Artgerechte Tierhaltung ist für Verbraucher der wichtigste Grund, bio zu kaufen. Das hat gerade wieder die Umfrage Ökobarometer 2012 gezeigt. Fest steht: Biotiere haben generell mehr Platz im Stall, bequemere Liegeboxen, mehr Auslauf und somit mehr Möglichkeiten für ein artgerechtes Verhalten als konventionell gehaltene.

Aber bio ist nicht gleich bio. Da gibt es zunächst den Standard, der für alle Erzeugnisse mit dem sechseckigen, europaweit standardisierten Biosiegel gilt. Er garantiert Basisbedingungen, die ein Bioproduzent erfüllen muss – deckt aber längst nicht alles ab, was mit ökologischer Landwirtschaft und Tierhaltung möglich ist. So gehen die Anforderungen einzelner Erzeugerverbände – die drei größten in Deutschland sind Bioland, Demeter und Naturland – zum Teil deutlich über die EG-Öko-Verordnung hinaus.

Fast 12.000 Betriebe in Deutschland produzieren nach diesen strengeren Vorschriften, gut 11.000 Biobauern halten sich lediglich an die lockereren EU-Regeln. Beispiel Legehennen und Masthähnchen: Bei den Erzeugerverbänden sind für ihre Haltung überdachte Wintergärten vorgeschrieben, damit sie auch bei schlechtem Wetter draußen picken und scharren können. 230 Legehennen oder 580 Masthühner darf ein Hof pro Hektar Betriebsgröße halten, wenn er Fleisch und Eier mit dem sechseckigen Bio-Siegel versehen will. Die drei Verbände erlauben hingegen nur 140 beziehungsweise 280 Tiere pro Hektar.

Als Faustregel gilt also vor allem bei Eiern, Geflügel- und Schweinefleisch: Wer artgerechte Haltung will, sollte bio kaufen, am besten von Bioland, Demeter, Naturland und Co.

Kastration mit oder ohne Narkose

Weitere wichtige Kriterien für den Tierschutz sind Tiergesundheit, die Vermeidung unnötiger Schmerzen und der Umgang mit Tiertransporten.

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Biotiere sind im Schnitt nicht seltener krank als konventionell aufgezogene. Immerhin, Experten wie Gerold Rahmann vom Heinrich-von-Thünen-Institut bescheinigen den Verbänden großes Engagement. Bioland etwa hat ein Handbuch für seine Landwirte entwickelt, um deren Blick für Gesundheitsprobleme zu schärfen. Alle drei Verbände beschäftigen Berater, welche die Bauern unterstützen. Eine Garantie für gesunde Tiere sind jedoch auch die strengen Biolabel bislang nicht.

Ein guter Indikator sind sie aber dafür, welche Qualen den Tieren erspart werden. Etwa bei der Enthornung der Kühe – darauf verzichtet bisher nur Demeter konsequent – oder bei der Kastration von Ferkeln. Konventionelle Halter, aber eben auch einige Biobauern, kastrieren noch ohne Betäubung. "Der Eingriff ist sehr schmerzhaft", sagt die Tierärztin Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz , der Forschungsstelle des Deutschen Tierschutzbundes. Eigentlich sollte die EG-Öko-Verordnung seit Januar eine Betäubung vorschreiben, doch sei die Formulierung nicht eindeutig, kritisiert Deininger. Zuweilen gibt es nur hinterher ein Schmerzmittel. Demeter und Bioland hingegen schreiben die Betäubung schon seit mehr als einem Jahr vor. Naturland empfiehlt sie zumindest.

Auch wer keine langen Tiertransporte unterstützen möchte, sollte Ware der Erzeugerverbände kaufen. Die EG-Öko-Verordnung gebe keine Begrenzung vor, daher dürften Biotiere von EG-Höfen wie in der konventionellen Erzeugung bis zu acht Stunden (auf bestimmten Fahrzeugen sogar noch länger) transportiert werden, kritisiert Frigga Wirths von der Akademie für Tierschutz. Bioland, Naturland und Demeter haben die Transporte auf maximal vier Stunden oder 200 Kilometer begrenzt.