Jeder Washington-Tourist kennt sie, jeder Amerikaner sowieso, die großen Präsidenten-Monumente an der Mall: die Tempel für Lincoln und Jefferson und den Obelisken für George Washington. Dazu kommen, weniger populär, das Reiterstandbild für Ulysses Simpson Grant direkt unterhalb des Kapitols und die Statue James Garfields, der 1881 nur wenige Wochen nach Beginn seiner Amtszeit erschossen wurde.

Jetzt soll an diesem heiligen Orte ein weiterer Präsident geehrt werden: Dwight D. Eisenhower, der Amerikas Truppen im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland führte und von 1953 bis 1961 im Weißen Haus amtierte. Kurz vor der Schnittstelle der Maryland Avenue mit der Mall, mit prächtigem Blick auf das Kapitol, soll das neue Monument entstehen.

Doch die Entwürfe des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry, dem die Welt das spektakuläre Kunstmuseum im baskischen Bilbao verdankt, sorgen für heftigen Unmut. Gehry plant nämlich eine recht abstrakte Installation: Halb transparente, halb metallbeschichtete, zwischen meterhohen Säulen aufgespannte "Wandteppiche" mit Bildern aus Kansas, wo Eisenhower aufwuchs, und zwei etwas niedrigere Mauern mit jeweils einer Szene aus seinem Leben umgeben eine Art kleinen Park. Und nur bei genauerem Hinschauen wird auch eine Statue zu erkennen sein: ein barfüßiger Knabe. Er stellt Dwight David Eisenhower in jungen Jahren dar – in sehr jungen Jahren.

Ein Präsident als Bauernbub? Die Aufregung ist groß, Eisenhowers Enkelkinder haben sich bereits aus den Planungen zurückgezogen. Es sei eher ein Monument für Gehry als für den Präsidenten, spotten Kritiker. Doch der Architekt zeigt sich von seinem zwischen Monumentalität und Improvisation schwankenden Entwurf überzeugt. Der Bronzeknabe versinnbildlicht den Amerikanischen Traum: Unheroisch, unpathetisch, fern jeder Verklärung soll in seiner Gestalt dem Amerikaner aus der Provinz gehuldigt werden, der entschlossen das Rechte tut und so historische Größe gewinnt. Eine wackere Idee, die sich leider schwer erschließt.

Hätte Eisenhower ein weniger abstraktes Denkmal verdient?

Vielleicht aber wollte sich Gehry auch nur um jeden Preis von dem Martin Luther King Memorial absetzen, das im vergangenen Jahr in Washington eingeweiht wurde. Halb figurativ-realistisch, halb abstrakt, zeigt es die Gestalt des Bürgerrechtlers, aus dem Stein sich lösend – ein ebenso schlichtes wie monumentales Werk, künstlerisch zweifellos arg konventionell, doch von vielen Afroamerikanern begeistert gefeiert.

Aber hätte es nicht auch Eisenhower gerader und schlichter verdient, statt dass sein Leben semipoetisch ins Parabelhafte stilisiert wird? Sein Name mag neben dem Roosevelts und Kennedys ein wenig verblasst sein, die Vereinigten Staaten indes verdanken Eisenhower viel. Auf zweifache Weise hat er den Verlauf des 20. Jahrhunderts mitgeprägt, als Präsident – und als Soldat. Nach einer zunächst nur mäßigen Armeekarriere, die ihn unter anderem nach Panama, auf die Philippinen und in zahllose gottverlassene Stützpunkte innerhalb der USA geführt hatte, schlug seine große Stunde, als ihn Präsident Franklin D. Roosevelt zum Verantwortlichen für das Unternehmen Overlord machte, für die Landung der alliierten Truppen an den Küsten der Normandie im Juni 1944.

Eisenhowers Fähigkeiten als Organisator der Invasion sind enorm, die als Diplomat noch größer. Die Allianz zusammenzuhalten, die unterschiedlichen Ziele zu koordinieren, aber auch die Eitelkeiten des britischen wie des amerikanischen Führungspersonals zu moderieren – all das erfordert viel Kraft und hohes Geschick. Im Übrigen steht für ihn fest: Der Krieg "ist so schrecklich, so grauenhaft, dass ich mich wundere, wie die 'Zivilisation' Krieg überhaupt aushalten kann". Seine Besuche in den befreiten Konzentrationslagern in Deutschland zeigen allerdings auch ihm, dass es Schrecken gibt, die noch furchtbarer sind als der Krieg.

