Das Hochhaus Buggi 50 in der Bugginger Straße in Freiburg. © Freiburger Stadtbau

Sie hätten es auch einfach abreißen können. 16 Stockwerke, mehr als 40 Jahre alt, die 45 Meter hohe Fassade verblasst in tristen Grau- und Grüntönen, dazu ein Energieverbrauch, der einer Ökostadt absolut unwürdig war: Das Hochhaus " Bugginger Straße 50 " im Freiburger Westen war ein hässlicher, ineffizienter Klotz. Ein Klotz aus einer anderen Zeit. Ins Heute passte er schlecht, und in das Modernisierungsprogramm der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Freiburger Stadtbau ( FSB ) passte er so gar nicht. Denn die will bis 2020 rund 1.300 Wohnungen im Stadtviertel Weingarten energetisch sanieren. Da schien der Gedanke, den Beton-Dino einfach dem Erdboden gleichzumachen und neu zu bauen, zunächst der vernünftigste.

Aber: So ein Hochhaus abzureißen kostet Geld, frisst Energie und produziert Unmengen von Bauschutt. Und das in einer ökologischen Vorzeigestadt ? Wo die Mieten fast Großstadtniveau erreichen? In der seit Jahren akute Wohnungsnot herrscht? Da musste sich doch aus mehr als 7.000 Quadratmetern Wohnfläche noch etwas Brauchbares machen lassen. Zum Beispiel der Beweis, dass alte Betonklötze zu modernen Passivhochhäusern umgerüstet werden können.

Das gab es nämlich noch nirgends, und so wurde aus dem Abrisskandidaten ein Pionierprojekt. Die Stadtbau beantragte Fördermittel bei Kommune, Bund und Land, im August 2009 begann der Umbau.

Freiburger Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler und Bauherren sind seit Ende der siebziger Jahre Vorreiter im energetischen Sanieren. "Bei unserem ersten Projekt, einem Solarhaus, haben wir noch die Fenster extra klein gemacht, um Energie zu sparen", erinnert sich der Architekt Manfred Börsig. Er ist Technischer Leiter der Stadtbau und routiniert darin, die Vorzüge energiesparender Bauten zu präsentieren. Doch der Stolz ist ihm anzusehen, wenn er durch das neue "Buggi 50" führt, das weltweit erste Hochhaus, das nach dem Passivhausstandard saniert worden ist. Für jeden Fachmann klingen die Zahlen, die er dabei referiert, beeindruckend: Der Heizwärmebedarf konnte von jährlich 68 Kilowattstunden pro Quadratmeter auf 15 gesenkt werden. Das seien fast 80 Prozent weniger Heizenergie, sagt Börsig. "Und es werden 57 Tonnen weniger CO₂ ausgestoßen."

Um solche Werte erzielen zu können, musste das Hochhaus einmal komplett entkernt werden. Das heißt: Mehr als nackte Wände und Decken gab es zwischenzeitlich nicht zu sehen. Jetzt ist das Buggi 50 fertig. Außen springen zunächst die farbigen Balkonverkleidungen in Grün, Oliv und Blaugrau ins Auge. Innen ist es kleinteiliger geworden, der Bauherr hat "die Grundrisse den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst": Statt wie früher 90 Familienwohnungen mit 3 bis 4 Zimmern, gibt es nun 139 kleinere Wohnungen. Das hilft sicher beim Vermieten.