Bioprodukte : Ist Bio auch gesünder?

Viele Studien haben gezeigt, dass Bioobst nicht mehr Vitamine enthält. Der Ehec-Keim kam 2011 durch Biosprossen in Umlauf. Warum also Bio kaufen?

Viele Menschen kaufen Bio, weil sie ihrem Körper etwas Gutes tun wollen – aber immer wieder kommen Studien zu dem Ergebnis, Bio sei gar nicht gesünder. Was soll man davon halten?

Als Gegenargument wird immer wieder die Milch genannt. Erst im vergangenen Jahr haben Forscher aus Schweden und England belegt: Jene von Biokühen ist gesünder als konventionelle , denn sie hat einen höheren Anteil günstiger Fettsäuren (wie Omega-3, gut für das Herz-Kreislauf-System!). Als Grund gilt das viele frische Gras und Heu, mit dem Kühe in ökologischer Haltung gefüttert werden.

Bei den meisten Lebensmitteln aber sieht es anders aus: So ist umstritten, ob auch in Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau mehr Nährstoffe stecken. Nein, befand eine große Metastudie zu Biogemüse aus dem Jahr 2009, für die im Auftrag der britischen Food Standards Agency 162 Untersuchungen aus den vergangenen 50 Jahren ausgewertet wurden. Eine aktuelle australische Metastudie von 2011, die hingegen auf einen höheren Nährstoffgehalt hindeutet, fußt nur auf weniger als halb so vielen Studien aus 27 Jahren. Nach bisheriger Befundlage kann man also nur sagen: Generell gesünder ist Bio nicht.

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Klar ist immerhin: In Bio stecken weniger schlechte Stoffe. So stellt das Öko-Monitoring Baden-Württemberg regelmäßig beim Vergleich von ökologischem Obst und Gemüse mit konventioneller Ware fest: Bio ist fast frei von Pestizidresten. Auf konventioneller Ware finden die Prüfer um den Faktor Hundert mehr Pflanzenschutzmittelrückstände (im Durchschnitt 0,36 Milligramm pro Kilogramm).

Das klingt wie ein klares Argument für Bio. Aber sind solche Pestizidrückstände überhaupt gefährlich? Die Firmen, die solche Chemikalien auf den Markt bringen wollen, müssen sie an Tieren testen, und zwar langfristig in sehr hohen Dosierungen. Dabei hat sich gezeigt, dass manche Stoffe das Krebsrisiko erhöhen. In behördlich kontrollierten Versuchen wird die höchste Dosierung der Stoffe ermittelt, welche die Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt. Diese Dosis wird durch einen Sicherheitsfaktor geteilt (normalerweise 100) und als "duldbare tägliche Aufnahmemenge" für den Menschen festgesetzt. Das heißt: Erst wenn etwa an Äpfeln hundertmal mehr Pestizide hafteten als zulässig, könnte ihr Verzehr auf Dauer ungesund sein – theoretisch zumindest. Tatsächlich werden die Grenzwerte nur sehr selten überschritten. Praktisch bedeutet das: Auch konventionelle Ware ist nicht nachweislich ungesund.

Unklar ist, ob es schädlich sein könnte, regelmäßig eine Kombination verschiedener Pflanzengiftreste aufzunehmen. "Hier gibt es eine Kenntnislücke", räumt Rudolf Pfeil ein, der Pestizidexperte beim Bundesamt für Risikobewertung ist. Einerseits essen wohl die meisten Menschen verschiedene Obst- und Gemüsesorten, andererseits sind in einem Mittel oft mehrere Wirkstoffe enthalten. 400 verschiedene sind in der EU zugelassen – und nicht alle möglichen Kombinationen werden auf gesundheitsschädliche Wirkungen getestet.

Wer also prinzipiell misstrauisch ist, mag vorsichtshalber zu Bioware greifen, nach dem Motto "Schaden kann’s nicht".

Dieses Vorsorgeprinzip lässt sich ebenso beim Fleischkauf anwenden: Zwar gelten auch in der konventionellen Tierhaltung Höchstmengen für die Rückstände von Antibiotika und anderen Arzneimitteln, wachstumsfördernde Mittel wie Hormone sind in Deutschland ganz verboten. Und die stichprobenartigen Kontrollen der Bundesländer, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sammelt, zeigen: Nur in wenigen Fällen werden die erlaubten Höchstwerte überschritten, nur selten verbotene Stoffe gefunden.

Das dürfte den meisten Konsumenten genügen. Wer aber dem Kontrollsystem misstraut oder daran zweifelt, dass die Grenzwerte zuverlässig berechnet sind, für den ist Bio im Sinne der Vorsicht die bessere Alternative. Denn in der ökologischen Tierhaltung sind Antibiotika weitgehend verboten, nur in wenigen Ausnahmen erlaubt. Und wenn ein Tier öfter als vorgesehen damit behandelt wird, darf der Erzeuger sein Fleisch nur noch mit einer entscheidenden Einschränkung verkaufen – als konventionelle Ware.

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Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Teilweise ist es ein Traum (Kupfer)

Es gibt da schon einschreänkungen. Zb die Verwendung von Kupfersubstraten statt chemichen pestiziden. Kupfer ist ein Bodenkiller. Deshalb verwendet man den im konventionellen LW nicht.

Die Biobauern lassen sich im Gegensatz zu den konventionellen nicht in die Karten gucken. Teilweise ist das auch einfach nur rumgelüge.

Es gab mal einen NDR-Panorama Beitrag darüber, man findet ihn auf Youtube.

Kleine Korrekturen

"Kupfer ist ein Bodenkiller." Netter Ausdruck - und sogar prinzipiell richtig. Es kommt aber auf die Dosis an und die ist begrenzt. Können sie mir sagen wieviele Hektar Boden von den Biobauern schon "gekillt" wurden? Ich weiß von keinem einzigen! Ich habe aber schon von vielen Studien gelesen, die dem Bio-Anbau eine wesentlich höhere Bodenfruchtbarkeit attestieren.

Kupfer ist auch für den konventionellen Anbau zugelassen.

"Die Biobauern lassen sich im Gegensatz zu den konventionellen nicht in die Karten gucken." - Das ist schlicht und einfach FALSCH! Ich wüßte nicht, dass konventionelle Bauern irgentjemanden Rechenschaft schuldig wären (sofern es nicht der Staatsanwalt ist :) ). Biobauern hingegen werden jährlich von ihren Kontrollstellen besucht und geprüft.

"Teilweise ist das auch einfach nur rumgelüge." - Das Totschlag-Argument schlechthin. Das kann man zu jedem beliebigen Thema, wo man Kritik anbringt, zur "Bekräftigung" noch anfügen.

"Teilweise ist es ein Traum (Kupfer)" - sagen wir einmal 30% sind nur "ein Traum", dann sind immerhin 70% Realität. Das ist doch schon was, oder? (Und die restlichen 30% kriegen wir auch noch :).)

Für mich ist dieser Artikel immer noch kein Grund,

Bioware zu kaufen.
Ich finde nur schockierend, dass es Bio sein muss, damit die Milchkühe Gras bekommen. Das sollte auch bei konventionell gehaltenedn Kühen Standard sein, doch das würde den Hochleistungstieren wahrscheinlich nicht reichen, da sie nur auf Milchproduktion gezüchtet wurden...

Gesund ist zweitrangig

Bioware sollte man auch dann den Vorzug geben, wenn sie minimal ungesünder ist/wäre als Standardware - einfach aus Umwelt- & Tierschutzgründen.

Darüber zu diskutieren, ob Bioware (insbes. Tierprodukte) besser oder schlechter für die eigene Gesundhet ist, ist für mich vergleichbar mit der Frage, ob man nicht besser die Katze vom Nachbarn erschießen sollte, damit man nicht Gefahr läuft, evtl. eine Allergie gegen Katzenhaare zu entwickeln.
(Der Vergleich klingt evtl. übertrieben in manchen Ohren, aber bei Kenntnis der Zustände in der industriellen Tierhaltung ist er gar nicht mehr so abwegig.)

Nun dann

haben Sie von der Ökologie nichts verstanden. Um es Ihnen mal zu erklären. Die Größe einer Population bestimmt ihren Bedarf an Ressourcen. Mommentan übernutzen wir viele unserer Ressourcen, oder einfach gesagt wir entnehmen mehr als nachwächst. So gesehen nicht mal ein Problem. Auf grund ganz natürlicher Vorgänge wird daraufhin entweder die Lebensqualität oder die Größe unserer Population sinken. Die Natur regelt das keine Panik. Ups das gefällt uns aber nicht ... wir wollen nicht plötzlich vor leeren Meeren und ausgelaugten Böden stehen. Wir wollen fischen und Landwirtschaft betreiben.

Wir schützen nicht die Natur. Der Gedanke, dass der Mensch der Natur schaden könnte ist lächerlich. Ein paar 10000 bis 100000 Jahre und es ist alles wieder glatt und Ok :).

Nachhaltig ist ja gerade das Schlagwort. Macht die Forstwirtschaft auch schon seit einer Weile. Und das nicht freiwillig. Die Nachhaltige Forstwirtschaft ist eingeführt worden, weil ansonsten das Holz knapp geworden wäre.

Nur das stört beim Gewinne machen, wenn man sich plötzlich zurückhalten, einschränken und dann noch verantwortungsvoll handeln muss.
Ich plädiere in diesem Zusammenhang übrigens für ein neues Sozialhilfesystem: jeder Sozialhilfeempfänger darf soviel Geld vom Amt abbuchen wie er lustig ist. Ja das funktioniert ja (angeblich) mit unseren Ressourcen! Also funktioniert es auch mit Geld. Ist für den kleinen Mann ja auch so etwas wie eine Ressource.