Auf der Suche nach dem »perfekten Model«: Das ist nicht die Show mit der Heidi, sondern die andere. Die Aufgabe lautet diesmal: Können die »Mädchen« auch Glamour? Der Test geht so: Sie müssen auf Mythen der Filmgeschichte machen. Unvermeidlich mit dabei, yes, Marilyn. Das Ergebnis sieht man auf dieser Seite.

Wenige Tage vor der Model-Show war es Sylvie van der Vaart (Let’s dance -Moderatorin und Ähnliches), die Marilyn in der Bunten nachahmte – Zitat: »Mich in Marilyn zu verwandeln ist ein absoluter Mädchentraum von mir.« Das Ergebnis zeigt Sylvie van der Vaart mit knallrotem Staunemund, schwarzem Lidstrich und natürlich sehr vielen »diamonds«.

Madonna, Christina Aguilera, Scarlett Johansson und demnächst im Kino Michelle Williams – wie viele Celebrities haben sich seit Monroes Tod 1962 schon eine gelbe Perücke aufgesetzt, den Busen rausgedrückt und versucht, diesen naiv-lasziven Blick hinzukriegen? Wir wissen es nicht, es waren viele, sehr viele, und es werden immer noch mehr. Sie alle wollen zeigen: Sexbombe – das Genre kann ich auch, her mit der Perücke. Bei manchen funktioniert es besser, bei anderen schlechter, die beiden bisherigen Tiefpunkte dieses Imitationswettbewerbs haben wir eingangs erwähnt. Auch ganz normale Mädchen und Frauen wollen sich diesen undefinierbaren Zauber aneignen. Im Internet findet man Hunderte von »Tutorials«, die demonstrieren, wie man sich in Marilyn verwandelt. Einerseits ist das verständlich, hat sie doch alle Männer verrückt gemacht, andererseits ist es bemerkenswert, wenn man sich anschaut, was das Norma Jeane Baker gebracht hat.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Am bemerkenswertesten daran ist aber, dass man immer noch glaubt, man könne sich diesen Zauber nach dem Baukastenprinzip – Schönheitsfleck, falsche Wimpern, Augenaufschlag – zusammenbasteln. Psychologen und Filmwissenschaftler haben in den letzten fünfzig Jahren versucht, den Mythos Marilyn zu knacken. Von ihrem Leuchten war viel die Rede, ihrer Verletzlichkeit, ihrer Echtheit, ihrer Kindlichkeit, ihrem Talent fürs Komische. Und immer wieder von ihren Depressionen, ihrer Drogenabhängigkeit. Das alles kann ihre anhaltende Faszination nicht erklären, aber es kommt ihrer Faszination vielleicht etwas näher als eine platinblonde Perücke.

Norman Mailer hat einmal geschrieben, Marilyn Monroe sei ein Spiegel, in dem wir »unser vergrößertes Ebenbild« erblicken. Irgendwie scheint das immer noch zu stimmen.