Devisen : "Wie im Kasino"

Mit Währungen handeln nicht nur Banken und Unternehmen, sondern zunehmend Privatleute – ein hochriskantes Geschäft

Der Wechselkurs von Euro und Dollar wurde in den vergangenen Jahren zum beliebten Gesprächsthema – auch bei Leuten, die sich sonst nicht mit Devisen beschäftigen. Nach der Einführung des Euro-Bargeldes galt der Wechselkurs als Gradmesser für die Stärke der neuen Gemeinschaftswährung. Und am Euro-Kurs lässt sich neuerdings ablesen, ob der Finanzmarkt daran glaubt, dass Europa seine Schuldenprobleme in den Griff bekommt. Im vergangenen Jahr dominierte der Pessimismus, und der Wert des Euro sackte gegenüber dem US-Dollar ab.

Viele Deutsche blicken allerdings nicht nur aus wirtschaftlichem und politischem Interesse auf den Devisenmarkt . Sie wollen dort auch Geld verdienen. Noch spekulieren laut Schätzungen erst rund 50.000 Privatinvestoren hierzulande mit Devisen. Doch der Markt wächst rasant. Allein im vergangenen Jahr ist das Handelsvolumen privater Anleger um rund 30 Prozent angestiegen. Das sei erst der Anfang, glaubt Heiko Müller, Geschäftsführer des Devisenhandelsanbieters Alpari. »In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird sich die Zahl der privaten Deviseninvestoren hierzulande vervierfachen. Deutschland ist einer der wichtigsten Wachstumsmärkte.«

Davon wollen auch andere Unternehmen profitieren. Ende Januar startete der US-Anbieter Forex.com eine deutschsprachige Internetseite, auf der Anleger mit Devisen spekulieren können. Dort sparen die Amerikaner nicht mit Eigenwerbung: »Handeln Sie an den aufregendsten Märkten der Welt«, lockt die Website – und preist die »professionellen Handelswerkzeuge«, die Anlegern dort zur Verfügung stünden.

Zum Deviseninvestor zu werden ist für private Anleger kinderleicht, bei Forex.com genauso wie bei den in Deutschland bereits etablierten Anbietern Alpari und FXCM. Man meldet sich auf der Internetseite der Unternehmen für den Dienst an, lädt eine Handelssoftware auf seinen Computer und überweist Geld auf ein eigens eingerichtetes Konto. Mehr ist nicht nötig, um ähnlich wie Händler von Investmentbanken oder Hedgefonds am internationalen Devisenmarkt mitzumischen. Ein Mausklick im Handelsprogramm genügt, um zum Beispiel auf einen steigenden Euro-Dollar-Wechselkurs zu wetten – etwa wenn man mit einer Lösung der Euro-Schuldenkrise rechnet.

Wer es exotischer mag, kann auch auf einen steigenden oder fallenden Wechselkurs zwischen US-Dollar und japanischem Yen oder zwischen Pfund Sterling und Schweizer Franken setzen. Manche Anbieter ermöglichen ihren Kunden sogar, solche Geschäfte bequem vom Sofa aus zu erledigen – per App auf einem Tablet-Rechner.

Ursprünglich war der Devisenmarkt vor allem Unternehmen vorbehalten. Neben Banken handeln dort zum Beispiel Firmen, die Waren im Ausland in fremder Währung bezahlen müssen oder die sich gegen Verluste aus ungünstigen Wechselkursveränderungen absichern wollen.

Dass nun verstärkt Privatanleger auf Devisen setzen , hat mehrere Gründe. Die Lage am Aktienmarkt ist derzeit schwer einzuschätzen, ebenso wie der Markt für europäische Staatsanleihen . Mit Devisen hingegen lässt sich theoretisch immer Geld verdienen, weil niemals alle Wechselkurse gleichzeitig fallen können. Außerdem ist der Handel dort einfach und schnell, Geschäfte von Privatanlegern werden innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgeführt, selbst nachts. Und: Der Devisenhandel ist billig, im Vergleich etwa zu Aktiengeschäften sind die Gebühren äußerst niedrig.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

FX ist schon risikoreich

ABER verglichen mit dem Risiko welches man derzeit beim Kauf von europ. Staatsanleihen (insbesondere PIIGS) eingeht, sind die Risiken im FX Handel ein absoluter WITZ !!!

Europ. Staatsanleihe
Verlustrisiko: 100% (siehe Griechenland 85% Verlust)
Gewinnchance: so 1-5% Zinsen pro Jahr

FX Handel:
Verlustrisiko: 100%
Gewinnchance: UNBEGRENZT

Wie im Kasino?

Mir war zwar unbekannt, dass man in Kasinos mit Devisen handelt, da ich noch nie ein Casino besucht habe. Doch offenbar handelt es sich dort um Glücksspiele, und mit ausländischen Währungen zu spekulieren, ist sicher immer ein Glücksspiel. Dies gilt ganz besonders für den ohne volkswirtschaftliche Basis völlig frei im Raum schwebenden Euro. Da haben es die Chinesen und Amerikaner viel besser, deren Währungen fest aneinander gekoppelt sind, weshalb sie im gegenseitigen Handel keine Währungsschwankungen zu befürchten brauchen wie gegenüber dem Euro.