Liebeskolumne: Soll sie ihm seine Kröten lassen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss er die Haushaltskosten mittragen?
Die Frage: Carla hat sich nach einem Scheidungskrieg mit einem Partner ein neues Leben aufgebaut. Sie wohnt weitab in einem reparaturbedürftigen Bauernhaus, hat ihrer pferdenärrischen Tochter einen Gaul gekauft und plagt sich mit Schulden. Als Felix nach kurzer Bekanntschaft bei ihr einzieht, blüht sie auf: Er ist liebevoll zu der Tochter, und sie haben gemeinsame Interessen. Da Felix sehr gut verdient und sehr bescheiden lebt, hat Carla mit ihm gar nicht über eine Beteiligung am gemeinsamen Haushalt geredet. Sie ist schockiert, als sie bemerkt, dass Felix am liebsten umsonst bei ihr leben würde. Mühsam ringt sie ihm eine geringe Beteiligung an den Haushaltskosten ab. Ein Schatten fällt auf die Beziehung.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wenn Felix einen Untermieter aufgenommen hätte, wäre sicher lange vorher geklärt worden, was an Kosten geteilt werden muss. Carla hat ihre eigene Großzügigkeit in ihn projiziert und ihn einsteigen lassen, ohne den Taxameter einzuschalten. So gewann Felix die Überzeugung, er sei per Anhalter unterwegs. Sie muss also das Taxi stoppen, ihm erklären, dass es ein Taxi ist, und ihm die Wahl erlauben, nun auszusteigen oder mit eingeschaltetem Taxameter weiterzufahren. Für Felix bedeutet gespartes Geld Autonomie und Sicherheit. Die verteidigt er, so gut er kann. Je mehr ungreifbare Ansprüche er von Carla her spürt, desto mehr wird er auch seine Kröten um sich sammeln, um sich zu schützen.
- Die Liebeskolumne
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Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.
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Wer eine partnerschaftliche Beziehung mit einer Taxifahrt vergleicht, geht anscheinend davon aus, dass der eine dem anderen einen Service anbietet, sich dafür bezahlen lässt, austauschbar ist und dass die "Beziehung" zeitlich befristet ist. Wenn dem so ist, sollte Carla sich bemühen, einen möglichst guten Service anzubieten und auf ein dickes Trinkgeld zu hoffen. Mein Verständis von "liebevoller Partnerschaft" ist ein anderes...
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