Die Frage: Sandra und Charly sind beide dreißig. Sie kennen sich jetzt ein Jahr und sind beide froh, dass sie sich ihre Freiheiten lassen. Charly sagt, bisher seien alle seine Beziehungen schiefgegangen, sobald eine Frau ihm unbedingt ihre Eltern vorstellen wollte. Sandra hat sich gerade von einem Mann getrennt, der jedes Interesse an Sex verlor, nachdem sie bei ihm eingezogen war.

Sie will keinen anderen als Charly, aber sie genießt es, einmal im Monat wilde Partys zu feiern. Einmal erzählt sie Charly, wie Männer sie dort anbaggern und erst von ihr ablassen, wenn sie ihnen sagt, dass sie einen Freund hat. "Du willst mich eifersüchtig machen!" sagt Charly. "Unsinn", sagt Sandra. "Kannst du mir nicht gönnen, dass ich auch mal alleine Spaß habe?"

Wolfgang Schmidbauer antwortet : Es fällt uns in Liebesbeziehungen kaum auf, wie schnell wir eigene Gefühle als etwas erleben, das unsere Partner in uns verursachen. Woran sie quasi schuld sind. Sandra genießt die Bestätigung im Flirt und möchte in kindlicher Gier von Charly auch noch die Anerkennung, dass sie ihm treu geblieben ist.

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Charly hat aber – das verrät seine Scheu vor ihren Eltern – kein besonders festes Selbstvertrauen. Er kann sich seine Verlustängste nicht eingestehen und wünscht sich von Sandra, dass sie ihm die Auseinandersetzung mit solchen Peinlichkeiten erspart. So werfen sie sich gegenseitig Manipulationsversuche vor. "Erzähl mir lieber nichts von deinen Partys, und lass mich träumen, dass es in deinem Leben nur mich gibt!" wäre für Charly die bessere Strategie.