Geo-Engineering"Falsch plus falsch ist nicht gleich richtig"

Dem Klimawandel mit mehr Technik zu begegnen, löst das Problem nicht. Ein Gespräch mit dem Meteorologen Alan Robock über Chancen und Risiken des Geo-Engineerings. von 

DIE ZEIT: Geo-Ingenieure wollen die globale Erwärmung aufhalten, indem sie ins Klimasystem eingreifen . Wie soll das konkret gelingen?

Alan Robock: Ein Vorschlag lautet, künstliche Wolken in der Stratosphäre zu erzeugen, also in der Schicht oberhalb der Troposphäre, in der wir leben. Diese Wolken würden einen Teil der Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren, die Erdoberfläche würde etwas abkühlen. Man bringt dazu Schwefeldioxid oder Schwefelwasserstoff in die Stratosphäre ein, wo das Gas mit Wasserdampf reagiert und winzige schwefelhaltige Tröpfchen bildet. Dieselben Folgen haben manche Vulkanausbrüche. Man würde also Vulkane imitieren, aber die Wolkenschicht kontinuierlich aufrechterhalten. Der Himmel wäre dann nicht mehr blau, sondern milchig.

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ZEIT: Wie transportiert man Schwefeldioxid in eine 20 Kilometer hohe Luftschicht?

Robock: Am billigsten und einfachsten wäre es wohl, es mit Flugzeugen zu versprühen. Militärflugzeuge können heute schon die untere Stratosphäre erreichen. Ein paar Tonnen Schwefel dort zu deponieren würde einige Milliarden Dollar kosten – ein kleiner Posten für die Weltwirtschaft.

ZEIT: Und wie stark könnte man die Erde auf diese Weise abkühlen?

Alan Robock

war einer der Hauptautoren des letzten Berichts des Weltklimarats. Er ist Professor für Meteorologie an der Rutgers University in New Jersey und wurde durch seine Arbeiten zu den klimatischen Folgen von Vulkanausbrüchen und möglicher Atomkriege bekannt.

Robock: Man könnte damit theoretisch die globale Erwärmung, die die Menschheit durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursacht hat, rückgängig machen .

ZEIT: Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die Erdtemperatur regeln können wie die Temperatur in einem Kühlschrank?

Robock: Nein. Niemand hat in der Praxis gezeigt, dass dies überhaupt möglich ist. Selbst wenn es funktionieren würde: Wer soll entscheiden, auf welche Temperatur wir die Erde einstellen?

ZEIT: Wir würden zwei Grad abregeln, also auf die Durchschnittstemperatur gehen, die vor der Industrialisierung herrschte.

Robock: Manche wollen den Stand von 1880, andere den von 1980, wieder andere wollen die aktuelle Temperatur beibehalten. Wer soll das entscheiden?

ZEIT: Die Vereinten Nationen .

Robock: Die UN ? Und wenn Russland und Kanada es ein paar Grad wärmer haben wollen? Sie könnten Bodenschätze der Arktis ausbeuten und müssten weniger Geld fürs Heizen ausgeben, auch ihre Landwirtschaft würde profitieren. Was, wenn Inselstaaten im Pazifik es ein paar Grad kühler haben wollen, weil sie schon jetzt vom Untergang bedroht sind? Wer soll das entscheiden? Selbst reiche Unternehmer könnten das Klima verändern, Richard Branson zum Beispiel, der besitzt viele Flugzeuge. Es drohen gefährliche Konflikte zwischen den Nationen. Stellen Sie sich vor, ein Land fängt mit dem Geo-Engineering an und ein anderes schießt die Flugzeuge ab.

Leserkommentare
  1. Welche Temperatur soll das denn auch sein? Die Durchschnittstemperatur der letzten 100 Jahre davor? Oder der letzten 1000 Jahre davor? So konstant war die Temperatur auch in dieser Zeit davor nicht.

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    • joG
    • 16. März 2012 20:19 Uhr

    ...da war das Klima waermer als heute.

