S-T-A-R-G-A-Y-T-E. Wie ein Versprechen leuchten die Buchstaben in der Nacht. Deutschlands größte Schwulen-Sauna hat sich in einem bürgerlichen Wohngebiet der Leipziger Innenstadt einquartiert, Porsche vor der Tür, Plauener Spitze in den Fenstern. Der Club liegt verborgen in einem Hinterhof. Auf der Einfahrt tritt plötzlich ein Mittdreißiger in Armeehosen und Kapuzenpullover aus der Dunkelheit. "Sie wissen", sagt er, "dass Sie hier nicht reindürfen, oder?"

Dies also ist das Zentrum der schwulen Szene in Leipzig . Das Tor zu einem anderen Stern, wie Starga(y)te salopp übersetzt heißt. Wer es passiert, findet auf 2.600 Quadratmetern Gay-Saunen, ein Gay-Kino, eine Gay-Bar, alles durchgehend geöffnet von freitagmittags bis montagmorgens.

18 Euro kostet der Eintritt. Frauen müssen draußen bleiben. Auch die Presse hat keinen Zutritt. Reporter dürfen den Club nicht mal betreten, wenn dieser nun am Wochenende seinen 15. Geburtstag feiert. Es heißt, die Gäste wollten unter sich bleiben.

Warum, kann man nur erahnen. Wer hier herkommt, sucht Entspannung, in der Sauna oder beim Sex in einer der abschließbaren Kabinen. Und legt keinen Wert darauf, erkannt zu werden.

Leipzig und seine Homosexuellen – das ist eine Geschichte, die lange Zeit vom Wegschauen erzählte. Gleichgeschlechtliche Kontakte unter Erwachsenen sind hier legal, seit die DDR-Volkskammer 1968 den sogenannten Schwulenparagrafen im Strafgesetzbuch kippte, noch vor der BRD.

Der Staat interessierte sich erst dann für Homosexuelle, wenn die sich mit Geschlechtskrankheiten infiziert hatten oder gleiche Rechte forderten. Solange sie nicht weiter auffielen, ließ man sie dort, wo sie sich trafen, in Ruhe. Der bekannteste Ort war eine öffentliche Toilette. Was davon übrig ist, liegt in einem Park im Zentrum der Stadt, vis-à-vis dem Neuen Rathaus. Heute ist es eine Verkehrsinsel, umtost von Autos. Gestrüpp überwuchert Stufen, die hinab in gekachelte Räume führen. "Der Bürgermeister", so wurde diese Klappe spöttisch wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Rathaus genannt.

Wer diesen Ort alter Versteckspiele kennt, dem muss es erst recht wie ein Anachronismus vorkommen, dass sich das Stargayte so sehr verschanzt. Auf seiner Website wirbt das Unternehmen mit Fotos, die halb nackte Männer beim ausgelassenen Flirt in der Sauna oder im Whirlpool zeigen. Doch am Telefon sagt der Betreiber, er müsse seine Kunden vor Reportern schützen. Angeblich sind unter den Kunden auch solche, für die der Himmel erst hinter der Tür zur Gay-Sauna beginnt. Männer, die ein Doppelleben führen. Mehr will er dazu nicht sagen.

In einem Interview mit dem schwul-lesbischen Magazin Gegenpol gibt man sich offener. Dort wird der Geschäftsführer mit den Worten zitiert, es sei noch nie so voll in der Sauna gewesen wie zum Katholikentag oder zum CDU-Parteitag. Namen nennt er keine. Diskretion belebt das Geschäft.