Fernsehen und RealitätDer Fall "Tatort"

Jeden Sonntagabend läuft in der ARD ein Krimi, der ein Stück deutsche Polizei-Wirklichkeit zeigen soll. Tut er das tatsächlich? Unsere Kriminalreporterin ermittelt. von 

Den Rennenden kennen viele Zuschauer seit Jahren aus dem Vorspann der Krimireihe.

Den Rennenden kennen viele Zuschauer seit Jahren aus dem Vorspann der Krimireihe.  |  © ARD/SF DRS/ORF

Es war ein Experiment. Zwei Monate lang, den Januar und Februar hindurch, habe ich mir an jedem Sonntagabend um 20.15 Uhr den Krimi im Ersten Programm angesehen. Achtmal wurde der Tatort gezeigt, einmal der Polizeiruf . Das ZEITmagazin hatte mich als Gerichts- und Kriminalreporterin auf diesen Marathon durch die Welt ausgedachter Verbrechen geschickt.

Eigentlich gehen mir Kriminalromane und Kriminalfilme auf die Nerven. Wer beruflich ständig mit Polizei und Strafjustiz zu tun hat, bei dem kommt angesichts der Fantasieleistungen von Schriftstellern und Drehbuchautoren nur selten Spannung auf. Der Plot erscheint ihm oft naiv, angestrengt und psychologisch überladen. Oder er errät schon nach zehn Minuten, wer der Mörder ist. Aber es gibt Ausnahmen, doch davon später.

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Die Anfrage aus dem ZEITmagazin lautete: Wie wirklichkeitsgetreu verrichten die Beamten im Tatort ihre Arbeit? Sind die öffentlich-rechtlichen Polizisten im Film glaubwürdige Figuren? Tun sie ihre Pflicht? Wie halten sie es mit Recht und Gerechtigkeit?

Sind wir jetzt Spielverderber? Natürlich darf man zweifeln, ob es erlaubt ist, einen Kriminalfilm, also ein Stück Fernsehfiktion, an der Realität zu messen. Aber warum eigentlich nicht? Gerade der Tatort will doch vom deutschen Alltag inspiriert sein. In den Medien wird er als "Seismograf deutscher Befindlichkeit" gefeiert. Er erhebt den Anspruch, wichtige soziale und politische Themen aufzugreifen, die Zuschauer an die Brennpunkte der Republik zu führen und sie mit den Mitteln des Spielfilms zum Nachdenken zu bewegen. Über Land, Leben und Gesellschaft. Warum sollen sie dann nicht über die Polizei nachdenken dürfen?

Aus der deutschen Wirklichkeit wühlt der Tatort Schwerwiegendes hervor: Es geht um Terrorismusbekämpfung, um illegale Einwanderer, um Kindesvernachlässigung, um die Gräben zwischen Reich und Arm. Auch in den Wochen meiner TV-Expedition beschäftigten sich die Kommissare bei ihren Mordermittlungen immer wieder mit brisanten und aktuellen Angelegenheiten: Der Tatort vom 29. Januar etwa handelte – mitten im Trubel um den Bundespräsidenten Christian Wulff – von der Verführbarkeit und Bestechlichkeit von Staatsdienern.

Auch die Verankerung der Tatort- Protagonisten in 16 real existierenden Städten ist ein Bekenntnis der TV-Reihe zum Hier und Jetzt. Die regionale Verwurzelung ist ein Markenzeichen, die Kommissare ermitteln allein oder paarweise und für den Zuschauer erkennbar in Konstanz und Kiel, in Köln und Leipzig . Es wird bayerisch gesprochen, berlinert und geschwäbelt. Die Zuschauer sollen glauben, was sie sehen. Die Ermittler werden vom Publikum geliebt, sie geben ein Vorbild ab, sie halten gesellschaftliche Werte hoch. Der halbamtliche Charakter der ARD geht mit der Suggestion einher, alles sei irgendwie authentisch. Deshalb ist die Frage, ob die Tatort- Kommissare vor Millionen Fernsehzuschauern auch wie Polizeiprofis agieren, durchaus legitim.

Gleich der erste Tatort am 1. Januar ( Tödliche Häppchen ) ist in dieser Hinsicht ein Reinfall. Hauptkommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen – dargestellt von Ulrike Folkerts – ermittelt im Fall einer toten Frau, die in einer Großküche mit angeschlossener Schlachterei angestellt war und nun mit Genickbruch unter einer Brücke liegt. Die Tote, so erfährt der Zuschauer, war eine alleinerziehende Weltverbesserin, die bei ihrem Arbeitgeber Tierquälerei und illegale Machenschaften aufgedeckt hatte und entsprechendes Filmmaterial im Internet verbreiten wollte. So weit, so tapfer.

Im Laufe des Abends entpuppt sich der Kriminalfilm allerdings als vegetarisch-feministisch-ökologisches Gesinnungsstück, in dem ihr Engagement die Beamten in den offenen Gesetzesbruch treibt. Weil Lena Odenthal mit ihren Ermittlungen in der Sackgasse steckt und, wie sie bekennt, "legal zumindest" nicht weiterkommt, steigt sie nachts in die Großküche ein. Auf krummem Weg will sie sich im Dienst der vermeintlich guten Sache Beweise beschaffen: "Wenn man uns hier erwischt, sind wir unsere Marke los."

