UmschuldungIch rette mit

Griechenland erlässt sich seine Schulden bei mir.

Bei der größten Umschuldung der Nachkriegszeit bin ich dabei. Seit Juli vergangenen Jahres zähle ich zu den Gläubigern Griechenlands. Damals habe ich über die Börse griechische Anleihen gekauft. Ein Teil dieser Papiere wird im Mai 2012 fällig, ein anderer erst 2020. Insgesamt habe ich für die Anleihen, deren Nennwert 20.000 Euro beträgt, 14.307 Euro bezahlt. Inklusive der Zinsen hätten mir die kurzlaufenden Anleihen im günstigsten Fall eine Rendite von 25 Prozent gebracht und die Langläufer 15 Prozent – pro Jahr.

Meine Spekulation beruhte auf der Überlegung, dass die anderen Mitgliedsländer der Währungsunion Griechenland so lange finanziell stabilisieren würden, bis es am Kapitalmarkt wieder kreditwürdig wäre. Einen Schuldenschnitt würde man nicht vollziehen, um Länder wie Irland, Portugal, Spanien und Italien nicht in die Bredouille zu bringen.

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Ich habe mich geirrt. Griechenland hat sich unter dem Druck der Euro-Länder mit den Banken und Fonds – also lauter Leuten, denen es nicht um ihr eigenes Geld geht – darauf geeinigt, die Papiere in neue mit einem um die Hälfte niedrigeren Rückzahlungspreis zu tauschen und die Zinsen zu senken.

Mir haben sie auch ein Angebot zum Umtausch gemacht, aber bevor ich die 167 Seiten übersetzt, gelesen und geprüft hatte, war die Frist zur Annahme abgelaufen. Dass 86 Prozent der Gläubiger dem Umtausch zustimmten, reicht den Griechen nicht. Die Kleinanleger enteignen sie nun. Zwangsumtausch – es ist mein erster seit den Besuchen in der DDR.

Wie viel mich die Griechen-Pleite kostet, kann ich noch nicht sagen. Ich bilanziere nicht, schreibe nichts ab und bleibe bis zum Ende dabei. Die 2020er Papiere habe ich vergleichsweise günstig gekauft, zu rund 57 Prozent des Nennwerts. Die Kurzläufer wurden im Sommer 2011 noch zu 87 Prozent gehandelt, der Schaden dort ist also groß.

Wenn ich nun mein Depot betrachte und traurig werde, schaue ich schnell auf die Aktienfonds.

 
Leserkommentare
  1. Mal gewinnt man und mal gewinnen die Anderen.

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    In wenigen Wochen wird sich das ganze Spiel wiederholen, sobald die nächsten Rettungsaktionen und der kommende Schuldenschnitt für Portugal auf der Tagesordnung stehen.

    In wenigen Wochen wird sich das ganze Spiel wiederholen, sobald die nächsten Rettungsaktionen und der kommende Schuldenschnitt für Portugal auf der Tagesordnung stehen.

  2. 2. [...]

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    • joG
    • 15.03.2012 um 8:55 Uhr

    ...indem alle Politiker Europas sagten, es gaebe keinen Bankrott sondern Freiwilligkeit. Ein Grund dafuer war, dass man wollte, dass Anleger ihr Geld in den Anleihen zu belassen. Sie nun zu enteignen ist schon eine Art Betrug, zumal man die Enteignung ohne Not erzwang und durchzieht.

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    • joG
    • 15.03.2012 um 8:55 Uhr

    ...indem alle Politiker Europas sagten, es gaebe keinen Bankrott sondern Freiwilligkeit. Ein Grund dafuer war, dass man wollte, dass Anleger ihr Geld in den Anleihen zu belassen. Sie nun zu enteignen ist schon eine Art Betrug, zumal man die Enteignung ohne Not erzwang und durchzieht.

  3. 3. [...]

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    ... aber die Naivität um so mehr!

    Auf Wunsch des Kommentators entfernt. Die Redaktion/mak

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    Auf Wunsch des Kommentators entfernt. Die Redaktion/mak

    • u.t.
    • 15.03.2012 um 8:39 Uhr

    Na, die Vorkommentatoren haben mir ja schon die Arbeit abgenommen. Ich hätte zuerst nicht ganz so scharf geantwortet.

    Einen Kleinanleger, der mal vor 5 oder mehr Jahren in gutem Glauben etwas angelegt hat, den kann ich ja verstehen.

    Aber jemand, der eben mal so 14k auf die Spielbank bringen kann... Herzlichen Glückwunsch, Herr Jungbluth.

    Ich hätte da auch noch ein paar Vorschläge für interessante Anlagen. Bitte schreiben Sie mich über mein Profil an, Sie bekommen dann meine Kontodaten für die Überweisung;-)

    7 Leserempfehlungen
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    Wer zockt, muss auch verlieren können. Mein Mitgefühl hält sich jedenfalls in Grenzen.
    Den Vorschlag mit der Bankverbindung finde ich gut.

    Wer zockt, muss auch verlieren können. Mein Mitgefühl hält sich jedenfalls in Grenzen.
    Den Vorschlag mit der Bankverbindung finde ich gut.

  4. ...habe Griechenland gerettet. Warum auch nicht? Ich finde die Kommentare hier abseitig und pervers. Ich bin relativ spät eingestiegen, und mein Verlust hält sich in Grenzen. Die Verluste werden ja wohl im wesentlichen bei Pensionsfonds, Versicherern und Banken verbucht. Diese "gehören" zu nicht geringem Anteil den Steuerzahlern und Pensionsberechtigten.

