MonogamieDie große Lüge
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Monogamie ist eine junge Erscheinung

Darwin definierte das evolutionäre Standardmodell der menschlichen Sexualität so: Der Mann ist genetisch dazu prädestiniert, seinen reichlich vorhandenen Samen möglichst weit zu streuen, während die Frau ihre wertvollen reproduktiven Organe sorgfältig hütet und schließlich das Männchen ranlässt, welches auch geeignet erscheint, die Kinder aufzuziehen. Der Mann muss Untreue unterbinden, um seine Energie nicht auf Kuckuckskinder zu verschwenden, die Frau will sicherstellen, dass der Mann seine Ressourcen nicht mit anderen Frauen teilt. Wie haben divergierende reproduktive Veranlagungen, und die monogame Ehe sei unser Kompromiss, heißt es. Doch diese Vorstellung hat nichts mit unserer menschlichen Natur zu tun. Dies ist jedenfalls die These, welche die Evolutionspsychologen Christopher Ryan und Cacilda Jethá in ihrem viel beachteten Buch Sex at Dawn aufstellen. Die entsprechenden Muster, so die beiden Autoren, zeugen von einer kulturellen Anpassung an die sozialen Bedingungen patriarchaler Gesellschaften.

Populationsgenetische Untersuchungen des Schweizerischen Nationalfonds haben ergeben, dass Monogamie eine verhältnismäßig junge Erscheinung ist und erst mit der Erfindung der Landwirtschaft vor rund 20.000 Jahren aufkam. Ebenfalls bekannt ist, dass unsere Vorfahren nicht nur mit ihresgleichen verkehrten, sondern auch mit anderen Hominidenarten. (Was die Vermutung zulässt, dass schon der frühe Mensch dem Alkohol zugeneigt war.) Die regelmäßigen Romanzen zwischen Homo sapiens und Neandertaler haben sich sogar in unserem Erbgut niedergeschlagen, das bis zu vier Prozent Neandertaler-DNA enthält. Daraus muss man schließen, dass aus solchen Verbindungen auch Kinder hervorgingen, welche aufgezogen und in die prähistorische Gesellschaft integriert wurden. Würde unser genetisches Programm tatsächlich so spielen, wie oben skizziert, hätten die Hominidenmischlinge wohl kaum eine Chance auf ein Überleben gehabt.

Die meisten Menschen wissen, wie es sich anfühlt, die erste große Liebe zu betrügen. Es passiert in einem schäbigen Hotelzimmer, auf einem Boot, am Strand. Man befindet sich in einer besonderen Stimmung, leichtsinnig, vielleicht betrunken. Das Handy liegt im Hotel, ist auf lautlos gestellt, die Batterien sind leer. Da ist dieser Mann oder diese Frau, die Situation ist vollkommen, wie im Paradies.

Ein magischer Moment kommt zum anderen, wie unter der Regie eines geheimen Zaubers. Und die wenigsten Menschen möchten die Erinnerung an solche Momente missen, weil wir damit an die Wurzeln unserer Herkunft rühren.

Die frühen Menschen, argumentieren Ryan und Jethá, zogen als Jäger und Sammler in Gruppen herum, in de-nen die Geschlechter gleichberechtigt lebten. In den prähistorischen Hippie-Kommunen wurde Sex ebenso geteilt wie die Beute, weil da für die nomadische Lebensform die beste Überlebensstrategie darstellte. Die Besiedelung des Landes änderte dann alles: das Bevölkerungswachstum, die politischen Organisationsformen, Götter, Familienstrukturen und Geschlechterhierarchien. Die Konzepte von Besitz, Reichtum und einer Erblinie wurden eingeführt. Um sicherzustellen, dass nur ihre biologischen Kinder von den Früchten ihrer harten Arbeit profitierten, mussten die Männer zusehen, dass ihre Frauen mit niemand anderem sexuelle Kontakte pflegten. Die Frauen wurden als Eigentum des Mannes in den Haushalt einverleibt, ihr Zugang zu den Ressourcen an ihre Sexualität geknüpft.

Mit dem Christentum kam ein rigides moralisches Korsett dazu, das der weiblichen Lust die Luft ganz abschnürte. Das zeigt bis heute Wirkung. Frauen fahren tatsächlich auf Männer mit Status ab und stecken lieber immense Energie in ihr Aussehen, um mit einer guten Partie ihren gesellschaftlichen Status zu verbessern. Aber das hat weniger mit einem biologischen Programm zu tun, sondern ist eine soziale Konsequenz der Tatsache, dass wir in einer Welt leben, in der die Männer über Jahrhunderte die Ressourcen kontrollierten.

Heute lassen sich immer mehr Frauen auf Sex ohne Bindung ein

Dass Frauen ihre Bettgefährten stets vorsichtiger gewählt haben als umgekehrt, weil sie das Risiko der Schwangerschaft trugen, besagt nichts über ihre Lust. Tatsache ist, dass die Erfindung der Pille und die Emanzipation das weibliche Sexualverhalten revolutioniert haben. Heute ist es für Frauen durchaus nicht mehr ausgefallen, sich auf Sex ohne Bindung einzulassen, eine größere Anzahl Sexualpartner zu haben, sich selber zu befriedigen oder sich auf gleichgeschlechtliche Beziehungen einzulassen. Ich kenne Single-Frauen, die mit vielen verschiedenen Männern schlafen und das auch genießen. Aber sie achten tunlichst darauf, dass niemand davon erfährt. Denn Schwangerschaften lassen sich verhüten, aber eine Frau riskiert heute noch immer den Ruf, wenn sie sich verhält wie ein Single-Mann und Gelegenheiten beim Schopf packt. Also ganz normal. "Was die Sexualwissenschaft an Geschlechtsunterschieden gefunden zu haben meinte", so Clement, "hat sich praktisch auf null reduziert. Beeindruckend ist eher die Ähnlichkeit als der Unterschied."

