EnergiesparenEinfach dichtgemacht

Früher hässlicher Betonklotz, heute strahlendes Vorbild: In Freiburg steht "Buggi 50", das erste energetisch sanierte Passivhochhaus der Welt. von Claudia Füßler

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Das Hochhaus Buggi 50 in der Bugginger Straße in Freiburg.  |  © Freiburger Stadtbau

Sie hätten es auch einfach abreißen können. 16 Stockwerke, mehr als 40 Jahre alt, die 45 Meter hohe Fassade verblasst in tristen Grau- und Grüntönen, dazu ein Energieverbrauch, der einer Ökostadt absolut unwürdig war: Das Hochhaus " Bugginger Straße 50 " im Freiburger Westen war ein hässlicher, ineffizienter Klotz. Ein Klotz aus einer anderen Zeit. Ins Heute passte er schlecht, und in das Modernisierungsprogramm der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Freiburger Stadtbau ( FSB ) passte er so gar nicht. Denn die will bis 2020 rund 1.300 Wohnungen im Stadtviertel Weingarten energetisch sanieren. Da schien der Gedanke, den Beton-Dino einfach dem Erdboden gleichzumachen und neu zu bauen, zunächst der vernünftigste.

Aber: So ein Hochhaus abzureißen kostet Geld, frisst Energie und produziert Unmengen von Bauschutt. Und das in einer ökologischen Vorzeigestadt ? Wo die Mieten fast Großstadtniveau erreichen? In der seit Jahren akute Wohnungsnot herrscht? Da musste sich doch aus mehr als 7.000 Quadratmetern Wohnfläche noch etwas Brauchbares machen lassen. Zum Beispiel der Beweis, dass alte Betonklötze zu modernen Passivhochhäusern umgerüstet werden können.

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Das gab es nämlich noch nirgends, und so wurde aus dem Abrisskandidaten ein Pionierprojekt. Die Stadtbau beantragte Fördermittel bei Kommune, Bund und Land, im August 2009 begann der Umbau.

Freiburger Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler und Bauherren sind seit Ende der siebziger Jahre Vorreiter im energetischen Sanieren. "Bei unserem ersten Projekt, einem Solarhaus, haben wir noch die Fenster extra klein gemacht, um Energie zu sparen", erinnert sich der Architekt Manfred Börsig. Er ist Technischer Leiter der Stadtbau und routiniert darin, die Vorzüge energiesparender Bauten zu präsentieren. Doch der Stolz ist ihm anzusehen, wenn er durch das neue "Buggi 50" führt, das weltweit erste Hochhaus, das nach dem Passivhausstandard saniert worden ist. Für jeden Fachmann klingen die Zahlen, die er dabei referiert, beeindruckend: Der Heizwärmebedarf konnte von jährlich 68 Kilowattstunden pro Quadratmeter auf 15 gesenkt werden. Das seien fast 80 Prozent weniger Heizenergie, sagt Börsig. "Und es werden 57 Tonnen weniger CO₂ ausgestoßen."

Um solche Werte erzielen zu können, musste das Hochhaus einmal komplett entkernt werden. Das heißt: Mehr als nackte Wände und Decken gab es zwischenzeitlich nicht zu sehen. Jetzt ist das Buggi 50 fertig. Außen springen zunächst die farbigen Balkonverkleidungen in Grün, Oliv und Blaugrau ins Auge. Innen ist es kleinteiliger geworden, der Bauherr hat "die Grundrisse den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst": Statt wie früher 90 Familienwohnungen mit 3 bis 4 Zimmern, gibt es nun 139 kleinere Wohnungen. Das hilft sicher beim Vermieten.

Leserkommentare
  1. mit kleinen Wohnungen leben zu können? Habe ich die m²-Preise oder gar die Gesamtpreise für eine Musterwohnung mit x-m² überlesen?

    Auf der verlinkten Seite des Unternehmens fand ich auch nichts.

    Ich lese Werte, Daten, Gesamtkosten und die Aussage, dass man kleinere als 3-4-Zimmer-Wohnungen baute, um sie zu vermieten?

    Geht es also um Studentenappartements oder etwas in die Richtung?

