ElbvertiefungKampf um die Pötte

Hamburg will die Elbe vertiefen, um seinen Hafen für die riesigen Containerschiffe der Zukunft zu öffnen. Der Widerstand ist gewaltig. von Katja Scherer

Passt heute schon durch die Elbfahrrinne zwischen Nordsee und Hamburg: Das Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth" im Hamburger Hafen

Passt heute schon durch die Elbfahrrinne zwischen Nordsee und Hamburg: Das Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth" im Hamburger Hafen  |  © Markus Scholz/AFP/Getty Images

Von oben, von der Ladebrücke aus, erinnert der Hamburger Hafen an ein riesiges Uhrwerk. Auf dem Gelände stapeln sich in langen Reihen Container, Kräne rattern daran entlang. heben manche hoch und setzen andere ab. Automatisch gesteuerte Wagen fahren geschäftig hin und her, bringen Ware von den Schiffen ins Lager und umgekehrt. Gerade hat ein Containerschiff am Dock angelegt, schwer beladen mit Fracht aus Asien . Rund 5.000 Standardcontainer (TEU) sind auf einen Schwung angekommen. Einer nach dem anderen werden sie abtransportiert.

Es ist ein fein aufeinander abgestimmtes Uhrwerk, doch in Hamburg fürchten viele, dass es bald ins Stocken geraten könnte. Die Elbe ist zu schmal und vor allem zu flach für die jüngste Generation der riesigen Containerschiffe, die seit einiger Zeit auf den Weltmeeren unterwegs ist. Die Hansestadt will den Fluss daher vertiefen, doch der Plan ist umstritten. Seit zehn Jahren diskutieren Politiker, Unternehmer und Umweltverbände erbittert das Für und Wider. Ohne den Ausbau könne der Hafen einpacken, klagt die Wirtschaft. Purer Luxus und ökologisch eine Katastrophe, zetern Umweltschützer.

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Weil das Projekt Elbvertiefung nicht nur Hamburg , sondern auch die Elbanrainer Schleswig-Holstein und Niedersachsen betrifft, müssen die dortigen Landesregierungen zustimmen. Kiel ist dabei, das hat der Landtag im Januar entschieden. In Niedersachsen jedoch gibt es heftigen Widerstand. Seit Jahren liegen Hannover und Hamburg im Clinch. Es ist ein harter, zäher Kampf, der nun in die finale Runde geht. Ende März stimmen die Parlamente von Hamburg und Niedersachsen ab, ob die Elbe ausgebaut werden darf oder nicht. Und bis es so weit ist, wird über viele Details der Ausbaupläne weiter hart verhandelt.

Die Anwohner der Elbe fürchten um die Deiche, die Bauern um ihr Land

In Hamburg sorgt sich der regierende SPD-Senat, dass viele Reedereien den Hafen bald nicht mehr anlaufen. Derzeit können Riesenfrachter die Hansestadt nicht voll beladen ansteuern. Beim Ein- und Auslaufen müssen sie sich nach den Gezeiten richten, denn der maximale Tiefgang von 13,50 Meter wird nur bei Flut erreicht. Zudem können die Schiffe nicht aneinander vorbeifahren, weil der Fluss zu schmal ist; die Fahrten müssen aufs Genauste abgestimmt werden. Die Behörden wollen die Elbe daher um einen Meter auf 14,50 Meter vertiefen. Bagger sollen dafür Berge unter Wasser abtragen. Zusätzlich soll ein Begegnungsbecken gegraben werden, damit große Schiffe gleichzeitig den Fluss passieren können.

Seit Jahren werden Containerschiffe größer und größer. Zum Einsatz kommen die Riesen vor allem zwischen Asien und Europa – eine der Hauptlinien für den Hamburger Hafen. »Die Zahl der Schiffe mit mehr als 12.000 TEU wird sich in den nächsten zwei Jahren verdoppeln«, sagt Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Die Entwicklung der vergangenen Jahre scheint ihm recht zu geben: Vor zehn Jahren transportierten die Schiffe gerade einmal bis zu 9.000 TEU, mittlerweile sind es schon 15.000 TEU. Die Containerschiff-Reederei Maersk hat soeben die ersten 18.000er bestellt.

