HoteltestFalsches Feuer

Auch das Val d’Isère hat jetzt ein Design-Chalet – die Avenue Lodge von Patricia Engelhorn

Die Bar des Design-Chalets Avenue Lodge in Val d’Isère

Die Bar des Design-Chalets Avenue Lodge in Val d’Isère  |  © Hotel Avenue Lodge

So richtig überrascht haben die Hotels in Wintersportorten ihre Gäste über viele Jahre nicht. Alles war wie immer: rustikal, gemütlich, zuweilen aber auch ziemlich bieder. In den Stuben standen Holzmöbel mit Herzchen-Schnitzereien, über den Tischen hingen Hirschgeweihe, und im Keller wurde abends die alte Sauna eingeheizt, oft nur für eine Stunde oder zwei. In Österreich und in der Schweiz zeigt eine Generation junger Hoteliers seit einer Weile, dass alpenländische Architektur und modernes Design durchaus zusammenpassen. Und auch in Frankreichs Skiort Val d’Isère gibt es nun das erste Hotel, das sich vom vorherrschenden »BCBG«-Stil (bon chic, bon genre – also eher spießig) verabschiedet hat und den Chalet-Charakter neu zu inszenieren versucht. Sein Name klingt vielversprechend: Avenue Lodge .

Das Vier-Sterne-Hotel steht mitten im Ort. Seine grobe Fassade aus Stein, Schiefer und Holz überrascht zunächst wenig, ist eher typisch für die Savoyer Alpen. Im Hauseingang dann blaues Neonlicht, drinnen zwei Stehpulte zum Einchecken. Auffallend junges Personal gibt es hier, eine freundliche Mademoiselle heißt einen willkommen, doch die Fragen, wo man im Ort in netter Atmosphäre einen Tee trinken kann und ob es eine Weinbar gibt, kann sie nicht ohne Weiteres beantworten. Sie greift zu Guides und Stadtplänen, was einem Zeit lässt, sich ein bisschen umzusehen. Links vom Empfang geht es ins Restaurant. Schwarze Kunstlederstühle stehen an dunklen Tischen, hinter roten Wänden verborgene Lichtquellen verleihen dem Raum eine warme Atmosphäre. Rechts ist der Salon, ein großer, offener Raum, der in den Barbereich übergeht. Hier sind die bequemen Sessel mit Kuhfell oder Kunstleder bezogen. Künstlich ist auch der lange Kamin, in dem kein Holz knistert, sondern gasbetriebene Flammen flackern. Stilistisch passt er ganz gut zum Bartresen, der wie eine Eisskulptur bläulich leuchtet und selbst sonnengebräunte Skifahrer fahl wie Vampire aussehen lässt.

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Die Avenue Lodge zählt 54 Zimmer. Das Standardzimmer, das man im zweiten Stock bezieht, hat Wände aus grobem Holz, teilweise bespannt mit bemalten Papierquadern, die Kuhfelle verblüffend echt imitieren. Wunderbar hohe Betten, weiß bezogen. Als Nachttisch dient ein dicker abgesägter Baumstamm, knallig rot lackiert, und im Bad nouveau gibt es hübsche graue Steinwände. Allerdings ist die Besucherin froh, dass sie keinen Skianzug dabeihat – zwei Personen und die volle Montur, dafür wäre das gemütliche Zimmer einfach zu klein.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.  |  © Design Hotels

Zum Glück kann man auch ins Spa ausweichen. Es befindet sich – wie die Saunen alter Hotels – leider im Keller. Genauer gesagt, gleich neben dem Ski-Abstellraum, was zu der unangenehmen Situation führen kann, dass man sich als leicht bekleideter Wellnessgast plötzlich zwei vermummten Skifahrern gegenübersieht. Umso schöner dann das Spa. Natursteine und Holzschindeln umrahmen den Pool, Kerzen scheinen, und in einem der Behandlungsräume wartet bereits die Kosmetikerin. Zu leiser Reggae-Musik (endlich mal nicht dieser typische Wellness-Flöten-Meeresrauschen-Sound) schmirgelt sie die Haut ab und ölt sie ein – alles mit feinsten Produkten. Zudem weiß sie Fragen fachkundig zu beantworten.

Von der Mitarbeiterin im Restaurant kann man das abends nicht behaupten. Auf die Bitte, ob sie etwas zum Charakter des ausgesuchten Weins sagen könne, meint sie schlicht: »Es ist ein Weißwein!« Ein smarter Service wäre angebracht, schließlich muss man hier für eine schlichte und etwas langweilig schmeckende Zucchini-Cremesuppe 14 Euro berappen. Und auch der Enten-Kartoffel-Auflauf ist nicht der größte Wurf, sondern etwas pappig geraten. Aber wenigstens stehen kein Nudelgericht und kein Thai-Curry auf der Menükarte dieser regionalen Bistro-Küche.

Richtig überrascht wird man am nächsten Morgen vom Frühstücksbuffet, das ist nämlich richtig gut. Knuspriges Baguette und butterfettig blätternde Croissants, eine schöne Auswahl an Teesorten, lauwarmer Milchreis, frisches Apfelmus und Joghurts aus der kleinen Dorfkäserei. Allerdings bekommt man ein solches Frühstück in den Häusern im BCBG-Stil oftmals auch, und dazu noch einen besseren Service. Von einer Avenue Lodge hatte man einfach mehr erwartet.

Avenue Lodge, Avenue Olympique, 73152 Val d’Isère, Tel. 0033-4/79006767, www.hotelavenuelodge.com , DZ ab 350 Euro

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