Klimadebatte"Total falsche Antworten"

Fritz Vahrenholt irrt: Der Klimawandel ist real. von Günther Bachmann und Klaus Töpfer

Das Kohlekraftwerk Westfalen in Hamm (Archivbild)

Das Kohlekraftwerk Westfalen in Hamm (Archivbild)  |  © Lars Baron/Getty Images

Wir sind keine Klimaforscher. Wir werden deshalb nicht die These kommentieren, der gegenwärtige Kaltzyklus der Sonne lasse die Erderwärmung pausieren, wie Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning behaupten ( ZEIT Nr. 10/12). Uns beschäftigt die politische Folgerung, dass wegen der kalten Sonne auch der Klimaschutz Pause machen soll.

Für eine solche Folgerung ist nicht nur der Zeitraum der Beobachtung zu kurz. Das Auf und Ab von Temperaturverläufen ist zu normal, und obendrein sind extreme Wetterverhältnisse zu häufig. Der seriösen Klimawissenschaft ist all das nicht neu. Dass die vom Menschen gemachten Treibhausgase dem Klima schaden, ist unwidersprochen. Obwohl sich die Erde seit einigen Jahren nicht mehr wie zunächst prognostiziert erwärmt, ist der Klimawandel nicht gestoppt.

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Trotzdem werfen Vahrenholt und Lüning dem Weltklimarat, also einer ganzen Gruppe von Menschen, die vorsätzliche und böswillige Manipulation von wissenschaftlichen Daten und Ergebnissen zum eigenen, niederen Vorteil vor. Als Spitzenmanager im Energiekonzern RWE ist Vahrenholt natürlich selbst nicht frei von eigenen Interessen. Aber dieser einfache Gegenvorwurf ist uns zu billig.

Die Autoren

Günther Bachmann ist Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Klaus Töpfer, Umweltminister a.D., leitet das Institute for Advanced Sustainability Studies

Was steckt hinter dem Pauschalvorwurf von Vahrenholt und Lüning? Er ist kollektiv und anonym und nährt deshalb eine Verschwörungstheorie, die sich gegen Kritik immunisiert. Er kennt nur den Verdacht, nicht die Vergewisserung. Ein solch mutmaßender und nicht mit Beweisen vorgetragener Kollektivvorwurf ist von einer perfiden Wirkung. Er vergiftet die Atmosphäre. Wer so argumentiert, will nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Er blockiert den wissenschaftlichen Disput und das Ziel, den Stand des Wissens weiterzuentwickeln.

Wir kennen das aus der deutschen Energiepolitik, die lange Zeit von einem fast ausschließlich taktischen Umgang mit Wahrheit und Wissen geprägt war. Erst die Ethikkommission Sichere Energieversorgung setzte dem ein Ende. Ihre Empfehlungen verbinden die Rationalität von Argumenten mit Werthaltungen zu den Grundfragen der Zeit. An diesen Standard der Diskussionskultur knüpfen Vahrenholt und Lüning nicht an.

Zugegeben, die Beschwörung eines wissenschaftlichen Konsenses lädt Klimaskeptiker geradezu ein, Verschwörungstheorien zu entwickeln. Denn grundsätzlich wird Wissenschaft nicht durch konsensuale Bestätigung, sondern durch das Widerlegen einer vermeintlichen »Wahrheit« vorangetrieben. Ein Konsens lässt sich auch über sachlich Falsches herstellen, er kann trügerisch sein. Deshalb ist für uns Fritz Vahrenholt nicht einfach ein »Störenfritze«. Aber zur Skepsis gehört mehr, als er liefert.

Der Sonnenzyklus verordne der Erderwärmung eine Pause, die Energiewende nach Fukushima sei deshalb ein Irrweg – das ist die politische Quintessenz des Vahrenholtschen Angriffs auf die Klimawissenschaft. Vorerst, lautet seine Botschaft, könnten Kohle, Öl und Gas einfach weiter genutzt werden. Und natürlich die Atomkraft.

Leserkommentare
  1. Wie erklären Sie dann das hier, das einen deutlichen Anstieg des Energiegehalt der Ozeane zeigt?

    http://www.skepticalscien...

    (Übrigens ein exzellenter Artikel!)

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    ... nur eine der beiden Informationen kann korrekt sein.

    Den Energiegehalt kann man nicht unabhaengig von der Temperatur messen. Da die Temperaturen flach sind, muss irgendjemand bei der Berechnung der Energie aus den Temperatur-Daten an einer 'Korrektur'-Schraube gedreht haben. Der 'exzellente' Artikel geht leider auf diese Frage nicht ein; es gibt keinen Grund, ihn ernst zu nehmen.

  2. ... nur eine der beiden Informationen kann korrekt sein.

    Den Energiegehalt kann man nicht unabhaengig von der Temperatur messen. Da die Temperaturen flach sind, muss irgendjemand bei der Berechnung der Energie aus den Temperatur-Daten an einer 'Korrektur'-Schraube gedreht haben. Der 'exzellente' Artikel geht leider auf diese Frage nicht ein; es gibt keinen Grund, ihn ernst zu nehmen.