Ich hatte schon einige Erfahrung mit untreuen Freunden, bevor ich selber meine erste große Liebe betrog. Er war amerikanischer Student in der Schweiz, und nach zwei Jahren Beziehung fuhren wir erstmals getrennt in die Ferien. Er zum Theaterfestival, ich zum Klettern mit ein paar Leuten. Aber dann reisten alle ab, nur mein Kletterpartner und ich blieben zurück. Wir sicherten uns in der Wand, saßen Seite an Seite vor dem Kocher, lagen nebeneinander im Zelt. Und plötzlich lagen wir aufeinander. Nicht weil ich eine Beziehung zu diesem Mann wollte, sondern weil es die naheliegendste Sache der Welt war. Als ich von den Ferien zurückkam und meinem Freund davon erzählte, stand er auf und sagte: "Ich gehe. Zurück nach Amerika." Ich war am Boden zerstört. Nach einigen Wochen fragte mich mein Vater, was eigentlich mit mir los sei. Ich schilderte ihm tränenreich meine Verfehlungen und die schrecklichen Konsequenzen. Mein Vater sagte: "Wenn er nicht einmal so etwas aushält, dann war er es nicht wert."

Unser Wunsch nach einer langjährigen, tiefen Partnerschaft entspricht letztlich der Sehnsucht danach, eine Familie, eine Heimat zu haben. Ein legitimer, ein menschlicher Wunsch. Vielleicht sollten wir einfach anerkennen, dass Sexualität auch eine Art Heimat ist und ein Recht darauf hat, gelebt zu werden. Dass wir uns in unseren individuellen Bedürfnissen finden und nicht nach für uns vorgesehenen Rollen leben müssen. Einfacher werden Beziehungen dadurch nicht. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede Beziehung ein Kunstwerk ist, so lohnt es sich, es wenigstens zu versuchen.

 
Leserkommentare
  1. wir rammlend wie die Kaninchen und völlig eifersuchtsfrei in unseren Beziehungen blieben?

    Witzige Idee, denn wie erklärt man der beziehungssuchenden anderen Person, dass es nur ein Ausdruck vorsiedelnder Menschen ist und man zu den Ursprüngen zurück geht mit seiner Partnerschaft.

    Fein wäre es, wenn sich nicht eifersüchtige, sexuell ausser häusig Aktive mit Menschen gleicher Sehnsüchte zusammen täten und sich ausleben. Eine Art Päärchenclub ohne Paare oder so ähnlich.

    Leider klappt es nicht einmal wenn die Leute sich angeblich ohne Eifersucht ins Getümmel begeben und die Beziehungen scheitern an ganz anderem nach Jahren.

    Da ist keine Eifersucht sondern nur noch Sprachlosigkeit, Beziehung nur noch über den Kreditvertrag und die Kinderaufzucht definiert. Sie kümmert sich nach Feierabend um die familiären Belange und er hat Kondome im Gepäck wenn er von Geschäftsreise zurück kehrt. Sie nicht eifersüchtig bis dahin, ruft im Hotel an und erfährt, dass der Gatte ein Doppelzimmer mit seiner "Frau" hatte.... ab da war meine Freundin eifersüchtig und zur Sprachlosigkeit kam der Anlass, der zur endgültigen Trennung führte.

    Sex und Eifersucht waren nicht die Gründe, können aber von wohlmeinenden Untersuchern als Gründe ausgemacht und für solche Artikel genutzt werden, um zu begründen, was andere Wurzeln hat - die Trennung von langjährigen oder auch kürzeren Beziehungen.

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    ich glaube, die aussage des artikels ist vielmehr die dass wir die eifersucht als normalen teil der beziehung akzeptieren müssen und damit auch anders mit ihr umgehen.

    "Fein wäre es, wenn sich nicht eifersüchtige, sexuell ausser häusig Aktive mit Menschen gleicher Sehnsüchte zusammen täten und sich ausleben. Eine Art Päärchenclub ohne Paare oder so ähnlich."

    gibt es.
    swinger-clubs.
    lecker.
    / ironie off

    ich glaube, die aussage des artikels ist vielmehr die dass wir die eifersucht als normalen teil der beziehung akzeptieren müssen und damit auch anders mit ihr umgehen.

    "Fein wäre es, wenn sich nicht eifersüchtige, sexuell ausser häusig Aktive mit Menschen gleicher Sehnsüchte zusammen täten und sich ausleben. Eine Art Päärchenclub ohne Paare oder so ähnlich."

    gibt es.
    swinger-clubs.
    lecker.
    / ironie off

  2. Alles was wirklich wert hat in meinen Leben (bin verheiratet,und wir haben 3 Kinder) und mich glücklich macht war mit Anstrengung und Opfer verbunden. Auch wenn unser Körper zerstörerische Lüste hat, sie sind es nicht wert ausgelebt zu werden, weil der emotionale Schaden bei denen die wir lieben viel größer ist. Ich empfinde diesen Artikel als völlige Verharmlosung von Ehebruch. Nur weil es viele tun ist es OK. So sind wir halt... . Dann kann man gleich weitermachen, Kriege führen, Menschen töten, andere übervorteilen, lügen, ... so sind wir halt. Wir sollten also nicht dagegen ankämpfen, sondern uns unserer Natur hingeben ?! Völliger Unsinn! Wir haben die Freiheit uns zu entscheiden, uns moralisch richtig zu verhalten. Daraus entspringt langwährendes Glück, was ich niemals für ein kurze Befriedigung meiner Gelüste aufs Spiel setzen würde!

