Martenstein: "Ich muss eine Entscheidung treffen, aber ich will nicht"
Harald Martenstein über seinen aggressiven Hund
Das ist eine traurige Geschichte. Im September haben wir den Hund, der noch recht jung, aber schon erwachsen war, aus dem Tierheim geholt. Der Hund hatte auf der Straße gelebt, er war intelligent, verspielt und lieb und alles, aber dann hat er den Nachbarn gebissen. Wir fuhren an die Ostsee, dort gab es einen anderen Nachbarn, der ebenfalls zeitnah gebissen wurde. Obwohl wir, unserer durch die Wirklichkeit widerlegten Ansicht nach, aufgepasst haben! Der Hund ist verdammt schnell. Von da an trug er, wenn er frei herumlaufen durfte, immer Maulkorb. Und wir engagierten eine Hundetherapeutin. Zu uns war der Hund freundlich, wir sind sein Rudel. Er sieht süß aus, alle wollen ihn streicheln, das darf man keinesfalls zulassen. Als ich ihn morgens Gassi führte, hat er an der Wohnungstür die Putzfrau der Nachbarn gebissen, sie kam von hinten, ich hatte sie nicht bemerkt. Ja, klar, man fühlt sich total mies. Sicher, man macht sich Vorwürfe.
Nun engagierten wir einen besonders guten und sehr teuren Hundetrainer, einen Spezialisten für die schwierigen Fälle. Den Hundeflüsterer. Wenn Griechenland ein Hund wäre, dieser Mann würde den Griechen das Schuldenmachen austreiben. Er arbeitet, wie der Bundesfinanzminister, gewaltfrei.
Als der Hund den Hundeflüsterer sah, knurrte er und stürzte sich auf ihn. Der Hundeflüsterer ging in die Knie, er sah den Hund irgendwie an. Der Hund wurde sofort friedlich. Aber der Trainer sagte, dass er keine Erfolgsgarantie geben kann. Wenn der Hund, wodurch auch immer, so geworden ist, dann kann man das vielleicht nicht ändern. Alles, was man versuchen könne, sei sehr aufwendig. Der Trainer bleibt tagelang in der Wohnung. Er reduziert den Hund auf null, er bricht ihn. Er bringt ihn dazu, ihn und auch uns zu beißen, wir tragen dabei Schutzkleidung. Der Hund verlernt, sich auf sich selbst und seine Zähne zu verlassen, was nötig war, um draußen zu überleben. Er ist im Grunde wieder ein Wolf geworden, der sich nun in einen Hund zurückverwandeln soll. Ein Hund verlässt sich ganz auf seine Menschen.
Der Trainer sagte immer wieder: »Es ist nur ein Hund.« Kein Verwandter, kein Freund, kein Kind. Wir dürften ihn nicht vermenschlichen. Zum Beispiel: Der Hund liebe uns nicht. Er kenne nicht diese Art von Gefühlen. Wenn wir uns dazu entschließen würden, ihn ins Tierheim zurückzubringen, dann sei dies eine akzeptable, vernünftige Entscheidung. Wir hätten dann nicht versagt. Selbst wenn er den Hund für viel Geld zurechtbiegt, sagt der Trainer, dann wird der Hund jedes Mal, wenn wir verreisen und er ein paar Tage in der Tierpension war, wahrscheinlich in das alte Verhalten zurückfallen. Ich aber denke einerseits, dass ich verantwortlich bin für den Hund und, so mein stark geschöntes Selbstbild, nicht vor Problemen davonlaufe. Und ich mag den Hund, trotz allem. Auf der anderen Seite graust es mir davor, dass es zehn Jahre lang immer so weitergeht. Es gibt einfach keinen rundum befriedigenden, angenehmen und unschuldigen Ausweg aus dieser Sache.
Als der Trainer gegangen war, fuhr ich ins Büro, um eine lustige Kolumne zu schreiben. Ich muss eine Entscheidung treffen, dachte ich, aber ich will nicht. Ich brauche dringend ein Herrchen oder Frauchen. Jemand soll kommen, ein Gott, die Regierung, ein Chef, der Zufall, irgendwer soll mir die Entscheidung abnehmen, und hinterher werde ich, egal wie sie ausfällt, darüber schimpfen und klagen. Freiheit kann furchtbar sein. Dabei ist es doch nur ein Hund.
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Lieber Herr Martenstein,
auch wenns noch so weh tut - der Hundetrainer hat Ihnen wohl bereits sehr diplomatisch klargemacht, was besser wäre.
Es geht noch nicht einmal darum, dass ein Maulkorb für Hund und Herrchen nichts Angenehmes ist, auch nicht darum, dass Sie mit Ihrem Hund dauernd in Habacht-Stellung sei müssen.
Beißt der Hund an der falschen Stelle oder bei der falschen Person (Kind ...) zu, haben Sie ein echtes Drama am Hals. Und müssen ggf. noch Ihren Hund auf amtliche Weisung hin zum Einschläfern fahren.
Natürlich ist es nicht "nur" ein Hund, er ist für Sie auch zum Freund und "Kameraden" geworden. Aber er ist eben auch kein Kind, für das man erheblich mehr Verantwortung hat.
