Es kommt jetzt die Jahreszeit, in der man beginnt, jegliches Wintergemüse und seine teuren Kaschmirpullis zu hassen (um im August dann festzustellen, dass schönes Wetter allein auch nicht glücklich macht). Nur Yotam Ottolenghi , in London lebender israelischer Koch und bei jedem Wetter Optimist, gelingt es, aus dem winterlichen Wurzelgemüse Sellerie einen Rohkostsalat mit frischem Aroma zuzubereiten. Dafür bringt er alle möglichen Zutaten zusammen, die eigentlich nicht zusammenpassen.

Aber Ottolenghi hat ein besonderes Verhältnis zu Gemüse, in England wurde er mit seiner Rezept-Kolumne The New Vegetarian im Guardian bekannt. Er weiß genau, was Gemüse braucht, um in voller Pracht zu erstrahlen. In seinem neuen Buch – der Titel ist schlicht Das Kochbuch – schreibt er, dass die Sellerieknolle offenbar Steckrübe, viel Knoblauch und getrocknete Sauerkirschen verlangt, um uns ein paar Momente lang vergessen zu lassen, dass wir in einem Land leben, in dem acht Monate im Jahr die Sonne selten scheint und Gemüse nur unter der Erde wächst.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Die Sellerie- und Rübchenraspel werden in eine Schüssel gegeben. Dann fügt man die restlichen Zutaten hinzu und vermischt das Ganze gründlich mit den bloßen Händen. Yotam Ottolenghi, der, wie gesagt, eine sehr spezielle Beziehung zu Gemüse hat, nennt diesen Vorgang "massieren". Dadurch, so lautet seine These, nimmt das Gemüse die Aromen besser an.

Wer will, schmeckt den Salat am Ende mit Salz, Pfeffer, Zucker und Essig ab – eventuell braucht man etwas mehr, als in der Zutatenliste angegeben ist.

Das Ganze sollte dann etwa eine Stunde lang durchziehen, damit der Salat auch nach etwas schmeckt. Man kann den Salat auch zwei Tage im Kühlschrank aufheben und des schönen Anblicks wegen kurz vor dem Essen noch mal ein wenig von den frischen Kräutern hinzugeben.

Wer Angst vor der gewaltigen Knoblauchfahne hat, die dieses Gericht unvermeidlich beschert, soll bis zum Beginn des Frühlings lieber bei seiner Kürbissuppe bleiben.

Zutaten: Süsssaurer Sellerie und Steckrübe

250 g Knollensellerie (geschält und fein geraspelt)
250 g weiße Rübchen (geschält und fein geraspelt)
4 EL Petersilie (grob gehackt)
4 EL Dill (grob gehackt)
50 g Kapern (grob gehackt)
4 EL Zitronensaft
1 TL Apfelessig
4 EL Olivenöl, 4 EL Sonnenblumenöl
3 TL Senf (zum Beispiel Dijon )
2 Knoblauchzehen (zerdrückt)
2 TL Zucker
100 g getrocknete Sauerkirschen
etwas Salz, etwas schwarzer Pfeffer