Frau Odenthal ist der Kerl in diesem Tatort, kraftvoll und verschwitzt sprintet sie durch den Film, während ihr Partner Kopper einen Männertypus nach dem Wunschdesign einer Emanze verkörpern muss. Einfältig und schlaff kommt er daher, und während des nächtlichen Einbruchs seiner Kollegin wird er auch noch von einem Unbekannten niedergeschlagen, obwohl er doch bloß Schmiere steht. Bei anderer Gelegenheit lässt er sich von Frau Odenthal bei einem Tanzkurs abgeben wie ein Kind im Kindergarten. Und natürlich wehrt er sich nicht, als er von seiner Chefin auch noch zum Verzehr von Salatburgern und Tofuwürsten genötigt wird.

Doch bevor sich der Zuschauer bei Günther Jauch von so viel Political Correctness erholen darf, gipfelt der Tatort in einem Polizeiverhör, dessen Unzulässigkeit nicht zu überbieten ist. Es beginnt damit, dass Odenthal und Kopper eine junge blonde Joggerin namens Elke Schmitz im Wald abfangen. Sie ist ebenfalls in der Großküche angestellt und war mit der ermordeten Steffi Pietsch befreundet. Die Ermittler wissen auch, dass Frau Schmitz mit ihrem Chef, dem Eigentümer der Großküche, schläft, und verdächtigen sie, irgendwas mit Pietschs Tod zu tun zu haben. Sie wissen bloß nicht, was. "Frau Schmitz", Kommissarin Odenthal verstellt der Joggerin den Weg, "die Indizienlage sieht so aus, dass aller Voraussicht nach gegen Sie Anklage erhoben wird. Jetzt geht es darum, wie Ihr Strafmaß ausfallen wird. Das hängt ganz von Ihnen ab."

Hat die Hauptkommissarin vergessen, dass sie gegen Schmitz so gut wie nichts in der Hand hat? Dass Anklage nur gegen eine Beschuldigte erhoben werden darf, was Frau Schmitz zu diesem Zeitpunkt nicht ist?

Anstatt weiterzujoggen, bricht die überrumpelte Schmitz zusammen und gesteht, sie habe ihrer Freundin in der Firma den Internetauftritt auszureden versucht, weil sie um die Zukunft der Großküche und den eigenen Arbeitsplatz fürchtete. Es sei zu einem Streit und einem Kampf gekommen, wobei Steffi die Treppe hinabgestürzt und mit gebrochenem Genick liegen geblieben sei. Bei einem Augenschein am Leichenfundort merken die Beamten, dass jemand Schmitz bei der Beseitigung des toten Körpers geholfen haben muss.

Einen nicht vorsätzlichen Mord gibt es so wenig wie einen schwarzen Schimmel

Nach solcherlei Neuigkeiten nehmen Odenthal und Kopper die Frau mit aufs Präsidium, dabei unterbleibt die vorgeschriebene Belehrung, dass die Beschuldigte das Recht hat zu schweigen, dass ihre bisherigen Angaben nicht verwertet werden dürfen und dass sie das Recht auf einen Verteidiger hat. Und das alles gegenüber einer Verdächtigen, von der die Ermittler wissen, dass sie psychisch defekt ist, unter Verfolgungswahn leidet, unter dem Einfluss von Psychopharmaka steht und "extrem leicht manipulierbar" ist. Diese Information haben die Beamten vom behandelnden Psychiater der Elke Schmitz. Trotzdem wird die Frau nun intensiv befragt. Oder besser: Sie wird mit Behauptungen und Unterstellungen bombardiert. 

Kopper macht den Anfang: "Sie lügen, weil Sie jemanden schützen wollen!"

Frau Schmitz schweigt.

Kopper: "Wenn Sie Pech haben, werden Sie wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt. (Vorsatz gehört immer zum Tatbestand des Mordes, einen nicht vorsätzlichen Mord gibt es so wenig wie einen schwarzen Schimmel.) Dann sind Sie über 50, wenn Sie wieder rauskommen. (Kopper weiß, dass Frau Schmitz geistig-seelisch schwer gestört ist, ihm sollte klar sein, dass sie höchstwahrscheinlich gar nicht bestraft wird, was sie auch getan haben mag – und dass ein mit derartigen Verhörmethoden gewonnenes Geständnis auch bei einem gesunden Verdächtigen null Komma nichts wert ist.)

Die Beschuldigte sagt immer noch nichts. Deshalb geht Odenthal, die ebenfalls bereits aus verschiedenen Himmelsrichtungen auf die junge Frau eingewirkt hat, jetzt auf Tuchfühlung. Mit einem Stuhl rutscht sie ganz nah an Frau Schmitz heran:

"Elke! Sie haben sich um Lotte (die Tochter der Toten) gekümmert. Steffi hat Ihnen ihr Kostbarstes anvertraut. Steffi war mutig, haben Sie gesagt. Sie hatte nie Angst, haben Sie gesagt. Dafür haben Sie sie bewundert. Richtig? Und Steffi hat Ihnen vertraut! Und SIE? Sie haben sie im Stich gelassen!"

Die kranke Frau Schmitz weint jetzt lautlos, dem Zuschauer krampft sich das Herz zusammen, doch Kommissarin Odenthal holt schon wieder Luft: "Wenn Sie etwas wiedergutmachen könnten – würden Sie das tun?"

Die Verdächtige hält die Augen geschlossen.

"Was wiedergutmachen", fährt Odenthal fort.

(In der folgenden Passage wird das Publikum Zeuge einer massiven Beeinflussung der psychotischen Frau Schmitz. Ziel der Beamten ist es, die Frau zu einer ihren Chef Holger Hermanns belastenden Aussage zu bringen. Das war offenbar mit Wiedergutmachen gemeint. Der Ausschnitt eignet sich als Lehrstück für angehende Kriminalbeamte zum Thema "Polizeilich induzierte Aussage".)

