BioprodukteHat die Natur etwas von Bio?

Bestimmte Pestizide sind auf Anbauflächen für Ökoprodukte verboten. Aber nicht alles, was unter das Siegel "bio" fällt, ist auch gut für die Umwelt. von Susanne Schäfer

Humus macht Böden fruchtbar. Doch auf vielen Äckern ist schon ein großer Teil dieser organischen Substanz verloren gegangen. Denn herkömmlich arbeitende Bauern pflanzen auf ihren Feldern oft nur Weizen, Raps oder Mais an. Und solche wenig abwechslungsreichen Fruchtfolgen können die Böden auslaugen. Die Erträge lassen sich zwar mit Kunstdüngern steigern. Doch die können ausgewaschen werden und belasten dann das Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere.

Hinzu kommt viel Gift. "Der Unkrautwuchs im Weizen, Raps und Mais wird in der konventionellen Landwirtschaft vorrangig mit synthetischen Herbiziden bekämpft", sagt Stefan Kühne vom Julius Kühn-Institut , dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. "Sie machen etwa einen Anteil von 40 Prozent aller eingesetzten Pflanzenschutzmittel aus."

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Diese Art der Landwirtschaft kann also den Verlust an Fruchtbarkeit nicht beliebig lange kompensieren und richtet in der Gegenwart Schäden an – sie ist somit nicht nachhaltig.

Weil in der ökologischen Landwirtschaft chemisch-künstlicher Dünger und Pflanzenschutzmittel verboten sind, müssen Biobauern die Bodenfruchtbarkeit von vornherein erhalten. Dafür ist die Fruchtfolge entscheidend: möglichst jedes Jahr eine andere Sorte und zwischendurch Pausen für die Äcker. So pflanzen viele Biobauern immer mal wieder zwei Jahre lang Kleegras statt Gemüse an. Es versorgt den Boden mit Stickstoff und macht ihn dadurch fruchtbar für künftige Feldfrüchte. Außerdem bedeckt es dicht den Boden und verdrängt so Unkraut. Für die Bauern sind Kleegrasjahre kein Totalausfall, weil die Ernte als Tierfutter verkauft werden kann.

Die Wahrheit über Bio
Klicken Sie auf das Bild, um zur ZEIT-Serie über Lebensmittel aus dem Ökolandbau zu gelangen.

Klicken Sie auf das Bild, um zur ZEIT-Serie über Lebensmittel aus dem Ökolandbau zu gelangen.  |  © misterQM/photocase.com

Ihre Pflanzen schützen Biobauern etwa mit Nützlingen – Insekten, die Schädlinge fressen – oder mit Pheromonfallen, in die gefräßige Schmetterlinge tappen. "Erst wenn solche schonenden Methoden nicht mehr ausreichen, setzen Biobauern zusätzlich Pflanzenschutzmittel auf naturstofflicher Basis ein", sagt der Nutzpflanzenexperte Kühne. Viele davon sind unbedenklich – so wehrt das Bakterium Bacillus thuringiensis gezielt Kartoffelkäfer ab, gefährdet andere Lebewesen dabei kaum und baut sich in der Natur schnell wieder ab.

Aber auch in der ökologischen Landwirtschaft sind umstrittene Mittel erlaubt – das Metall Kupfer zum Beispiel. "Bei manchen Kulturen kommen Bauern nicht ohne Kupfer aus", sagt Kühne. "Ökologischer Hopfenanbau etwa wäre ohne das Mittel in Deutschland bisher nicht möglich." Dank Kupfer kann also Biobier mit Zutaten aus deutschen Landen überhaupt erst gebraut werden, aber das Kupfer schadet Regenwürmern und reichert sich im Erdboden an.

Unter dem Strich ist Bio dennoch klar besser für die Umwelt. Das können Wissenschaftler an vielen Faktoren zeigen: Der Ökoanbau ist nicht nur gut für die Humusschicht und schont die Gewässer, er erhöht auch die Biodiversität und lässt mehr Leben zu. Auf Bioflächen kommen im Schnitt 50 Prozent mehr Individuen und 30 Prozent mehr Arten vor als auf konventionellen. Nach Einschätzung des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) profitieren Vögel, Insekten, Spinnen und Bodenorganismen sehr von der ökologischen Landwirtschaft. Vögel finden hier leichter Brutstätten, und Wildbienen bestäuben bevorzugt dort, wo die Pflanzenvielfalt größer ist.