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    Wir haben die Freiheit uns zu entscheiden, uns moralisch richtig zu verhalten. Daraus entspringt langwährendes Glück, was ich niemals für ein kurze Befriedigung meiner Gelüste aufs Spiel setzen würde!

    Das klingt sehr ignorant und anmaßend. Wer gibt Ihnen das Recht darüber zu urteilen, was "moralisch richtig" ist? Wir haben schließlich auch die Freiheit zu entscheiden, dass es moralisch vertretbar sein kann, Seitensprünge zu haben. Menschen sind in dieser Gesellschaft sehr verschieden und haben unterschiedliche Auffassungen. Das sollten auch Sie akzeptieren, wenn Sie sich zu dieser Gesellschaft zugehörig fühlen möchten. Man kann auch langwährendes Glück trotz kleiner Seitensprünge haben, wenn beide Partner Treue als Verpflichtung dem anderen gegenüber zu verstehen, für Sicherheit zu sorgen, in schweren Zeiten beizustehen und der Beziehung bzw. der Familie die höchste Priorität einzuräumen. Sex ist heute Dank Kondome und Pille eine unverbindliche Angelegenheit, die nicht zu Verpflichtungen führt. Wenn beide Partner diese Umstände verinnerlicht haben und ein paar kleine Regeln befolgen, dann spricht doch nichts dagegen Seitensprünge in der Ehe zu haben.

    Opferbereitschaft ist für eine Familie natürlich unerlässlich, aber es ist nicht festgeschrieben, dass sich das auf den Sex beziehen muss. Große Opfer kann man bringen, indem man sämtliche Freizeit und finanzielle Mittel der Erziehung der Kinder widmet. Dagegen ist das Opfer »Sex« Pillepalle.

    Es tut mir ausgesprochen leid, dass sie sich durch ihre eingeprägten gesellschaftlichen Normen genötigt fühlen, Ihr Beziehungsleben mit dem Konzept des Opfers zu verbinden.

    Selbstverständlich sind Kompromisse in einer Beziehung lebenswichtig und unvermeidbar - aber was Sie hier beschreiben, klingt schon nach dem Festhalten am eigenen Unglück im Dienste eines fragwürdigen Ideals.

    Eine offene Beziehung ist nicht mit Ehebruch gleichzusetzen: es findet kein Vertrauensbruch statt, niemand fühlt sich genötigt, sich zu verstellen oder zu lügen - und trotzdem ist eine tiefe, dauerhafte Verbindung zwischen den Partnern möglich. Alles, was es dazu braucht ist die Erkenntnis, dass Liebe nicht nach den Gesetzen einer Mangelökonomie funktioniert.

    • Tammy
    • 27.03.2012 um 14:22 Uhr

    @Junger Papa. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass der Quell immerwährenden Glücks auf immer sprudeln möge. Jedoch habe ich schon mehr als einen Mitmenschen grandios an den eigenen Ansprüchen scheitern sehen.

    • drcmda
    • 29.03.2012 um 21:01 Uhr

    Ihr müsst doch irgendwie komplett kirre sein. Natürlich sollte eine Gesellschaft feste Werte kultivieren, warum denn auch nicht? Als Kind waren wir alle froh eine Famlie zu haben, Eltern die sich aufopfern und zu denen man aufschauen kann. Wenn ich mich in meinem persönlichen Umfeld umschau', dann kann ich garnicht anders als feststellen, dass die meisten bereits in keinen Famlien mehr großgeworden sind und womöglich auch keine mehr gründen werden. Ja wir sind so modern und moral hat ausgedient und wir ficken wen wir wollen und haben keine Reue und wenn etwas zu anstrengend wird, gehn wir einfach weiter und ficken einen anderen. Ich finde das einfach nur leer und traurig. Ich muss an Tiere denken.

    @dfskljdskldjs: Klar, ist es wichtig, dass Kinder mit Werten wie Verlässlichkeit etc. aufwachsen. Ich wüsste nicht, warum dies nicht möglich sein sollte, nur weil man ein anderes Konzept als die Monogamie lebt. In Beziehungsformen wie z.B der Polyamorie gibt es auch Werte oder Regeln. Studien haben zeigen können, dass z.B Ehemänner, die außereheichen Verkehr haben, die liebevolleren, geduldigeren Familieväter sind. Das einzig moralisch verwerfliche hieran ist, dass es hinter dem Rücken des Anderen geschieht. Die Menschen sollten sich also eher fragen, warum sie lügen müssen und nicht sie selbst sein können. Häufig trennen sich Paare, da ein Seitensprung auffliegt. Würden die menschlichen Bedürfnisse nach quantitativer Sexualität berücksichtigt werden, würde der Trennungsgrund Seitensprung wegfallen. Dann wäre es nämlich keine Untreue mehr. Paare sollten eher ihre Eifersucht bzw. Besitzansprüche reflektiern. In Bezug auf die Frage, warum immer weniger Kinder geboren werden bzw. weniger Familien gegründet werden, hat dies sicher viele Gründe. Ein Grund könnte zumindest sein, dass Menschen Angst haben solch einem engen Beziehungskorsett nicht gerecht werden zu können.