Odenthal: "Elke! Was haben Sie gemacht, als Steffi die Treppe heruntergefallen war? Wollten Sie nicht eigentlich helfen?" (Das ist eine klassische Suggestivfrage – die Antwort wird vom Fragenden bereits vorgegeben und bietet dem Befragten die Gelegenheit, sich selbst in ein gutes Licht zu rücken.)

Schmitz: "Doch... aber..."

Odenthal: "Aber...?"

Elke Schmitz: "Ich bin erst zu Holger gelaufen, ich hab ihm gesagt, was passiert ist."

Doch Odenthal ist nicht zufrieden: "NEIN, Elke, FALSCH! Als Ihre Freundin die Treppe heruntergefallen ist, sind Sie hingelaufen und haben nachgeschaut, was ihr passiert ist. So SIND Sie nämlich! FÜRSORGLICH!

Sie haben Steffi einen Job besorgt! Sie haben sich um die Tochter Ihrer Freundin gekümmert!

Und jetzt? Jetzt wollen Sie jemanden schützen, der es nicht verdient hat (warum nicht, weil er Schweine schlachtet?), der Ihnen schaden will (das ist die Unwahrheit, Hermanns belastet Frau Schmitz nicht, er schweigt). Als Ihre Freundin da lag – was haben Sie da gesehen, Elke?"

Elke Schmitz verzerrt das Gesicht zum Weinen, doch Odenthal lässt nicht locker:

"Was haben Sie da gesehen?"

Elke Schmitz, weinend: "Dass sie noch lebt. Sie hat mich angesehen..."

Odenthal: "Und weiter, hat sie was gesagt?"

Elke Schmitz: "Ja."

Odenthal, begierig: "Und was, was hat sie gesagt?"

Elke Schmitz, schwer atmend: "Sie hat nach Lotte gefragt. Sie hat immer wieder Lotte gesagt. Immer wieder: Lotte."

Odenthal: "Und was haben Sie dann gemacht?"

Elke Schmitz: "Ich bin losgelaufen, weil da überall Blut war."

Odenthal: "Wo war Blut?"

Elke Schmitz: "An ihrer Nase! Und an ihrem Mund, überall."

Odenthal: "Und dann haben Sie Herrn Hermanns geholt, richtig?"

Elke Schmitz nickt heulend.

Odenthal: "Was hat Hermanns getan, Frau Schmitz?"

Schmitz: "Ich weiß es nicht. Er hat mich zurück in die Schicht geschickt."

Aber Odenthal ist wieder unzufrieden, deshalb gibt sie gleich selbst für Frau Schmitz die Antwort: "WIEDER FALSCH, Elke! Sie sind NICHT zurück in die Schicht gegangen. Sie sind ihm gefolgt. Und was haben Sie gesehen?"

Elke Schmitz weint.

Odenthal: "Was haben Sie gesehen?"

Endlich sagt Schmitz, was alle hören wollen: "Er hat sie umgebracht, er hat sie getötet." Leise Klavierklänge, Frau Schmitz schlägt die Hände vors Gesicht.

Odenthal: "Er hat ihr das Genick gebrochen?"

Elke Schmitz muss nur noch nicken.

Die Kommissarin Odenthal reibt befriedigt ihre Hände an den Knien, sie hat es ja gewusst: "Hat einer wehrlosen Frau das Genick gebrochen!"

Jetzt darf auch Kopper wieder was sagen: "Scheiße!"

Odenthal erhebt sich, bebend vor vermeintlich gerechtem Zorn, und blickt wie eine Rachegöttin hinüber zum Schweinemörder Hermanns, der im Nachbarraum wartet und dem sie nun auch einen Frauenmord nachgewiesen zu haben glaubt. (In Wirklichkeit hat sie für ein Tötungsdelikt keinerlei Beweis, bloß die durch Nötigung zustande gekommene Aussage einer psychisch Kranken, die ebenso gut falsch sein kann.) Dann ist der Film zu Ende. Der schlimme Hermanns wird unter Spottreden der Ermittler abgeführt. So sieht Gerechtigkeit im Ludwigshafener Tatort aus.

In der Wirklichkeit hätte der Zuschauer einen anderen Ausgang der Sache erleben dürfen: Freispruch der Angeklagten Schmitz und Hermanns wegen unerlaubter Polizeimethoden. Straf- und Disziplinarverfahren gegen die Kriminalbeamten Odenthal und Kopper und deren Versetzung in ein Dezernat, in dem sie keinen weiteren Schaden anrichten können.

Odenthal und Kopper sind keine Einzelfälle: Massives polizeiliches Fehlverhalten zieht sich durch die Tatort-Folgen wie eine Schmutzspur. Das beschert der Fernsehreihe – trotz spannender Fälle – ein Glaubwürdigkeitsproblem. Offenbar haben nur wenige Drehbuchschreiber Ahnung von der Todesermittlung. Die Klassiker unter den Verstößen, die dauernd vorkommen, sind:

• TV-Beamte trampeln ohne Schutzkleidung durch die Leichenfundorte, vernichten dort Spuren und hinterlassen dafür massenhaft eigene DNA-Partikel und Faserspuren.

• Vernehmungen werden weder aufgezeichnet noch mitgeschrieben, meistens finden sie ohnehin zwischen Tür und Angel statt. Dabei ist eine akribische Dokumentation Grundlage der Polizeiarbeit. Später vor Gericht wird es genau darauf ankommen.

