Joachim Gauck: »Er hat die Leute elektrisiert«
Vom Plattenbaupfarrer zum friedlichen Revolutionär: Auf den Spuren von Joachim Gauck in Rostock.
Das Bild kennt inzwischen jeder. Es zeigt den Mann, der aller Wahrscheinlichkeit nach der nächste deutsche Bundespräsident wird, wie er in jenem hoffnungs- und angstvollen Herbst 1989 in der überfüllten Rostocker Marienkirche vors Mikrofon tritt. Die Haare sind noch dunkel, die Silhouette noch schlank, ein attraktiver Fünfzigjähriger, dem es sichtlich gefällt, dass die Jugend ihm zu Füßen liegt.
Im Nachhinein glaubt man, hier schon den künftigen Staatsmann zu erkennen, die Inkarnation des politischen Protestantismus, der den Deutschen fortan den aufrechten Gang predigen wird. Der auch dann noch unverdrossen von der Freiheit sprechen wird, wenn viele längst der Meinung sind, dass Gerechtigkeit das Thema der Stunde sei. Und den es nicht anficht, dass manch einer ihm nun vorwirft, mit der DDR weniger auf Kriegsfuß gestanden zu haben, als seine herausragende Rolle während der friedlichen Revolution heute denken lässt.
Es ist schon erstaunlich, mit welchem Nachdruck Verehrer und Kritiker den einstigen Rostocker Jugendpastor Joachim Gauck nun zum Vertreter einer uralten, tief ins 19. Jahrhundert hineinreichenden Bürgerlichkeit stilisieren. Einer Bürgerlichkeit, die sich, so liest man immer wieder, mit Hausmusik und silbernen Serviettenringen die Zumutungen der sozialistischen Gegenwart vom Leib zu halten wusste. Manchen erscheint Gaucks damaliges Umfeld gar als das fromme Gegenstück zu Uwe Tellkamps vornehm entrücktem Mediziner-Turm.
Doch schaut man sich um, wo Gauck wurde, was er heute ist, landet man zuerst einmal in der Plattenbauhölle von Rostock-Evershagen: Wohnblöcke, scheinbar wahllos ins Brachland geklotzt, ein antlitzloses sozialistisches Irgendwo, dessen Bewohner nur aus dem Fenster schauen mussten, um zu begreifen, dass sie in diesem Staat nichts weiter als eine anonyme Nummer waren. Bis heute findet man in der für 22.000 Menschen geplanten Siedlung keine richtige Kneipe, kein Restaurant, dafür überdurchschnittlich viele Reisebüros. Aus Evershagen, wo einen allein die Möwen daran erinnern, dass man im Norden ist, wollen die Menschen gerne weg. Der Kapitänssohn Gauck, der Theologie studieren musste, weil er als Sohn eines Staatsfeindes in der DDR kein Germanist werden durfte, wollte 1971 hierhin.
Während ihrer Buchhändlerlehre war seine Frau Gerlinde einer Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft beigetreten und hatte nach ein paar Jahren für ihre fünfköpfige Familie eine Dreieinhalbzimmerwohnung zugeteilt bekommen. Die von der Großmutter geerbten Möbel mussten die Gaucks verbrennen, die passten nicht in die Norm. Jetzt gab es eine Zentralheizung, was nach den Jahren im feuchten und bitterkalten mecklenburgischen Pfarrhaus, in dem Gauck sein Vikariat verbracht hatte, eine große Verbesserung war. Und weil er gerne arbeiten wollte, wo er wohnte, habe er sich um eine Stelle in Evershagen bemüht, schreibt Gauck in seinen Erinnerungen. Herausforderungen bot das sozialistische Neuland für einen jungen engagierten Pastor zur Genüge. Nach 25 Jahren antiklerikaler Agitation gehörte in der DDR nur noch ein gutes Viertel der Bevölkerung einer Kirche an. In Neubaugebieten wie Evershagen gab es gar keine Gemeinden.
»Wir haben gearbeitet wie die Hausierer«, erinnert sich Gaucks ehemaliger Kollege Heiko Lietz, der damals im Nachbarbezirk Lütten Klein in kirchlichen Diensten stand. Von Tür zu Tür seien sie gezogen, um Gläubige zusammenzusammeln. »Ich möchte mit Ihnen sprechen, wenn Sie evangelisch sind«, lautete der Standardsatz der Kirchenleute, der sie davor schützte, wegen Hausfriedensbruchs belangt zu werden. Lietz, der heute zu denen gehört, die Gauck vorwerfen, er werde zu Unrecht als Widerständler gehandelt, bescheinigt ihm, damals einen »guten Job« gemacht zu haben.
In Evershagen sei ihm vermutlich zugute gekommen, dass er zwar ein gebildeter Mann, aber nicht gerade ein verkopfter Theologe war. Schon an der Uni ist Gauck dem drei Jahre jüngeren Lietz vor allem als Sportler aufgefallen. Die Kommilitionen hatten zum ersten Mal miteinander zu tun, als Gauck ihn in die Handballmannschaft der Hochschule holte. Sport statt Bibelexegese! »Er gehörte schon immer zu den Menschen, die andere begeistern müssen, um selbst begeistert zu sein.«





Dieses ewige verehren der Freiheit. Wann lernen unsere sogenannten Liberalen endlich, dass Freiheit nur möglich ist wenn es Gerechtigkeit gibt!?
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Steuerfreiheit für die Superreichen - gerne.
Steuerfreiheit und allgemeine Freiheit für den einfachen Pöpel? Niemals, der kann ja gar nicht unsere Spendenerwartungen erfüllen.