Der General bleibt ein Mann des Friedens, auch als Präsident. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt im Januar 1953 ist der Koreakrieg beendet. In den folgenden knapp acht Jahren – die von wirtschaftlicher Prosperität geprägt sind – stirbt kein einziger US-Soldat bei Kampfhandlungen. Das ist eine Bilanz, die niemand von seinen Nachfolgern im Weißen Haus bis zum heutigen Tag aufweisen kann. Den Kalten Krieg versucht er kalt zu halten. Als seine Stabschefs ihm in den Kämpfen und Krisen um Indochina und Taiwan raten, Atomwaffen einzusetzen, reagiert er gereizt: "Ihr Jungs müsst verrückt sein!" Immer wieder bemüht er sich – vergeblich –, dem Rüstungswettlauf zu entkommen: "Jede Kanone, die gegossen wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel läuft, jede Rakete, die abgefeuert wird, ist letztlich Diebstahl. Man bestiehlt die, die hungern, und die, die frieren und keine Kleidung erhalten."

Er warnte vor der Machtgier des "militärisch-industriellen Komplexes"

Die zivile Entwicklung hat in jeder Hinsicht Priorität. Das Netz der Autobahnen (Interstates) geht ebenso auf seine Regierung zurück wie der St. Lawrence Waterway, die schiffbare Verbindung der Großen Seen mit dem Atlantik. Die Atomkraft will er, nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, ausschließlich friedlich genutzt sehen.

Persönlich nicht frei von Vorurteilen, setzt er in den Streitkräften die Aufhebung der Rassentrennung durch. Gleichfalls entschieden handelt er im September 1957. In Little Rock, Arkansas, verweigern weiße Rassisten neun schwarzen Schülern den Zugang zur Central High School, obwohl das Oberste Bundesgericht erklärt hat, dass die Rassentrennung in den Schulen Unrecht ist. Mehrere Wochen beschäftigt das Drama die Öffentlichkeit und die Gerichte. Dann wird es Eisenhower zu bunt. Er schickt Einheiten der 101. Luftlandedivision. Unter dem Schutz der Soldaten können die schwarzen Jugendlichen – heute als "Little Rock Nine" Helden der Bürgerrechtsbewegung – ihr Recht auf Bildung wahrnehmen. Im fernen Washington stellt der Präsident klar: "Es geht nicht, dass die Herrschaft des Mobs sich über die Entscheidungen unserer Gerichte hinwegsetzt. [...] Eine Grundlage unseres American Way of Life ist unser nationaler Respekt für das Gesetz."

Natürlich gibt es auch Schatten auf der Bilanz. Dazu gehören die von der CIA gesteuerten Putsche 1954 in Guatemala und ein Jahr zuvor im Iran, wo die CIA und Englands Geheimdienst MI6 gemeinsam Persiens charismatischen Premier Mohammad Mossadegh stürzen. Auch die Powers-Affäre ist kein Ruhmesblatt: Als ein von Eisenhower autorisierter Spionageflug des Piloten Gary Powers über der Sowjetunion mit dem Abschuss der Maschine und der Gefangennahme von Powers endet, scheitert Eisenhowers Gipfeltreffen mit Kremlchef Chruschtschow.

Wahrhaft erinnerungswürdig ist sein Abschied. Drei Tage bevor er das Amt an John F. Kennedy übergibt, spricht er am 17. Januar 1961 zum amerikanischen Volk. Nicht wenige glauben ihren Ohren nicht zu trauen: Der Mann, der den größten Teil seines Lebens Uniform getragen hat, warnt vor der Machtgier des "militärisch-industriellen Komplexes". Es ist eine Sternstunde zivilen demokratischen Bürgersinns.

Der Friedens-Präsident passt nicht mehr recht zu seiner Partei

Sollte also im Zentrum des neuen Monuments statt des Bauernbuben aus Kansas nicht besser der zu Frieden mahnende, der vorsichtige Staatsmann stehen? Wäre es nach all den Jahren, in denen amerikanische Präsidenten wie Cowboys und Haudegen aufgetreten sind, nicht Zeit, an den Mann zu erinnern, der den Krieg und das Militär kannte und gerade darum beide fürchtete?

Eisenhowers Partei, die Republikaner, würden dies wahrscheinlich noch weniger ertragen als das Kinderbildnis. Erstarrt in einem reaktionären Dogma, in Totalverweigerung und oftmals manifestem Hass gegen den amtierenden Präsidenten, kann man sich die Partei nur noch schwer als Eisenhowers Partei denken. Der große "Ike" pflegte freundschaftliche Kontakte über die Parteigrenzen hinweg, unter anderem mit dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat, dem späteren Präsidenten Lyndon B. Johnson. Fanatiker wie der antikommunistische Kreuzzügler Joe McCarthy waren ihm zuwider: "Ich werde ganz bestimmt nicht in einen Pinkelwettbewerb mit diesem Stinktier eintreten."

Doch schon damals zeigten die Republikaner reaktionäre Tendenzen, die Eisenhower schier verzweifeln ließen. Seiner Sekretärin Ann Whitman raunte er zu: "Ich weiß nicht, wie jemand Mitglied der Republikanischen Partei sein kann." Was hätte er da erst zum republikanischen Vorwahlkampf des Jahres 2012 gesagt?