In der Gegenwart trägt Bio also zur natürlichen Vielfalt bei. Und mit Blick auf die Zukunft erhält die ökologische Landwirtschaft die Grundlage unserer Nahrungsversorgung nachhaltig. Den Boden.

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Leserkommentare
  1. ob Bio nicht auch so eine Illusion ist.
    Als Gärtner habe ich in Biobetrieben gearbeitet.
    Wenn ich diese Methoden mit dem alten chinesischen Landbau vergleiche,der über 4000 Jahre funktionierte,muß ich sagen Oh je.
    Die CO 2 Belastung ist hoch,es werden tierische Dünger aus konventionellem Landbau verwendet,und die Leute werden schlecht bezahlt und Praktikanten willig ausgenützt.
    Die guten Demeteräpfel 20-25 mal mit Schwefel gespritzt,im frühen Frühjahr ein paar mal mit Kupfer,die Gewächshausböden,knackig mit Nitrat belastet.
    Und weiterhin wird auf Tierzucht gesetzt im großen Maßstab,das die ÖKObesserfrau,eine
    30 m Kühltheke vorfindet,mit Milchprodukten,Käse,nochmals Käse und Biofleisch.
    Willig verdrängend das diese Tiere auch gestorben sind.Tot. Versteht ihr.
    Von einem meist ausländischen Metzger getötet,weil sich kaum ein Deutscher mehr für sowas findet.
    Mausetot für den biokonsumenten,der in seinen Illusionen dahindegeneriert,Illusionen ,die Endständen sind aus dem Verlangen nach einer besseren Welt.
    Das sieht geistig ,spirituell nach Sackgasse aus.
    Meine Empfehlung,einfach mal auf den Knien einen 1,5 ha großen Chiccoreeacker rausjäten und vereinzeln.
    Das macht den Geist wieder klar und befreit und man kann Bio sehen so wie es ist.

  2. Biobauern sondern eine traditionelle Bewirtschaftung von Feldern im Ackerbau.
    Wenn man jedoch die Nachfrage nach ganz bestimmten Pflanzen künstlich erhöht, geht die Pflanzenvielfalt auf den Äckern zurück. So hat die Nachfrage nach Pflanzen, die zur Energieerzeugung verwendet werden, in ganz erheblichem Maße zu Monokulturen geführt. Jeder kann sich selber überzeugen. Im Frühjahr sind die riesigen Rapsfelder und im Herbst die Maisfelder nicht zu übersehen. Gabriel wußte, daß seine Bioäthanolpolitik zu Monokulturen führen wird, denn er hat diese Diskussion in den achtziger Jahren selber geführt.

  3. Wenn wir uns 80 Millionen ernähren wollen, können wir nicht nur dauernd vom Konto "Boden" abbuchen, wir müssen auch was einzahlen. Im Mittelalter war das so, max 20 Millionen Deutsche, kaum noch Wälder, 80 von 100 Menschen auf niedrigstem Niveau ( so ziemlich prekär ) in der Landwirtschaft beschäftigt ...
    Zu wieviel Prozent leben wir heute eigentlich noch von dem Boden, auf dem wir stehen, den wir hier so überblicken können? Den Rest/Hauptanteil führen/fliegen wir ein, von anderer Leute Ackerboden, von anderer Leute Grundwasser gezogen...
    Wir sollten einmal eine "due diligence" in dieser Hinsiht durchführen.