• Der Kommissar weist sich nicht aus, sondern nähert sich Zeugen und Verdächtigen im Gewande einer Privatperson, um sie ungestört auszuhorchen. In der Wirklichkeit führen solche Ermittlungen ins Nichts und bringen den Beamten in Schwierigkeiten: Hat er Informationen auf unlautere Weise erlangt, hat er sie vor dem Gesetz gar nicht erlangt. Sie sind unverwertbar.

• Ermittler dringen – ohne ein Sondereinsatzkommando zu beteiligen – zu zweit oder allein in den Unterschlupf verdächtiger Schwerverbrecher vor, bringen sich und andere ohne Not in höchste Gefahr und bieten dem Hauptverdächtigen oft auch noch die Gelegenheit zur Flucht.

• Kriminalisten brechen eine Beschuldigtenvernehmung nicht ab, obwohl der Vernommene nach einem Verteidiger verlangt. Ohnehin werden Verteidiger im ARD-Krimi auffällig oft als gewissenlose Taktiker dargestellt, die die verdienstvolle Arbeit der Polizei durch allerhand Winkelzüge torpedieren. Die Kontrollfunktion des Verteidigers zum Schutze des Unschuldigen oder des weniger Schuldigen kommt im TV-Krimi kaum einmal vor.

• Einem Zeugen wird mit der Frage "Erkennen Sie den Mann wieder?" das Lichtbild eines Verdächtigen vorgelegt. Das kommt in der Wirklichkeit zwar auch vor, ist aber ein schwerwiegender Gestaltungsmangel. Um einen Suggestiveffekt zu vermeiden, muss dem Zeugen das Lichtbild des Verdächtigen – wie bei der Gegenüberstellung – zusammen mit den Fotos anderer Personen gezeigt werden. Aus diesem Ensemble findet der Zeuge den betreffenden Verdächtigen dann heraus – oder eben nicht.

• Zum Standardrepertoire der Fernsehkommissare gegenüber auskunftsunwilligen Zeugen oder Verdächtigen gehört die Drohung "mit aufs Präsidium". Dabei ist kein Zeuge, kein Verdächtiger verpflichtet, einer polizeilichen Ladung Folge zu leisten oder auch nur mit den Beamten zu sprechen. Mitnehmen darf die Polizei einen Verdächtigen sowieso nur, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls vorliegen: Kein Polizist ist zur Festnahme berechtigt ohne einen dringenden Tatverdacht und einen Haftgrund wie zum Beispiel Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Dafür braucht die Polizei aber eine gegen diesen Verdächtigen sprechende Tatsachengrundlage, die dem Fernsehkommissar in der Frühphase seiner Ermittlungen oft gerade fehlt. Die übliche Begründung "Es geht um brutalen Mord" reicht da nicht aus.

Beklemmend wird es, wenn die TV-Beamten sich von ihrer menschlichen Seite zeigen

Regelrecht beklemmend wird es, wenn die TV-Beamten sich von ihrer menschlichen Seite zeigen und Gefühlen freien Lauf lassen: wenn sie Zeugen anbrüllen, Verdächtige bedrohen, gewalttätig werden oder ihre Macht auf andere Art missbrauchen. Vielleicht verfolgen diese inszenierten Kontrollverluste das Ziel, dem Zuschauer Einblick ins gestresste Innenleben eines Kripo-Beamten zu gewähren. Vielleicht soll dem Publikum auch weisgemacht werden, dass ein aufrechter Ermittler beim Kampf gegen das Böse einfach manchmal fünfe gerade sein lassen müsse. Wer sich einen Tatort nach dem anderen ansieht, dem fällt jedenfalls auf: Besonders gegenüber Personen, die eines Sexualdelikts verdächtig sind, kennen die Kommissare keine Hemmungen.

Im Tatort vom 15. Januar (Todesbilder) kommt es zu so einer Szene. In Leipzig werden zwei Frauen erstochen aufgefunden. Es ermitteln die Beamten Eva Saalfeld ( Simone Thomalla ) und Andreas Keppler (Martin Wuttke). Der Fahrlehrer Baumann gerät ins Visier der Beamten: Er ist der Onkel des ersten Opfers, das zweite hat bei ihm den Führerschein gemacht. Baumann wird vom Exfreund der toten Fahrschülerin beschuldigt, sich dem Mädchen aufgedrängt zu haben. Die Zuschauer – nicht aber die Beamten – wissen außerdem, dass Baumann in seinem Computer haufenweise Nacktfotos von Fahrschülerinnen gebunkert hatte, die offenbar von ihm mit deren Einverständnis angefertigt, später aber gelöscht worden sind. Baumanns Wohnung wird durchsucht. Als er sich mit den Worten "Was soll die Scheiße hier?" beschwert, sagt Eva Saalfeld: "Wir verdächtigen Sie des sexuellen Missbrauchs! Sie kannten beide Opfer." (Wen Baumann wie und warum missbraucht haben soll, sagt sie nicht. Sie täuscht den Verdächtigen außerdem darüber, was ihm wirklich vorgeworfen wird: Mord. Das ist verboten.)

