KlimaschutzDie Ostblocker

Polen bremst den europäischen Klimaschutz. von 

Da ist er wieder – der alte Konflikt zwischen Umwelt und Wirtschaft. Die Erde soll sich um nicht mehr als um zwei Grad erwärmen, dafür treten die Europäer schon länger ein, dafür haben sie bei Weltklimakonferenzen gekämpft und dort sogar Zustimmung erhalten. Jetzt zeigt sich: Zu Hause, in Europa , haben einzelne Länder ein Problem damit, ihren Beitrag zum Zwei-Grad-Ziel zu leisten. Ende vergangener Woche tagte der Rat der Umweltminister. Und da offenbarte sich, wie uneins die Europäer in Wirklichkeit sind . Es kam zum Eklat.

Der polnische Umweltminister Marcin Korolec blockierte, was sämtliche seiner Kollegen wollten: die EU-Kommission zu beauftragen, operative Maßnahmen für den Marsch in die kohlenstoffarme Zukunft zu erarbeiten. Es ging letzten Endes um die lange Frist, um das Jahr 2050. Spätestens dann muss die europäische Wirtschaft praktisch ohne Treibhausgasausstoß auskommen, soll aus dem Zwei-Grad-Limit etwas werden. Doch Polen hat sich verbissen dagegen gewehrt, einen Fahrplan für die Reise in die Zukunft entwerfen zu lassen, insbesondere für die Etappe bis 2030 und 2040. Die Klimapolitik sei "Teil eines größeren Spiels, bei dem es am Ende um das Wohlergehen unserer Bürger geht", hatte Korolec vor der Ratssitzung in einem Brief gewarnt.

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Es kam, wie es kommen musste. Die vehement am Klimaschutz orientierten Dänen, die derzeit den Vorsitz im EU-Rat haben, konnten nach dem Treffen am Freitag vergangener Woche nicht einmal gemeinsame Schlussfolgerungen präsentieren. Eine diplomatische Katastrophe – und eine für den Klimaschutz.

Der Vorgang hat besondere Bedeutung für Deutschland, das mit seiner Energiewende voranpreschen will. Für 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 will die Bundesregierung bereits bis 2020 sorgen, das entsprechende EU-Ziel ist mit minus 20 Prozent nur halb so ehrgeizig. Damit ist ein Problem verbunden: Rund die Hälfte der hiesigen Emissionen, die von Kraftwerken und von großen Industriebetrieben, unterliegt der ausschließlichen Regulierung durch die EU, die zu diesem Zweck den Emissionshandel eingeführt hat. Doch die Menge an Zertifikaten, die von Brüssel in Umlauf gegeben wurden, orientiert sich am europäischen 20-Prozent- und nicht am deutschen 40-Prozent-Ziel. Bleibt es dabei, ließe sich Letzteres nur erreichen, wenn Deutschland in den Sektoren, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, die Gangart deutlich verschärft: beim Klimaschutz im Verkehr und beim Wohnen.

Zu allem Übel ist der Emissionshandel praktisch tot . Nicht nur weil die Lobby der industriellen Großemittenten einst erfolgreich für eine großzügige Zuteilung gekämpft hatte, sondern auch wegen der Konjunkturflaute und des Erfolgs der grünen Stromerzeugung herrscht auf dem Markt für die Emissionsrechte jetzt ein Überangebot. Der Preis ist so niedrig, dass praktisch kein Anreiz mehr existiert, in den Klimaschutz zu investieren.

Ein hoffnungsloser Fall? Nicht unbedingt. Verschärfte die EU ihr Klimaschutzziel für 2020 von minus 20 auf minus 25 Prozent, dann könnte sie nicht nur den Emissionshandel wiederbeleben; obendrein wäre der Pfad zum nahezu vollkommen emissionsfreien Wirtschaften im Jahr 2050 weniger beschwerlich. Das geht aus Analysen der Brüsseler Kommission hervor.

