Ali LaridschaniDas kalte Herz der Revolution

Ali Laridschani ist der Gewinner der iranischen Parlamentswahlen. Wofür steht der Mann, der beste Aussichten hat, 2013 Ahmadinedschads Nachfolger zu werden? von 

Ali Laridschani gibt seinen Stimmzettel ab.

Ali Laridschani gibt seinen Stimmzettel ab.  |  © BEHROUZ MEHRI/AFP/Getty Images

Der iranische Politiker Ali Laridschani ist ein Klassenkämpfer. Es gibt andere Bezeichnungen, die auf diesen Mann zutreffen: Intellektueller, Konservativer, Diplomat, Betonkopf, Revolutionär, Ideologe. Im Augenblick passt der Begriff Klassenkämpfer am besten, denn Laridschani hat mit großem Erfolg das iranische Establishment gegen die armen Massen verteidigt. Seine Anhänger haben bei den Parlamentswahlen vom 2. März nahezu zwei Drittel der Sitze erobert, während jene des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad nicht einmal ein Zehntel der Abgeordneten stellen werden. Auch Ahmadinedschad ist ein Klassenkämpfer. Er sieht sich als Vertreter der großen Mehrheit jener Iraner, die weder die Früchte der Revolution noch jene der sprudelnden Ölquellen genießen können. Er, der Sohn eines Schmieds aus der Provinz, gilt als Fürsprecher des einfachen Volkes, der mit der Korruption und dem Nepotismus der Reichen aufräumen wollte.

Laridschani spielt in jeder Hinsicht den Gegenpart: Er ist der Sohn eines bedeutenden Ajatollahs, eines geistlichen Gelehrten, geboren in der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf. Sein Vater war der Ajatollah Mirza Haschem Amoli, ein Anhänger des quietistischen Islams, der ursprünglich wie die meisten schiitischen Geistlichen politische Abstinenz predigte. Seine fünf Söhne haben sich im Iran der religiösen Revolution allerdings bestens zurechtgefunden. Sie alle bekleiden heute einflussreiche Posten, einer ist Chef der Justiz, ein anderer derzeit stellvertretender Außenminister. Man nennt sie in Teheran auch die »iranischen Kennedys«. Jetzt, nach den Parlamentswahlen, sind sie so mächtig wie nie zuvor. Denn Ali Laridschani hat beste Aussichten, im Jahr 2013 die Präsidentschaft zu gewinnen.

Anzeige

Sein Aufstieg wäre gegen den Willen des Obersten Führers der Islamischen Republik Iran, Ali Chamenei, nicht möglich gewesen. Das ist auf den ersten Blick überraschend. Denn bis vor Kurzem hat der Oberste Geistliche Führer noch Ahmadinedschad unterstützt. Als 2009 Zehntausende Iraner auf die Straße gingen, um gegen Wahlmanipulationen bei den Präsidentschaftswahlen zu protestieren, riskierte Chamenei seine gesamte Autorität, um Ahmadinedschad im Amt zu halten.

Warum nun dieser Wandel? Warum war Ahmadinedschad gestern noch nützlich, und warum ist es heute sein Gegner Laridschani? Die Antwort führt mitten hinein in den iranischen Klassenkampf . Ahmadinedschad hat den Armen des Irans nicht nur Versprechungen gemacht, er hat versucht, die Legitimationsbasis der Islamischen Republik Iran in ihrem Sinne zu verändern. Es ging ihm um die ideologischen Grundlagen: weniger Gott und mehr Volk, weniger fromme Theokratie und mehr autoritär-populistischer Nationalismus. Ahmadinedschad bedrohte die Stellung des Geistlichen Führers und damit des Establishments der Revolution. Dieses wehrte sich nun mit einem ihrer Besten, mit Ali Laridschani.

Nach dem Ausbruch der iranischen Revolution 1979 hatte der heute 53-Jährige eine Reihe wichtiger Posten bekleidet: Direktor des Staatsfernsehens, Kulturminister, Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Chefunterhändler in der Nuklearfrage, stellvertretender Außenminister, Parlamentspräsident. Dabei blieb er in jeder Position das, was er bis heute ist: ein Hardliner, der die Islamische Republik ebenso eloquent wie kaltschnäuzig verteidigt.

Leserkommentare
  1. "Die Iraner sind – davon scheint Laridschani überzeugt – bereit, für die Revolution noch weit mehr Opfer zu bringen."

    Sie sind bereit, ihr Leben zu riskieren, um das Land richtung Westen zu verlassen. Täglich vverlassen nämlich tausende junge Iraner aus Perspektivlosigkeit das Land und riskieren dabei das Leben.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um als Iraner den Iran zu verlassen, muss man nicht sein Leben riskieren. Die Grenzen sind offen!

    ""Sie sind bereit, ihr Leben zu riskieren, um das Land richtung Westen zu verlassen.""