    Wir haben die Freiheit uns zu entscheiden, uns moralisch richtig zu verhalten. Daraus entspringt langwährendes Glück, was ich niemals für ein kurze Befriedigung meiner Gelüste aufs Spiel setzen würde!

    Das klingt sehr ignorant und anmaßend. Wer gibt Ihnen das Recht darüber zu urteilen, was "moralisch richtig" ist? Wir haben schließlich auch die Freiheit zu entscheiden, dass es moralisch vertretbar sein kann, Seitensprünge zu haben. Menschen sind in dieser Gesellschaft sehr verschieden und haben unterschiedliche Auffassungen. Das sollten auch Sie akzeptieren, wenn Sie sich zu dieser Gesellschaft zugehörig fühlen möchten. Man kann auch langwährendes Glück trotz kleiner Seitensprünge haben, wenn beide Partner Treue als Verpflichtung dem anderen gegenüber zu verstehen, für Sicherheit zu sorgen, in schweren Zeiten beizustehen und der Beziehung bzw. der Familie die höchste Priorität einzuräumen. Sex ist heute Dank Kondome und Pille eine unverbindliche Angelegenheit, die nicht zu Verpflichtungen führt. Wenn beide Partner diese Umstände verinnerlicht haben und ein paar kleine Regeln befolgen, dann spricht doch nichts dagegen Seitensprünge in der Ehe zu haben.

    Opferbereitschaft ist für eine Familie natürlich unerlässlich, aber es ist nicht festgeschrieben, dass sich das auf den Sex beziehen muss. Große Opfer kann man bringen, indem man sämtliche Freizeit und finanzielle Mittel der Erziehung der Kinder widmet. Dagegen ist das Opfer »Sex« Pillepalle.

    Es tut mir ausgesprochen leid, dass sie sich durch ihre eingeprägten gesellschaftlichen Normen genötigt fühlen, Ihr Beziehungsleben mit dem Konzept des Opfers zu verbinden.

    Selbstverständlich sind Kompromisse in einer Beziehung lebenswichtig und unvermeidbar - aber was Sie hier beschreiben, klingt schon nach dem Festhalten am eigenen Unglück im Dienste eines fragwürdigen Ideals.

    Eine offene Beziehung ist nicht mit Ehebruch gleichzusetzen: es findet kein Vertrauensbruch statt, niemand fühlt sich genötigt, sich zu verstellen oder zu lügen - und trotzdem ist eine tiefe, dauerhafte Verbindung zwischen den Partnern möglich. Alles, was es dazu braucht ist die Erkenntnis, dass Liebe nicht nach den Gesetzen einer Mangelökonomie funktioniert.

    • Tammy
    • 27.03.2012 um 14:22 Uhr

    @Junger Papa. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass der Quell immerwährenden Glücks auf immer sprudeln möge. Jedoch habe ich schon mehr als einen Mitmenschen grandios an den eigenen Ansprüchen scheitern sehen.

    • drcmda
    • 29.03.2012 um 21:01 Uhr

    Ihr müsst doch irgendwie komplett kirre sein. Natürlich sollte eine Gesellschaft feste Werte kultivieren, warum denn auch nicht? Als Kind waren wir alle froh eine Famlie zu haben, Eltern die sich aufopfern und zu denen man aufschauen kann. Wenn ich mich in meinem persönlichen Umfeld umschau', dann kann ich garnicht anders als feststellen, dass die meisten bereits in keinen Famlien mehr großgeworden sind und womöglich auch keine mehr gründen werden. Ja wir sind so modern und moral hat ausgedient und wir ficken wen wir wollen und haben keine Reue und wenn etwas zu anstrengend wird, gehn wir einfach weiter und ficken einen anderen. Ich finde das einfach nur leer und traurig. Ich muss an Tiere denken.

    @dfskljdskldjs: Klar, ist es wichtig, dass Kinder mit Werten wie Verlässlichkeit etc. aufwachsen. Ich wüsste nicht, warum dies nicht möglich sein sollte, nur weil man ein anderes Konzept als die Monogamie lebt. In Beziehungsformen wie z.B der Polyamorie gibt es auch Werte oder Regeln. Studien haben zeigen können, dass z.B Ehemänner, die außereheichen Verkehr haben, die liebevolleren, geduldigeren Familieväter sind. Das einzig moralisch verwerfliche hieran ist, dass es hinter dem Rücken des Anderen geschieht. Die Menschen sollten sich also eher fragen, warum sie lügen müssen und nicht sie selbst sein können. Häufig trennen sich Paare, da ein Seitensprung auffliegt. Würden die menschlichen Bedürfnisse nach quantitativer Sexualität berücksichtigt werden, würde der Trennungsgrund Seitensprung wegfallen. Dann wäre es nämlich keine Untreue mehr. Paare sollten eher ihre Eifersucht bzw. Besitzansprüche reflektiern. In Bezug auf die Frage, warum immer weniger Kinder geboren werden bzw. weniger Familien gegründet werden, hat dies sicher viele Gründe. Ein Grund könnte zumindest sein, dass Menschen Angst haben solch einem engen Beziehungskorsett nicht gerecht werden zu können.

    • thwe74
    • 27.03.2012 um 7:59 Uhr

    wenn "aufklärte" Menschen/Autoren Ihren Mitmenschen die Welt bzw. das Sexualleben erklären wollen.

    Prinzipiell gilt: Jeder muss selbst entscheiden wie er durch das Leben geht bzw. sich durch's Leben schläft.