Und Polen? Bliebe dabei nicht auf der Strecke, sondern profitierte sogar vom Klimaschutz, wie die Internationale Energieagentur kürzlich vorgerechnet hat. Der Widerstand der Regierung in Warschau dürfte sich also als nicht unüberwindbar erweisen. Fragt sich nur, was den anderen Europäern die Sache wert ist.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Es handelt sich hier primär nicht um einen Konflikt zwischen Umwelt und Wirtschaft, sondern um einen Konflikt zwischen Pseudowissenschaft und Wissenschaft. Global gesehen pfeifen es die Spatzen schon von den Dächern, dass die 'Klimakatastrophe' nichts als eine für Bürokraten lukrative Verschwörungstheorie ist und nicht stattfinden wird. Deshalb will keiner so richtig mehr mitmachen beim 'Klimaschutz'. :)

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    vielleicht liest das hier ein Naturwissenschaftler, der mir helfen kann?

    Wie soll ein Gas, das schwerer als Luft ist mit einer Konzentration von 0,04% ein Klimakiller sein? Nichtmal hypothetisch kann ich mir das vorstellen.

    Und selbst wenn es so wäre - müssten wir dann alle Vulkane löschen?

    das sind die Realtäten.

    Wie wärs mal mit ein paar nachvollziehbaren Links/ Belegen für Ihre platte Behauptung.

    Ich geh mal in Vorleistung zum Thema Grönlandeis, das offenichtlich noch schneller schmilzt als in den bisherigen Modellen angenommen. Dies ist ein sehr gutes Beispiel, das die KLimaforscher eben nicht übetrieben haben mit Ihren Prognosen, sondern eher vorsichtig waren.

    http://www.pik-potsdam.de...

    Zitat:"Die Wissenschaftler erzielten ihre Ergebnisse mit einer neuartigen Computer-Simulation der Eisdecke Grönlands und des regionalen Klimas. Die Veränderungen in diesen beiden physikalischen Systemen werden in der Simulation aufwändig durchgerechnet – einschließlich wichtiger Prozesse wie zum Beispiel der Rückkopplungen im Klimasystem, die zusammenhängen mit Veränderungen des Schneefalls und der Eisschmelze als Folge der Erderwärmung. Das Modell bewies dabei die Fähigkeit, sowohl die heute beobachtbare Eisbedeckung korrekt zu berechnen als auch ihre Entwicklung über die vergangenen Eiszeit-Zyklen hinweg. Deshalb wird der Simulation zugetraut, auch die Zukunft richtig abzuschätzen. All dies macht die neue Abschätzung verlässlicher als die vorherigen.Ende"

    Übrigens ist nur Polen auf EU Ebene ausgeschert also ein Land von 27 "keiner mehr mitmachen will" wie Sie es hier behaupten ist schlicht weg einzig Ihr Wunschdenken.

    --> genau. nur mit umgekehrtem Vorzeichen ;-)

    Es wollen einige nicht so recht mitmachen beim Klimaschutz. Allerdings obwohl alle bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse dagegen sprechen so weiter zu machen wie bisher.....

    Zitat Vince Ebert (Comedian und Physiker) :

    "Und wer das nicht glaubt, der muss einfach nur den Weltklimabericht lesen. Dort steht auf Seite 774, also ganz weit hinten: “Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten, nichtlinearen chaotischen Systemen; dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems ‘Klima’ nicht möglich.” Was sagt uns das? Egal, ob Sie eine Versicherung abschließen oder die Welt retten wollen, lesen Sie vorher das Kleingedruckte. Versteh’n Sie? "

  2. Strom kommt in Polen nun mal zu ca. 90% aus Kohlekraftwerken.
    Es sind auch da Änderungen angedacht - diese werden jedoch von den deutschen massiv kritisiert! Polen will Kernkraftwerke bauen - das wäre dann CO2 arm.
    Aber Deutschland hat für sich selbst ja schon entschieden, dass mehr CO2 Ausstoß gebilligt wird und dafür die Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Wir dürfen also nicht meckern.

  3. vielleicht liest das hier ein Naturwissenschaftler, der mir helfen kann?

    Wie soll ein Gas, das schwerer als Luft ist mit einer Konzentration von 0,04% ein Klimakiller sein? Nichtmal hypothetisch kann ich mir das vorstellen.

    Und selbst wenn es so wäre - müssten wir dann alle Vulkane löschen?