    Wieso Leben riskieren , man beantragt ein Visum und reist aus.
    Und was ist im Westen schon gross los ?
    Die Statistik sagt , dass ca. 200 000 Iraner im Jahr das Land verlassen , das ist etwas weniger als Deutsche , Deutschalnd verlassen.
    In den USA wandern mehr Menschen aus , als Menschen einwandern , hat alles mit wirtschaftlichen Überlegungen zu tun.

    den jüdischen Iranern wurde vor einigen Jahren sogar
    10.000 $ pro Person geboten, wenn sie nach Israel
    auswandern.
    Das Angebot wurde abgewiesen :)
    Im folgenden Film erzählt einer der iranischen Juden,
    wie er alljährlich über die Türkei nach Israel und in die USA fliegt,um seine jüdischen Verwandten zu besuchen.
    Ganz ohneProbleme.

    www.youtube.com/watch?v=v...

  2. sehe, das existiert auch nicht.

    Das scheint eine Eigenschaft der iranischen Präsidenten zu sein. Ahmadinejad meinte einst, im Iran würden keine Homosexuelle existieren. Und Herr Laridschani?

    "»Wir haben keine politischen Gefangenen, und die Folter ist durch die Verfassung verboten!« –

    10 Leserempfehlungen
  3. Ich glaube Ihnen ist ein Irrtum unterlaufen.
    Nicht Ali Larijani studierte Mathematik in den USA , sondern sein Bruder Mohammad Javad.
    Bitte um Überprüfung und Korrektur.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Sie haben Recht, es war Ali Laridschanis Bruder Mohammad-Javad, der in Berkeley Mathematik studierte. Danke für den Hinweis!
    Beste Grüße,
    Markus Horeld

  4. Ja, vielleicht keine Verwunderung mehr über die hanswurstigen Auftritte eines Ahmadinededschad auf den Bühnen dieser Welt.

    Weiter ändert sich dort nichts.

    Es werden weiterhin Andersdenkende und Andersfühlende einfach verschwinden, es wird weiterhin die Empörung darüber als westlich-dekadente Einmischung erzählt werden.

    Und es wird weiterhin gute Geschäfte mit dem nach wie vor unveränderten Regime geben.

    Wir sollten nicht versuchen, Atomkontrolleure in Iran zu akkreditieren.

    Wir sollten versuchen, irgendwie zu erreichen, dass einigen guten Meinungsforschungsinstituten ein ungehinderter Kontakt zur iranischen Bevölkerung gewährt wird. Dann sehen wir klarer, aber wer will das schon - die Geschäfte gehen vor.

  5. Um als Iraner den Iran zu verlassen, muss man nicht sein Leben riskieren. Die Grenzen sind offen!

    14 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Genau.."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zeit-Online:

    "Da hatte schon eine monatelange Odyssee hinter dem schmächtigen Studenten der Anglistik gelegen, dessen dunkle Brille fast als das Größte an ihm erscheint. In seiner Heimatstadt Isfahan gehörte der 22-Jährige zum Komitee der Human Rights Reporters. Sein Freund Sepehr Atefi, der Abiturient, war auch dabei. Sie wussten, dass es gefährlich war, auf ihrer Website über die Menschenrechtsverletzungen in Iran zu berichten. "

    "Schmuggler hätten ihnen im Winter über die Grenze in die Türkei geholfen, für viel Geld, sagen sie, auf unwegsamen Bergpfaden. »Die Türkei war die Hölle«, sagt Hesam Misaghi. Zu fünft in einer kleinen Wohnung am Rande einer Trabantenstadt, ohne Arbeit, stets in Angst vor dem iranischen Nachrichtendienst."

    http://www.zeit.de/2010/3...

    Schöne offene Grenzen, nicht wahr??

    Der Iran ist wie damals die DDR ein Gefängnis-Staat !
    Wer ausreisen mag , braucht eine Ausreisegenehmigung !
    Und diese Genehmigung bekommen Menschen die in der Verdacht
    stehen oppositionell , konterrevolutionär , etc. zu sein,
    eben nicht !

  6. ""Sie sind bereit, ihr Leben zu riskieren, um das Land richtung Westen zu verlassen.""

    Wieso Leben riskieren , man beantragt ein Visum und reist aus.
    Und was ist im Westen schon gross los ?
    Die Statistik sagt , dass ca. 200 000 Iraner im Jahr das Land verlassen , das ist etwas weniger als Deutsche , Deutschalnd verlassen.
    In den USA wandern mehr Menschen aus , als Menschen einwandern , hat alles mit wirtschaftlichen Überlegungen zu tun.

    18 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Genau.."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um Iran zu verlassen, benötigt man eine amtliche Ausreisegenehmigung, es sei denn man gute connections zu den Mullahs ;-)

  7. ""Ahmadinejad meinte einst, im Iran würden keine Homosexuelle existieren""

    Wann und was genau behauptete Ahmadinejad dies ?

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    behauptete Ahmadinedsachad auf Fragen der Studenten, dass es
    im Iran keine Homosexualität gäbe:
    http://www.rp-online.de/p...

    ...hat im Jahre 2007 an der Columbia-Universität in den USA einen Vortrag gehalten und sich anschliessend den Fragen der Studenten gestellt. Auf eine Frage hat er grinsend und eher im Spass geantwortet "Wir haben im Iran keine Homosexuellen wie in ihrem Land. Wer hat Ihnen so etwas erzählt?"

  8. Dafür ist er wohl viel zu bieder und intellektuell als der grobschlächtige und mehr aus der Arbeiterschaft stammende Achmedinedschad.

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service