    Ob als wilder "Rammler" oder als Treueboltzen. Ob es immer die Ehe sein muss oder eine Beziehung die das ganze Leben hält müssen die Partner selbst entscheiden.

    Ich bewundere Partner, die Ihr Leben lang, auch in schlechten Zeiten wie es so schön heisst, alles zusammen durchgestanden haben.
    Ich habe aber auch Respekt vor jedem Menschen, der mutig und ehrlich eingesteht, wenn eine Beziehung nicht mehr funktioniert und diese löst.

    Aber:
    Ich halte überhaupt nichts davon, das man Treue (immer im Zusammenhang mit Vertrauen) immer wieder versucht als etwas spiessiges, langweiliges, etc. darzustellen und das freie Sexverhalten als moderne Errungenschaft preist.
    Desweiteren gehört Sex in unser Leben und in die jeweiligen Beziehungen, aber man sollte immer aufpassen das man diesem Thema nicht das ganze Leben unterordnet.

    Ausserdem sollten wir uns überlegen, was uns, den Menschen eigentlich ausmacht. Auch wenn ich an die Evolutionstheorie glaube und das wir vom Affen abstammen und auch finde, das wir uns im normalen Leben eigentlich viel oft unnatürlich benehmen, so finde ich das wir Menschen mehr sind als nur sexbessene, paarungswillige Wesen.
    Das Thema Partnersuche und Fortpflanzung nimmt zwar in unserem Leben einen wichtigen Stellenwert hat, aber da gibts es noch anderes.

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    Ich halte es für nicht sehr objektiv, den primitiven Trieb, den es zu überwinden gilt auf den Sex zu schieben. Viel primitiver ist der Trieb der Eifersucht und den zu überwinden hat eine weitaus größere Qualität. Sex außerhalb einer Beziehung schadet niemandem. Aber Eifersucht geäußert in Drohungen, emotionalen Ausbrüchen ist definitiv schädlich. Man sollte im Rahmen toleranten Denkens immer mit der Frage anfangen, welches Verhalten anderen Schaden zufrügt und welches nicht.

    Ich halte es für nicht sehr objektiv, den primitiven Trieb, den es zu überwinden gilt auf den Sex zu schieben. Viel primitiver ist der Trieb der Eifersucht und den zu überwinden hat eine weitaus größere Qualität. Sex außerhalb einer Beziehung schadet niemandem. Aber Eifersucht geäußert in Drohungen, emotionalen Ausbrüchen ist definitiv schädlich. Man sollte im Rahmen toleranten Denkens immer mit der Frage anfangen, welches Verhalten anderen Schaden zufrügt und welches nicht.

    • Mari o
    • 27.03.2012 um 8:01 Uhr

    Cum pleno titulo ist Eifersucht des Teufels Zuflucht, und fast in der ganzen Welt kein größere Torheit als diese. Abraham a Santa Clara, (1644 - 1709)

    manche scheinen ja mächtig stolz auf ihre Torheit zu sein

    7 Leserempfehlungen
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    • dacapo
    • 27.03.2012 um 21:34 Uhr

    ........ Nichttorheit des Foristen Mari.o. Glückwunsch.

    • dacapo
    • 27.03.2012 um 21:34 Uhr

    ........ Nichttorheit des Foristen Mari.o. Glückwunsch.

  3. Auch meiner Meinung nach ist das gegenwärtige Beziehungsmodell überholt und ich finde es sehr gut, wenn dieses Thema diskutiert wird.
    Allerdings fehlt in vielen Diskussionen darüber leider ein Aspekt, der dem Modell der Polygamie zwei ganz verschiedene „Geschmäcker“ geben kann: Selbstsucht.
    Wenn man sich eingesteht, dass Liebe oder zumindest sexuelles Verlangen nicht exklusiv ist, wenn man dennoch eine feste (aber sexuell freie) Partnerschaft wählt und das Thema mit seinem Partner diskutiert und sich einig ist, dass Liebe und Vertrauen in der festen Partnerschaft dennoch möglich ist, dann ist das wie ich finde ein schönes Ideal.
    Wenn Menschen Versprechen geben und brechen weil sie nicht den Mut haben, offen zu ihren Bedürfnissen zu stehen. Wenn Menschen Vertrauen enttäuschen und ihren Partner tief verletzen wegen den kurzen Kicks eines Seitensprungs. Wenn Menschen ihrem eigenen Egoismus auf Kosten des Partners folgen. Dann reden wir doch wohl von einer ganz anderen Art von „freier Liebe“. Das ist dann wohl keine Liebe mehr sondern eher die reine Selbstsucht.

    15 Leserempfehlungen
  4. Ihren Artikel habe ich neugierig gelesen; er ist gut geschrieben, deckt das Thema in guter Breite ab - und geht doch am Kern vorbei.

    Erstens ist das alles, was Sie zitieren, dem einigermaßen Kundigen lange schon bekannt. Es tat sich beim Lesen denn auch etwas Langeweile auf.

    Zweitens, so scheint es mir, haben Sie den Unterscheid zwischen Liebe und Sex, zwischen Zweisamkeit und Reproduktion nicht verstanden bzw. noch nie erlebt. Sonst wäre Ihr Text nicht so auffallend einseitig.

    Ich gehöre zu den Ausnahme-Männchen. Ich ging nie fremd und werde es auch nie tun. Nicht, weil ich eine "bürgerliche Moral" hätte, die mich einengen würde. Im Gegenteil: Ich sehe das Thema völlig unaufgeregt, wie Sie auch. Aber ich erlebe "Sex" ganz anders als Sie: Nämlich nicht allein (oder vorrangig) als körperliche Erfüllung, sondern (mindestens gleichrangig, wenn nicht sogar vorrangig) als seelisches Ereignis/Erlebnis.