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    Ein großer Teil (mehr als 30%) der Energie, die durch Sonneneinstrahlung auf die Erde trifft, wird wieder in den Weltall zurückgestrahlt - hauptsächlich in Form von Infrarotstrahlung. Kohlendioxid und andere Treibhausgase streuen nun diese Infrarotstrahlung in alle Richtungen, mit dem Ergebnis, daß weniger davon den Weltraum erreicht und damit die Erdoberfläche und Erdatmosphäre weiter erhitzt werden.

    Treibhäuser funktionieren nach demselben Prinzip: Das Sonnenlicht trifft im Treibhaus auf den Boden oder die Pflanzen, welche erwärmt werden. Diese senden nun Infrarotstrahlen aus, aber durch die Treibhausgase werden viele von diesen reflektiert und landen wieder am Boden, statt das Treibhaus zu verlassen.

    Seit Beginn der Industrialisierung ist der CO2-Anteil der Erdatmosphäre von 280 ppm auf 390 ppm angestiegen. Dementsprechend hat sich auch der Treibhauseffekt der Erdatmosphäre erhöht.

    Und zu den Vulkanen: Die Emissionen von Treibhausgasen durch Vulkane im Vergleich zu denen durch menschliche Aktivitäten sind beinahe vernachlässigbar - zur zeit sind die letzeren um mehr als den Faktor 100 größer. Dieser Artikel beschreibt die Proportionen:

    http://www.agu.org/pubs/p...

  4. das sind die Realtäten.

    Wie wärs mal mit ein paar nachvollziehbaren Links/ Belegen für Ihre platte Behauptung.

    Ich geh mal in Vorleistung zum Thema Grönlandeis, das offenichtlich noch schneller schmilzt als in den bisherigen Modellen angenommen. Dies ist ein sehr gutes Beispiel, das die KLimaforscher eben nicht übetrieben haben mit Ihren Prognosen, sondern eher vorsichtig waren.

    http://www.pik-potsdam.de...

    Zitat:"Die Wissenschaftler erzielten ihre Ergebnisse mit einer neuartigen Computer-Simulation der Eisdecke Grönlands und des regionalen Klimas. Die Veränderungen in diesen beiden physikalischen Systemen werden in der Simulation aufwändig durchgerechnet – einschließlich wichtiger Prozesse wie zum Beispiel der Rückkopplungen im Klimasystem, die zusammenhängen mit Veränderungen des Schneefalls und der Eisschmelze als Folge der Erderwärmung. Das Modell bewies dabei die Fähigkeit, sowohl die heute beobachtbare Eisbedeckung korrekt zu berechnen als auch ihre Entwicklung über die vergangenen Eiszeit-Zyklen hinweg. Deshalb wird der Simulation zugetraut, auch die Zukunft richtig abzuschätzen. All dies macht die neue Abschätzung verlässlicher als die vorherigen.Ende"

    Übrigens ist nur Polen auf EU Ebene ausgeschert also ein Land von 27 "keiner mehr mitmachen will" wie Sie es hier behaupten ist schlicht weg einzig Ihr Wunschdenken.

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    hat auch mit rückgekoppelten Computersimulationen gearbeitet...

    Dann schmilzt das Grönlandeis eben. Es war ja schon mal geschmolzen (Grünland...).

    Die CO² ärmere Technik kommt ja unweigerlich. Dauert bloß alles ein bischen.
    Da braucht man heute lebenden Menschen nicht ihr Leben zu versauen, indem man Energieverbrauch verteufelt, zumal es dabei eben nicht gerecht zugeht.
    Wer 1000€ Einnahmen p.m. hat und1000€ Ausgaben, der macht bei
    energiegetriebenen Mehrausgaben von 200€ eben diese Miese
    oder muß sich erheblich einschränken,von eh schon niedrigem Niveau.
    Wer 3000€ Einnahmen hat und 2000€ Ausgaben, kann 200€ weniger sparen, merkt sonst aber nix.

  5. --> genau. nur mit umgekehrtem Vorzeichen ;-)

    Es wollen einige nicht so recht mitmachen beim Klimaschutz. Allerdings obwohl alle bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse dagegen sprechen so weiter zu machen wie bisher.....

    • spacko
    • 15. März 2012 18:11 Uhr

    dass wir deutschen, insbesondere unsere möchtegernökodiktatoren, immer sehr genau wissen, was für den rest der welt am besten ist.

    jau, so wird man beliebt, und kann seine ziele wunderbar durchsetzen. chapeau, herr oberlehrer!

