Wieviel Diktatur brauchen Völker mit schwach gebildeten Gewalthemmungen für "stabile" Lebensverhältnisse der Gemeinschaft???

    Wem nützt es ...

    • 2b
    • 10.03.2012 um 14:59 Uhr

    als Mindestanspruch mitmenschlichen Umgangs um sich zu begegnen (dazu kann man sich fragen, wer diesen Standard als Leitlinie verbreitet und wer davon Einschränkungen erreichen will?)
    http://de.wikipedia.org/w...

    ohne Zusammenhang:
    Wieviel Diktatur brauchen Völker mit schwach gebildeten Gewalthemmungen für "stabile" Lebensverhältnisse der Gemeinschaft???

    Wem nützt es ...

    • JMD
    • 10.03.2012 um 14:20 Uhr

    Sie scheinen die Sache im Prinzip nicht verstanden zu haben: man kann natürlich Mao, Hitler, und meinetwegen auch die britischen Könige udgl. vergleichen, weil man sie auf die eine oder andere Weise unter das Prädikat "Diktator(en)" bringen kann. D.h. aber nicht: die sind gleich.
    Was Herr Baberowski versucht und was auch der Artikel darzustellen versucht ist, die "Rationalität" die dem "Terror" durch Macht und Gewalt unterliegen mag, kann nicht einzig und allein auf poltisch-ideologische "Zweckmäßigkeiten" reduziert werden. Vielmehr gibt es ein bestimmtes "Milieu", das entsprechende Praktiken bedingt. Im Falle Stalins mag dies eine gewisse "Kultur der Gewalt" gewesen sein, die letztlich für Dschugaschwili zum Selbstzweck wurden: "Es gfiel ihm halt."
    Und mit Verlaub, aber gegen Stalin war Hitler nur ein neurotische Clown.

    2 Leserempfehlungen
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    Mein Kommentar bezieht sich auf den Teilaspekt des Tötens, es spielt keine Rolle ob dies durch einen Hitler oder Stalin begangen wird. Der Vorgang bleibt prinzipiell der selbe, das Ergebnis, der millionenfache Mord, ebenso.

    Die Motive dazu spielen angesichts dieser Verbrechen zumindest für mich eine untergeordnete Rolle, ebenso wie dieses von statten lief.

    Mein Kommentar bezieht sich auf den Teilaspekt des Tötens, es spielt keine Rolle ob dies durch einen Hitler oder Stalin begangen wird. Der Vorgang bleibt prinzipiell der selbe, das Ergebnis, der millionenfache Mord, ebenso.

    Die Motive dazu spielen angesichts dieser Verbrechen zumindest für mich eine untergeordnete Rolle, ebenso wie dieses von statten lief.

  3. "christliche Inquisitoren ... besiegelten das Leben von Millionen durch Federstriche"?

    Wie bitte?

    Bitte sich über das Phänomen der Inquisition zu informieren?

    2 Leserempfehlungen
    • 2b
    • 10.03.2012 um 14:59 Uhr

    als Mindestanspruch mitmenschlichen Umgangs um sich zu begegnen (dazu kann man sich fragen, wer diesen Standard als Leitlinie verbreitet und wer davon Einschränkungen erreichen will?)
    http://de.wikipedia.org/w...

    ohne Zusammenhang:
    Wieviel Diktatur brauchen Völker mit schwach gebildeten Gewalthemmungen für "stabile" Lebensverhältnisse der Gemeinschaft???

    Wem nützt es ...

  4. „Ohne Stalins kriminelle Energie, seine Bösartigkeit und seine archaischen Vorstellungen von Freundschaft, Treue und Verrat wären die Mordexzesse der dreißiger Jahre kaum möglich gewesen.“

    Wenn dem so ist, dann muss doch Stalins Charakter und Persönlichkeit und dessen Genese von Interesse sein. Leider ist dies bei Historikern (außer den Psychohistorikern) i.D.R. nicht der Fall. Stalin ist von seinem Vater UND seiner Mutter nachweisbar schwer misshandelt worden. Der Vater prügelte täglich seinen Sohn, aber auch die Mutter bekam Schläge von ihm. Die Mutter zwang Stalin später in eine Priesterausbildung, auch hier wurde er gedemütigt, erlitt Gewalt, wurde ausspioniert, verfolgt, seine Privatsachen wurden durchsucht usw. Die Sozialisation dieses Kindes war ein einziger Gewaltexzess! Wer wundert sich da noch über seine spätere Bösartigkeit? Oder glaubt jemand ernsthaft, dass geliebte Kinder zu Diktatoren werden? (siehe dazu auch http://community.zeit.de/...)