    5 Leserempfehlungen
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    • serins
    • 18. März 2012 12:22 Uhr

    auch nicht wissen. Denn dann würde sich das genauso als Investitionsruine entpuppen, wie das gestern hier vorgestellte E Auto von Nissan für 37k Euro.

    Auch wäre mal in 3-5 Jahren spannend zu lesen, wieviel Nacharbeiten oder besser Renovierungen zu machen sind oder bereits gemacht wurden.

  2. Sie hätten es abreißen sollen. Das Wohnen in solchen Stapel-Bunkern macht aggressiv und ist im Grunde nicht menschenwürdig. Ganz davon abgesehen, dass der grüne Anstrich das Ding auch nicht schöner macht.

    Warum Dämmung "dicht" sein soll, erschließt sich mir so irgendwie nicht. Normalerweise will man das Gegenteil.

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    • oh.stv
    • 18. März 2012 11:31 Uhr

    Ich weiss zwar nicht woher sie die Information haben, dass man normalerweise undichte Dämmungen haben will, aber soweit ich weiss wird (übrigens nicht nur in Passivhäusern) durch eine nahtlose Wärmedämmung die entstehung sog. Kältebrücke bzw Wärmebrücken verhindert.

    @8.

    Arbeiten sie nur Nachts, und verlassen nie ihre Wohung, oder wie kann ich ihren Kommentar vestehen?

    • Netiew
    • 18. März 2012 10:05 Uhr

    der Maßnahme betragen ziemlich genau 100 Tsd € pro Wohnung.
    Mal angenommen die Hälfte davon sind Modenisierungsmaßnahmen würden die, mit den üblichen 7% Mietumlage, einen Mietkostenanteil von 3500 € pro Jahr und Wohnung ergeben. Auf die Miete pro qm ergibt sich darasus ein Anteil, der über 5 € liegen dürfte.

    Eine Leserempfehlung
  3. eine Freundin von mir wohnte im Buggi - damals, Mitte bis Ende der 90er. Es war damals ein Geheimtip fuer sehr guenstige Mieten bei guter Anbindung zur Uni - und die Wohnungen waren in besserem Zustand, als in so manchem Altbau-WG Zimmer in der Wiehre oder im Stuehlinger, wo immer alle hinwollten.

  4. in Freiburg diese kleinen Wohnungen bekommt? Sondern dass das der Anteil an Renovierung nach dieser Rechnung wäre, der auf die Miete drauf käme?

    Oder irre ich?

    Was das ganze dann kostet und auch was der Mieter an Nebenkosten zur Miete dazu zu erwarten hat, würde mich trotz dieser netten, kleinen Rechnung, die mir nichts sagt, noch interessieren, da ich es nicht anderes raus bekommen kann, obwohl ich den Links folgte.

    2 Leserempfehlungen
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    ... sind generell wahnsinnig hoch - daher wuerde, selbst wenn man ihnen einen Preis nennt, dieser noch nichts darueber aussagen, wieviel Miete man fuer eine aehnliche Wohnung woanders zahlen muesste. Andererseits nehme ich an, dass gerade weil Wohnungen in Freiburg so knapp sind und daher entsprechend hohe Mieten erzielen kann, es sich finanziell gelohnt hat, so ein Projekt umzusetzen. In Chemnitz oder Duisburg wuerde es sich vermutlich nicht auszahlen... aber wie och immer - ist doch immer noch besser als abreissen - es wird ja schliesslich niemand gezwungen, darin zu wohnen.

    offensichtlich Milchmädchenrechnung. Die Frage ist eher eine andere.