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    Redaktion

    Es geht hier nicht darum, sich beliebt oder unbeliebt zu machen. Es geht um Ökonomie.

    Laut Internationaler Energie Agentur (IEA)können die polnischen CO2-Emissionen bis 2030 auf ein Niveau reduziert werden, das mit dem Zwei-Grad-Ziel konsistent wäre. Das setzt eine Emissionsminderung um rund 100 Millionen Tonnen voraus. Erreichen ließe sich das laut IEA vor allem durch erhöhte Effizienz beim Endenergieverbrauch (38%), durch Erneuerbare Energiebereitstellung (25%) und durch Abscheidung und Lagerung von CO2, CCS (23%). Die restlichen 14% werden durch etwas mehr Kernenergie, Biokraftstoffe und durch Effizienzsteigerung im Kraftwerksbereich erbracht. Laut IEA sind dafür bis 2030 zusätzliche Investitionen in Höhe von 113 Milliarden Euro notwendig. Die eingesparten Brennstoffkosten im gleichen Zeitraum belaufen sich laut Schätzung der IEA auf 132 Milliarden Euro.

  6. Redaktion

    Es geht hier nicht darum, sich beliebt oder unbeliebt zu machen. Es geht um Ökonomie.

    Laut Internationaler Energie Agentur (IEA)können die polnischen CO2-Emissionen bis 2030 auf ein Niveau reduziert werden, das mit dem Zwei-Grad-Ziel konsistent wäre. Das setzt eine Emissionsminderung um rund 100 Millionen Tonnen voraus. Erreichen ließe sich das laut IEA vor allem durch erhöhte Effizienz beim Endenergieverbrauch (38%), durch Erneuerbare Energiebereitstellung (25%) und durch Abscheidung und Lagerung von CO2, CCS (23%). Die restlichen 14% werden durch etwas mehr Kernenergie, Biokraftstoffe und durch Effizienzsteigerung im Kraftwerksbereich erbracht. Laut IEA sind dafür bis 2030 zusätzliche Investitionen in Höhe von 113 Milliarden Euro notwendig. Die eingesparten Brennstoffkosten im gleichen Zeitraum belaufen sich laut Schätzung der IEA auf 132 Milliarden Euro.

    Antwort auf "wie schön,"
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    ...wissenschaftlich von bellin55 eindeutig erläutert, da ist es vollkommen unwichtig welche Prognosen die IEA, das IPCC, womöglich das PIK-Podsdam oder andere unwissenschaftl. Gremien hier abgeben und F wird wohl bei der Atomkraft bleiben wie andere fortschrittl. Länder auch und das ewige Gerede von Wind- und Solarenergie, die irgendwann einmal wirtschaftl. werden soll ist eine zunehmende Volksverdummung an der sich leider auch "Die Zeit" & Fritz V. unermüdlich beteiligen.

  7. Ein großer Teil (mehr als 30%) der Energie, die durch Sonneneinstrahlung auf die Erde trifft, wird wieder in den Weltall zurückgestrahlt - hauptsächlich in Form von Infrarotstrahlung. Kohlendioxid und andere Treibhausgase streuen nun diese Infrarotstrahlung in alle Richtungen, mit dem Ergebnis, daß weniger davon den Weltraum erreicht und damit die Erdoberfläche und Erdatmosphäre weiter erhitzt werden.

    Treibhäuser funktionieren nach demselben Prinzip: Das Sonnenlicht trifft im Treibhaus auf den Boden oder die Pflanzen, welche erwärmt werden. Diese senden nun Infrarotstrahlen aus, aber durch die Treibhausgase werden viele von diesen reflektiert und landen wieder am Boden, statt das Treibhaus zu verlassen.

    Seit Beginn der Industrialisierung ist der CO2-Anteil der Erdatmosphäre von 280 ppm auf 390 ppm angestiegen. Dementsprechend hat sich auch der Treibhauseffekt der Erdatmosphäre erhöht.

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  • Schlagworte Bundesregierung | EU-Kommission | Emissionshandel | Industriebetrieb | Klimapolitik | Kraftwerk
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