    Stalin Terror konnte nur funktionieren (ähnlich wie unter Hitler oder sonst einer Diktatur), da ihm eine Heerschar gleichgesinnter Untergebenen zur Verfügung stand. Und mit „gleichgesinnt“ meine ich vor allem die emotionale Ebene. Denn Stalins Kindheit war im damaligen Russland sicher keine Seltenheit, sondern eher die Regel, ebenso wie im Deutschen Reich die Mehrheit der Kinder misshandelt worden waren.

    Eine Leserempfehlung
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    • grrzt
    • 10.03.2012 um 16:40 Uhr

    "Das Drama des begabten Kindes".....Papa und Mama sind Schuld..... Diese Erklärungsfigur halte ich für vulgärpsychoanalystisch, für zu Kurz gegriffen. Ich bin mir nicht so sicher, ob es möglich ist derart mönströse Charaktere zu verhindern. Man kann sie nur bekämpfen, wenn sie sich zeigen. Mir fällt in diesem Zusammenhang die Koni-Kampagne ein.

    • TDU
    • 11.03.2012 um 11:10 Uhr

    Mna weiss es nicht. Fragen Sie nach bei Idi Amin.

    • grrzt
    • 10.03.2012 um 16:40 Uhr

    "Das Drama des begabten Kindes".....Papa und Mama sind Schuld..... Diese Erklärungsfigur halte ich für vulgärpsychoanalystisch, für zu Kurz gegriffen. Ich bin mir nicht so sicher, ob es möglich ist derart mönströse Charaktere zu verhindern. Man kann sie nur bekämpfen, wenn sie sich zeigen. Mir fällt in diesem Zusammenhang die Koni-Kampagne ein.

    • TDU
    • 11.03.2012 um 11:10 Uhr

    Mna weiss es nicht. Fragen Sie nach bei Idi Amin.

    • Karcsi
    • 10.03.2012 um 15:07 Uhr

    "Eine Erklärung des Stalinismus sei nur ein Rätsel, solange man versuche, die Welt des russisch-sowjetischen Imperiums mit »unseren« Kategorien und aus »unserem« Erwartungshorizont heraus zu denken, die aus den Routinen einer wohlgeordneten bürgerlichen Welt in Friedenszeiten abgeleitet sind."

    Das klingt logisch, man möchte es fast unterschreiben. Aber bitte: Was ist denn "unser" Erwartungshorizont? Was die "Routinen einer wohlgeordneten bürgerlichen Welt in Friedenszeiten". Daraus ließe sich wohl auch erklären, wie es in Deutschland möglich war, Millionen von Menschen (aus faschistischer Sicht waren es wohl Untermenschen) in die Gaskammern zu schicken, ein perverses System der Vernichtung zu organisieren, an dem sich viele Leute aus der "wohlgeordneten bürgerlichen Welt" beteiligten?

    Gott sei Dank dauerte die Nazi-Herrschaft historisch betrachtet nicht allzu lange, aber es hätten auch mehr als zwölf Jahre werden können. Dieses Buch habe ich (noch) nicht gelesen, aber es gibt daneben schon eine Menge Literatur, die nicht unbedingt zu Schlussfolgerngen wie im Kommentar der "Zeit" führt. Meinen Auffassungen kommt den Überlegungen im Beitrag 1 des Forums sehr nahe.

    Vielleicht enthält das Buch ja auch Gedanken darüber, dass das System gewissermaßen aus sich selbst auch die Leute hervorbrachte, die sein Ende herbeiführten...

    Eine Leserempfehlung

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