Nach der Wahl: Das russische Bärchen
Wladimir Putin glaubt, der Präsident einer Weltmacht zu sein. In Wirklichkeit ist sein Land eine Größe von gestern.
© NATALIA KOLESNIKOVA/AFP/Getty Images

Eine übergroße Russland-Fahne an der Fassade des Hotel Moskva in Moskau.
Nun kehrt also Wladimir Putin in den Kreml zurück, doch er wird dieses Mal ein anderes Russland vorfinden als während seiner ersten Amtszeit als Präsident. Wird Putin in den nächsten sechs Jahren auf dieses veränderte Land reagieren und Antworten auf die großen Herausforderungen geben können?
Im Wahlkampf verwunderte Putin durch sein Versprechen, ein starkes Militär zu schaffen, eines, das gleichermaßen zu Russlands Machtanspruch und zu seinem Gefühl von Bedrohung passt. Aber passt es auch zu seiner wahren Bedeutung? Russland hält sich immer noch für eine Weltmacht. Doch glauben der neue alte Präsident und einige seiner europäischen Partner vielleicht nur aus der Macht der Gewohnheit, ohne Russland gehe nichts?
Es ist richtig, dass das russische Militär dringend erneuert werden muss. Die eine Million Soldaten ist mit Gerät ausgestattet, das mittlerweile Schrottreife erreicht hat. Doch nur wenige Tage vor der Wahl die Anschaffung von 400 Interkontinentalraketen, 600 Kampfflugzeugen, über 2000 Panzern und 20 U-Booten zu versprechen – damit könnte heute kein Politiker in einem europäischen Wahlkampf seine Wähler ködern, sondern allenfalls verschrecken: Aus der Sicht eines Polen, eines Spaniers oder eines Deutschen wäre es der nackte Wahnsinn, in Zeiten von Finanzkrisen, wirtschaftlichen Turbulenzen und sozialen Engpässen ausgerechnet mit Rüstungsinvestitionen zu werben.
In Russland dagegen lockt das Versprechen immer noch, auch wenn das Militär bei Weitem nicht das Einzige ist, was dringend einer Erneuerung bedarf: Die föderale Ordnung braucht sie, denn die Haushalte korrupter kaukasischer Republiken werden fast vollständig aus den Moskauer Kassen bezahlt; das Rentensystem braucht sie, jetzt schon wird es von einer geburtenstarken Generation überlaufen, für die der Ausstieg aus dem Arbeitsleben den Einstieg in die Armut bedeuten wird; die Wirtschaft braucht sie, sie leidet unter gewaltiger Korruption, überbordender Bürokratie und geringen Auslandsinvestitionen; die bestechliche und überforderte Justiz braucht sie; das Gesundheitswesen und die Bevölkerungspolitik, weil die Geburtenrate sinkt und die Männer im Durchschnitt mit kaum 60 Jahren sterben – kurzum: Die ganze Gesellschaft braucht eine Erneuerung, und viele in dieser Gesellschaft spüren das deutlich. Deshalb gehen seit Dezember Hunderttausende protestieren. Aber sie sind jung, urban und noch eine Minderheit. Selbst wenn die Wahlen am 4. März in Teilen gefälscht worden sind – wahrscheinlich hätte Wladimir Putin Manipulationen nicht gebraucht, um sie, obgleich mit einem weniger strahlenden Ergebnis, zu gewinnen. Doch die Stimmung kann schnell kippen.
Als Putin vor zwölf Jahren Boris Jelzin nachfolgte, stabilisierte er Russlands Wirtschaft nach einer Ära des Bankrotts in den neunziger Jahren. Allein sein Verdienst war das jedoch nicht – anders als in den Jelzin-Jahren stieg der Ölpreis um die Jahrtausendwende deutlich. Doch Putin versagte darin, den märchenhaften Energiereichtum Russlands durch kluge Investitionen zu mehren und das Land zu modernisieren: Noch heute sind Rohstoffe das Einzige, was Russland als Handelspartner attraktiv macht. Putin schaffte es auch nicht, nach außen eine Politik der Angebote statt der Drohungen zu formulieren. »Unsere Politiker sagen oft, dass überall Feinde sind. Wir haben die Außenpolitik eines Staates, der nicht mehr existiert: der Sowjetunion. Wir kämpfen immer noch gegen jemanden. Wir müssen aber keine Feinde suchen, sondern Freunde«, hat der Oligarch Michail Prochorow bemerkt, der Putin bei diesen Wahlen herausgefordert hat.