Für die Reedereien lohnt sich der Einsatz der Ozeanriesen. Mit zunehmender Größe sinken die Ausgaben pro Container. Das gilt allerdings nur, wenn die Frachter voll ausgelastet sind. Und weil es genügend miteinander konkurrierende Häfen gibt, müssen die Häfen sich an der Größe der Schiffe orientieren, nicht umgekehrt. »Der Wettbewerb in der Containerschifffahrt ist extrem«, sagt Max Johns vom Verband deutscher Reeder. »Hamburg muss sich anpassen, sonst ist es bald kein Großhafen mehr.« Können die Reedereien ihre Schiffe nicht voll beladen, so die Horrorvision in Hamburg, bringen sie die Ware lieber nach Rotterdam oder Antwerpen. Schlimmer noch: Kommen weniger Containerschiffe, fällt auch der sogenannte Feederverkehr weg. Feeder sind Verteilerschiffe, die die Ware im Ostseeraum verteilen und von dort zuliefern. Für den Hafen sind sie ebenfalls von großer Bedeutung.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen angemessenen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/sc

  2. ...den ich als Kind immer falsch verstanden habe:

    "Geld regiert die Welt"

    Man muss es wörtlich nehmen - dann wird ein Schuh draus.Was interessieren Umwelt, Bürgerwillen und Gesundheit? Nichts, wenn das Ziel mehr Profit ist. Da ändert auch eine Demokratie nichts dran. Traurig, oder?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • FloH48
    • 16. März 2012 9:01 Uhr

    sollte man doch mal darüber nachdenken, wie weit der Begriff Demokratie überhaupt dehnbar ist.

    Ganz nebenbei:
    Als junger Mensch muss man sich doch immer wieder fragen, wie die Menschen früher gelebt haben - so ganz ohne Globalisierung? Was für ein furchtbar einfaches und wenig lebenswertes Leben müssen die Menschen gehabt haben, dass wir jetzt alles in Kauf nehmen nur um uns diesen Garant für Wohlstand, Fortschritt und Bequemlichkeit zu erhalten!

    • Slater
    • 16. März 2012 9:59 Uhr

    wieso sollte die Demokratie daran nichts ändern?
    dann sähe es heute hier schon aus wie in China

    zum Glück nicht so, die Demokratie schafft bereits viel,
    aber die Hürden sind natürlich endlos

    .. keine Arbeitsplätze, keine Steuern, kein Umweltschutz, keine Umsetzung von Bürgerentscheiden und kein Gesundheitsystem/- vorsorge.

    Gute Besserung

    • FloH48
    • 16. März 2012 9:01 Uhr

    sollte man doch mal darüber nachdenken, wie weit der Begriff Demokratie überhaupt dehnbar ist.

    Ganz nebenbei:
    Als junger Mensch muss man sich doch immer wieder fragen, wie die Menschen früher gelebt haben - so ganz ohne Globalisierung? Was für ein furchtbar einfaches und wenig lebenswertes Leben müssen die Menschen gehabt haben, dass wir jetzt alles in Kauf nehmen nur um uns diesen Garant für Wohlstand, Fortschritt und Bequemlichkeit zu erhalten!

    Antwort auf "Es gibt einen Satz,..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auf Ihren Kommentar nur eine Bemerkung: Blinddarmentzündung.
    Vor 100 Jahren wären Sie wahrscheinlich dran gestorben.
    Und mit 60 sowieso unter der Erde.

    Niemals in der Geschichte des Menschen hat es eine Periode gegeben, die Sicherheit, Lebensqualität und Wohlstand für die meisten bedeutet hat. Und zwar überall auf der Welt.

  3. ... ignorieren wir der Einfachheit halber.

    http://wissen.dradio.de/u...

    • TDU
    • 16. März 2012 9:04 Uhr

    Da ist der Nachteil der unter Rot-Grün eingeführten Verbandsklage. Selbst wenn alle Beteiligten und Betroffenen sich einigen würden. Es hat zu geschehen, was der Verband will, ohne Rücksicht auf die Belange anderer, die im Zweifel eh diffamiert werden. Vielleicht hilft ja Geld wie beim Aufgeben des Widerstandes gegen die Ostee Pipeline.

  4. Wäre es das gleiche Problem, wenn Hamburg nicht der einsame Stadtstaat 100 km elbaufwärts von der Nordsee wäre, sondern wenn es bis zur Nordsee ginge und z.B. Cuxhaven einschlösse? Gäbe es dann Verwaltungsstrukturen, die einen Tiefseehafen an der Nordsee planen und verwirklichen könnten? Mit An- und Einbindung dieses neuen Hafens in die sehr effizienten Strukturen des bestehenden Hamburger Hafens?

    • Slater
    • 16. März 2012 9:59 Uhr

    wieso sollte die Demokratie daran nichts ändern?
    dann sähe es heute hier schon aus wie in China

    zum Glück nicht so, die Demokratie schafft bereits viel,
    aber die Hürden sind natürlich endlos

    Antwort auf "Es gibt einen Satz,..."

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