Al-KaidaIn ihren eigenen Worten
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Ideensammlung für Terrorkampagnen

Dabei kam vor dem Kammergericht noch nicht einmal alles zur Sprache, was nach Recherchen der ZEIT in den mutmaßlichen Al-Kaida-Dokumenten nachzulesen ist. Der Inhalt dieser Papiere ist indes so relevant, dass er eine tiefere Betrachtung verdient – losgelöst von der Frage, ob auf dieser Grundlage eine Verurteilung von Jusuf O. und Maksud L. erreicht werden kann.

Zunächst ist auffällig, dass die Terroristen ihre Ausgangssituation defensiv schildern: Der Feind habe ein Vielfaches an Ressourcen zur Verfügung, in Pakistan würden ständig Raketen einschlagen und die Reihen der Kämpfer lichten. Dass man nun schon seit Jahren an den westlichen Sicherheitsbehörden scheitere und lange keinen größeren Anschlagsplan mehr umsetzen konnte, frustriere die Kader und werde letztlich wohl den Zuspruch mindern. Die Kluft zwischen Propaganda und interner Wahrnehmung, die sich hier offenbart, spricht Bände.

Strategie für Schläferzellen

In Future Works finden sich die potenziell brisantesten Passagen, es handelt sich um eine Art Ideensammlung für Terrorkampagnen im Westen. So empfiehlt der Autor eine Doppelstrategie aus regelmäßigen kleinen und eher seltenen großen Anschlägen im Westen: Nur so erreiche man die gewünschte Wirkung. Um diese Regelmäßigkeit zu erzielen, sollten sich zudem die Regeln für den Einsatz von Freiwilligen aus dem westlichen Ausland ändern. Diese sollten, nachdem sie den Weg zu Al-Kaida ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet gefunden hätten, bloß nicht allzu lange bleiben: Plädiert wird für eine zügige Schulung und möglichst umgehende Rücksendung – mit dem Auftrag, wenigstens einen "kleineren" Anschlag auszuführen. Entsprechend wichtig sei die Vermittlung von sicheren Kommunikationstechniken, damit man während der Planungsphase Kontakt halten könne.

Im Grunde wird in dem Papier eine Strategie für Schläferzellen skizziert: Im Schnelldurchlauf trainierte Rekruten kehren nach Europa zurück und halten sich bereit. Tatsächlich häufen sich Indizien dafür, dass Al-Kaida diese Ratschläge tatsächlich in die Realität umzusetzen versucht hat. Denn nicht nur der derzeit verhandelte Fall von Maksud L. und Jusuf O. fügt sich nach Ansicht der Sicherheitsbehörden in dieses Muster. Vielmehr erkennen sie in den beiden nur die vorerst letzte Minizelle eines regelrechten Netzwerks.

Ziel: Europas Wirtschaft schwächen

Zu diesem zählen beispielsweise die ebenfalls aus Deutschland stammenden Dschihadisten Rami Makanesi und Achmed S.: Die beiden Hamburger gerieten nach einem Zwischenspiel bei einer anderen Terrorgruppe im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet an Al-Kaida, wurden von ihr offenbar ausgebildet und anschließend mit eher unklaren Vorgaben nach Europa zurückgeschickt. Makanesi wurde im Mai 2011 zu vier Jahren und neun Monaten Haft wegen der Mitgliedschaft bei Al-Kaida verurteilt; er hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Achmed S. steht sein Prozess noch bevor. Er berichtete, der Al-Kaida-Kader, der ihn anleitete, habe nebulös davon gesprochen, das Ziel bestehe darin, Europas Wirtschaft zu schwächen.

Der im April 2011 in Düsseldorf gefasste Abdel Adim Al-K. soll einen ähnlichen Weg absolviert haben. Er wurde verhaftet, als er mutmaßlich einen Probelauf für einen Anschlag plante . Auch er soll mit einem hochrangigen Al-Kaida-Strategen kommuniziert haben, der Anschläge im Westen durchführen lassen will – wahrscheinlich war es derselbe Hintermann.

Für die Behörden sind diese Fälle allesamt Ausfluss eines um 2009 herum gefassten Entschlusses von Al-Kaida, möglichst zügig ein Netz halbwegs zuverlässiger Schläfer in Europa aufzuziehen, damit bei Anlass und Gelegenheit willige Vollstrecker zur Verfügung stehen. Dass BKA-Experten das bei Maksud L. gefundene Strategiepapier auf die zweite Jahreshälfte 2009 datieren, stärkt diese Hypothese: Future Works, so sehen es die Sicherheitsbehörden, passt zu all jenen vagen Geheimdienstinformationen, die im Herbst 2010 in mehreren europäischen Staaten Terroralarm ausgelöst hatten, in Deutschland unter anderem mit der Folge, dass wochenlang Polizisten mit Maschinenpistolen Bahnhöfe schützten.

Leserkommentare
  1. Hört sich an wie die Strategieabteilung der Piratenpartei.
    Also wenn das wichtige Daten sind müssten alle Asterix&Obelix Bände 1-25 aus dem Verkehr gezogen werden. Ich schlage vor wir ziehen erstmal aus Afghanistan ab bevor wir den Feind wieder in den eigenen Reihen suchen.