    Noch nie (nach Abschluss meiner spätpubertären Selbsterkundungsphase) konnte ich mit einer Frau schlafen, mit der mich nicht ein tiefes Verständnis verband. Und "Sex" ist nichts anderes (für mich) als die fortsetzung des zuvor schon innigen Gesprächs und Verständnisses mit anderen Mitteln. Neben Worte als Mittel der gegenseitigen Mitteilung treten dann die Hände, die Haut, erst außen, dann innen, und am Ende steht der Orgasmus. Und nie kann ich meinen eigenen (männlichen) Orgasmus haben, bevor nicht die Frau zuvor ihren eigenen (und hoffentlich mehrfachen) hatte.

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    • bugme
    • 27.03.2012 um 20:28 Uhr

    Wer nicht versteht, dass Liebe nicht Triebbefriedigung ist wird nie die qualität der Liebe kennen und schätzen lernen.
    Nur mit dieser Erfüllung verzichtet man gern auf Seitensprünge, da der Sex nur ein schwacher Schatten der Liebe ist und nicht die Kerntriebfeder.

    Aber jeder soll es so halten wie er will, solange er mit seinem Partner(n) ehrlich umgeht. Wer in der Polygamie keine erfüllung findet kann ja mal nach dem Sinn des Lebens suchen und da eventuell auch die Liebe entdecken, die im Gegensatz zur Triebbefriedigung selbtlos ist.

    • bugme
    • 27.03.2012 um 20:28 Uhr

    Wer nicht versteht, dass Liebe nicht Triebbefriedigung ist wird nie die qualität der Liebe kennen und schätzen lernen.
    Nur mit dieser Erfüllung verzichtet man gern auf Seitensprünge, da der Sex nur ein schwacher Schatten der Liebe ist und nicht die Kerntriebfeder.

    Aber jeder soll es so halten wie er will, solange er mit seinem Partner(n) ehrlich umgeht. Wer in der Polygamie keine erfüllung findet kann ja mal nach dem Sinn des Lebens suchen und da eventuell auch die Liebe entdecken, die im Gegensatz zur Triebbefriedigung selbtlos ist.

  5. Ich erlebe "Sex" als die vollkommene Hinwendung, und die Frau, die mich liebt, erlebt dies ganz genau so. Da ist kein Egoismus; es gibt nicht die eigene Lust, es gibt nur die gemeinsame Lust, und das tief-tief empfunden.

    Was Sie, Frau Binswanger, beschreiben, ist (polemisch übertrieben): Dass sich fremde Menschen (die sich nur einigermaßen sympatisch sind) gegenseitig erklären, damit einverstanen zu sein, sich gegenseitig zum Geschlechtsakt (und zur dualen Selbstbefriedigung) zur Verfügung zu stellen. Das ist mir völlig fremd. Es sei Ihnen gegönnt - mir wird einfach nur schlecht.

    "Sex" ist: Mit der Frau, die ich liebe, lange Stunden und Tage zu haben; Zeit für Gespräche, die wir sonst so nie führen würden; zwischendurch streicheln, küssen, lachen, in die Augen sehen, Beischlaf, Ruhe, Frühstück, wieder Gespräch und Lachen. Und über allem ruht: VERTRAUEN.

    Dieses tiefe Vertrauen, dass Voraussetzung und Folge von allem ist, kann weder in serieller Monogamie, noch in monogamer Untreue aufgebaut oder erreicht werden; weder ist es in diesen kranken Sex-Formen die Voraussetzung, noch die Folge. Wie leer, wie einsam, wie krank.

    51 Leserempfehlungen
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    "Sex" ist: Mit der Frau, die ich liebe, lange Stunden und Tage zu haben; Zeit für Gespräche, die wir sonst so nie führen würden; zwischendurch streicheln, küssen, lachen, in die Augen sehen, Beischlaf, Ruhe, Frühstück, wieder Gespräch und Lachen. Und über allem ruht: VERTRAUEN.

    Vielleicht sollten wir andere Wörter für »Sex« suchen. Der Biologe definiert Sex ungefähr als den Vollzug des Geschlechtsaktes zum Zweck der Fortpflanzung. Das ist nicht das, was derjenige tut, der einen Seitensprung begeht. Es ist auch nicht das, was Sie gerade beschrieben haben.

    Derjenige, der einen Seitensprung begeht, sucht »Spaß« oder eine gewisse Art von »Befriedigung«. Das was Sie genannt haben ist »Liebe« oder eine starke Form der »Zuneigung«.

    Sie sehen, wenn wir alle nur über »Sex« reden, aber gar nicht meinen, dann ist es vorprogrammiert, dass sich alle falsch verstehen und aneinander vorbei reden.

    • Knokkl
    • 27.03.2012 um 15:55 Uhr

    "Dieses tiefe Vertrauen, dass Voraussetzung und Folge von allem ist, kann weder in serieller Monogamie, noch in monogamer Untreue aufgebaut oder erreicht werden; weder ist es in diesen kranken Sex-Formen die Voraussetzung, noch die Folge. Wie leer, wie einsam, wie krank."