  2. hybris-faktor angeht, wuerde ich solche experimente durchaus dem holocaust ebenbürtig sehen.
    solange es in Batagaj aktuell -43 Grad ist , vorgestern
    -49 Grad und sogar in Nairobi/Kenia isses izzo nur schlappe 25 Grad. Wieso soll man da kühlen ?

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    • PGMN
    • 16. März 2012 19:12 Uhr

    ...welche der Umsetzung solcher Ideen eher widersprechen würden, wäre in erster Linie die Überlegung, dass die Risiken momentan die Vorteile überwiegen. Aber eines sei gesagt: "Hybris" ist kein Argument, schließlich galt es vor einigen hundert Jahren auch als solche, dass Menschen fliegen wollten.

    Weiterhin: Wen interessieren die aktuellen Temperaturen an irgendwelchen Orten auf dem Planeten? Wenn ich Ihnen sage, dass lokal in einem Backofen eine Temperatur von 200 C herrscht, wären Sie dann für Geoengineering? Oder ab welcher Temperatur (und wo, an welchem Wochentag) wäre es Ihnen denn "zu heiß"?

    Einen Godwin-Award bekommen Sie natürlich auch noch. Auch wenn ich den Vergleich für ziemlich merkwürdig halte, schließlich war es wohl kaum die "Hybris", die das Schlimme am Holocaust darstellte.

    Kurz: Ihr Kommentar ist "underwhelming".

  3. Was mich viemehr beunruhit, ist ob Geo-Engineering nicht auch als Waffe eingesetzt werden kann. Was wäre, wenn man das Wetter gezielt über einem land beeinflussen könnte, und z.B. 4 Wochen Dauerregen oder 6 Monate Dürre verursachen könnte?

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    ...denn Geoingeneering,wird von militärischen Institutionen gefördert und ob es dem Militär dabei um die Rettung der Welt vor dem Klimakollaps geht, kann wohl bezweifelt werden.

    • PGMN
    • 16. März 2012 19:12 Uhr

    ...welche der Umsetzung solcher Ideen eher widersprechen würden, wäre in erster Linie die Überlegung, dass die Risiken momentan die Vorteile überwiegen. Aber eines sei gesagt: "Hybris" ist kein Argument, schließlich galt es vor einigen hundert Jahren auch als solche, dass Menschen fliegen wollten.

    Weiterhin: Wen interessieren die aktuellen Temperaturen an irgendwelchen Orten auf dem Planeten? Wenn ich Ihnen sage, dass lokal in einem Backofen eine Temperatur von 200 C herrscht, wären Sie dann für Geoengineering? Oder ab welcher Temperatur (und wo, an welchem Wochentag) wäre es Ihnen denn "zu heiß"?

    Einen Godwin-Award bekommen Sie natürlich auch noch. Auch wenn ich den Vergleich für ziemlich merkwürdig halte, schließlich war es wohl kaum die "Hybris", die das Schlimme am Holocaust darstellte.

    Kurz: Ihr Kommentar ist "underwhelming".

    Antwort auf "also was den"
  4. gezielte Injektionen (wie bspw. auch das fracking) helfen uns und unseren Kindern (für die wir derzeit große Rettungsschirme aufspannen).

    Danke, helfen Sie bitte auch alle mit bzw. stimmen Sie bei der nächsten Wahl

    FÜR DIE OPTIMIERUNG DER NATÜRLICHEN RESSOURCEN.

    Weitermachen wie gehabt. Es gibt auch Doofe, die zur Klimaverbesserung auf Dinge
    verzichten: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,710622,00.html

    aber: was bringt uns ein Verzicht?

  5. künstlichen Wolken sollte man vorsichtig sein. Zuletzt sind ja die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ceX-OWMueZw&feature=related">Dinosaurier</a> mit diesem Vorhaben grandios gescheitert... ☺

  6. Die Leute die diese Wolken sehen sind doch allesamt Spinner?

    Die Sonne macht die Erde warm und einige meinen einmal etwas exoerimentieren zu können, man schaue sich diese Tierexperimente in Australien an!

    • joG
    • 16. März 2012 20:19 Uhr

    ...da war das Klima waermer als heute.

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