    • Ron777
    • 18. März 2012 10:28 Uhr

    Einen Altbau kann man wohl schön mit Styropor bekleben, doch am Ende bleibt er ein hässlicher Mängelkasten. Die Energieeinsparungen wurden zudem durch extrem hohe und letztendlich unwirtschaftliche Nachrüstkosten erreicht. Der Wohnwert bleibt weiterhin beschränkt, besonders was die veraltete Raumaufteilung, die Hellhörigkeit und die Balkone angeht. Im Endeffekt ist dieses Projekt wieder eine Investitionsruine, ein Fehlkonstrukt, ein großer Irrtum der Geschichte. Aber wenigstens hatten ein paar Wissenschaftler und Ingeneure ihren Spaß und konnten sich einen Namen machen. Toll! Um die Bewohner ging es ja letztendlich gar nicht. Die wären sicherlich lieber in einen hellen Neubau mit allen Annehmlichkeiten umgegezogen. Wir, die Allgemeinheit, dürfen uns jetzt die nächsten 30 Jahre diesen Schandbau weiter angucken und dabei still verzweifelt spekulieren, wieviel auch an unseren Steuergeldern in disen Bau an Subventionen hineingeflossen sind.

    Acht, an der Schule meiner Tocher läuft gerade auch so ein tolles Projekt. Dort wird mit Unterstützung der Uni LED-Licht installiert. Auch hier geht es nicht um die Kinder, die nun in blauem Kaltlicht die nächsten Jahre ihrer Schulzeit verbringen sollen, sondern um die tollen Einsparmöglichkeiten, das Renome einer Projektschule und den Namen eines Herrn Wissenschaftlers. Großes Kino überall!

    9 Leserempfehlungen
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    Ich glaube Sie haben den Artikel nicht richtig gelesen. Die Raumaufteilung wurde neu konzipiert (und mit neuen Zwischenwänden gehe ich auch von einer verbesserten Schallisolierung aus), die Balkone sind ebenfalls neu, und wenn Sie sich auf dem Bild die Fensterflächen ansehen, kann ich mir kaum einen helleren Neubau vorstellen...
    Und natürlich verlangen neue Ideen erstmal nach hohen Investitionskosten, es wäre interessant gewesen zum Vergleich die Kosten für Abriss/Neubau zu lesen. Immerhin ist das Konzept übertragbar und da dann wohl auch günstiger umzusetzen (da nicht mehr neu entwickelt werden muss).
    Ich habe selbst schon in einem solchen Hochhaus gewohnt, das muss man schon wollen, aber ansonsten: Hut ab, gutes Konzept in Städten mit Wohnraum-Problem!

    • oh.stv
    • 18. März 2012 17:17 Uhr

    Ja, erstmal lesen .... dann meckern.
    Finde das Konzept auch klasse. Hätten sie das ding abgerissen, wärs wahrscheinlich auch nicht recht gewesen. Immerhin ist das ein weg diese alten Plattenbauten zu modernisieren.

    • Netiew
    • 18. März 2012 10:47 Uhr

    50 Kilowattstunden Enegieeinsparung pro qm im Jahr bedeuten nach derzeitigen Energiekosten (Öl/Gas) maximal 40 Ct pro qm im Monat.
    Die Modernisierungsumlage würde normalerweise (ohne Förderungszuschüsse) mehr als das 10-fache betragen.

    3 Leserempfehlungen
    • gquell
    • 18. März 2012 10:47 Uhr

    Hat sich eigentlich einer dieser Energiesparapologeten schon einmal Gedanken über die gesundheitlichen Folgen der absoluten Abdichtung dieser Häuser gemacht?
    Wir Menschen benötigen sich ändernde Umweltbedingungen, um unser Immunsystem zu aktivieren. In einer ständig gleichbleibenden Umgebung wird unser Immunsystem geschwächt, d.h. wir werden mit Sicherheit öfter krank. Wenn wir jetzt noch Energiesparlampen oder LED-Lampen dazunehmen, die ebenfalls unser Immunsystem negativ beeinflussen, könnte man meinen, die Energiesparer wollen die Gelder von den Energiekosten in das Gesundheitswesen umleiten.
    In meinem Büro habe ich die Energiesparlampen wieder durch Halogenstrahler ergänzt. Mit Energiesparlampen allein war ich ständig müde, meine Sehfähigkeit ließ nach und ich fühlte mich einfach unwohl. Jetzt verbrauche ich zwar mehr Strom, aber die Leistungsfähigkeit ist deutlich besser, ich spüre das Licht als Wärme!

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    wird man krank. Meine Fresse, man kann es mit sinnfreien Behauptungen ohne eine einzige vernünftige Quelle auch übertreiben.

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