    Eine Leserempfehlung
    • Evolux
    • 15. März 2012 21:21 Uhr

    das liest sich wie beim Spiegel,dachte ich
    Oops, ist ja auch vom Spiegel-Al-Kaida-Spezialisten Y.Musharbash.

    schreibt der nun für die ZEIT?

    Über die Rolle,die das Terrornetzwerk heute spielt,kann man seh geteilter Meinung sein:

    "Libyen Dschihadisten gewinnen Einfluss in Tripolis"
    http://www.zeit.de/politi...

    "Al-Kaida unterwandert angeblich Syriens Opposition
    Al-Kaida-Kämpfer sollen Teile der Aufständischen in Syrien infiltriert haben."
    http://www.zeit.de/politi...

    das ist so einiges,was man nicht versteht,insbesondere Al-Kaida betreffend

    Eine Leserempfehlung
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    Genau das habe ich beim Lesen auch gleich gedacht. Leider ist Herr Musharbash in der Tat zur "Zeit" gewechselt:
    http://meedia.de/print/ze...
    "Die Zeit" als Terrorpanik-Scharfmacher und die "FAZ" will Cannabis legalisieren. Was kommt als nächstes? "TAZ für mehr Investmentbanking"?

  2. »Wir haben viele Rekruten im Westen, die sich Al-Kaida anschließen möchten, aber keinen, der sie anleitet«
    »Wir könnten ein Passagierschiff entführen«
    »Unsere Finanzsituation ist schwach Das reduziert unsere operativen Möglichkeiten.«

    Wow, also das sind ja wirklich geradezu spektakuläre Informationen. Speziell weil man wohl davon ausgehen darf, dass die Medien nicht die langweiligsten, sondern eher die interessantesten Stellen zitieren.

    Gibt es Al-Qaida mittlerweile jetzt eigentlich wirklich als echte Organisation? Angeblich heisst "Al Quaida" doch übersetzt "Die Liste" und bezeichnete ursprünglich tatsächlich nichts weiter als ein Gästeliste in Bin Ladens früherem Gästehaus - bis man in den westlichen Medien daraus eine Terrororganisation gemacht hat, die es erst dadurch mittlerweile tatsächlich zu geben scheint...

    4 Leserempfehlungen
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    immerhin haben solche Darstellungen eine gewissen Unterhaltungswert, der angesichts der offenkundigen Diskrpanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit nur noch gesteigert wird.

    Und allenfalls von den interessanten Einlassungen der Amtsseite hierzu noch übertroffen werden kann.

    Wer verbreiten läßt er benötige Sprengstoff oder Schusswaffen um "dem Westen zu schaden" stellt sich selbst die zutreffenste Expertiese aus; womit ich "Vertreter von AQ" nicht zur Gründung von Banken oder Ratingargenturen ermuntern will.

    Spanned ist eher, warum so eine Sammlung von Stuss widerspruchslos und ohne kritische Nachfragen den Weg in die Öffentlichkeit finden soll.

    MfG Karl Müller

  3. immerhin haben solche Darstellungen eine gewissen Unterhaltungswert, der angesichts der offenkundigen Diskrpanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit nur noch gesteigert wird.

    Und allenfalls von den interessanten Einlassungen der Amtsseite hierzu noch übertroffen werden kann.

    Wer verbreiten läßt er benötige Sprengstoff oder Schusswaffen um "dem Westen zu schaden" stellt sich selbst die zutreffenste Expertiese aus; womit ich "Vertreter von AQ" nicht zur Gründung von Banken oder Ratingargenturen ermuntern will.

    Spanned ist eher, warum so eine Sammlung von Stuss widerspruchslos und ohne kritische Nachfragen den Weg in die Öffentlichkeit finden soll.

    MfG Karl Müller

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schockierend!"
  4. Bitte nicht vergessen, dass sie große politische und finanzielle Unterstützung durch die Taliban erfahren. Sie sind sozusagen deren Exekutive, unterstützen und führen ihre radikal-islamistische Thesen und Ideologien aus.

    • keox
    • 16. März 2012 19:52 Uhr

    "e wichtiger Experten das Material proklamieren, um so größer wird ihr
    Haushaltstitel im nächsten Bundeshaushalt und um so sicherer sind ihre Expertenarbeitsplätze."

    die Verabschiedung weiterer TerrorGesetze.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Experten"
    • dacapo
    • 17. März 2012 10:23 Uhr

    Ob man "Al-Dawa" mit Mission, Reklame oder Werbung, Propaganda übersetzt, ist immer im Zusammanhang des Themas zu sehen. Alle Übersetzungen kann man benutzen (und noch ein paar mehr). Wer nun meint, einer dieser Begriffe treffe exakt den Sinn des Wortes "Al-DAwa", der sollte sich doch ein bisschen intensiver mit der arabischen Sprache beschäftigen und auch gleich mit der aramäischen Sprache, um die vielen Lehnwörter in der arabischen Sprache deuten zu können.

    Aber warum sieht man das überhaupt für so wichtig an, wenn man diesen Artikel lesen will.

  5. Genau das habe ich beim Lesen auch gleich gedacht. Leider ist Herr Musharbash in der Tat zur "Zeit" gewechselt:
    http://meedia.de/print/ze...
    "Die Zeit" als Terrorpanik-Scharfmacher und die "FAZ" will Cannabis legalisieren. Was kommt als nächstes? "TAZ für mehr Investmentbanking"?

    Antwort auf "Freie Mitarbeit"

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