Die trinkende Frau : Bier, Regen, Kuss: Wenn der Alkohol die Dinge durcheinanderbringt

Es gibt ja diese verbreitete Annahme, dass Frauen in Liebesdingen irgendwie rationaler sind als Männer. Stimmt nicht, vor allem, wenn Bier im Spiel ist.

Es gibt Momente, in denen man alles im Griff hat, und das sind meiner Meinung nach die schönsten Momente des Lebens. Unvorhergesehenes gefällt mir persönlich überhaupt nicht, weshalb die einzige Droge, die für mich infrage kommt, der Alkohol ist. Wenn es ausnahmsweise mal ein bisschen zu viel Weißwein war , kann man sich einfach schnell ins Bett legen und schlafen, am nächsten Tag ist der Rausch vorbei.

Beispiel für einen Moment, in dem man alles im Griff hat: Wäsche aus der Maschine nehmen und thematisch sortiert auf dem Wäscheständer aufhängen. Ein anderes Beispiel: erfolgreich so tun, als wüsste man, worum es sich bei der Finanztransaktionssteuer genau handelt.

Beispiel für einen Moment, in dem alles durcheinandergerät: Currywurstbude, ein Bier, draußen Regen, drinnen Total Eclipse Of The Heart von Bonnie Tyler, hässliche Dinge werden plötzlich schön, Kuss. Das ist Verliebtsein, und ich gebe zu, das klingt erst mal gut, vielleicht auch besser als Wäschezusammenlegen. Aber in bestimmte Menschen darf und sollte man bekanntlich besser nicht verliebt sein – in seinen Vorgesetzten, in seinen eigentlich schwulen Vorgesetzten, in seinen eigentlich schwulen Vorgesetzten, der dein Nachbar und der beste Freund des Ehemannes ist usw.

Einige Leute sagen, wir seien in unserer Gesellschaft heute so frei wie nie zuvor, aber es gibt meiner Meinung nach immer noch ziemlich viele Unmöglichkeiten, Tabus und Verbote. Zum Beispiel ist es Frauen ja auch immer noch nicht gestattet, in der Öffentlichkeit, zumal im romantischen Kontext, zu rülpsen, weshalb Bier eigentlich kein geeignetes Getränk für Frauen ist. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es jetzt koreanisches Bier, Biobier und Bier mit schön gestaltetem Etikett gibt, deren Hersteller den gesamten Gewinn an soziale Projekte in der Nachbarschaft der Brauerei spenden.

Auch aussichtslose, alberne Verliebtheiten bei erwachsenen Frauen sind irritierend, weil sie sich über die Jahrhunderte irgendwie den Ruf erarbeitet haben, grundsätzlich verlässlicher und bindungsfähiger als Männer zu sein. Aber das stimmt nur statistisch und sollte im Einzelfall unbedingt überprüft werden. Auf keinen Fall darf man sich als Mann davon in die Irre führen lassen, dass Frauen ihre Bücher im Regal nach Farben ordnen, in Beziehungsfragen das Wort »Struktur« gern und oft verwenden und Männer um die fünfzig verhöhnen, die sich in ihre reizende Praktikantin mit dem honigblonden Haar verlieben. Leider haben Frauen das mit der Liebe genauso wenig im Griff wie Männer.

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