    Ist ihnen eigentlich klar wie selbstgefällig und abwertend Teile ihres Kommentares auf Leute wirken, auf die Ihre Definition von Sex und Partnerschaft nicht zutrifft ? Sie schreiben, dass sie der Autorin ihre Andersartigkeit gönnen, aber bezeichnen jenes Verhalten dennoch als krank, halten diese Lebensweise für einsam und leer. Das ist IHRE ganz persönliche Meinung, mit der sie sicher nicht alleine dastehen, aber wäre es zuviel verlangt, anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die mit polygamen, bzw. polyamoren Lebensweisen glücklich sind, insbesondere glücklicher als diese Leute es mit jeder Art der Monogamie wären ?
    Ich habe das Gefühl, viele Leute die hier kommentieren fühlen sich persönlich angegriffen, und die 'Rechtmäßigkeit' ihrer gelebten Beziehungsform in Frage gestellt - meiner Meinung nach soll einfach nur (wieder mal) eine Lanze gebrochen werden für Menschen die merken dass sie in 100% monogamen Beziehungen nicht glücklich werden. Nicht mehr und nicht weniger.
    Ich widerstehe jetzt der Versuchung, meine persönliche Situation zu schildern, nur soviel: Ich kann mit der Autorin mitfühlen, ich fühle mich momentan sauwohl, aber ich musste auch lange ausprobieren bis ich wusste was ich eigentlich will.

    also die Bezeichnung "duale Selbstbefriedigung" ist wirklich sehr gelungen

    • Zack34
    • 28.03.2012 um 9:13 Uhr


    ... mit solchen Adjektiven wäre ich vorsichtig.

    Ich empfinde es genau so wie Sie auch, habe dennoch im pers. Umfeld mitbekommen, dass es Leute gibt, die sogar "den besten Sex gerade nicht in einer Beziehung haben" wollen, d.h. just da, wo keine Bindung, kein Verständnis, ja noch nicht einmal wirklich prinzipielles Interesse am Gegenüber besteht. Für mich völlig unverständlich, aber ich akzeptiere es, und möchte die Leute nicht als "krank" bezeichnen.

    Allerdings ist genau das (meinem Verständnis des redaktionellen Beitrags nach) eben nicht das, was Frau Binswanger beschreibt, denn sie schreibt, Zitat:
    "Wir sind zusammen, weil wir uns viel bedeuten."

    Ich habe unter 74. ("Begriffverwirrung ?")
    http://www.zeit.de/2012/1...

    die Autorin um eine Ergänzung gebeten, d.h. die Aussage zu begründen und zu erklären, WAS sie sich bedeuten.

    Just an der Stelle aber ließ sie die Schweizer Statistik ins Feld platzen, und wechselte somit zügig das Thema...

    • yato
    • 10.05.2013 um 18:40 Uhr

    @frwbonn

    sie scheinen der perfekte mensch, mit perfekter ethik in einer perfekten liebesbeziehung zu sein. so eine art nachhaltiger romeo und julia mit happy end.

    glückwunsch!

    in der realen welt gibt es jedoch diese art von perfekter beziehung, die jahrzehnte oder lebenslang hält nur für die wenigsten. ich schätze das auf unter 5 % (jede 2. ehe wird geschieden und auch die nicht geschiedenen ehen haben nach jahren oder jahrzehnten die echte liebe meist verloren, bei "wilden ehen" ist das ähnlich.)

    wenn sie schon so perfekt sind, dann schreiben sie, statt sich mit erhobenem zeigefinger selbst zu preisen, ein buch wie genau das mit der perfekten liebe bei ihnen funktioniert, damit wir alle davon lernen.

    und unterlassen sie es bitte die autorin und die (mehrheit der) leute in der realen beziehungs welt (der "seriellen monogamie"), bei denen die "forever liebe" nicht so gut klappt wie bei ihnen (und die z. b. nach einer scheidung das wort vertrauen nicht mehr ganz so gross schreiben können, wie sie das in ihrem elfenbeinturm tun), nach gutsherren art von oben herab zu entwürdigen!

    und unterlassen sie es anderer leute sex, die nach neuen ideen, bewertungen und lösungen für das liebe & sex bedürfnis unserer spezies suchen, mit einer so schmutzigen und arroganten bewertung wie "duale Selbstbefriedigung" zu verunglimpfen!

    "Sex" ist: Mit der Frau, die ich liebe, lange Stunden und Tage zu haben; Zeit für Gespräche, die wir sonst so nie führen würden; zwischendurch streicheln, küssen, lachen, in die Augen sehen, Beischlaf, Ruhe, Frühstück, wieder Gespräch und Lachen. Und über allem ruht: VERTRAUEN.

    Vielleicht sollten wir andere Wörter für »Sex« suchen. Der Biologe definiert Sex ungefähr als den Vollzug des Geschlechtsaktes zum Zweck der Fortpflanzung. Das ist nicht das, was derjenige tut, der einen Seitensprung begeht. Es ist auch nicht das, was Sie gerade beschrieben haben.

    Derjenige, der einen Seitensprung begeht, sucht »Spaß« oder eine gewisse Art von »Befriedigung«. Das was Sie genannt haben ist »Liebe« oder eine starke Form der »Zuneigung«.

    Sie sehen, wenn wir alle nur über »Sex« reden, aber gar nicht meinen, dann ist es vorprogrammiert, dass sich alle falsch verstehen und aneinander vorbei reden.

    • Knokkl
    • 27.03.2012 um 15:55 Uhr

    "Dieses tiefe Vertrauen, dass Voraussetzung und Folge von allem ist, kann weder in serieller Monogamie, noch in monogamer Untreue aufgebaut oder erreicht werden; weder ist es in diesen kranken Sex-Formen die Voraussetzung, noch die Folge. Wie leer, wie einsam, wie krank."

