GenetikTierisch mutig

Manche Bienen sind von Natur aus abenteuerlustig.

Eine Honigbiene im Anflug auf eine Blüte

Eine Honigbiene im Anflug auf eine Blüte

Ein Späher zu sein, ist ein riskantes Geschäft. Fern der Gruppe ist der Einzelne schutzlos. Auch unter den Honigbienen ist nicht jede Sammlerin wagemutig – es erfordert Mut, das sichere Heim zu verlassen. Doch manche sind geborene Abenteurer. Sie erledigen nicht nur die Routinearbeit, sondern suchen nach weiteren Nahrungsquellen und nach Plätzen für ein neues Nest.

»Diese Bienen besitzen ein Persönlichkeitsmerkmal: den Entdeckerdrang«, sagt Gene Robinson von der University of Illinois. Gemeinsam mit seinen Kollegen identifizierte und markierte er Sammlerinnen der Honigbiene Apis mellifera, die bereit sind, nach einem neuen Nest zu suchen. Dann versetzte er den Stock über Nacht an einen anderen Ort. Die Bienen mussten sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Nicht jede wagte sich weit hinaus. Mit 3,4-fach erhöhter Wahrscheinlichkeit flogen wieder die bereits zuvor identifizierten Nestspäher, heißt es in der Science-Studie.

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Um das wagemutige Verhalten zu erklären, analysierten die Forscher die Aktivität in den Hirnen der Kundschafter. Dann verglichen sie diese mit jener der auf Sicherheit bedachten Exemplare. Das Ergebnis: Es gibt auffällige Unterschiede bei den Signalwegen, an denen Botenstoffe wie Glutamat und Katecholamin beteiligt sind. Diese spielen auch bei Wirbeltieren eine Rolle im Entdeckerverhalten und im Belohnungssystem.

Nun sind Menschen und Bienen nicht nah verwandt – ihr gemeinsamer Vorfahre sei wohl eine Art mariner Plattwurm, sagt Robinson. »Dennoch zeigt die Entdeckung, dass es molekulare Ähnlichkeiten gibt.« Insekten und Menschen hätten wahrscheinlich in der Evolution ihres Verhaltens auf denselben genetischen Werkzeugkasten zurückgegriffen.

 
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