Die zivile Entwicklung hat in jeder Hinsicht Priorität. Das Netz der Autobahnen (Interstates) geht ebenso auf seine Regierung zurück wie der St. Lawrence Waterway, die schiffbare Verbindung der Großen Seen mit dem Atlantik. Die Atomkraft will er, nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, ausschließlich friedlich genutzt sehen.

Persönlich nicht frei von Vorurteilen, setzt er in den Streitkräften die Aufhebung der Rassentrennung durch. Gleichfalls entschieden handelt er im September 1957. In Little Rock, Arkansas, verweigern weiße Rassisten neun schwarzen Schülern den Zugang zur Central High School, obwohl das Oberste Bundesgericht erklärt hat, dass die Rassentrennung in den Schulen Unrecht ist. Mehrere Wochen beschäftigt das Drama die Öffentlichkeit und die Gerichte. Dann wird es Eisenhower zu bunt. Er schickt Einheiten der 101. Luftlandedivision. Unter dem Schutz der Soldaten können die schwarzen Jugendlichen – heute als "Little Rock Nine" Helden der Bürgerrechtsbewegung – ihr Recht auf Bildung wahrnehmen. Im fernen Washington stellt der Präsident klar: "Es geht nicht, dass die Herrschaft des Mobs sich über die Entscheidungen unserer Gerichte hinwegsetzt. [...] Eine Grundlage unseres American Way of Life ist unser nationaler Respekt für das Gesetz."

Natürlich gibt es auch Schatten auf der Bilanz. Dazu gehören die von der CIA gesteuerten Putsche 1954 in Guatemala und ein Jahr zuvor im Iran, wo die CIA und Englands Geheimdienst MI6 gemeinsam Persiens charismatischen Premier Mohammad Mossadegh stürzen. Auch die Powers-Affäre ist kein Ruhmesblatt: Als ein von Eisenhower autorisierter Spionageflug des Piloten Gary Powers über der Sowjetunion mit dem Abschuss der Maschine und der Gefangennahme von Powers endet, scheitert Eisenhowers Gipfeltreffen mit Kremlchef Chruschtschow.

Wahrhaft erinnerungswürdig ist sein Abschied. Drei Tage bevor er das Amt an John F. Kennedy übergibt, spricht er am 17. Januar 1961 zum amerikanischen Volk. Nicht wenige glauben ihren Ohren nicht zu trauen: Der Mann, der den größten Teil seines Lebens Uniform getragen hat, warnt vor der Machtgier des "militärisch-industriellen Komplexes". Es ist eine Sternstunde zivilen demokratischen Bürgersinns.

Der Friedens-Präsident passt nicht mehr recht zu seiner Partei

Sollte also im Zentrum des neuen Monuments statt des Bauernbuben aus Kansas nicht besser der zu Frieden mahnende, der vorsichtige Staatsmann stehen? Wäre es nach all den Jahren, in denen amerikanische Präsidenten wie Cowboys und Haudegen aufgetreten sind, nicht Zeit, an den Mann zu erinnern, der den Krieg und das Militär kannte und gerade darum beide fürchtete?

Eisenhowers Partei, die Republikaner, würden dies wahrscheinlich noch weniger ertragen als das Kinderbildnis. Erstarrt in einem reaktionären Dogma, in Totalverweigerung und oftmals manifestem Hass gegen den amtierenden Präsidenten, kann man sich die Partei nur noch schwer als Eisenhowers Partei denken. Der große "Ike" pflegte freundschaftliche Kontakte über die Parteigrenzen hinweg, unter anderem mit dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat, dem späteren Präsidenten Lyndon B. Johnson. Fanatiker wie der antikommunistische Kreuzzügler Joe McCarthy waren ihm zuwider: "Ich werde ganz bestimmt nicht in einen Pinkelwettbewerb mit diesem Stinktier eintreten."

Doch schon damals zeigten die Republikaner reaktionäre Tendenzen, die Eisenhower schier verzweifeln ließen. Seiner Sekretärin Ann Whitman raunte er zu: "Ich weiß nicht, wie jemand Mitglied der Republikanischen Partei sein kann." Was hätte er da erst zum republikanischen Vorwahlkampf des Jahres 2012 gesagt?