    Merken Sie eigentlich noch was? Wir bezahlen die griechischen Schulden sowieso! Von unserem Steuergeld. Ohne das Griechenland dadurch signifikant besser dasteht, denn den Löwenanteil der Staatsverschuldung, die die EZB mit unseren Steuergeldern vom Markt genommen hat, hat diese sich in neue Papiere umtauschen lassen und verbucht damit perspektivisch sogar noch Gewinne, realisiert aber kurzfristig keine Verluste. Außerdem gab es dann ja sofort einen neuen Notkredit von der EU (wofür die Griechen den überhaupt brauchen, nach einem Schuldenschnitt müsste eigentlich wieder genug Liquidität vorhanden sein?).

    Abgesehen von dieser windigen Konstruktion erlässt sich Griechenland noch mal schnell einen Großteil seiner weiteren Schulden bei seinen Privatanlegern - die im Übrigen dem Umtauschangebot gar nicht zustimmen konnten, weil es nicht nur undurchsichtig sondern für Privatanleger einfach unattraktiv war - durch rückwirkende Gesetze. Das ist so, wie wenn die Regierung die Steuersätze erhöhen würde - und zwar rückwirkend auf die letzten zehn Jahre - würden Sie dann auch noch jubeln?!

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    • joG
    • 15.03.2012 um 9:02 Uhr

    ...da ich bereits gelernt hatte, dass die europaeischen Regierungen sich an Vertraege und Zusagen nicht halten. Entschuldigen Sie, aber ich faende es als unverantwortluch Pensionsgelder in europaeischen Papieren ausserhalb des Spekulationstopfs zu kaufen. Man kann sich nicht auf das Recht verlassen.

    • u.t.
    • 15.03.2012 um 9:04 Uhr

    Ihren Ausführungen könnte ich zustimmen, wenn denn nicht das Datum des Engagements von Herrn Jungbluth entscheidend für die Beurteilung wäre.
    Ich bitte Sie, im Juli 2011 auf GR-Anleihen gehen, die 15/25% (!!) bringen und dann gaaaanz unschuldig fragen, warum das wohl eine Risikoinvestition war.

    Also a bisserle lächerlich ist das schon.

    • joG
    • 15.03.2012 um 9:02 Uhr

    ...da ich bereits gelernt hatte, dass die europaeischen Regierungen sich an Vertraege und Zusagen nicht halten. Entschuldigen Sie, aber ich faende es als unverantwortluch Pensionsgelder in europaeischen Papieren ausserhalb des Spekulationstopfs zu kaufen. Man kann sich nicht auf das Recht verlassen.

    • u.t.
    • 15.03.2012 um 9:04 Uhr

    Ihren Ausführungen könnte ich zustimmen, wenn denn nicht das Datum des Engagements von Herrn Jungbluth entscheidend für die Beurteilung wäre.
    Ich bitte Sie, im Juli 2011 auf GR-Anleihen gehen, die 15/25% (!!) bringen und dann gaaaanz unschuldig fragen, warum das wohl eine Risikoinvestition war.

    Also a bisserle lächerlich ist das schon.

    • m.s
    • 15.03.2012 um 8:46 Uhr

    sie koennen ganz beruhigt sein:

    nach alter boersenweisheit ist das geld nicht weg, es hat nur ein anderer!

    aber es gibt auch hoffnung:

    es soll noch ein abkommen zwischen der brd und griechenland
    ueber den schutz von kapitalanlagen aus dem jahr 1961 existieren
    - und das soll auch noch gueltig sein.

    vielleicht recherchieren sie und berichten hier.....

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    • Erkos
    • 15.03.2012 um 9:18 Uhr

    Ich kenn natürlich auch diese Weisheit: Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.
    Heut allerdings muss man wohl eher sagen: Das Geld war nie da! Sind doch alles Luftnummern! Jetzt, da die Blase z.T. schon geplatzt ist und immer weiter platzt, müssen die schaffenden Bürger die Lücken nach und nach füllen. Würde man die Fehlbeträge alle ausgleichen, hätten wir vielleicht 100 Jahre damit zu tun. Das wird natürlich nicht passieren. Keiner denkt ernsthaft daran, wirklich alle Papiere mit echten Werten zu untersetzten. Tatsächlich werden die Finanzhaie parallel schon neue Luftbuchungen produzieren, wenn wir noch an den vorherigen knabbern!

    • Erkos
    • 15.03.2012 um 9:18 Uhr

    Ich kenn natürlich auch diese Weisheit: Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.
    Heut allerdings muss man wohl eher sagen: Das Geld war nie da! Sind doch alles Luftnummern! Jetzt, da die Blase z.T. schon geplatzt ist und immer weiter platzt, müssen die schaffenden Bürger die Lücken nach und nach füllen. Würde man die Fehlbeträge alle ausgleichen, hätten wir vielleicht 100 Jahre damit zu tun. Das wird natürlich nicht passieren. Keiner denkt ernsthaft daran, wirklich alle Papiere mit echten Werten zu untersetzten. Tatsächlich werden die Finanzhaie parallel schon neue Luftbuchungen produzieren, wenn wir noch an den vorherigen knabbern!

  5. "Inklusive der Zinsen hätten mir die kurzlaufenden Anleihen im günstigsten Fall eine Rendite von 25 Prozent gebracht und die Langläufer 15 Prozent – pro Jahr."

    ...Gier frisst Gehirn.

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    • joG
    • 15.03.2012 um 8:55 Uhr

    ...indem alle Politiker Europas sagten, es gaebe keinen Bankrott sondern Freiwilligkeit. Ein Grund dafuer war, dass man wollte, dass Anleger ihr Geld in den Anleihen zu belassen. Sie nun zu enteignen ist schon eine Art Betrug, zumal man die Enteignung ohne Not erzwang und durchzieht.

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