"Halten Sie den Mund!", ruft Baumann. Plötzlich wird der kleine, stets schlecht gelaunte Beamte Keppler aggressiv. Anstatt dem Fahrlehrer, der ein Widerling sein mag, dessen Vorhaltungen aber berechtigt sind, die eigene Anwesenheit zutreffend zu erklären, packt er ihn am Kragen und schleudert ihn auf ein Sofa. "Sagen Sie endlich, was mit Ihrer Nichte vorgefallen ist!", schreit er. "Haben Sie sie sexuell missbraucht, als sie ein junges Mädchen war? Hat sie Ihnen gedroht? Wollte sie Sie anzeigen? Haben Sie sie deshalb umgebracht?" (Weder für das eine noch für das andere hat der Kommissar den leisesten Anhaltspunkt. Vor allem aber unterlässt Keppler vor der ins Zentrum des Mordverdachts zielenden Frage die vorgeschriebene Beschuldigtenbelehrung über das Recht zu schweigen und das Recht, einen Verteidiger zu konsultieren.) "Wie kommen Sie auf so einen Scheiß?", ruft der Fahrlehrer (zu Recht) . Jetzt stürzt Baumanns Gattin los, die schweigend in der Tür gestanden hat. Wie eine Furie prügelt sie auf den – nun offenbar auch ihr verdächtig erscheinenden – Ehemann ein. Und als der sich zur Wehr setzt, streckt Keppler den vermeintlichen Mörder mit einem Kinnhaken nieder und beendet dadurch die von ihm selbst sinnlos angezettelte Eskalation mit einer Körperverletzung. Wer denkt sich so was aus?

Baumann wird festgenommen, dabei liegt nichts gegen ihn vor – bloß ein paar Vermutungen und gelöschte Dateien auf dem Laptop. Später wird der richtige Mörder gefasst. Moralisch gedeckt ist die Aktion trotzdem: durch das Wissen des Publikums um die Nacktaufnahmen junger Frauen. Wer so was macht, hat sich offenbar eine Abreibung durch den Tugendwächter Keppler verdient. Vielleicht bleibt die Ahndung des Übergriffs im Tatort deshalb aus – die Ermittler können sich des Zuschauerwohlwollens sicher sein. Wie sehr echte und fiktive Welten durcheinandergeraten können und wie sich der Tatort mitunter dem Massenpublikum andient, war am 19. Mai 2008 in Bild nachzulesen: Hier gab die Leipziger Kommissarinnendarstellerin Simone Thomalla unter der Überschrift "Das deutsche Strafrecht ist zu lasch" allen Ernstes ein Interview zum Thema Sexualstraftäter. Darin äußert sich die Schauspielerin, die sich offenbar durch ihre Rolle qualifiziert fühlt, als Sachverständige zu psychologischen Gutachten und Rückfallgefahr.

Am 22. Januar 2012 geht es im Saarbrücker Tatort ( Verschleppt ) gegen einen Exhibitionisten. Der Plot bedient sich bei der düsteren Wirklichkeit der Fälle Kampusch , Fritzl , Dutroux und Reinstrom, bei denen junge Frauen in Wien, Linz, Charleroi und Hamburg tatsächlich über einen langen Zeitraum in unterirdischen Bunkern gefangen gehalten worden waren. Manche der Opfer wurden ermordet. Andere konnten entkommen oder wurden befreit. Alle Fälle wurden in deutschen Medien über Jahre ventiliert und erschütterten die Öffentlichkeit.

Im Tatort aus Saarbrücken ist das Opfer ein seit Jahren verschwundenes Mädchen, dessen Leiche an einer Autobahn gefunden wird. Ein weiteres, ebenfalls seit Jahren vermisstes Mädchen wird kurz danach zwar lebend, aber totenblass, dehydriert, nicht ansprechbar und schwer traumatisiert aufgegriffen. Es muss ebenso wie die Tote jahrelang unter der Erde vegetiert haben. Die Kommissare Deininger (Gregor Weber) und Kappl (Maximilian Brückner) suchen nach dem Täter. Dabei kommt ihnen der wegen Exhibitionismus vorbestrafte Herr Mollet gerade recht. Er hat sich früher in Schwimmbädern und auf Spielplätzen vor Kindern ausgezogen, er wohnt nicht weit vom Fundort, er hat kein Alibi.

Eigentlich tut der Tatort dem sexuell devianten Mollet nicht unrecht: Seine Unschuld stellt sich zuletzt heraus, und er hat in einem Polizeipsychologen einen kompetenten und engagierten Fürsprecher, der – als Gegenfigur zum bornierten Ermittlerduo – dem Publikum das Phänomen der Pädophilie wissenschaftlich zutreffend erklärt. Der Psychologe muss sich deshalb sogar vom cholerischen Hauptkommissar Deininger tätlich angreifen und als "blöde Sau" beschimpfen lassen. Später kommt es – neben einer ganzen Reihe weiterer gravierender Polizeifehler – zu folgender Szene mit dem Verdächtigen Mollet:

Die Polizei hat im Kellerabteil des Exhibitionisten ein Prinzessinnenkleid entdeckt, das vor Jahren dem getöteten Mädchen gehört hat. Mit großem Polizeieinsatz wird Mollet, der nun Beschuldigter ist, aus seinem Appartement in der Wohnsiedlung abgeholt, wobei die voyeuristische Anteilnahme der Nachbarschaft nunmehr gesichert ist. Auf dem Präsidium wird er angebrüllt, weil er zunächst nicht laut genug spricht. Nach einigem Hin und Her sagt der Beschuldigte: "Ich sag nichts mehr, ich will meinen Anwalt." ( Das ist Mollets gutes Recht, mit diesem Satz müsste die Vernehmung schlagartig zu Ende sein, sie darf jetzt nur noch im Beisein eines Verteidigers fortgesetzt werden. ) Doch Kommissar Kappl blickt entgeistert, so als hätte Mollet eine ganz besondere Unverschämtheit geäußert. Dann sagt er: "Jetzt sag ich Ihnen mal was...", er erhebt sich, baut sich vor dem Beschuldigten auf und blickt strafend auf ihn herab. "Wenn Sie die Mädchen auf dem Gewissen haben, dann..."

