Axel SpringerSchöne Nebensache: Geld

Eine neue Biografie nimmt Axel Springer als Unternehmer in den Blick. von 

Es ist ein ziemliches Wunder, dass es das Unternehmen Axel Springer heute noch gibt, bedenkt man, wie oft sich dieser Verleger von seinen Zeitungen und Zeitschriften hatte trennen wollen und wie sehr ihm sein Lebenswerk zur Last wurde.

1970 etwa verkaufte Springer das Unternehmen zu großen Teilen, der Käufer war Bertelsmann mit Reinhard Mohn an der Spitze. Nach den im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten ausgehandelten Verträgen sollte Mohn zwei Jahre später ein Drittel des Springer Verlags übernehmen und weitere 17 Prozent nach Springers Tod. Dann hätte er die Mehrheit gehabt.

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Die Geheimverträge blieben nicht geheim. Widerstand regte sich beim stern, wo die Redakteure in Sorge waren, in einem Unternehmen von Mohn und Springer zu landen, unter einem Dach mit der Bild- Zeitung. Der stern berichtete über den Deal und zeigte sich wohlinformiert über Vertragsdetails. Springer war außer sich über die Indiskretion, am meisten erzürnte ihn, dass die Todesfallklausel bekannt wurde. Er war doch erst 57. Sein Misstrauen richtete sich gegen Mohn und die Gütersloher, es traf aber auch seinen Vertrauten Christian Kracht , von dem er sich dann trennte. Mithilfe des Rechtsanwalts Bernhard Servatius versuchte Springer, den Verkauf rückgängig zu machen. Der Vertrag sei wegen der Verletzung der Schweigepflicht ungültig, argumentierte er. Mohn war ein Mann, der öffentliche Auseinandersetzungen scheute, also stimmte er der Scheidung der kurzen unternehmerischen Ehe zu.

Tim von Arnim rekapituliert diese Episode in seinem Buch über den Verleger Axel Springer, der am 2. Mai hundert Jahre alt geworden wäre. Die Geschichte war natürlich auch schon in der 2008 erschienenen vorzüglichen Biografie von Hans-Peter Schwarz enthalten und ist dort besser erzählt. Wie Schwarz hatte Arnim Zugang zu den Archiven des Springer Verlags.

© Campus Verlag

Anders als der Bonner Politologe und Zeitgeschichtler, der Springer in der Breite seines Denkens und Wirkens beschrieb und ihn als eine ebenso einflussreiche wie umstrittene Persönlichkeit der Zeitgeschichte porträtierte, nimmt Arnim den Unternehmer in den Blick. Daraus ergibt sich eine eingeschränkte Sicht, ein Unternehmer war Axel Springer nur im Nebenberuf. Im Hauptberuf war er Verleger und ein politischer Missionar. Er selbst sagte, er hoffe, als "großer Journalist, Patriot und Gottsucher" in Erinnerung zu bleiben. (In Erinnerung ist Springer heute aber wohl vor allem als Erfinder der Bild- Zeitung.)

Gleichwohl ist Arnims Ansatz berechtigt. Axel Springer, der eines der größten Medienhäuser Europas errichtete, war ein unternehmerisches Ausnahmetalent, einer, der mit Anfang 40 wirtschaftlich alles erreicht hatte, was er sich vorgenommen hatte. Eine Analyse seines Wirkens kann auch dazu beitragen, das in Deutschland vorherrschende Unternehmerbild zu korrigieren. Wie sehr Unternehmer von nicht wirtschaftlichen Motiven bewegt werden, wird oft übersehen. Meist geht es ihnen weniger um Gewinnmaximierung als um Macht, Geltung, dynastische Ziele oder, wie im Fall Springers, um politische Motive.

Der Jungunternehmer war ein Sprinter. Rasend schnell gründete er nach dem Zweiten Weltkrieg die Hörzu, die Frauenzeitschrift Constanze, das Hamburger Abendblatt , die Bild- Zeitung und die Bild am Sonntag. Die Welt und die Welt am Sonntag kaufte er in den fünfziger Jahren dazu.

Springer war ein hochtalentierter Blattmacher mit einem (fast) untrüglichen Gespür für den Massengeschmack. Er hatte Charme und Glück. Dass sich die Radioleute vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) für ihn, den Buchverlagserben aus Altona, entschieden, als sie eine Programmzeitschrift auf den Markt bringen wollten, war unverdient. Von der britischen Militärregierung erhielt Springer die Lizenz für die monatlich erscheinenden Nordwestdeutschen Hefte und für die wöchentliche Hörzu. Die Programminformationen bekam er vom NWDR exklusiv, eine Monopolstellung, auf die sich aufbauen ließ. In Eduard Rhein fand er einen kongenialen Chefredakteur, der aus der Hörzu eine Familienzeitschrift machte, deren Auflage bald die höchste in Europa war. An Rheins Homosexualität störte sich Springer nicht, wohl aber daran, dass Rhein sich von ihm nicht in die Arbeit reinreden ließ. So blieb Springer fast nichts anderes übrig, als etwas Neues anzufangen. So startete 1948 das Hamburger Abendblatt.

Leserkommentare
  1. der Axel Springer

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