Abnehmen kann Ihnen diese Entscheidung natürlich keiner, das Ärgern oder Bedauern danach auch nicht (das müssten Sie sich vielleicht mal von einem Martenstein-Flüsterer abtrainieren lassen).
Trotzdem ein schönes Wochenende
Bilensius
Ich würde den Hund behalten. Ihn auch nicht brechen, sondern ihm einen Maulkorb ummachen, wenn ich rausgehe, und den Leuten sagen, sie mögen ihn bitte nicht streicheln. Der Hund verhält sich so, wie es ihm das Überleben auf der Straße gesichert hat. Dafür kann er doch nicht bestraft werden, indem man ihn ins Tierheim bringt, womit er Bezugsperson (Martenstein) UND Freiheit (Straße) verliert.
Und ist nur der "perfekte Hund" der, dem das Tierheim verschont bleibt, weil er seinen Charakter, seine Eigenheiten dem Menschen unterwerfen muß, damit dieser ihn behält?
Ich würde den Hund behalten. Ihn auch nicht brechen, sondern ihm einen Maulkorb ummachen, wenn ich rausgehe, und den Leuten sagen, sie mögen ihn bitte nicht streicheln. Der Hund verhält sich so, wie es ihm das Überleben auf der Straße gesichert hat. Dafür kann er doch nicht bestraft werden, indem man ihn ins Tierheim bringt, womit er Bezugsperson (Martenstein) UND Freiheit (Straße) verliert.
Und ist nur der "perfekte Hund" der, dem das Tierheim verschont bleibt, weil er seinen Charakter, seine Eigenheiten dem Menschen unterwerfen muß, damit dieser ihn behält?
... die haben Sie sich jetzt für alle Zeiten zu Feinden gemacht, Herr Martenstein! In Ihrer Haut will ich nicht stecken. Am besten, Sie ändern Frisur, Brille und Barttracht und tauchen in Brasilien unter.
will dies aber nicht.
Mein Tipp an Sie:
dann lassen Sie's doch einfach!
In der letzten Woche bescherte Martenstein uns eine launige Kolumne, in der es darum ging, dass jeder (und damit niemand) Nazi genannt werden könne. Das hat ihm das Lob eines Lesers eingebracht, er habe das "Handbuch zur beliebten Nazikeule" verfasst, was wohl, da damit kaum die Bewaffnung der Horden, die auf Fremde Jagd machen, gemeint ist, eine abfällige Bezeichnung für die notwendige Erinnerung an die Geschichte dieses Landes sein soll.
Und jetzt schreibt er über einen bissigen Köter, welcher der menschlichen Gesellschaft offenbar nicht gewachsen ist. Ich will gar nicht wissen, was hier los ist, wenn man empfiehlt, das Biest einzuschläfern, also lasse ich es bleiben.
Nur soviel: wenn er in der nächsten Woche über Autos oder Putzfrauen schreibt und auch das obligatorische Herumhacken auf Griechen nicht vergisst, hat er den Denkkreis des derzeitigen Bürgertums ziemlich exakt abgeschritten. Mehr ist da wirklich nicht zu holen.
Hallo thomas ex gotha,
.
Zitat: "... was wohl, da damit kaum die Bewaffnung der Horden, die auf Fremde Jagd machen, gemeint ist, eine abfällige Bezeichnung für die notwendige Erinnerung an die Geschichte dieses Landes sein soll."
.
In ein paar Jahrzehnten werde ich nicht mehr in der Lage sein, einen gelesenen Text zu verstehen. Nach der Lektüre Ihres Kommentars weiß ich jetzt schon, wie sich das anfühlen wird.
Nun ... da Martenstein's Kolumnen immer launig sind - zumindest habe ich hier noch nicht's anderes unter bekommen
...
???
Ansonsten, was will "man" machen, wenn man nun mal Journalist ist und in regelmäßigen Abständen Kolumnen zu schreiben hat
...
dass da irgendwann der Stoff ausgeht, liegt doch eher in der Natur der Sache !
Hallo thomas ex gotha,
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Zitat: "... was wohl, da damit kaum die Bewaffnung der Horden, die auf Fremde Jagd machen, gemeint ist, eine abfällige Bezeichnung für die notwendige Erinnerung an die Geschichte dieses Landes sein soll."
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In ein paar Jahrzehnten werde ich nicht mehr in der Lage sein, einen gelesenen Text zu verstehen. Nach der Lektüre Ihres Kommentars weiß ich jetzt schon, wie sich das anfühlen wird.
Nun ... da Martenstein's Kolumnen immer launig sind - zumindest habe ich hier noch nicht's anderes unter bekommen
...
???
Ansonsten, was will "man" machen, wenn man nun mal Journalist ist und in regelmäßigen Abständen Kolumnen zu schreiben hat
...
dass da irgendwann der Stoff ausgeht, liegt doch eher in der Natur der Sache !
