PG ElektrusUnter Starkstrom

Ralph Geisenhanslüke fährt den PG Elektrus von Ralph Geisenhanslüke

PG Elektrus

PG Elektrus  |  © Hersteller

Erst mal Vorschuss-Sympathie für ein Unternehmen, das sich Pimp Garage nennt: Die in Regensburg ansässige Firma frisierte zunächst Fahrräder und entwickelte dann eigene Cruising-Bikes mit langen Gabeln, deren Formensprache an Motorräder erinnert. Dann kamen Elektro-Bikes hinzu, die auch beinah so schnell fuhren. Vom Fahrrad zum Auto war es nur noch ein weiterer Schritt.

Als Manuel Ostner, Inhaber der Pimp Garage, einen der Prototypen vorführt, schaukeln die Kurbeln der Fenster noch etwas locker, und einzelne Kabel lugen hervor. Kippschalter mit Schutzkappen sollen an das Cockpit eines Kampfjets erinnern. Der Startknopfliegt unter einer roten Haube, »wie bei einer Interkontinentalrakete«, sagt Ostner. Ganz so weit kommt man mit dem PG Elektrus nicht: 350 Kilometer Reichweite sind möglich, bei besonnener Fahrweise. Basis ist ein Lotus Elise, der bis auf das Fahrwerk demontiert wird. Dann wird gepimpt.

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Ostner hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen, als ich mich in den Schalensitz zwänge. Ich komme nicht ans Gas-, pardon: Strompedal. Ich drücke das Knie gegen die Mittelkonsole, kippe den Fuß nach rechts, dann kann ich mit der Schuhspitze am Pedal zupfen. Gleichzeitig muss ich aufpassen, mich nicht mit dem Bremspedal zu verheddern. Ab einer gewissen Preisklasse zahlt man immer mehr, um immer weniger Auto zu bekommen. Dass es in einem Rennwagen unbequem ist – Ehrensache. Servolenkung? Natürlich nicht.

Berliner Berufsverkehr. Regen. Die schießschartenschmalen Scheiben beschlagen. Keine optimalen Rennbedingungen. Während wir im Stau stehen, zeigt Ostner auf seinem iPhone ein Video von einem Rennen. Da hängt der Elektrus einen Porsche 911 ab. Wenn man das Pedal bis zum Boden tritt, surrt der Motor wie irgendwas aus Star Wars , der Schub erinnert in der Tat an ein startendes Flugzeug. Das macht Spaß, tut aber auch weh. Jede Bodenwelle, jeder Zebrastreifen wird millimetergenau an die Wirbelsäulen der Insassen weitergegeben. Ist es nicht das, was den sogenannten Motorsport ausmacht: tollkühne Männer in rasenden Kisten auf der Suche nach Grenzerfahrungen? Die Grenze ist nach einer Stunde auch physisch erreicht. Als ich mich aus der Kabine falte, frage ich mich, ob es wirklich Leute gibt, die sich diese Comic-Fantasie in die Garage stellen. Es gibt sie. Pro Monat werden ein bis zwei Exemplare gebaut. Auf Bestellung.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 223 kW (303 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 3,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 0 g/km
Durchschnittsverbrauch: 15,1 kWh/100 km
Basispreis: 285.600 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

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Leserkommentare
  1. "Als ich mich aus der Kabine falte, frage ich mich, ob es wirklich Leute gibt, die sich diese Comic-Fantasie in die Garage stellen. "

    Was für eine Frage?!? Natürlich gibt es sie. Wenn Geld keine Rolle spielen würde und Autos mein größtes Hobby wären, würde ich mir so ein Ding kaufen. Bevor ich mich in die Reihe der Porsche-Fahrer anstelle und einer von vielen wäre. Ein Porsche-Fahrer will sein Ego befriedigen, auffallen und ein wenig Spaß haben. Ego befriedigen und auffallen ist mit Porsche allerdings nicht mehr wirklich drin. Dafür sind einfach zu viel davon auf der Straße.

    Eine Leserempfehlung
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    Bezüglich Ihrer Vorurteile bzw. Verallgemeinerung aller Porsche Fahrer: das kann man, wenn man so will, auf jede Marke übertragen. Beim Porsche (je nach Modell...) bekommt man als Kunde jedoch wirklich eine große Portion Fahrspaß, und das gepaart mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit und einem noch stabileren Wiederverkaufswert. Wer schon mal u.a. mit verschiedenen Fahrzeugen mit Straßenzulassung, egal ob modifiziert oder nicht, auf Rennstrecken gefahren ist, der kann schon verstehen, warum Porsche auch einer der höheren Standards für Sportwagen ist...

