StilkolumneViel Stoff auf den Hüften

Das Schößchen ist fast so alt wie die Mode selbst. In den aktuellen Kollektionen werden damit nun wieder weiblichere Körperformen betont. von 

Schößchen-Jacke von Givenchy, 2500 Euro

Schößchen-Jacke von Givenchy, 2500 Euro  |  © Peter Langer

Schößchen bei Jason Wu, Schößchen bei Givenchy , Schößchen bei Vera Wang . Seit Raf Simons vor einem Jahr in einer seiner letzten Kollektionen für Jil Sander Modelle entworfen hat, bei denen der Frau ordentlich Stoffballen auf die Hüfte gepackt wurden, sieht man sie immer öfter. Die Frauen werden breiter gemacht, indem ihnen beiderseits etwas Stoff angebaut wird.

Zum Schößchen muss man wissen, dass es schon fast so alt ist wie die Mode selbst – und dass es viel damit zu tun hat, wie die Frau in der Gesellschaft gesehen wird. Das Schößchen war ursprünglich eine Art Überrock, der an die Taille genäht wurde und lang nach unten fiel. Es reduzierte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem auf den hinteren Teil des Rockes. Damit wurde der Po deutlich herausgestellt.

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Später wurde viel Wert auf die Betonung der Hüften gelegt, denn breite Hüften signalisierten gute Ernährung und damit Wohlstand. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann vorübergehend schmale Silhouetten populär, und der kurvige Look sollte erst nach dem Zweiten Weltkrieg unter Christian Dior wieder neue Aufmerksamkeit bekommen. Nach den tristen und harten Kriegsjahren waren wieder mehr Weiblichkeit und Opulenz gefragt. Gleichzeitig standen die großen Stoffmengen, die man für Schößchen benötigte, für Solvenz.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

In den achtziger Jahren griff der französische Designer Thierry Mugler den Schößchen-Look auf und versah hautenge Kleider mit übertriebenen Stoffeinsätzen an Hüfte und Bauch, um dramatische Effekte zu erzielen. Seine Entwürfe erinnerten an stark strukturierte Skulpturen und vermittelten etwas Futuristisches. In den achtziger Jahren war der Schößchen-Look sehr grell, jedoch einfarbig. Zusätzlich zur Taille wurden jetzt auch die Schultern betont. Teilweise glichen die Frauen in den auffällig schimmernden Stoffen Bonbons.

Weiß man das Schößchen richtig einzusetzen, ist es ein sehr dankbares Modedetail. Die Schößchen von heute liegen sehr eng an, das eigentliche Kleid fällt schmal darunter ab und gewinnt insgesamt an Volumen. Die Figur wird dadurch mehr betont als verborgen.

Man muss sich Schößchen eben leisten können. So gesehen hat sich nicht viel geändert.

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Leserkommentare
  1. wie man im Rückblick sehen kann. Im 15. und 16. Jahrhundert war Frauen- und auch Männerkleidung mit Stoffschößchen über Hüfte und unter den Schößchen liegenden Stoffstücken ausgestattet. Diese waren zum Teil ausgepolstert und zum Teil ohne Polster gearbeitet.

    Es ist nicht neu und auch nicht sonderlich originell und alles, was ich sah, wirkte irgendwie verbraucht. Die Ökos haben diesen Bereich vor Jahren bereits in ihrem "Lagenlook" erobert und damit schon keine Preise erobert.

    Nun ist es in Paris angekommen und ich empfand es nicht als inspiriert. Sehr schön war der "Denver Clan"-Effekt auf einem Bild der Neuprinzessin aus England zu sehen, die Schößchen in Dunkelblau an einem zweiteiligen Kleid hängen hatte und damit nur altbacken und noch magerer wirkte, als sie ohnehin schon ist.

    Es ist wohl noch zu früh für die Wiederbelebung dieses Stoffstücks.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte RAF | Christian Dior | Givenchy | Jil Sander | Mode | Rock
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