Humus macht Böden fruchtbar. Doch auf vielen Äckern ist schon ein großer Teil dieser organischen Substanz verloren gegangen. Denn herkömmlich arbeitende Bauern pflanzen auf ihren Feldern oft nur Weizen, Raps oder Mais an. Und solche wenig abwechslungsreichen Fruchtfolgen können die Böden auslaugen. Die Erträge lassen sich zwar mit Kunstdüngern steigern. Doch die können ausgewaschen werden und belasten dann das Grundwasser, Flüsse, Seen und Meere.

Hinzu kommt viel Gift. "Der Unkrautwuchs im Weizen, Raps und Mais wird in der konventionellen Landwirtschaft vorrangig mit synthetischen Herbiziden bekämpft", sagt Stefan Kühne vom Julius Kühn-Institut , dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. "Sie machen etwa einen Anteil von 40 Prozent aller eingesetzten Pflanzenschutzmittel aus."

Diese Art der Landwirtschaft kann also den Verlust an Fruchtbarkeit nicht beliebig lange kompensieren und richtet in der Gegenwart Schäden an – sie ist somit nicht nachhaltig.

Weil in der ökologischen Landwirtschaft chemisch-künstlicher Dünger und Pflanzenschutzmittel verboten sind, müssen Biobauern die Bodenfruchtbarkeit von vornherein erhalten. Dafür ist die Fruchtfolge entscheidend: möglichst jedes Jahr eine andere Sorte und zwischendurch Pausen für die Äcker. So pflanzen viele Biobauern immer mal wieder zwei Jahre lang Kleegras statt Gemüse an. Es versorgt den Boden mit Stickstoff und macht ihn dadurch fruchtbar für künftige Feldfrüchte. Außerdem bedeckt es dicht den Boden und verdrängt so Unkraut. Für die Bauern sind Kleegrasjahre kein Totalausfall, weil die Ernte als Tierfutter verkauft werden kann.

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Ihre Pflanzen schützen Biobauern etwa mit Nützlingen – Insekten, die Schädlinge fressen – oder mit Pheromonfallen, in die gefräßige Schmetterlinge tappen. "Erst wenn solche schonenden Methoden nicht mehr ausreichen, setzen Biobauern zusätzlich Pflanzenschutzmittel auf naturstofflicher Basis ein", sagt der Nutzpflanzenexperte Kühne. Viele davon sind unbedenklich – so wehrt das Bakterium Bacillus thuringiensis gezielt Kartoffelkäfer ab, gefährdet andere Lebewesen dabei kaum und baut sich in der Natur schnell wieder ab.

Aber auch in der ökologischen Landwirtschaft sind umstrittene Mittel erlaubt – das Metall Kupfer zum Beispiel. "Bei manchen Kulturen kommen Bauern nicht ohne Kupfer aus", sagt Kühne. "Ökologischer Hopfenanbau etwa wäre ohne das Mittel in Deutschland bisher nicht möglich." Dank Kupfer kann also Biobier mit Zutaten aus deutschen Landen überhaupt erst gebraut werden, aber das Kupfer schadet Regenwürmern und reichert sich im Erdboden an.

Unter dem Strich ist Bio dennoch klar besser für die Umwelt. Das können Wissenschaftler an vielen Faktoren zeigen: Der Ökoanbau ist nicht nur gut für die Humusschicht und schont die Gewässer, er erhöht auch die Biodiversität und lässt mehr Leben zu. Auf Bioflächen kommen im Schnitt 50 Prozent mehr Individuen und 30 Prozent mehr Arten vor als auf konventionellen. Nach Einschätzung des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) profitieren Vögel, Insekten, Spinnen und Bodenorganismen sehr von der ökologischen Landwirtschaft. Vögel finden hier leichter Brutstätten, und Wildbienen bestäuben bevorzugt dort, wo die Pflanzenvielfalt größer ist.

In der Gegenwart trägt Bio also zur natürlichen Vielfalt bei. Und mit Blick auf die Zukunft erhält die ökologische Landwirtschaft die Grundlage unserer Nahrungsversorgung nachhaltig. Den Boden.