DIE ZEIT: Geo-Ingenieure wollen die globale Erwärmung aufhalten, indem sie ins Klimasystem eingreifen . Wie soll das konkret gelingen?

Alan Robock: Ein Vorschlag lautet, künstliche Wolken in der Stratosphäre zu erzeugen, also in der Schicht oberhalb der Troposphäre, in der wir leben. Diese Wolken würden einen Teil der Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren, die Erdoberfläche würde etwas abkühlen. Man bringt dazu Schwefeldioxid oder Schwefelwasserstoff in die Stratosphäre ein, wo das Gas mit Wasserdampf reagiert und winzige schwefelhaltige Tröpfchen bildet. Dieselben Folgen haben manche Vulkanausbrüche. Man würde also Vulkane imitieren, aber die Wolkenschicht kontinuierlich aufrechterhalten. Der Himmel wäre dann nicht mehr blau, sondern milchig.

ZEIT: Wie transportiert man Schwefeldioxid in eine 20 Kilometer hohe Luftschicht?

Robock: Am billigsten und einfachsten wäre es wohl, es mit Flugzeugen zu versprühen. Militärflugzeuge können heute schon die untere Stratosphäre erreichen. Ein paar Tonnen Schwefel dort zu deponieren würde einige Milliarden Dollar kosten – ein kleiner Posten für die Weltwirtschaft.

ZEIT: Und wie stark könnte man die Erde auf diese Weise abkühlen?

Robock: Man könnte damit theoretisch die globale Erwärmung, die die Menschheit durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursacht hat, rückgängig machen .

ZEIT: Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die Erdtemperatur regeln können wie die Temperatur in einem Kühlschrank?

Robock: Nein. Niemand hat in der Praxis gezeigt, dass dies überhaupt möglich ist. Selbst wenn es funktionieren würde: Wer soll entscheiden, auf welche Temperatur wir die Erde einstellen?

ZEIT: Wir würden zwei Grad abregeln, also auf die Durchschnittstemperatur gehen, die vor der Industrialisierung herrschte.

Robock: Manche wollen den Stand von 1880, andere den von 1980, wieder andere wollen die aktuelle Temperatur beibehalten. Wer soll das entscheiden?

ZEIT: Die Vereinten Nationen .

Robock: Die UN ? Und wenn Russland und Kanada es ein paar Grad wärmer haben wollen? Sie könnten Bodenschätze der Arktis ausbeuten und müssten weniger Geld fürs Heizen ausgeben, auch ihre Landwirtschaft würde profitieren. Was, wenn Inselstaaten im Pazifik es ein paar Grad kühler haben wollen, weil sie schon jetzt vom Untergang bedroht sind? Wer soll das entscheiden? Selbst reiche Unternehmer könnten das Klima verändern, Richard Branson zum Beispiel, der besitzt viele Flugzeuge. Es drohen gefährliche Konflikte zwischen den Nationen. Stellen Sie sich vor, ein Land fängt mit dem Geo-Engineering an und ein anderes schießt die Flugzeuge ab.