  2. Die Frage nach dem Markt ist klar beantwortet: Es gibt Käufer..

    Aber eigentlich elektrisiert uns doch nur das "Elektro", denn wer Fahrleistungen will und einen richtigen Sportwagen der konnte schon immer so "unvernünftig" sein und einfach einen Lotus kaufen. Nein, die Medien und auch gern die Politik und die Vertreter der neuen "grünen" Unternehmen, nehmen solche extremen Autos als Sinnbild als Beweis: Hey Ihr Leute, Elektro ist nicht langweilig! Aber dabei wird nicht nur vergessen, dass die 350 km Reichweite wohl keinen einzigen Moment Fahrspaß, nach dem so ein Auto ja schreit, erlauben und diese hochtechnische Fahrmaschine nicht der Wegbereiter für eine "tolle" Alltags-Elektomobilität ist. Es eignet sich natürlich um allen objektiven "Vorurteilen" gegenüber Elektroautos entgegenzutreten, aber wir sollten wohl eher den Leichtbau und den Verzicht auf x-Assitenzsysteme auf einen optimierten Benziner/Diesel übertragen...

    @Infarnia: Man kann auch einfach das Porsche-Design bewundern, ich denke es gibt "den" Porsche-Fahrer ebensowenig wie "den" ZEIT-Lerser mit X-Eigenschaften...

    Eine Leserempfehlung
  3. Gucke ich mich auf der Straße um und schaue mir Autos jüngeren Baujahres an, dann fallen diese doch alle dadurch auf, sich mehr oder minder offensichtlich an an martialischen Vorbildern zu orientieren.

    Da gefällt mir dann ein Elektroauto mit dem Mut diesen Weg komplett zu gehen wesentlich besser, als diese halbstarken Karren, die keinerlei klares Statement mehr zu setzen wissen.

  4. Bezüglich Ihrer Vorurteile bzw. Verallgemeinerung aller Porsche Fahrer: das kann man, wenn man so will, auf jede Marke übertragen. Beim Porsche (je nach Modell...) bekommt man als Kunde jedoch wirklich eine große Portion Fahrspaß, und das gepaart mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit und einem noch stabileren Wiederverkaufswert. Wer schon mal u.a. mit verschiedenen Fahrzeugen mit Straßenzulassung, egal ob modifiziert oder nicht, auf Rennstrecken gefahren ist, der kann schon verstehen, warum Porsche auch einer der höheren Standards für Sportwagen ist...

  5. dauert? Wahrscheinlich werden die Batterien schnell ausgetauscht, aber wenn sie laden müssten, hihi

    • smojoe
    • 23. März 2012 14:03 Uhr

    mittels ausgefallenem Design noch etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen.
    Dieses Konzept der Elektomobilität ist bereits gestorben bevor es das Laufen gelernt hat.
    Schade eigentlich.

  6. Lieber Erdling,
    die Ladezeiten der heutigen Akkus ist deswegen so unglaublich lang, da sie an die Haushaltsüblichen Stecker angepasst sind. Das sind übrigens so ziemlich die kleinsten am Markt erhältlichen Stecker für unser Stromnetz (240V 16A).
    Genormt und üblich gibt es schon seit Ewigkeiten die sogenannten CEE-Stecker mit 125A bei 400V, das sind die roten Drehstromstecker die man oft auf der Baustelle sieht.
    Schon mit dieser uralten Technik könnte man praxistaugliche Akkus innerhalb von einer halben Stunde laden.
    Mit den neuen Steckern (IEC 62196) kann man dann an die Grenzen des Akkus kommen, nämlich 15 Minuten Ladezeit (Der Stecker könnte noch mehr Energie in der Zeit liefern).

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    Nur hat diese Art von Schnell-Ladung einen Nachteil: es geht auf die Lebensdauer der Akkus...

  7. Nur hat diese Art von Schnell-Ladung einen Nachteil: es geht auf die Lebensdauer der Akkus...

    Antwort auf "Ladezeit"

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  • Serie Autotest
  • Schlagworte Elektromotor | Fahrrad | Lotus | Motorrad | Motorsport | Porsche
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