Stilkolumne: Verhüllte Schönheit
Tillmann Prüfer über Schleier

Schleierhut von Fiona Bennett, 460 Euro
Der Schleier der Frau ist heute ein Kleidungsstück, dem man sich kaum noch unvoreingenommen nähern kann. Vielen gilt er als Symbol der Unterdrückung beziehungsweise Unterordnung muslimischer Frauen. Dabei sind allenfalls die extremen Verschleierungen – etwa jene durch die Burka – exklusiv dem Islam vorbehalten. Schon im alten Griechenland und im Römischen Reich trugen die Damen der feinen Gesellschaft als Zeichen des Anstandes einen Schleier über dem Haar. Auch das Christentum hat eine Tradition der Verhüllung. Der Apostel Paulus berichtet davon, dass die Frauen zum Gebet einen Schleier anlegten. Im 14. und 15. Jahrhundert war es üblich, dass die Frauen gehobenen Standes ihre Haare bedeckten. Noch immer tragen Nonnen einen Schleier. Als Brauch hat er sich bis heute auch bei der christlichen Hochzeit erhalten.
Es steht außer Frage, wozu der Schleier ursprünglich erfunden wurde: Die Frau soll angehalten werden, ihre »Reize« zu verbergen, was im doppelten Sinne eine Zumutung ist. Zum einen wird dem weiblichen Körper per se eine Sündigkeit angehängt, die in irgendeiner gottgefälligen Weise zu verbergen ist. Darüber hinaus wird der Frau die Verantwortung zugeschoben für alles, was ihr zustoßen kann, wenn sie ihre »Reize« nicht züchtig verbirgt: männliche Gewalt und Nachstellung nämlich.
Doch auch das reaktionärste Kleidungsstück ist nicht gefeit davor, von der Mode gekidnappt zu werden – so geschieht es derzeit mit dem Schleier. Sowohl Comme des Garçons wie auch Alexander McQueen ließen bei der Präsentation ihrer Sommerkollektion die Models verschleiert auftreten. Eine Mütze mit Halbschleier, entworfen von Raf Simons für Jil Sander, war eines der beliebtesten Accessoires bei den Modenschauen in Mailand. So interpretiert, kann man den Schleier auch anders sehen. Er schafft eine gewisse kühle Distanz und gibt der Frau etwas Geheimnisvolles – etwa wie die Hutschleier in Paris in den vierziger Jahren.
Vielleicht würde es dem Image des Schleiers guttun, wenn man eine andere islamische Tradition, nämlich die der Tuareg, aufnehmen und auch Männer verschleiern würde. Dann herrschte Gerechtigkeit. Und manchem Gesicht stünde das nicht schlecht.











Warum wird immer wieder in hartnäckiger Weise versucht, das muslimische Kopftuch schön zu reden? Weshalb kann einem als aufgeklärter Mensch soviel daran liegen, eine frauenunterdrückende Zurschaustellung so zu beklatschen? Es sind immer wieder die selben unfundierten Vergleiche - fehlte nur noch die Bäuerin, welche ihr Haar ja auch mit einem Kopftuch bedeckt. Die Befürworter dieser Art von Frauenunterdrückung können sich drehen und wenden wie sich möchten, das islamische Kopftuch ist das Symbol für Abgrenzung, das Anzeigen der Verderbtheit und der Sexualität von Frauen, vor welchem sich der muslimische Mann beschützt werden muss. Das muslimische Kopftuch hat garnichts mit Mode zutun - es ist Ausdruck von religiöser und männlicher Macht. Manchem Gesichts stünde es gut an, sich einfach mal schlau zu machen, anstatt permanent derart dümmliche Parolen in die Welt zu entlassen.
Sie alle haben Anspruch auf Ihre eigene Meinung, aber ich finde es unfair anderen Leuten vorzuwerfen sie wollten sich mit ihrer Kleidung den Männern unterwerfen.Das ist doch wohl eher bei den Frauen der Fall, die ihr Aussehen aufwendig verändern um als Sexsymbol zu gelten.
Ihre Polemik ist in der folgenden Auslegung erkennbar:"Die Frau soll angehalten werden, ihre »Reize« zu verbergen, was im doppelten Sinne eine Zumutung ist. Zum einen wird dem weiblichen Körper per se eine Sündigkeit angehängt[...]Darüber hinaus wird der Frau die Verantwortung zugeschoben für alles, was ihr zustoßen kann".Ich verstehe wirklich nicht wo Sie diese beiden Folgerungen her haben, aber der Satz, dass die Frau Ihre Reize bedecken möge sagt nichts von all dem.Es sagt nur, dass der weibliche Körper über Reize verfügt,(die Männer nicht besitzen,)und die verhüllt werden sollten.Es steht natürlich jeder Frau frei Ihre Reize zur Schau zu tragen. Von Frau zu Frau würde ich ihnen jedoch nahe legen, dass es weniger Bewunderer gibt als Menschen, die diese einfach nur ausbeuten wollen.Ob das nun Playboys sind, oder ganze Schönheitsindustrien ist egal.Sie alle beuten den weiblichen Körper aus.Wenn Ihnen das Kopftuch so verhasst ist, dann brauchen Sie die Menschen darunter nicht anzugreifen.Wenn das Kopftuch reaktionär sein soll dann nehme ich an ist die Bademode fortschrittlich?!Natürlich, denn was wäre schon Germany's next Topmodel ohne halbnackte (teils minderjährige) Schönheiten, deren Würde für die Quot
für die Quoten mit Füßen getreten wird? Ohne die Bademode wäre diese Show ja kein Fortschritt mehr, richtig?! Ich gratuliere. Das ist nur ein kleines Stück Stoff aber ein großer Schritt für die Menschheit!!!
Okay, das Schlüsselwort "Islam" ist gefallen. Was folgen wird sind gefühlt 150 Kommentare von Neurechten (sich selbst Humanisten nennend), die wieder den Untergang des Abendlandes beschwören, weil ein feulletonistischer Beitrag zu einem auf Trauerfeiern längst üblichen schwarzen Netz verfasst wurde. Auf der anderen Seite werden Linke und andere Brandreden über das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit und ungestörter Religionsausübung schreiben und nicht begreifen, dass es besser wäre, ab und an mal Sachen unkommentiert zu lassen. Dann würden nur noch vier bis fünf ziemlich krude Kommentare einsam rumstehen.
Das Äquivalent zur Verschleierung der Frau bei Männern ist doch bereits seit Dekaden hier normativer Standard:
Weitgeschnittene, körperferne Kleidung die körperliche sexuelle Trigger des Mannes (Gemächt, Gesäß, Bauchbereich) bestmöglich verhüllen sollen.
Man vergleiche die männliche Normkleidung heute doch nur mal mit der von vor 200 Jahren. Oder kennt jemand noch die Schamkapsel als altzeitliches Äquivalent zum Push-up-BH? Oder Strumpfhosen und Ballerinas für Männer?
Der misandrische Mainstream könnte jetzt natürlich als Antwort herumätzen, das sei "besser so, da Männer grundsätzlich hässlich sind und nur deren Brieftasche interessant".
So wie ja auch Herr Prüfer sich nicht zu schade ist, Männern das Gesicht abzusprechen.
Diese Ätzerei würde aber halt auch vice versa gelten. (Es ist weniger Frauen gegeben, hauteng und knapp bekleidet "sexy" zu wirken, als diese selber denken).
Und es würde von der eigentlichen Ursache ablenken: Der Frauenkörper per se ist heutzutage extrem fetischisiert. Ob Burka oder hautenge Leggings bei denen man äussere und innere Schamlippen unterscheiden kann, beides sind zwei Pole derselben Übersexualisierung.
Vielen Dank für Ihren Beitrag! Finde ich sehr objektiv und vor allem interessant, was Sie sagen, denn so habe ich das auch noch nie betrachtet.
Aber wenn Sie sagen dass Burka die Frau sexualisiert ebenso wie hautenge Leggins, dann verstehe ich das. Aber würden Sie das beim Kopftuch auch sagen? was die ganz-Körper Burka angeht stimme ich ihnen zu, (obwohl ich trotzdem ein Burka-Verbot für die falsche Herangehensweise halte). Schließlich kleiden sich nicht alle westlichen Frauen im sexy-Stil. Es gibt schließlich auch die Goldene Mitte. Sowohl westliche als auch islamische Frauen treffen diese. und ob eine frau nun unterdrückt und benutzt wird, das kommt schließlich auf die Frau selbst an. Wenn eine Frau kein Selbstwertgefühl hat und es sich gefallen lässt dann wird sie einen mann finden der es ausnutzt.
Vielen Dank für Ihren Beitrag! Finde ich sehr objektiv und vor allem interessant, was Sie sagen, denn so habe ich das auch noch nie betrachtet.
Aber wenn Sie sagen dass Burka die Frau sexualisiert ebenso wie hautenge Leggins, dann verstehe ich das. Aber würden Sie das beim Kopftuch auch sagen? was die ganz-Körper Burka angeht stimme ich ihnen zu, (obwohl ich trotzdem ein Burka-Verbot für die falsche Herangehensweise halte). Schließlich kleiden sich nicht alle westlichen Frauen im sexy-Stil. Es gibt schließlich auch die Goldene Mitte. Sowohl westliche als auch islamische Frauen treffen diese. und ob eine frau nun unterdrückt und benutzt wird, das kommt schließlich auf die Frau selbst an. Wenn eine Frau kein Selbstwertgefühl hat und es sich gefallen lässt dann wird sie einen mann finden der es ausnutzt.
ich möchte noch hinzufügen dass eine, nicht (mehr) unserer Mode entsprechender Kleidungsstil nicht überinterpretiert werden sollte.
Auch in Deutschland war es vor wenigen Jahrzehnten üblich dass Frau, genau so wie der Mann eine Kopfbedeckung trug. Mein Grossvater ist so gut wie nie ohne seinen Hut vor die Türe gegangen, einfach weil er das so von seiner Jugend kannte und beibehalten hat. Früher war man erst mit Hut oder Kopftuch richtig angezogen.
Damit möchte ich nur darauf hinweisen dass eine Kopfbedeckung kein Unterdrückungsinstrument oder Sexualisierungselement oder sonst etwas ist.
Was man allerdings in der Kleidung erkennen möchte ist kulturell bedingt und tatsächlich heute viel zu sehr fetischisiert(besonders bei Frauen) und dies gefällt mir nicht.
Vielen Dank für Ihren Beitrag! Finde ich sehr objektiv und vor allem interessant, was Sie sagen, denn so habe ich das auch noch nie betrachtet.
Aber wenn Sie sagen dass Burka die Frau sexualisiert ebenso wie hautenge Leggins, dann verstehe ich das. Aber würden Sie das beim Kopftuch auch sagen? was die ganz-Körper Burka angeht stimme ich ihnen zu, (obwohl ich trotzdem ein Burka-Verbot für die falsche Herangehensweise halte). Schließlich kleiden sich nicht alle westlichen Frauen im sexy-Stil. Es gibt schließlich auch die Goldene Mitte. Sowohl westliche als auch islamische Frauen treffen diese. und ob eine frau nun unterdrückt und benutzt wird, das kommt schließlich auf die Frau selbst an. Wenn eine Frau kein Selbstwertgefühl hat und es sich gefallen lässt dann wird sie einen mann finden der es ausnutzt.
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