Es bleiben die Atombomben und der Sitz im UN-Sicherheitsrat
Das Russland, das Putin jetzt regieren wird, ist eines, in dem seit drei Jahren die Reichen ihr Kapital ins Ausland bringen und wo der Wunsch, dauerhaft auszuwandern, stetig wächst und mittlerweile fast ein Viertel der Gesellschaft erfasst hat. Es ist ein Russland, in dem sich langsam eine Mittelschicht etabliert, die demokratische Reformen und ein Ende des korrupten Staatskapitalismus fordert, eines, in dem Putin in den kommenden Jahren mit sozialen Ansprüchen von Rentnern, Arbeitslosen und Provinzbewohnern jonglieren muss, die oft unterhalb der Armutsgrenze leben. Russlands innere Schwäche, begründet in der politischen Konzeptlosigkeit, spiegelt sich inzwischen in seiner äußeren: Es geht auch ohne Russland.
Zwar hat Russland neben seinem schwankenden Energiereichtum zwei gewichtige Argumente, um sich weiterhin für eine Weltmacht zu halten. Es besitzt nach Daten des sicherheitspolitischen SIPRI-Instituts noch immer mehr Nuklearwaffen als China, Indien oder selbst die USA. Und es hat neben China, Großbritannien, den USA und Frankreich einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und damit eine potenzielle Blockadeposition in der Weltdiplomatie.





Napoleon war sich seiner Sache sicher, auch die deutschen
Heerführer waren zügig auf dem Vormarsch. Das Ende kennen wir.
Bony hat einen Fehler gemacht und Hitler hat einen Fehler gemacht, weil er nicht auf v. Rundstedt gehört hat.
Der Zar war 1812 nicht in Moskau, sondern in Sankt Petersburg.
Man konnte bis 1975 Russland nicht im "Blitzkrieg" erobern.
Ab 1975 kann man es auch nur, wenn man gewaltige Lufttransportkapazitäten hat.
Eine Flotte von C-5 Galaxy und C-141 StarLifter und massig Maschinen vom Typ C-130 und C-160.
Nur wer will denn Russland angreifen?
Bony hat einen Fehler gemacht und Hitler hat einen Fehler gemacht, weil er nicht auf v. Rundstedt gehört hat.
Der Zar war 1812 nicht in Moskau, sondern in Sankt Petersburg.
Man konnte bis 1975 Russland nicht im "Blitzkrieg" erobern.
Ab 1975 kann man es auch nur, wenn man gewaltige Lufttransportkapazitäten hat.
Eine Flotte von C-5 Galaxy und C-141 StarLifter und massig Maschinen vom Typ C-130 und C-160.
Nur wer will denn Russland angreifen?
Da spricht die Arroganz pur. Natürlich ist Russland immernoch eine Weltmacht. Abgesehen vom Militär ist der Ofen in Europa aus, wenn die Rohstoffzufuhr aus Russland endet.
Schon die Gasengpässe vergessen, wenn auch nur ein Teil in der Ukraine versickert?
Die Welt braucht Russland um dem Raubkapitalismus was entgegenzusetzen.
Die Welt braucht Russland um dem Raubkapitalismus was entgegenzusetzen.
Da wäre ich doch fast vor Lachen an meinem Kaffee erstickt, als ich das las. Russland ist doch Raubkapitalismus.
"Die Welt braucht Russland um dem Raubkapitalismus was entgegenzusetzen."
was herrscht denn in Russland, dass einem sog. "Raubkapitalismus" positiv entgegenstehen würde ?
ansonstne hab ich mich beim Lesen mehrmals gefragt, was der Autor sich beim diesem Geschriebenen so gedacht hat...
Ich musste mich totlachen. Russland als Bollwerk gegen den "Raubtierkapitalismus"??? Russland???
Das Land mit einer der teuersten Städte der Welt als Hauptstadt, in der Milliardäre, die ihr Geld mit Sicherheit nicht durch harte Arbeit erworben haben, auf Luxusmessen mit ihrem obszönen Reichtum protzen?
Das Land, daß eine zahnlose Resolution gegen Syrien im Sicherheitsrat blockiert, um weiter Waffen an Assad verkaufen zu können?
Das Land, dass ohne mit der Wimper zu zucken ukrainische Rentner erfrieren lassen würde, wenn die ukrainische Regierung nicht spurt und Zahlungsschwierigkeiten hat?
Die Welt braucht Russland um dem Raubkapitalismus was entgegenzusetzen.
Da wäre ich doch fast vor Lachen an meinem Kaffee erstickt, als ich das las. Russland ist doch Raubkapitalismus.
"Die Welt braucht Russland um dem Raubkapitalismus was entgegenzusetzen."
was herrscht denn in Russland, dass einem sog. "Raubkapitalismus" positiv entgegenstehen würde ?
ansonstne hab ich mich beim Lesen mehrmals gefragt, was der Autor sich beim diesem Geschriebenen so gedacht hat...
Ich musste mich totlachen. Russland als Bollwerk gegen den "Raubtierkapitalismus"??? Russland???
Das Land mit einer der teuersten Städte der Welt als Hauptstadt, in der Milliardäre, die ihr Geld mit Sicherheit nicht durch harte Arbeit erworben haben, auf Luxusmessen mit ihrem obszönen Reichtum protzen?
Das Land, daß eine zahnlose Resolution gegen Syrien im Sicherheitsrat blockiert, um weiter Waffen an Assad verkaufen zu können?
Das Land, dass ohne mit der Wimper zu zucken ukrainische Rentner erfrieren lassen würde, wenn die ukrainische Regierung nicht spurt und Zahlungsschwierigkeiten hat?
..wo ist den bitte in Indien eine "wahre Demokratie" zu erkennen. Das Land wird von der westlichen Welt als Müllhalde und Billiglohnland missbraucht und totalitär regiert. Schauen Sie einmal z.B. die Berichte von Plusminus an, wer von unserer doch sehr "erhaften" und usbeuterischen Wirtschaftselite in dem Land zu mießesten Bedingungen und Löhnen Textlien produziert. Auch die restliche Welt bedient sich diesen Praktiken, auch in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft.Rohstoffe werden dort gefördert/geplündert und die Umwelt geht den Bach runter, da es keinen Umweltschutz gibt. Wie in anderen Drittländern eben auch.
Waffenabnehmer sind die Inder zudem.
Auch ist Kindesarbeit und Unterdrückung von Frauen dort an der Tagesordung.
Wenn ich mir die Berichte von Auslandsreisenden anhöre, so sprechen diese Berichte eine völlig andere Sprache und Bände. Leiden, Krankheiten, Schmutz und Müll überall, verdreckte Gewässer, Müllhalden, Bettler, Halbtote und Tote an den Straßenrändern.
"Saubere" Aussagen und Recherche also.
Könnten von den ganzen "Abnickern" aus dem Parlament und dem Bundestag stammen.
Das Land ist nicht frei, demokratisch und "sauber", genauso wie die anderen Schwellenländer auch. Dort regiert unsere westliche Geld-, Macht und Statusgier plus der ortsansässigen Diktatur.
Reisen Sie dringend in diese Länder, bevor Sie solche Berichte schreiben. Sie waren dort niemals und falls doch nur als "blinder Tourist". Russland ist oft weiter vorn.
Nachdenkliche Grüße
Es ist Putin zu verdanken, dass er den weiteren Abstieg und Ausverkauf Russlands stoppte, die Lage stabilisierte und natürlich auch dank eines vorteilhaften Rohölpreises für einen wirtschaftlichen Aufschwung für weite Teile der russischen Gesellschaft sorgte. Dies wird ihm selbst von der im Westen hofierten Bohème-Opposition zu Gute gehalten.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz
Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz
Das mag so sein, wobei es noch nicht ausgemacht ist, da Rußland ja über gewaltige Ressourcen verfügt.
Aber wir sollten uns hüten, überheblich zu sein ... !