Das Beste ist: Obwohl sich der Kommissar an alle Vorschriften hält, löst er den Fall

Jetzt steht auch Mollet auf (offenbar reicht ihm das Theater) und fragt zurück: "Was dann?" Statt einer Antwort holt Kappl aus und rammt Mollet die Faust in den Magen, wortlos sackt der zu Boden. Befriedigt schnaufend richtet der Ermittler sich auf, sein bebrillter Kollege Deininger, der die Szene durch eine Glaswand mitverfolgt, aber nicht eingegriffen hat, nickt ihm in stillem Einverständnis zu. Von Mollet ist nichts mehr zu sehen, er ist nach unten aus dem Bild gerutscht. So soll also Todesermittlung in Saarbrücken aussehen.

Dabei kann es ein Vernehmungsbeamter gar nicht dümmer anstellen: Jeder echte Kriminalist weiß, dass Ermittler, die sich in Vernehmungen nicht beherrschen, die herumbrüllen, Beschuldigte beleidigen, herabsetzen, bedrohen oder schlagen, nichts zu hören bekommen. Höchstens Notlügen.

Warum also diese widerwärtige Verhörszene? Darf ein Sexualdelinquent im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von der Polizei nicht anständig behandelt werden? Ist dieser Übergriff als kathartisches Fernseherlebnis nötig, um den Zuschauer bei seiner eigenen Niedertracht abzuholen?

Im Konstanzer Tatort (Schmuggler, 29. Januar), bei dem es um illegale Geldtransfers in die Schweiz geht, werden die TV-Beamten nicht laut. Sie wenden subtilere Mittel an. Sie zermürben den festgenommenen Anlageberater einer Schweizer Bank dadurch, dass sie immer wieder vorgeben, seinen Rechtsanwalt telefonisch nicht erreichen zu können. So wollen sie im Polizeigewahrsam aus ihm eine Information herauspressen, um sein Alibi zu knacken. (Hätte so ein vermeintlicher Kunstgriff Erfolg, könnten die Beamten in der Wirklichkeit erleben, dass das auf die Angaben des Beschuldigten gestützte Urteil in der Revision aufgehoben wird.)

Als der überaus gepflegte Beschuldigte dennoch weiter schweigt, schicken ihm die Beamten – als nächste Stufe – einen vor Dreck starrenden Obdachlosen in die Zelle, wohl wissend, dass es sich bei ihrem Inhaftierten um einen Reinlichkeitsfanatiker handelt. Auch dieser Machtmissbrauch wirkt nur im Film clever, in der Wirklichkeit wäre er keine gute Idee: Beamte geraten durch solche Machenschaften später vor Gericht in erhebliche Bedrängnis. Auch Quälerei ist eine verbotene Vernehmungsmethode; wer Phobien und Neurosen von Beschuldigten oder Zeugen ausnutzt – also beispielsweise Menschen mit einer Spinnenphobie in eine spinnwebverhangene Zelle steckt oder Menschen mit Waschzwang zu einer übel riechenden Person sperrt –, der kann sich über das Erreichte nicht freuen: Auch die auf diese Weise erlangte Beweise sind unverwertbar. Und wenn der Obdachlose einen Verteidiger hätte, müssten die Beamten auch den fürchten: Kein Mensch darf zum Instrument im Kampf gegen einen Beschuldigten degradiert werden.

Wenn der Zuschauer aufpasst, lernt er in wenigen Wochen: Tatort- Beamte sind oft nicht viel besser als die, die sie jagen. Sie handeln inhuman und gewalttätig, sie lügen, sie halten sich nicht an die Gesetze. Sie denunzieren das Recht als Behinderung der Polizeiarbeit und üben Selbstjustiz. Dabei wird das Publikum durch die Erzählweise gezwungen, die Perspektive solcher Ermittler einzunehmen und deren Verachtung für den Rechtsstaat zu teilen.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Im Münchner Tatort vom 26. Februar zum Beispiel (Der traurige König) gab es nur wenige, vernachlässigbare Fehler. Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) erschießt einen Mann, der ihn im Halbdunkel mit einer Pistolenattrappe bedroht, in Putativnotwehr – das heißt, der Schütze glaubt sich in Lebensgefahr, auch wenn er es objektiv nicht ist. Daraufhin wird Leitmayr selbst Gegenstand interner Ermittlungen und gerät unter Druck. Ein spannender und gut erzählter Plot aus dem Alltag der Polizei: Wann darf ein Beamter zur Waffe greifen? Welche Folgen hat das für ihn? Wie sieht die Arbeit jener Abteilung aus, die hausintern gegen Kollegen vorgeht und von diesen oft genug als "Genickschussabteilung" empfunden wird? Vielleicht verlaufen die Ermittlungen, die sich nun gegen den Hauptkommissar Leitmayr entfalten, ein bisschen sehr grimmig – besonders für bayerische Verhältnisse. Und natürlich ist es wieder einmal der Rechtsstaat, der seinen Kriminalisten Probleme bereitet und sie diesmal zwingt, sich für tödliche Schüsse zu rechtfertigen. Trotzdem – ein beeindruckender Tatort. Gerade deshalb, weil er zeigt, wie sogar der gerechtfertigte tödliche Schuss dem Beamten zu schaffen macht. 

Zum Besten, was ich früher am Sonntagabend gesehen habe, gehört jener Polizeiruf, der am 18. Juli 2006 unter dem Titel Er sollte tot ausgestrahlt wurde. Er spielt in Erding bei München. In der Hauptrolle Edgar Selge als einarmiger Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber, der fast die ganze Sendung hindurch eine junge Mörderin (überragend dargestellt von Rosalie Thomass) vernimmt. Regie führte Dominik Graf . In diesem Krimi verhalten sich die Kommissare wie korrekte Beamte: Am Tatort tragen sie Schutzkleidung, sie dokumentieren die Vernehmung wörtlich mithilfe einer Schreibkraft, die Beschuldigte bekommt einen Verteidiger. Und das Beste ist: Obwohl – oder gerade weil – sich der Hauptkommissar an alle Vorschriften hält, löst er den Fall!