    Antwort auf "Nicht flach!"
  3. Ich sehe keine andere Möglichkeit zu der heute akzeptierten Energiediskussion und den damit verbundenen Entwicklungen. Aber gerade deshalb wünsche ich mir eine sachliche Argumentation. Das Thema ist viel zu ernst als das man es leicht nehmen könnte. Zumindest reicht es nicht, wenn man schreibt, die Theorie der Treibhausgase sei unwidersprochen. Dem gerade wird ja widersprochen.
    Es geht doch anscheinend um die energiereiche kurzwellige Strahlung der Sonne die auf der Erdoberfläche in langwellige Wärmestrahlen umgewandelt wird und dann nach außen reflektiert wird.
    Und nun sagen die Klimaschützer, diese Wärmestrahlung wird von CO2 Gasen in der hohen Atmosphäre an der Abstrahlung von der Erde gehindert und deshalb bekommen wir Treibhausgase die alles Aufheizen. Und die Kritiker behaupten, diese CO2 Gase können keine Wärmestrahlen an der Abstrahlung hindern, es heizt sich auch nichts auf.
    Ist soetwas nicht physikalisch zuklären und zu belegen? Ich verliere jeglichen Respekt vor der Wissenschaft.
    Und außerdem - Ganz egal was hier endlich herauskommt:
    --Das sinnlose verheizen endlicher Vorkommen ---
    --das sinnlose Anhäufen von strahlenden Abfällen für 1 Mio Jahre nur damit heute Lichter brennen
    --das Betreiben von Maschinen mit jämmerlichen Wirkungsgraden
    --das Vergeuden von Energie in der Wohnraumheizung

    sind für eine technisch anspruchsvolle Nation nicht zu akzeptieren. Damit müssen wir den eingeschlagenen Weg weitergehen. Ob mit oder ohne Treibhausgase.

  4. Vahrenholt/Lüning haben den Artikel jetzt auf ihrer Webseite kommentiert:

    http://www.kaltesonne.de/...

    Sehr interessant. Es lohnt sich, da mal reinzugucken.

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    wie kann jemand solch einen krude sachverhaltsverzerrenden Titel wählen: "Fritz Vahrenholt irrt: Der Klimawandel ist real."?

    Fehlt hier der notwendige Zugang zum -zugegeben komplexen- Thema so sehr?

    Selbst Herr Latif hat es vor eingen Wochen mal wieder geschafft in wenigen Sätzen die Problematik der Gleichzeitigkeit von geogenen Vorgängen und der Problematik der Einschätzung der anthropogenen Wechselwirkung darzustellen!

    Die Antwort geben die Autoren erfreulicherweise auch gelich selbst:

    "Wer so argumentiert, will nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Er blockiert den wissenschaftlichen Disput und das Ziel, den Stand des Wissens weiterzuentwickeln."

    So viel Selbsterkenntnis darf man leider nicht immer erwarten.

    MfG Karl Müller

  5. wie kann jemand solch einen krude sachverhaltsverzerrenden Titel wählen: "Fritz Vahrenholt irrt: Der Klimawandel ist real."?

    Fehlt hier der notwendige Zugang zum -zugegeben komplexen- Thema so sehr?

    Selbst Herr Latif hat es vor eingen Wochen mal wieder geschafft in wenigen Sätzen die Problematik der Gleichzeitigkeit von geogenen Vorgängen und der Problematik der Einschätzung der anthropogenen Wechselwirkung darzustellen!

    Die Antwort geben die Autoren erfreulicherweise auch gelich selbst:

    "Wer so argumentiert, will nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Er blockiert den wissenschaftlichen Disput und das Ziel, den Stand des Wissens weiterzuentwickeln."

    So viel Selbsterkenntnis darf man leider nicht immer erwarten.

    MfG Karl Müller

  6. Gleich zu Anfang des Artikels wird wieder einmal forsch behauptet,dass die vom Menschen verursachten Treibhausgase den Klimawandel verursachen und diese Behauptung ohne Wiederspruch
    ist. Das ist eine Lüge. Ich gehe mit jedem jede Wette ein, dass keiner der beiden Schreiber diese These beweisen kann. Darüber hinaus gibt es weltweit tausende von Wissenschaftlern, die genau das Gegenteil behaupten. Erinnert sei hier nur an die Oregon-Petition(17.800 Unterzeichner) oder das Leipziger Manifest von 1997.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vorwürfe. Danke, die Redaktion/se

  7. Vahrenholt hat keinen "Pauschalvorwurf" erhoben, sondern auf 400 Seiten detailliert seine Thesen vorgetragen, ausführlich begründet und mit sehr vielen Literaturzitaten belegt. Bachmann und Töpfer haben kein einziges Argument von Vahrenholt widerlegt. Ihre Ausführungen kommen über Polemik nicht hinaus. Wenn die Erderwärmung eine Pause macht, ist auch der Klimawandel zumindest vorerst gestoppt. Diese simple Logik können auch Bachmann und Töpfer nicht außer Kraft setzen. Und die uns so gewährte Pause sollten wir auch nutzen, die wichtigsten offenen wissenschaftlichen Fragen zu klären, bevor wir das risikoreiche und mit einem unsicheren Ausgang verbundene Experiment der totalen Umkrempelung unseres Energiesystems weiter fortsetzen. Der Beitrag von Bachmann und Töpfer ist keinen Deut hilfreich, im Gegenteil, er erschwer mit seiner Polemik höchstens die sachliche Diskussion. Solange sie keine sachlichen Einwände gegen Vahrehnolts Thesen vorbringen können, können sie nicht den Anspruch erheben, Vahrenholt habe sich geirrt und sie wüssten es besser.

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