Die USA sind immerhin mit Sicherheit und schon ganz gewaltig (und ohne eigene Rohstoffe) auf dem absteigenden Ast.
Und wir ... ?! Jeder befrage sich selber! Steigt Europa auf oder ab ??
Doppelpost. Die Redaktion/se
Doppelpost. Die Redaktion/se
Putin ist für weitere 6 Jahre Präsident und will die Gleise legen, die das stabilisierte Russland in Zukunft befahren soll.
Keiner kennt die heutigen Schwächen Russlands wahrscheinlich besser als Putin selbst.
Wenn er den Prochorow-Oligarchen in seine Regierung nimmt, wird sich Russland neben seiner Balance-Strategie im Außen auch mit einer Modernisierung im Innern beschäftigen, um libertärere Entwicklungen einzuleiten und so dem hauptstädtischen Mittelstand zufrieden stellen zu können.
Russland ist heute nur noch das Enegie-Imperium der Welt.
Die VRChina braucht Russland noch mehr als die demographisch schrumpfende EU.
Russland ist viel reicher als Frau Bota hier feststellt; denn strategischen Rohstoffe Öl und Gaz werden in den nächsten 2 X 6 Jahren weiter klettern, ebenda wenn die USA und Israel ihre Kriege in der ölreichen Islamischen Welt - IRAN-Syrien-Golfstaaten - fortführen. fortführen werden.
Putin hat seit 2002 die russ. Energiekonzerne mehr oder weniger verstaatlicht, um seine Ziele - Sozialstaat und Militärische Sicherheit - zu erreichen.
Seit 20 Jahren existiert das Imperium Sowjet Union nicht mehr.
Die Strukturen der Weltmacht mit dem Overkill-Potential müssen graduell und verantwortungsvoll transformiert werden, um den heutigen Russen, Deutschland und er EU Nutzen zu bringen.
M.E. klappt das schon ganz gut.
Abwarten und Tee trinken, Frau Bota!
Russland ist sicher schon lange keine Weltmacht mehr, aber andererseits viel wichtiger als die Länder der "östlichen Partnerschaft", deren finanzielle Zuwendungen die EU ja wohl gerade wegen des arabischen Frühlings gekürzt hat. Weißrussland, Moldawien oder die verfeindeten Kaukasusrepubliken sind momentan ja wohl wirklich keine attraktiven Partner Europas, im Gegenteil, würde sich die EU die Probleme des Kaukasus zueigen machen, kann man mit Recht darauf verweisen, dass man noch nicht einmal die Probleme der ähnlich verfeindeten Länder auf dem Balkan gelöst hat. Noch mehr davon muss nicht sein. Bleiben die Ukraine und Russland, beide historisch und kulturell Teil Europas, insofern steht ihnen auch nicht "Europa" gegenüber, sondern allenfalls die EU, die selbst nur ein Teil Europas ist. Man kann nur hoffen, dass beide Seiten die im Artikel beschriebenen Chancen nutzen. Die EU hat momentant zwar andere Probleme, aber Deutschland sollte die historisch enge Partnerschaft ausbauen und nutzen, dann wächst zusammen, was zusammengehört.
"Russland hält sich immer noch für eine Weltmacht."
Na und? Frankreich lebt seit mehr als einem Jahrhundert mit der Illusion, eine Weltmacht zu sein, und niemand stört sich daran. Gut, niemand nimmt das sonderlich ernst, aber im Zweifelsfall hat Russland wenigstens etwas mehr Grund zu dieser Behauptung, und in jedem Fall bessere Voraussetzungen diesen Status irgend wann zumindest teilweise wieder zu erlangen.
Und was den Ausstieg aus dem Arbeitsleben, der gleichbedeutend mit dem Einstieg in die Armut ist, betrifft, ist dies eine überaus treffende Beschreibung dessen, was in 10 - 20 Jahren eine wachsende Zahl deutscher Arbeitnehmer erwartet, die dann die Freuden der Altersarmut erwartet.
Russland hat - wie der Autor zu Recht feststellt - in vielem Nachholbedarf, aber ich bezweifle, ob die Zukunftsaussichten für Deutschland so rosig sind, als dass Grund bestünde, sich auf die Schulter zu klopfen.
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