Auch der ist echt. Er ereignete sich 1986, nicht in Bayern , sondern im schleswig-holsteinischen Itzehoe. Eine junge Frau hatte reihenweise ältere Herren um ihr Geld gebracht und schließlich einen von ihnen mithilfe eines Komplizen ermordet. Ihr Motiv entfaltet sich in der Verfilmung des Falls in langen – von geschickten Rückblenden unterbrochenen – Gesprächen mit dem Vernehmungsbeamten Tauber. Und der Zuschauer merkt gleich: Diese Dialoge hat es wirklich gegeben. "Er sollte tot", begründet die Mörderin ihre Tat. Welcher Autor kommt auf so einen Satz? Die Tragödie, die Dramaturgie eines alltäglichen Tötungsdelikts schlägt alles, was ein Dichter erfinden kann.

Die Vernehmung verläuft freundlich, das Mädchen darf rauchen und bekommt Kaffee. Der Beamte nimmt sich Zeit: "Biste bereit, uns heute ein bisschen was zu erzählen?" Niemand brüllt, redet auf sie ein, macht ihr Vorwürfe oder schlägt zu. Man duzt sich, wie das bei vielen echten Verhören der Fall ist. So wächst langsam das Vertrauen, das ein Täter für sein Geständnis braucht.

Aus diesem sanften Duell entwickelt sich eine atemberaubende Spannung. Ein guter Kriminalfilm benötigt keine sadistischen Serientäter, keine aufgeschlitzten Bäuche, keine okkulten Mordmotive, keine Blutbäder und keine schönen Frauen – nur einen glaubhaften Fall und überragende Schauspieler. Von denen hätte der Tatort genug.

Er sollte tot bildet ein Verbrechen ab, das in Deutschland tatsächlich geschehen ist. Und der Zuschauer hat bis zum Abspann erfahren, wie entsetzlich es ist, wenn ein Mensch getötet wird. Wie ausweglos manches Leben auf die Katastrophe zuläuft, zum Mörder zu werden. Und wie human und trotzdem packend richtige Polizeiarbeit sein kann.

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Leserkommentare
    • yzzuf
    • 22. März 2012 10:19 Uhr

    Wer noch denken kann und sein Hirn besitzt schaut keinen Tatort - danke an die ZEIT für diesen erhellenden Auftrag an Frau Rückert.

    Bitte achten Sie auf Ihren Ausdruck. Danke, die Redaktion/se

    2 Leserempfehlungen
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    "Wer noch denken kann und sein Hirn besitzt schaut keinen Tatort - danke an die ZEIT für diesen erhellenden Auftrag an Frau Rückert."

    Das sind genau die Sorte Menschen, die ich für arrogant halte. . Getreu dem Motto "Wer nicht so ist wie ich und wer nicht meinen Geschmack hat, der ist entweder blöd, hirntot oder gleich ganz tot!"

    Zählen Sie also auch zu den Menschen, die am liebsten alle und alles gleichgeschaltet haben wollen? Stellen Sie sich vor, ich schaue gerne Tatort. Wollen Sie mir das etwa verbieten?

    Ich fand den Artikel sehr interessant, aber am Ende juckt es mich nicht die Bohne. Fernsehen soll mich unterhalten und da darf es dramaturgisch gerne auch mal unwahrheitsgetreu zugehen.

  1. ...
    http://www.nzz.ch/nachric...
    findet sich eine Art Entsprechnung von 2009 ...
    Im übrigen ist der Artikel voll zu unterschreiben: Was einem heutzutage als "Tatort" bzw. "Polizeiruf" geboten wird, ist schlichtweg eine Zumutung (man denke nur an Nuschel-Tukur als hirntumorkranken Außendienstler mit Partialausfällen ... oder die hier auch als abschreckendes Beispiel erwähnte Simone "Botoxlippe" Thomalla ...). Das einzige, was vom Unte3rhaltungswert noch halbwegs geht ist in den letzten Zügen liegende Hallesche Duo aus Miss Marple ("Herbert Schmücke") und Mr. Stringer ("Herbert Schneider"), neuerdings von einer Art Pflegeschwester komplementiert) und der Pathologie-Slapstick aus Münster ... Ansonsten muß man wohl auf die "Dritten", arte, 3Sat und ZDFneo und die dort gezeigten skandinavischen und britischen Krimis ausweichen.

  2. Es ist wirklich überfällig!

    Der NZZ-Artikel ist drei Jahre alt, geändert hat sich nichts!

    MfG

    • defcon
    • 22. März 2012 16:13 Uhr

    Der Artikel ist informativ, die Kritik ist berechtigt.

    Zwei Fehler sind mir jedoch aufgefallen:

    -SEK steht für Spezialeinsatzkommando, den Begriff Sondereinsatzkommando gibt es nicht.

    -Im Tatort "Der traurige König" bestand für Leitmayr keine Putativgefahr (Scheingefahr). Bei einer Putativgefahr ist es objektiv ersichtlich, dass keine Gefahr besteht.
    Eine Spielzeugwaffe lässt sich im Halbdunkeln jedoch nicht von einer echten unterscheiden, d.h. es lag eine Anscheinsgefahr vor, die einen Schusswaffengebrauch durchaus rechtfertigt.