...wie so viele, die man verwendet, wenn man nichts konkretes zu sagen hat. Was meinen Sie mit "gerecht"? Das kann fuer jeden etwas anderes bedeuten.
ist auch eine Form von Gleichheit. Nicht Gleichmacherei, aber Chancengleichheit. Das in unserm derzeitigen System die einen aufgrund von Geld, nicht aufgrund von Fähigkeit oder Intelligenz, ihre Chancen um ein vielfaches verbessern können, während die anderen nie eine Chance bekommen.
Freiheit ist bei uns käuflich, auch wenn das ein Idealist wie Gauck nicht hören will. Solange der Grad der Freiheit aber so eng mit dem finanziellen zusammenhängt ist es zumindest für mich keine richtige Freiheit.
Steuerfreiheit für die Superreichen - gerne.
Steuerfreiheit und allgemeine Freiheit für den einfachen Pöpel? Niemals, der kann ja gar nicht unsere Spendenerwartungen erfüllen.
...wie so viele, die man verwendet, wenn man nichts konkretes zu sagen hat. Was meinen Sie mit "gerecht"? Das kann fuer jeden etwas anderes bedeuten.
ist auch eine Form von Gleichheit. Nicht Gleichmacherei, aber Chancengleichheit. Das in unserm derzeitigen System die einen aufgrund von Geld, nicht aufgrund von Fähigkeit oder Intelligenz, ihre Chancen um ein vielfaches verbessern können, während die anderen nie eine Chance bekommen.
Freiheit ist bei uns käuflich, auch wenn das ein Idealist wie Gauck nicht hören will. Solange der Grad der Freiheit aber so eng mit dem finanziellen zusammenhängt ist es zumindest für mich keine richtige Freiheit.
Da ist sie endlich! Die heutige Gauck-Apotheose... Ich wagte schon nicht mehr darauf zu hoffen. So ein Tag ohne mindestens drei solide Hymnen auf unseren Freiheitshelden - der kann schon lang werden.
PS.: "Unsachlich", "nicht konstruktiv", "polemisch" gar? Läßt mich völlig kalt. ;-)
...eines so wenig wichtigen Jobs machen kann, wenn es nicht gilt eine Peunlichkeit zu verhindern? Offenbar soll die Seriositaet des politischen Systems nachgewiesen werden oder soetwas.
...eines so wenig wichtigen Jobs machen kann, wenn es nicht gilt eine Peunlichkeit zu verhindern? Offenbar soll die Seriositaet des politischen Systems nachgewiesen werden oder soetwas.
Haben die Autoren keine Angst, ihre Glaubwürdigkeit (ein wichtiges Kapital für einen guten Journalisten) zu verspielen?
Die Zeit, der Augenzeuge (Kinowochenschau der DDR) und die aktuelle Kamera zusammen in der "nationalen Front" für Joachim Gauck ???
Herr Gauck ist ein Prediger,das kann er gut und ein Wendehals.Mehr gibt es eigentlich nicht über ihn zu reden.
Mfg Sebastian
...der seine Gegenkandidatin ausschließlich der SED-Nachfolgepartei verdankt. Komisch, oder? Ironie der Geschichte. Man könnte darüber mal nachdenken. Auch bei der ZEIT.
...worum komisch? Ich meine, das einzig Komische ist, so viel Aufsehen um die Neubesetzung zu machen, wo der Job so wenig Gewicht hat. Wenn sich der Kandidat das Recht nimmt kontrovers zu sein, ok. Aber bis dahin? Da plappert man nur. Die Artikel sind vergeudete Zeit oder Schlimmeres.
...worum komisch? Ich meine, das einzig Komische ist, so viel Aufsehen um die Neubesetzung zu machen, wo der Job so wenig Gewicht hat. Wenn sich der Kandidat das Recht nimmt kontrovers zu sein, ok. Aber bis dahin? Da plappert man nur. Die Artikel sind vergeudete Zeit oder Schlimmeres.
Gauck ist ein Wendehals genauso wie Merkel,erst mit gemacht
im DDR-System,beide haben in ihrem Lebenslauf lücken und
mehr sage ich nicht dazu!Echte Bürgerrechtler saßen in Baut-
zen ein und standen für ihre Meinung,bei Gauck und Merkel
wurde erst die Kritik kurz vor der Wende am System laut und
man brauchte nichts mehr zu befürchten!Gauck sollte seine
Freiheitslügen lassen,sonst wird er bei der heutigen Presse
schnell entlarvt,es leben noch genug Zeitzeugen,er ist nur
auf dem Freiheitszug aufgesprungen kurz vor der Wende!
Mir ist Gauck mittlerweile nur noch völlig Wurst. Die Leute wollen Gauck genauso, wie sie damals und immer noch die CDU und die SPD wollen, obwohl der Sozialstaat (und auch alles andere in Deutschland) immer weiter abgebaut wird. Man muss sich ja nur mal die Statistiken vom Reallohn und der Gehaltsentwicklung der Superreichen anschauen. Aber egal, wählt das, was ihr wollt, aber beschwert euch hinterher nicht. Ich wähle weiterhin die Linken und darf mit voller Berechtigung meckern und kritisieren. Schließlich habe ich den ganzen Quatsch, den wir derzeit erleben, nicht gewollt. Die Wähler der Einheitspartei (mit vier Flügeln) wollten das ja unbedingt so. Ich frag mich nur, ob sich die FDP-Wähler auch schämen. Hoffentlich!
Steuerfreiheit für die Superreichen - gerne.
Steuerfreiheit und allgemeine Freiheit für den einfachen Pöpel? Niemals, der kann ja gar nicht unsere Spendenerwartungen erfüllen.
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