  4. ist Wirtschaft und Landwirtschaft sollte der Versorgung dienen und nicht dem Profit. Viele die den Gedanken an die traditionelle Landwirtschaft als schwachsinnige, realitätsferne Romantik abtun, haben wahrscheinlich nie auf einem Bauernhof gelebt, sonst würden sie wissen, dass vor 50 Jahren beispielsweise in vielen Dörfern in Deutschland traditionell gewirtschaftet wurde.
    Traditionell ist der Vorgang, der heute als ''Bio-Produktion'' verzerrt dargestellt wird. Die Kleinbauern hatten früher nicht viele Tiere, wurden aber trotzdem satt und haben von den örtlichen Betrieben wie Dorfmetzgerei, Molkerei in der Kleinstadt oder Kelterei ordentliche und wertschätzende Bezahlungen bekommen. Dies war damals Realität und wir könnten uns auf regionaler Ebene optimal versorgen, wenn man wieder mehr Menschen eine tüchtige Arbeit wie die Landwirtschaft ausführen wollten.

    Viele Deutsche wollen keine Kartoffeln mehr lesen, aber von ihrem üppigen Gehalt, welches sie im Büro verdient haben, billige Kartoffeln kaufen, welcher aber geschmacklich oberste Qualität sein sollen. Einfach paranoid.
    Es gibt in Deutschland wieder Ansätze zur traditionellen Landwirtschaft und Jeder, der auf diesem Gebiet seine Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass diese Art der Landwirtschaft die Bewährte und Richtige ist und darum auch in eine sichere Zukunft blickt.

  5. Der Einsatz von DDT in der Landwirtschaft ist in Deutschland seit langem verboten. Durch Analyse von in Deutschland geernteten Lebensmitteln und Futtermitteln müsste sich nachweisen lassen, ob in den letzten Jahren in Deutschland DDT tatsächlich nicht mehr angewendet wurde.
    Gibt es solche Kontrollen durch den Staat?
    Falls es solche Kontrollen nicht gibt,
    dann vermute ich, dass es in Deutschland Bauern gibt,
    die DDT weiterhin angewandt haben.

    • HHo
    • 01. April 2012 18:32 Uhr

    könnte man drüber lachen, dass Bacillus Thruingiensis in der Bio-Lanwirtschaft seit Jahren erfolgreich eingesetzt und der Bt-Mais Mon810 verteufelt wird. Denn ja, Bt heißt Bacillus Thrugingiensis. Und ja, der Maiszünsler ist ein wahnsinniges Problem in Europa. Aber warum sollte man da auch die Gentechnik helfen lassen. Ist ja das größte Teufelszeug unserer heutigen Gesellschaft.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bacillus thuringiensis = thüringisches Bakterium.

    Das Hauptproblem an MON810 liegt nicht an bt-Genen, sondern am MON im Namen. Monsanto trägt mit seiner Geschäftspraxis mehr zur Ungleichheit der Welt bei, als manch andere Konzerne zusammen.

    Und generell zum Nutzen: Wozu sollte ich mich durch die Nutzung von Genpatenten an Knebelverträge binden und unflexibel werden, wenn ich den Wirkstoff (bt-Toxine) auch auf den freien Markt erhalten kann? Und zwar dann, wenn ich ihn benötige, ohne ihn pro forma in der Pflanze anzusammeln?

    Was passiert wenn Mais-Schädlinge durch die ständig vorhandenen Toxine Adaptionsverhalten äußern und Resistenzen entwickeln (wie bereits beim westlichen Maiswurzelbohrer nachgewiesen wurde)?

    Ich bin mir sicher das der Einsatz von Bakterien die bessere Wahl darstellt, denn die gegenseitige Adaption Bakterium und Schädling ist vermutlich um ein vielfaches besser, als Mais teuer erforschte Gene einzubauen, die letztendlich die gleiche Wirksamkeit aufweisen, wie dauerverabreichtes Antibiotika in der Tierzucht...

    • Varech
    • 01. April 2012 20:13 Uhr

    ... aber es guckt durch alle Knopflöcher: Die Autorin ist keine Fachfrau. Fröhliches Diskutieren ist wieder mal garantiert.

    Auch Landwirtschaft ist eben kein Fach, von dem alle was verstehen.

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  • Serie Die Wahrheit über Bio
  • Schlagworte Natur | Biodiversität | Fruchtbarkeit | Landwirtschaft | Schädling | Spinne
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