Die Ablehnung der Opposition war bislang einhellig. Für die Grundgesetzänderung, wie sie der Regierung vorschwebe, werde es keine Zustimmung der SPD geben, sagte deren Bildungsexpertin Ulla Burchardt vergangene Woche. Und Kai Gehring von den Grünen befand: "Die Koalition und Bildungsministerin Schavan springen zu kurz."

Im Koalitionsausschuss hatten Union und FDP zuvor überraschend beschlossen, das im Grundgesetz festgeschriebene "Kooperationsverbot" zu beseitigen – allerdings nur im Bereich Wissenschaft. Im Kern verbietet die derzeitige Regelung, dass der Bund mit den Ländern dauerhaft bei der Bildung zusammenarbeitet. Die Folge: Klamme Länder bekommen zunehmend Probleme , ihre Schulen und Hochschulen zu finanzieren. Nur mit juristischen Winkelzügen kann der Bund das Verbot in einigen Fällen umgehen. Dieser Zustand ist den Bildungspolitikern aller Parteien schon länger ein Dorn im Auge.

SPD und Grüne fordern dagegen eine umfassende Neuregelung, die auch Schulen und den vorschulischen Bereich einschließt. Gerade hier gelten die Hürden für eine Zusammenarbeit nämlich als besonders hoch. Doch zu einem solchen Schritt fehlt Bundesbildungsministerin Annette Schavan ( CDU ) bislang in den eigenen Reihen der Rückhalt. Dass sie jetzt mit der Teillösung für die Hochschulen aufs Tempo drückt, hat einen Grund: 2017 endet die Exzellenzinitiative , eines jener auf Zeit angelegten Projekte, mit dem das Verbot in der Verfassung umgangen wird. Damit die universitäre Spitzenforschung danach nicht zurückfällt, will Schavan das Wissenschaftssystem umbauen. Nötig wäre selbst für so eine Teillösung eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag.

SPD und Grüne befürchten, dass ihnen im Falle ihrer Zustimmung das Druckmittel für weitere Veränderungen verloren gehen könnte. "Die Ministerin will sich nur ein paar Rosinen herauspicken", sagt Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD). Der Grüne Gehring ergänzt: "Dass Schavan Eliteunis weiter mit Milliarden fördern will, während Studienplatz- und Infrastruktur-Ausbau an den Hochschulen stocken, ist nicht sachgerecht." Zudem bestehe viel größerer Handlungsbedarf in Schule und Vorschule: "Mit neuen Kooperationswegen ließe sich ein weiteres, dringend notwendiges Ganztagsschulprogramm verabreden." Der Opposition ist besonders eine bessere Förderung benachteiligter Kinder wichtig.

Am Rande der Kultusministerkonferenz haben die SPD-Ressortchefs sich vorige Woche deshalb noch einmal auf das Ziel eingeschworen: "Keine Teillösung!" Nun, nur wenige Tage später denken erste Minister von SPD und Grünen darüber nach, wie eine Verfassungsänderung in zwei Schritten – erst für die Wissenschaft, dann für die Schulen – aussehen könnte. Mit Namen will noch keiner für diese Überlegungen stehen. Voraussetzung seien klare Regeln für das Bundes-Engagement, hieß es gegenüber der ZEIT: "Was nicht passieren darf, ist, dass einzelnen Ländern lukrative Angebote gemacht werden, sodass sie gegen die anderen ausgespielt werden." Das könne man zum Beispiel verhindern, indem man ein Einstimmigkeitsprinzip in die veränderte Verfassung schreibe. "Eine gut gemachte Teillösung ist besser als nichts." Vielleicht, so die Minister, werde eine Vereinbarung über Parteigrenzen ja eine Dynamik hin zu einer umfassenden Grundgesetzänderung eröffnen.

Schavan selbst will nichts dazu sagen, gibt sich in Zeitungsinterviews jedoch auffällig beschwichtigend. Sozialdemokraten und Grüne demonstieren derweil offiziell weiter Geschlossenheit. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sagt über abweichende Äußerungen ihrer Kollegen nur: "Solche Stimmen kenne ich nicht."