Letztlich ist das eine Frage der Definition. Wenn man unter Krebs alle abnormen Wucherungen fasst, bei denen Zellen außer Kontrolle geraten und Tumore bilden, dann stimmt es tatsächlich: Auch Pflanzen können von Krebs befallen werden.

Man sieht oft an Bäumen oder Weinstöcken wuchernde Gebilde, die auch als Gallen bezeichnet werden. Winzer nennen die Krankheit Mauke. Die Wucherungen entstehen durch einen genetischen Defekt in den Zellen. Während gesunde Zellen darauf programmiert sind, nach einer gewissen Zeit abzusterben und die Zellteilung einzustellen, teilen sich die befallenen ungebremst weiter.

Dieser Gendefekt kann unterschiedliche Ursachen haben. Bei Menschen und Tieren wird er häufig durch krebserregende Substanzen und Strahlen ausgelöst. Im Pflanzenreich dagegen sind oft Mikroorganismen die Ursache für die Genveränderung, etwa das Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens . Das schleust Teile seines Erbguts in die Wirtspflanze ein, es programmiert die Zelle regelrecht um.

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Allerdings ist dieser Krebs für die Pflanze in den seltensten Fällen tödlich. Das liegt daran, dass Pflanzen keinen Blutkreislauf haben. Über den verbreiten sich bei Tier und Mensch die Krebszellen weiter und bilden Metastasen in lebenswichtigen Organen. Bei der Pflanze dagegen sind die Wucherungen meist lokal beschränkt, sie kann das befallene Gebiet relativ leicht abkapseln und sozusagen drum herum wachsen. Allenfalls können die Tumore der Pflanze Nährstoffe entziehen und sie so schwächen.

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