PG Elektrus © Hersteller

Erst mal Vorschuss-Sympathie für ein Unternehmen, das sich Pimp Garage nennt: Die in Regensburg ansässige Firma frisierte zunächst Fahrräder und entwickelte dann eigene Cruising-Bikes mit langen Gabeln, deren Formensprache an Motorräder erinnert. Dann kamen Elektro-Bikes hinzu, die auch beinah so schnell fuhren. Vom Fahrrad zum Auto war es nur noch ein weiterer Schritt.

Als Manuel Ostner, Inhaber der Pimp Garage, einen der Prototypen vorführt, schaukeln die Kurbeln der Fenster noch etwas locker, und einzelne Kabel lugen hervor. Kippschalter mit Schutzkappen sollen an das Cockpit eines Kampfjets erinnern. Der Startknopfliegt unter einer roten Haube, »wie bei einer Interkontinentalrakete«, sagt Ostner. Ganz so weit kommt man mit dem PG Elektrus nicht: 350 Kilometer Reichweite sind möglich, bei besonnener Fahrweise. Basis ist ein Lotus Elise, der bis auf das Fahrwerk demontiert wird. Dann wird gepimpt.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Ostner hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen, als ich mich in den Schalensitz zwänge. Ich komme nicht ans Gas-, pardon: Strompedal. Ich drücke das Knie gegen die Mittelkonsole, kippe den Fuß nach rechts, dann kann ich mit der Schuhspitze am Pedal zupfen. Gleichzeitig muss ich aufpassen, mich nicht mit dem Bremspedal zu verheddern. Ab einer gewissen Preisklasse zahlt man immer mehr, um immer weniger Auto zu bekommen. Dass es in einem Rennwagen unbequem ist – Ehrensache. Servolenkung? Natürlich nicht.

Berliner Berufsverkehr. Regen. Die schießschartenschmalen Scheiben beschlagen. Keine optimalen Rennbedingungen. Während wir im Stau stehen, zeigt Ostner auf seinem iPhone ein Video von einem Rennen. Da hängt der Elektrus einen Porsche 911 ab. Wenn man das Pedal bis zum Boden tritt, surrt der Motor wie irgendwas aus Star Wars , der Schub erinnert in der Tat an ein startendes Flugzeug. Das macht Spaß, tut aber auch weh. Jede Bodenwelle, jeder Zebrastreifen wird millimetergenau an die Wirbelsäulen der Insassen weitergegeben. Ist es nicht das, was den sogenannten Motorsport ausmacht: tollkühne Männer in rasenden Kisten auf der Suche nach Grenzerfahrungen? Die Grenze ist nach einer Stunde auch physisch erreicht. Als ich mich aus der Kabine falte, frage ich mich, ob es wirklich Leute gibt, die sich diese Comic-Fantasie in die Garage stellen. Es gibt sie. Pro Monat werden ein bis zwei Exemplare gebaut. Auf Bestellung.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 223 kW (303 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 3,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 0 g/km
Durchschnittsverbrauch: 15,1 kWh/100 km
Basispreis: 285.600 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor