BioprodukteIst Bio auch gesünder?

Viele Studien haben gezeigt, dass Bioobst nicht mehr Vitamine enthält. Der Ehec-Keim kam 2011 durch Biosprossen in Umlauf. Warum also Bio kaufen? von Susanne Schäfer

Viele Menschen kaufen Bio, weil sie ihrem Körper etwas Gutes tun wollen – aber immer wieder kommen Studien zu dem Ergebnis, Bio sei gar nicht gesünder. Was soll man davon halten?

Als Gegenargument wird immer wieder die Milch genannt. Erst im vergangenen Jahr haben Forscher aus Schweden und England belegt: Jene von Biokühen ist gesünder als konventionelle , denn sie hat einen höheren Anteil günstiger Fettsäuren (wie Omega-3, gut für das Herz-Kreislauf-System!). Als Grund gilt das viele frische Gras und Heu, mit dem Kühe in ökologischer Haltung gefüttert werden.

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Bei den meisten Lebensmitteln aber sieht es anders aus: So ist umstritten, ob auch in Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau mehr Nährstoffe stecken. Nein, befand eine große Metastudie zu Biogemüse aus dem Jahr 2009, für die im Auftrag der britischen Food Standards Agency 162 Untersuchungen aus den vergangenen 50 Jahren ausgewertet wurden. Eine aktuelle australische Metastudie von 2011, die hingegen auf einen höheren Nährstoffgehalt hindeutet, fußt nur auf weniger als halb so vielen Studien aus 27 Jahren. Nach bisheriger Befundlage kann man also nur sagen: Generell gesünder ist Bio nicht.

Die Wahrheit über Bio
Klicken Sie auf das Bild, um zur ZEIT-Serie über Lebensmittel aus dem Ökolandbau zu gelangen.

Klicken Sie auf das Bild, um zur ZEIT-Serie über Lebensmittel aus dem Ökolandbau zu gelangen.  |  © misterQM/photocase.com

Klar ist immerhin: In Bio stecken weniger schlechte Stoffe. So stellt das Öko-Monitoring Baden-Württemberg regelmäßig beim Vergleich von ökologischem Obst und Gemüse mit konventioneller Ware fest: Bio ist fast frei von Pestizidresten. Auf konventioneller Ware finden die Prüfer um den Faktor Hundert mehr Pflanzenschutzmittelrückstände (im Durchschnitt 0,36 Milligramm pro Kilogramm).

Das klingt wie ein klares Argument für Bio. Aber sind solche Pestizidrückstände überhaupt gefährlich? Die Firmen, die solche Chemikalien auf den Markt bringen wollen, müssen sie an Tieren testen, und zwar langfristig in sehr hohen Dosierungen. Dabei hat sich gezeigt, dass manche Stoffe das Krebsrisiko erhöhen. In behördlich kontrollierten Versuchen wird die höchste Dosierung der Stoffe ermittelt, welche die Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt. Diese Dosis wird durch einen Sicherheitsfaktor geteilt (normalerweise 100) und als "duldbare tägliche Aufnahmemenge" für den Menschen festgesetzt. Das heißt: Erst wenn etwa an Äpfeln hundertmal mehr Pestizide hafteten als zulässig, könnte ihr Verzehr auf Dauer ungesund sein – theoretisch zumindest. Tatsächlich werden die Grenzwerte nur sehr selten überschritten. Praktisch bedeutet das: Auch konventionelle Ware ist nicht nachweislich ungesund.

Unklar ist, ob es schädlich sein könnte, regelmäßig eine Kombination verschiedener Pflanzengiftreste aufzunehmen. "Hier gibt es eine Kenntnislücke", räumt Rudolf Pfeil ein, der Pestizidexperte beim Bundesamt für Risikobewertung ist. Einerseits essen wohl die meisten Menschen verschiedene Obst- und Gemüsesorten, andererseits sind in einem Mittel oft mehrere Wirkstoffe enthalten. 400 verschiedene sind in der EU zugelassen – und nicht alle möglichen Kombinationen werden auf gesundheitsschädliche Wirkungen getestet.

Wer also prinzipiell misstrauisch ist, mag vorsichtshalber zu Bioware greifen, nach dem Motto "Schaden kann’s nicht".

Dieses Vorsorgeprinzip lässt sich ebenso beim Fleischkauf anwenden: Zwar gelten auch in der konventionellen Tierhaltung Höchstmengen für die Rückstände von Antibiotika und anderen Arzneimitteln, wachstumsfördernde Mittel wie Hormone sind in Deutschland ganz verboten. Und die stichprobenartigen Kontrollen der Bundesländer, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sammelt, zeigen: Nur in wenigen Fällen werden die erlaubten Höchstwerte überschritten, nur selten verbotene Stoffe gefunden.

Das dürfte den meisten Konsumenten genügen. Wer aber dem Kontrollsystem misstraut oder daran zweifelt, dass die Grenzwerte zuverlässig berechnet sind, für den ist Bio im Sinne der Vorsicht die bessere Alternative. Denn in der ökologischen Tierhaltung sind Antibiotika weitgehend verboten, nur in wenigen Ausnahmen erlaubt. Und wenn ein Tier öfter als vorgesehen damit behandelt wird, darf der Erzeuger sein Fleisch nur noch mit einer entscheidenden Einschränkung verkaufen – als konventionelle Ware.

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