Hallo thomas ex gotha,
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Zitat: "... was wohl, da damit kaum die Bewaffnung der Horden, die auf Fremde Jagd machen, gemeint ist, eine abfällige Bezeichnung für die notwendige Erinnerung an die Geschichte dieses Landes sein soll."
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In ein paar Jahrzehnten werde ich nicht mehr in der Lage sein, einen gelesenen Text zu verstehen. Nach der Lektüre Ihres Kommentars weiß ich jetzt schon, wie sich das anfühlen wird.
Ja, das Lesen können erlischt mit der Fähigkeit der Augendeckel, sich zu öffnen und kundzutun in der Sprache und in der Umwelt, ob über Hunde, Horden oder Humanisten.
Ich stieß mich, Herr oder Frau Spitzbub, in der letzten Woche nicht nur an Martensteins albernem Kommentar anläßlich der Causa Kracht, sondern auch an einer Bemerkung eines seiner begeisterten Leser, der Kommentar rechne mit der "Nazikeule" ab, welche offenbar immer gegen die Deutschen geschwungen werde und es ihnen unmöglich mache, frei von ihrer Vergangenheit zu leben. Ich stellte in dem Satz, den Sie nicht verstanden haben, die Frage, ob damit nicht auch die Waffe eines Nazis gemeint sein könnte, um zu demonstrieren, für wie bedenklich ich diesen Begriff halte, dessen Verwandtschaft mit der "Moralkeule", von der M.Walser in seiner unsäglichen Paulskirchenrede tönte, Ihnen sicher nicht entgangen ist. Mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen.
Ich wünsche Ihnen noch viele Jahrzehnte erbaulicher Lektüre,
Ihr
Thomas ex Gotha
Ja, das Lesen können erlischt mit der Fähigkeit der Augendeckel, sich zu öffnen und kundzutun in der Sprache und in der Umwelt, ob über Hunde, Horden oder Humanisten.
Ich stieß mich, Herr oder Frau Spitzbub, in der letzten Woche nicht nur an Martensteins albernem Kommentar anläßlich der Causa Kracht, sondern auch an einer Bemerkung eines seiner begeisterten Leser, der Kommentar rechne mit der "Nazikeule" ab, welche offenbar immer gegen die Deutschen geschwungen werde und es ihnen unmöglich mache, frei von ihrer Vergangenheit zu leben. Ich stellte in dem Satz, den Sie nicht verstanden haben, die Frage, ob damit nicht auch die Waffe eines Nazis gemeint sein könnte, um zu demonstrieren, für wie bedenklich ich diesen Begriff halte, dessen Verwandtschaft mit der "Moralkeule", von der M.Walser in seiner unsäglichen Paulskirchenrede tönte, Ihnen sicher nicht entgangen ist. Mehr gibt es eigentlich dazu nicht zu sagen.
Ich wünsche Ihnen noch viele Jahrzehnte erbaulicher Lektüre,
Ihr
Thomas ex Gotha
Ein Hund, der keine natür-naturnahe Funktion hat (Wache, Fremde abwehren, jmdn. führen) vergisst nie seine biologische Leerstelle im Haushalt der Menschlein.
Er denkt, Pardon: fühlt ... immer wieder in seinen Appetenzen und Reaktionen: Ich bin eine Banane. Ich vergesse keinen Druck.
Und irgendwann sind (angenehme) Schale [das putzige Äußere] und (süß-willkommene Innenfrucht) [der anthropozentrisch ausgemachte Charakter] Abfall (in den Augen der Hundehüter).
Ja, das Lesen können erlischt mit der Fähigkeit der Augendeckel, sich zu öffnen und kundzutun in der Sprache und in der Umwelt, ob über Hunde, Horden oder Humanisten.
Nun ... da Martenstein's Kolumnen immer launig sind - zumindest habe ich hier noch nicht's anderes unter bekommen
...
???
Ansonsten, was will "man" machen, wenn man nun mal Journalist ist und in regelmäßigen Abständen Kolumnen zu schreiben hat
...
dass da irgendwann der Stoff ausgeht, liegt doch eher in der Natur der Sache !
http://www.cesarsway.com/ Dies ist ein Link zu der Website von einem der besten Hundetrainer der Welt. Beim amerikanischen Fernsehsender National Geographic läuft auch eine Serie über ihn. Seine Methoden sind einleuchtend, so versucht er vorallem das Verhalten der Besitzer zu beeinflussen, denn wie ich auch bei ihnen anfangs gelesen habe war der Hund "normal" und sie haben wahrscheinlich die Kontrolle über ihn im Laufe der Zeitverloren Eine Änderung des Verhaltens ist immer möglich.
http://www.cesarsway.com/ Dies ist ein Link zu der Website von einem der besten Hundetrainer der Welt. Beim amerikanischen Fernsehsender National Geographic läuft auch eine Serie über ihn. Seine Methoden sind einleuchtend, so versucht er vorallem das Verhalten der Besitzer zu beeinflussen, denn wie ich auch bei ihnen anfangs gelesen habe war der Hund "normal" und sie haben wahrscheinlich die Kontrolle über ihn im Laufe der Zeitverloren Eine Änderung des Verhaltens ist immer möglich.
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