    6 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/sc

    • Zol
    • 26. März 2012 21:27 Uhr

    Das ist ein Missverständnis Deinerseits. Es geht an der Stelle im Artikel um Strafrecht, nicht um Polizeirecht. Putativnotwehr führt bei Vorliegen erstmal zu einer Entschuldigung für eine vorsätzliche Tat. Ob ein Fahrlässigkeitsdelikt vorliegt, ist dann gesondert zu prüfen, wäre in diesem Fall aber wohl zu verneinen.

    Letztlich ist es besser, von einem Erlaubnistatestandsirrtum auf der strafrechtlichen sowie einer Anscheinsgefahr auf der polizeirechtlichen Seite zu reden, das ist eindeutiger.

  3. 5. Tatort

    Polizeiliche Wirklichkeit und spannende Unterhaltung - geht das zusammen? Als Tatortkonsumentin, früher oft, heute selten, erlebe ich einen deutlichen Realitätsverlust in den Inszenierungen: Verhörmethoden, wie ich sie mir in Weißrussland vorstelle; konstruierte Geschichten, wie sie vertrackter nicht sein können; Hauptdarsteller, die entweder bierernst ( Thomalla ), als H und M Model ( Furtwängler ) oder als Karikaturen ihrer Rollen ( Liefers und Prahl ) auftretend gerne mal was Illegales in ihren Ermittlungen tun und manchmal Regisseure, die sich nach dem Ende ihrer Ausbildung an der Filmhochschule offenbar ein Denkmal setzen möchten. Hat durchaus einen Unterhaltungswert, so ein Tatort, aber nur ganz selten für mich ein an der bundesdeutschen Wirklichkeit orientiertes schlüssiges Gesamtkonzept.

    Eine Leserempfehlung
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    • joG
    • 25. März 2012 19:18 Uhr

    ....gehen: "Verhörmethoden, wie ich sie mir in Weißrussland vorstelle". Aber Sie haben recht, dass die Komissare das Gesetz sehr oft brechen und dies als normal bzw erlaubbar behandelt wird.

    • e.m.s.
    • 22. März 2012 23:32 Uhr

    und das ist gut so.

    Im Übrigen, Frau Rückert, sei mir die Frage erlaubt, was diese meiner Auffassung nach Lästerei über die Rolle der Lena Odenthal soll? Oder Kopper, der Traum einer Emanze? Also bitte, nicht jede Frau steht auf Machos und Chauvis. Und Lena Odenthal wäre "der Kerl" im Film? Was haben Sie denn für ein Rollenbild? Empfehle Ihnen sich einmal über skythische Kriegerinnen oder Kriegerinnen im antiken Kambodscha schlau zu machen. Frau sein ist schon etwas mehr bzw. sollte es sein, als hübsch gestyltes hilfloses "Weibchen".

    MfG
    ein bekennender Fan von Lena Odenthal und Kopper.

    4 Leserempfehlungen
  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/sc

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Inhaltliche Fehler"
    • field
    • 24. März 2012 20:33 Uhr

    Der Artikel präsentiert nicht nur eine Meinung, er analysiert und argumentiert auf der Basis von Fachkenntnis.
    Eine Offenbarung, ich fühle mich nicht mehr allein in meiner Einschätzung dieser Tatort-Krimis.

    Das fehlt mir in der ZEIT: Hinweise auf g u t e Krimis, Thriller etc. im V o r a u s ! Viel gibt es in der ZEIT
    über die "hohe Kunst" (Bayreuth, Salzburg, etc.), aber dort
    schaut im Vergleich zum Fernsehen "fast niemand" zu.

    Bitte um Info nicht nur über Kunst, sondern auch für das, was die Leute tatsächlich konsumieren: TV-Krimis, Thriller..

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 25. März 2012 19:21 Uhr

    .... g u t e Krimis"

    The Wire.

    Endlich findet sich einmal jemand, der die ewig wiederkehrenden Klischees, kriminalistischen und strafprozessualen sowie Logikfehler in den deutschen Fernsehkrimis bespricht. Es ließen sich noch eine ganze Menge anderer Fehler aufzeigen. Es ist den Drehbuchschreibern – die offensichtlich alle voneinander abschreiben und ihr Weltbild aus anderen Fernsehkrimis beziehen - z.B. nicht auszutreiben, daß Staatsanwälte Dienstvorgesetzte der Kriminalbeamten seien. Die Polizei hat zwar die fallbezogenen Verfügungen des ermittelnden Staatsanwalts auszuführen und zum Beispiel Vernehmungen von Zeugen oder Beschuldigten oder andere Ermittlungshandlungen durchzuführen. Früher wurden die Polizeibeamten vom Gesetzgeber als Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft bezeichnet, heute als deren Ermittlungspersonen. Trotzdem hat der Staatsanwalt keinerlei dienstrechtliche Befugnisse gegenüber den Polizisten. Er ist nicht ihr Vorgesetzter bzw. Dienstherr. Dies sind die in der Hierarchie der Polizei übergeordneten Personen. Die Staatsanwaltschaft untersteht übrigens dem Justizministerium, die Polizei dem Innenministerium. Ein Staatsanwalt entscheidet also nicht über Urlaub, Beförderung, Versetzung oder Disziplinarmaßnahmen betreffend Polizeibeamte. Sowohl Staatsanwalt als auch Polizei haben in aller Regel eigene Dienstgebäude, der Staatsanwalt lungert also nicht ständig auf den Fluren der Polizei herum (wie z.B. Staatsanwalt Prinz beim Kölner Tatort) und gibt dort „Befehle“.

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