    Ist ihnen eigentlich klar wie selbstgefällig und abwertend Teile ihres Kommentares auf Leute wirken, auf die Ihre Definition von Sex und Partnerschaft nicht zutrifft ? Sie schreiben, dass sie der Autorin ihre Andersartigkeit gönnen, aber bezeichnen jenes Verhalten dennoch als krank, halten diese Lebensweise für einsam und leer. Das ist IHRE ganz persönliche Meinung, mit der sie sicher nicht alleine dastehen, aber wäre es zuviel verlangt, anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die mit polygamen, bzw. polyamoren Lebensweisen glücklich sind, insbesondere glücklicher als diese Leute es mit jeder Art der Monogamie wären ?
    Ich habe das Gefühl, viele Leute die hier kommentieren fühlen sich persönlich angegriffen, und die 'Rechtmäßigkeit' ihrer gelebten Beziehungsform in Frage gestellt - meiner Meinung nach soll einfach nur (wieder mal) eine Lanze gebrochen werden für Menschen die merken dass sie in 100% monogamen Beziehungen nicht glücklich werden. Nicht mehr und nicht weniger.
    Ich widerstehe jetzt der Versuchung, meine persönliche Situation zu schildern, nur soviel: Ich kann mit der Autorin mitfühlen, ich fühle mich momentan sauwohl, aber ich musste auch lange ausprobieren bis ich wusste was ich eigentlich will.

    also die Bezeichnung "duale Selbstbefriedigung" ist wirklich sehr gelungen

    • Zack34
    • 28.03.2012 um 9:13 Uhr


    ... mit solchen Adjektiven wäre ich vorsichtig.

    Ich empfinde es genau so wie Sie auch, habe dennoch im pers. Umfeld mitbekommen, dass es Leute gibt, die sogar "den besten Sex gerade nicht in einer Beziehung haben" wollen, d.h. just da, wo keine Bindung, kein Verständnis, ja noch nicht einmal wirklich prinzipielles Interesse am Gegenüber besteht. Für mich völlig unverständlich, aber ich akzeptiere es, und möchte die Leute nicht als "krank" bezeichnen.

    Allerdings ist genau das (meinem Verständnis des redaktionellen Beitrags nach) eben nicht das, was Frau Binswanger beschreibt, denn sie schreibt, Zitat:
    "Wir sind zusammen, weil wir uns viel bedeuten."

    Ich habe unter 74. ("Begriffverwirrung ?")
    http://www.zeit.de/2012/1...

    die Autorin um eine Ergänzung gebeten, d.h. die Aussage zu begründen und zu erklären, WAS sie sich bedeuten.

    Just an der Stelle aber ließ sie die Schweizer Statistik ins Feld platzen, und wechselte somit zügig das Thema...

    • yato
    • 10.05.2013 um 18:40 Uhr

    @frwbonn

    sie scheinen der perfekte mensch, mit perfekter ethik in einer perfekten liebesbeziehung zu sein. so eine art nachhaltiger romeo und julia mit happy end.

    glückwunsch!

    in der realen welt gibt es jedoch diese art von perfekter beziehung, die jahrzehnte oder lebenslang hält nur für die wenigsten. ich schätze das auf unter 5 % (jede 2. ehe wird geschieden und auch die nicht geschiedenen ehen haben nach jahren oder jahrzehnten die echte liebe meist verloren, bei "wilden ehen" ist das ähnlich.)

    wenn sie schon so perfekt sind, dann schreiben sie, statt sich mit erhobenem zeigefinger selbst zu preisen, ein buch wie genau das mit der perfekten liebe bei ihnen funktioniert, damit wir alle davon lernen.

    und unterlassen sie es bitte die autorin und die (mehrheit der) leute in der realen beziehungs welt (der "seriellen monogamie"), bei denen die "forever liebe" nicht so gut klappt wie bei ihnen (und die z. b. nach einer scheidung das wort vertrauen nicht mehr ganz so gross schreiben können, wie sie das in ihrem elfenbeinturm tun), nach gutsherren art von oben herab zu entwürdigen!

    und unterlassen sie es anderer leute sex, die nach neuen ideen, bewertungen und lösungen für das liebe & sex bedürfnis unserer spezies suchen, mit einer so schmutzigen und arroganten bewertung wie "duale Selbstbefriedigung" zu verunglimpfen!

  6. Zuletzt sei Ihnen gesagt, dass Ihr sehr weiblicher Ansatz verkennt, dass wir Männer in dieser Welt ein Leben lang für die Kinder, die uns zugerechnet werden, zu zahlen haben. Es ist bitter, entweder zu zahlen für ein Kind, das nicht das eigene ist, oder zu zahlen für ein Kind, das zwar das eigene ist, das man(n) aber nie zu Gesicht bekommen hat. Diese tief sitzende Sorge, ja: Angst, noch nicht mal zu erwähnen, und nicht als berechtigten Grund für sexuelle Zurückhaltung oder Monogamie (an)zuerkennen, spricht nicht gerade für Sie.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl und verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/kvk

    Mit freundlichen Grüßen

    FRWBonn
    (mein Name hier leider nur mit Pseudonym)

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    betrifft auch Frauen. Das ist ein Elternding und hält, recht viele Menschen - und dabei angeblich mehr Männer als Frauen - nicht von ausserehelichen Beziehungen ab.

    betrifft auch Frauen. Das ist ein Elternding und hält, recht viele Menschen - und dabei angeblich mehr Männer als Frauen - nicht von ausserehelichen Beziehungen ab.

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